Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Kleine weisse Friedenstaube…

Gestern Nachmittag haben wir mit den Hortkindern Friedenstauben für unser grosses Fenster zur Strasse hin gebastelt.

Es war mir eine Herzensangelegenheit, und die beste Chefin konnte sich dazu durchringen, es unpolitisch genug zu finden.

Kinder sind offiziell aus allem herauszuhalten, niemandem darf auf die Füsse getreten werden – und das könnte ja schliesslich passieren, wenn man eine Spendenaktion startete, wenn man eine ukrainische Flagge malte, wenn man die Schulkinder einer ganzen Schule zu einem Peace-Zeichen auf dem Sportplatz aufstellte, wenn man öfter als nur einmal am Montagmorgen nach den Ferien über den Krieg redete. Das russische Konsulat neben unserem Spielplatz wird neuerdings rund um die Uhr von Polizei bewacht, und wenn die Kinder fragen, warum die da sind, dann sage ich ihnen: „Es gibt jetzt viele Menschen, die wütend auf Russland sind, und die kommen dann vielleicht her und schmeissen Steine oder tun irgendwas ähnliches, was auch nicht in Ordnung ist, denn die Leute, die da arbeiten, können ja auch nichts für den Krieg“, aber die beste Chefin sagt ihnen: „Die gehen stehen da Streife.“

Und dann kommen die Eltern abholen und die beste Chefin erklärt vorsichtig, wir hätten heute Vögel gebastelt, Friedenstauben, aber man könne die natürlich auch als zurückkehrende Zugvögel sehen, wenn einem das lieber wäre, und dann sagt ein Vater: „Friedenstauben?! Da hättet ihr mal besser Panzer gebastelt!“, und alle hier schreien auf einmal laut nach Nato-Beitritt, und die Friedenstauben scheinen noch viel nötiger zu sein, als man sich vorstellen kann.


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neljäsataakaksikymmentä

Am Mittwoch war ich spät dran.

Ich habe die ganze Woche mit einer Erkältung rumgekrepelt, weswegen ich, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, nochmal ins Bett gekrochen war.

(Doppelt Geimpfte werden in Finnland nicht mehr getestet, wenn sie nicht nachweislich mit einem Coronainfizierten Kontakt hatten. Ich habe wenigstens einen Schnelltest zu Hause gemacht, bevor ich mich auf Arbeit zu fünfundzwanzig ungeimpften Kindern begeben habe. Aber wer sonst macht das schon? Auf eigene Kosten? Und nachdem die finnische Gesundheitsbehörde erst vor zwei Wochen in einer Pressekonferenz verkündet hat, Schnelltests taugen sowieso nichts? Schreien möchte man. Und sich und vor allem sein ungeimpftes Kind einigeln bis mindestens zum nächsten Sommer.)

Danach war ich ein bisschen langsam in die Gänge gekommen, und als ich dann endlich abfahrbereit war, warf sich der Ähämann noch Regenklamotten über und holte sein Fahrrad aus dem Schuppen, weil er gleich mitkommen und in der Stadt den Wocheneinkauf erledigen wollte.

Wir radelten wegen des wirklich ekligen Nieselregens schweigend und mit eingezogenen Köpfen nebeneinander her, und gerade, als ich gedacht hatte, dass es wirklich merkwürdig ist, dass ich schon seit über einem Monat keine 420 gesehen habe, da kam eine an uns vorbeigefahren. Ziemlich genau an der gleichen Stelle wie zweieinhalb Monate vorher das Wasserauto.

Dass ich ein bisschen später auf Arbeit kam, war gut so, denn mein Arbeitstag wurde noch lang. Nach Feierabend hatten die beste Chefin und ich noch ein Treffen mit dem Förderverein der Deutschklassen zwecks besserer Zusammenarbeit und gegenseitiger Werbung. Wir hatten einen Entwurf für einen Flyer dabei, den wir den Eltern der zukünftigen Sprachklässler*innen bei Gelegenheit in die Hand drücken möchten. Alle Anwesenden priesen die Idee und lächelten unbestimmt. Eine der Fördervereinsmütter schnappte sich den Zettel, hatte ihn in Nullkommanichts durchgelesen und sagte: „Ich hätte drei Verbesserungsvorschläge, hier, hier und hier, und zwar das, das und das.“ Das war eine ehemalige Kollegin des Ähämanns.

Wenn ich eins aus meinem alten Job vermisse, dann ist es dieser Blick fürs Wesentliche und die durch jahrelanges Paperschreiben geschulte Art, das Wesentliche auch ausdrücken zu können, unter Naturwissenschaftler*innen. Insbesondere, da ich jetzt in einem Umfeld arbeite, in dem es, um nur mal ein Beispiel zu nennen, fünf Sitzungen und drei Monate braucht, um sich auf ein Modell dringend neu anzuschaffender Stühle zu einigen.

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kolmesataaseitsemänkymmentäseitsemän, kolmesataaseitsemänkymmentäkahdeksan

Oder: Was hier so los war in den zwei Wochen nach den Herbstferien.

Traditionell bekommt der kleine Herr Maus nach den Herbstferien seine neongelben Anzippdinger an den Ranzen – nach den Skiferien können sie dann wieder ab – und fast hätten wir uns dazu hinreissen lassen, den Herren Maus sonntagabend noch schnell Spikereifen auf die Räder zu machen. Wir entschieden uns dann dagegen, weil es nach den beiden kalten Nächten – die dann nicht mal so kalt waren wie vorhergesagt und demzufolge die Radwege auch nicht glatt – jetzt vermutlich wieder etliche Wochen dauern wird, bis man eventuell das nächste Mal Spikereifen brauchen wird.

Weil es immer noch keine richtige Frostnacht gegeben hat und nach Aila auch keinen richtigen Herbststurm mehr, sind noch ziemlich viele gelbe Blätter an den Bäumen, die normalerweise bei uns nach den Herbstferien – Herbstferien in Estland sind immer so eine Gnadenfrist – schon komplett kahl sind. Das tut gut, vor allem an den Tagen, an denen es unter der Wolkendecke erst gar nicht richtig hell wird und ich den ganzen Tag denke, ich hätte versehentlich die Sonnenbrille auf.

Letzten Montag fuhr ich auf dem Heimweg noch am Baumarkt vorbei, um einen mittelgrossen S-Haken zu kaufen. Die Haken waren komplett ausverkauft. Es ist ja jetzt die Zeit, wo alle wieder Laternen in die Bäume und vor ihre Haustüren hängen. (Der Ähämann hatte aber, das wusste ich nicht, noch einen zu Hause rumliegen, also hätte ich den unnötigen Umweg gar nicht machen müssen – ausser natürlich, um auf dem Weg vom Baumarkt nach Hause einer 377 zu begegnen.)

Auf Arbeit haben wir direkt nach den Herbstferien damit begonnen, die Erst- und Zweitklässler in getrennten Räumen zu betreuen. Darüber nachgedacht hatten wir schon länger, aber da sich in der Schule alle immer noch lockerlustig vermischen dürfen, hatten wir es noch aufgeschoben. Es macht keinen Spass – aber was muss, das muss, und lieber sind wir mit allem zwei Schritte voraus – siehe Maskentragen – als zwei Schritte hinterher.

Letzten Freitag überraschte mich der Ähämann nach der Arbeit neben meinem Fahrrad wartend mit Kaffee in der Thermoskanne, selbstgebackenen Waffeln und Schlagcreme, und wir setzten uns damit in den kleinen Park neben dem Fahrradständer. Mal wieder ausgehen wäre schön, aber wenn man hierzulande in fast keinem Restaurant und keinem Café mehr draussen sitzen kann, muss man sich eben so behelfen.

Seit der Zeitumstellung – die letzte, hatte man uns ja eigentlich versprochen, aber wer will sich im Moment mit solchen Lappalien befassen – ist es gefühlt noch dunkler geworden als in der Woche zuvor, denn jetzt stehen wir nicht nur im Stockfinstern auf, sondern ich komme auch erst im Stockfinstern wieder nach Hause. Ich bin so froh, dass ich jeden Mittag zwei Kilometer durchs Stadtzentrum wandern und jeden Nachmittag mindestens eine Stunde auf Spielplätzen herumstehen muss und wenigtens ein bisschen Tageslicht sehe! (Oder mir eben dabei die 378 über den Weg fährt.)

In der Schule der Herren Maus gab es diese Woche den ersten Coronafall. Leider gibt es offensichtlich grosse Unterschiede zwischen den Schulen – denn während es in der Schule des Fräulein Maus noch am gleichen Tag eine Pressemitteilung gab, alle Eltern per Wilma-Nachricht benachrichtigt wurden und alle Klassen am nächsten Tag für zwei Wochen auf Fernunterricht umstiegen, erfuhren wir diesmal eher nebenher und überhaupt erst mit vier Tagen Verzögerung davon, und für alle ausser die, die in Quarantäne müssen, läuft der Unterricht ganz normal weiter. Finde ich jetzt nicht ganz so lustig.

Am Donnerstag hatte sich übrigens die finnische Gesundheitsbehörde vorsichtig positiv geäussert, weil sich die Kurve der Neuinfektionen in den letzten zwei Wochen deutlich abgeflacht hatte. Aber wie alle Mütter wissen, die jemals laut ausgesprochen haben, dass ihr Kind jetzt durchschläft, kam es, wie es kommen musste: am Freitag wurde eine Rekordzahl an Neuinfektionen (sowohl in Turku als auch in ganz Finnland) innerhalb der letzten 24 Stunden verkündet.

Trotzdem sieht es in Finnland noch vergleichsweise gut aus.

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Zweisprachig vorlesen

Seit ich im Hort arbeite, lesen wir jeden Tag zweisprachig vor. Immer abwechselnd jeweils einen Abschnitt – oder manchmal auch nur ein, zwei Sätze – erst auf Deutsch, dann auf Finnisch.

Es ist aber gar nicht so einfach, passenden Lesestoff zu finden.

Nicht alle Kinderbücher gibt es natürlich in beiden Sprachen. Und selbst wenn, kann die Übersetzung noch völlig schlecht und ungeeignet sein. „Petterson und Findus“ ist auf Finnisch nicht halb so lustig wie auf Deutsch. „Latte Igel“ ist so frei übersetzt, dass ganze Abschnitte in einer anderen Reihenfolge oder ganz weggelassen sind. Von der „Kleinen Hexe“, die wir in einer ganz neuen, überarbeiteten Auflage besitzen, war in der Bibliothek auf Finnisch nur eine uralte Version aufzutreiben, in der in einem Kapitel wilde Neger und blutrünstige Chinesen vorkamen, was die Kollegin dann ohne Vorwarnung auf der Stelle irgendwie umimprovisieren musste. Und in der finnischen Version von „Mini muss in die Schule“ hat Mini am ersten Schultag statt einer Zuckertüte ein Proviantpaket dabei. Ein Proviantpaket! Wo sogar unsere finnischen Deutschklässler*innen eine Zuckertüte bekommen!

Nebenher muss es sich natürlich auch noch um für Erst- und Zweitklässler*innen geeigneten Lesestoff handeln. Und entweder muss ich das Buch auf Deutsch zu Hause haben und die Bibliothek das gleiche Buch auf Finnisch, oder die Bibliothek das Buch in beiden Sprachen. Alle zwei Jahre könnten wir die Bücher natürlich auch wieder von vorn lesen, aber ich will beim Vorlesen schliesslich auch ein bisschen Spass haben…!

Deswegen habe ich mich so gefreut, als ich zufällig über den Blog von Heidi Viherjuuri, einer in Köln lebenden finnischen Autorin, gestolpert bin – diese spiegelverkehrte Sicht auf die Dinge finde ich nämlich immer sehr spannend – und dann dort gesehen habe, dass sie nicht nur genau solche Kinderbücher schreibt, von denen wir mehr gebrauchen könnten für unsere Hortkinder, sondern dass es die sogar auch auf Deutsch gibt.

Und grossartig, wie unsere Bibliothek ist, brauchte es nur einen Online-Buchanschaffungsvorschlag, und schwupps, waren die ersten zwei Hilja-Bücher auf Deutsch – und das Weihnachtsbuch, das auf Deutsch gerade erst erschienen ist, kommt auch noch – für die Turkuer Bibliothek bestellt und für mich reserviert.

Vorgestern haben wir angefangen vorzulesen.

Und schon auf der zweiten Seite musste ich sehr lachen.

Tanja Küddelsmann hat das Buch übrigens so wunderbar fast wortwörtlich übersetzt, ohne dass die Sprache darunter leidet, wie man es sich für unsere Zwecke nur wünschen kann. Und das Allerbeste ist: es gibt einen Saunawichtel in der deutschen Fassung, keinen Saunaelf. Jetzt kann ich mich uneingeschränkt auf „Hilja und der Weihnachtszauber“ vorfreuen!


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Urlaub!

Mit einer Woche Verspätung habe ich jetzt auch Sommerferien.

Die vergangene Arbeitswoche war allerdings sehr befriedigend: wir haben tonnenweise Bücher ausgemistet, Bürosedimente von Jahrzehnten geordnet und alte, abgeschrabbelte Kindergartengarderoben in hübsche, weisse Garderobenfächer für die neuen Hortkinder verwandelt.

Am Ende der Ferien müssen wir nur noch unsere Schränke wieder einräumen und darauf warten, dass die Hortkinder die Räume mit neuem Leben erfüllen. Ich freu‘ mich jetzt schon auf Mitte August. (Aber erstmal sehr viel mehr auf die nächsten acht Wochen, die ich gemeinsam mit den Kindern komplett freihabe.)

Diese Sommerabende mit dem wunderbaren Licht, wegen denen ich immer ein bisschen wehmütig bin, wenn wir im Sommer „nach Europa“ fahren – weil man eigentlich keinen einzigen davon verpassen möchte – versöhnen mich übrigens gerade sehr damit, dass wir dieses Jahr hierbleiben werden.


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Sommerferien minus 1

Finnland hat 6776 bestätigte Coronafälle.

Er kam dann doch sehr plötzlich, der letzte Schultag.

Nicht, dass wir vorher nichts gemacht hätten, aber irgendwie ist es schon sehr komisch, nach nur zweieinhalb Wochen Schulen die Sommerferien zu beginnen.

Immerhin das Wetter stimmte.

Die beste Chefin und ich waren ein bisschen wehmütig. Weil wir keines der Hortkinder umarmen konnten. Und weil wir uns vom Grossteil der Zweitklässler, die ja nach den Sommerferien grosse Drittklässler, die keine Nachmittagsbetreuung mehr brauchen, sein werden, nicht einmal verabschieden konnten. Zwei Jahre sind eine lange Zeit, und diese kleinen Schulanfänger wachsen einem ans Herz, während sie zu grossen, selbstständigen Fast-Drittklässlern werden.

Im Laufe des Nachmittags trafen rührselige Wilma-Nachrichten von den Klassenlehrerinnen der Mäusekinder ein, mit Rückblicken auf dieses seltsame Schuljahr.

Um vier war das letzte Kind abgeholt, wir packten die letzten Spielzeugkisten und die Taschen mit Bällen und Springseilen in unsere Autos und fuhren sie nach zwei Jahren zurück in unsere alten Horträume. Uff.


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Sommerferien minus 3

Oder: kolmesataakuusikymmentäkahdeksan

Finnland hat 6692 bestätigte Coronafälle.

Weil für unseren Geschmack unsere Vorstellung von Abstandsregeln der Schulhof der Grundschule heute viel zu voll war, als die ersten Hortkinder aus der Schule kamen, zogen wir um auf den Hof der gegenüberliegenden Oberschule, wo wir bis vor kurzem unseren Hortraum hatten.

Wenn die Schule wegen des Schimmelproblems jetzt endlich abgerissen würde, wäre das kein Verlust. Im Gegenteil. Es ist so ungefähr die hässlichste und heruntergekommenste Schule der Stadt.

Aber sie hat ganz sicher den allerschönsten Schulhof.

Es dauerte keine halbe Minute, bis sich alle auf Felsen verteilt hatten und die ersten Kinder Äste schleppten.

Wir holten auch die Kiste mit dem Vesper dorthin, und dann kam endlich doch so ein bisschen Kurz-vor-den-Sommerferien-Gefühl auf.

(Auf dem Heimweg überholte mich die 368.)

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367]


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Sommerferien minus 15

Finnland hat 6228 bestätigte Coronafälle.

Die Eisheiligen haben uns fest im Griff. Als ich früh das Rollo hochzog, fielen dicke, weisse Flocken vom Himmel. Der Garten war schon mit einer dünnen weissen Decke überzogen. Später kam die Sonne raus, aber wesentlich wärmer wurde es nicht.

Mein Arbeitsoutfit besteht derzeit also wieder aus Winterschuhen, Thermoleggins, Wollkniestrümpfen, Anorak, Mütze und Handschuhen. Und Handdesinfektionsflasche natürlich.

Mit nur zehn Kindern im Hort ging das alles prima. Und die Zeit vergeht irgendwie viel schneller, seit wir nur draussen sind und uns der Rhythmus von reinkommen und rausgehen fehlt. Ausserdem fehlte das Freitagsgefühl. Ich habe acht von zehn Kindern mit „Bis morgen!“ statt „Schönes Wochenende!“ verabschiedet, als ich ihnen die letzte Portion Käsidesi des Tages auf die Handflächen pumpte.

Das Fräulein Maus hatte vormittags den letzten Mathetest des Schuljahres. Er fand für alle elektronisch statt; für die, die in der Schule waren, genauso wie für die, die bis zu den Sommerferien nicht mehr in die Schule zurückkehren werden.

Am Ende des Tages gab es übrigens die aktuellen Zahlen, wieviele Kinder tatsächlich nicht zum Präsenzunterricht erschienen sind: je nach Stadt und Region zwischen 5 und 25%. Das ist, vor allem angesichts des Drucks, der vorher gemacht wurde, doch recht viel. (In die Turkuer Kindergärten zum Beispiel kehrten sogar nur 55% der Kindergartenkinder zurück, obwohl es auch da seit Donnerstag keine Empfehlung mehr gibt, sein Kind zu Hause zu lassen.)

Ich bin immer noch der Meinung, man hätte das alles gestaffelter ablaufen lassen können, statt alle Kinder von 0 bis 16 auf einmal zurück in Kindergarten und Schule zu schicken. Aber gerechter und für alle sinnvoller als das deutsche „dritte Klassen montags und mittwochs 8 bis 10, sechste Klassen dienstags 12 bis 15 und achte Klassen jede zweite Woche von 10 bis 14“ finde ich es mittlerweile schon. Allerdings hätte man hier auch einfach bei Fernunterricht bleiben können, so prima wie der lief. (Was inzwischen auch durch Umfrageergebnisse unter Viert- bis Zwölftklässlern untermauert und nicht mehr nur meine subjektive Wahrnehmung ist.) Egal. Wir sind die nächsten drei Monate raus.

Abends hatte der kleine Herr Maus zum ersten Mal seit neun Wochen wieder sowas wie normales Training. Nur einfaches Fitnesstraining im Freien, aber immerhin gemeinsam: in Kleingruppen von neun Kindern und einer Trainerin. Die städtischen Schwimmhallen sind noch mindestens bis Juni geschlossen, aber des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmverein hat jetzt Zeiten in Turkus kleinster Schwimmhalle reserviert, da wird er jetzt einmal in der Woche für eine Stunde mit seiner Kleingruppe endlich wieder schwimmen können.

Der abendliche Blick in die Nachrichten ist erfreulich: Finnland scheint erneut seine Coronastrategie geändert zu haben; selbst die Gesundheitsbehörde, die vor zwei Wochen noch der Meinung war, der Epidemieverlauf in Finnland sei bisher zu langsam gewesen, hält es jetzt doch für machbar, die Infektionszahlen auf nahezu Null zu drücken. Mal sehen, wie es zu Sommerferienbeginn nach zwei Wochen Schule aussieht.


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Sommerferien minus 16

Finnland hat 6154 bestätigte Coronafälle.

Der Wecker klingelte heute eine halbe Stunde eher als in den letzten acht Wochen. Der grosse Herr Maus musste um acht in der Schule sein. Fröhlich radelte er von dannen.

Das Fräulein Maus stand auf wie immer, hatte dann aber nicht viel zu tun, weil die Hausaufgaben für den Tag immer erst nach der jeweiligen Unterrichtsstunde ins Wilma kommen. Ausserdem hatte sie die ersten zwei Stunden Handarbeiten, und ihr Handarbeitsprojekt für dieses Halbjahr ist abgeschlossen. Sie fand es gewöhnungsbedürftig, dass sie um acht nicht vorm Laptop sitzen musste. Stattdessen war schon vormittags Zeit zum Harfeüben. Auch nicht schlecht.

Der kleine Herr Maus wachte aussergewöhnlich zeitig auf und fing sofort nach dem Frühstück an mit Arbeiten. Seine Lehrerin schickt weiterhin Tagespläne wie in den letzten acht Wochen. Der Unterschied ist, dass der kleine Herr Maus jetzt nach seinem eigenen Zeitplan arbeiten darf. Wie erwartet war er nach einer Stunde fertig: zu einem Zeitpunkt – weil er heute eine halbe Stunde früher angefangen hatte als sonst – zu dem die anderen, wie er vermutete, gerade erstmal bis zur Belehrung über die Schul-Coronaregeln vorgedrungen waren und noch gar nicht mit Unterricht angefangen hatte. Dann spielte er ein bisschen Klavier und entwarf und baute die nächsten anderthalb Stunden etwas Tatu-und-Patu-Mässiges aus Lego Duplo.

Dann musste ich auf Arbeit. Am Flussufer sassen die Leute in der Sonne, aber brav an verschiedenen Enden der Bänke. Am Kaffeefahrrad hatte sich eine kleine Schlange mit grossen Lücken gebildet. Zwei ältere Frauen unterhielten sich mit Stoffmaske vorm Mund.

Im Hort lief alles nach Plan. Das mag aber hauptsächlich daran gelegen haben, dass wir gerade mal dreizehn Kinder hatten. (Was ich so von der Schule gesehen habe, fand ich weniger überzeugend. In Zweierreihe, dem Vordermann jeweils fast in die Ferse tretend, wand sich zum Beispiel eine Klasse aus dem Speisesaal durchs enge Treppenhaus zu ihrem Klassenzimmer. Hm.) Die beste Chefin hatte sich lauter Spiele ausgedacht, die man mit Abstand spielen kann. Ich rannte den Kindern mit der Handdesinfektionsflasche hinterher. Der Zivi putzte den ganzen Nachmittag Bälle, Springseile und Reifen, bevor sie den Benutzer wechselten. Wir verbrachten keine Minute drin, sondern assen sogar draussen. Die Kinder sassen mit ihrer Pirogge und ihrem Pillimehu wie die Hühner auf der Stange – aber mit viel grösseren, gleichmässigen Abständen – auf dem Mäuerchen in der Mitte des Schulhofs. Und alle gingen viel früher als sonst nach Hause.

Noch bevor ich heimkam, waren die Medien voll von Berichten über tausende glückliche Schüler*innen, die endlich wieder in die Schule durften. Ich war gespannt, was der grosse Herr Maus zu berichten haben würde.

Nun. Als ich heimkam, teilte mir der grosse Herr Maus als erstes mit, er fühle sich krank – und er sah auch wirklich ganz schlecht aus; er war offensichtlich völlig unter Stress und in Panik – und er gehe morgen nicht wieder in die Schule, weil ausser ihm keiner auf Abstandsregeln achte, da könne er soviel er wolle versuchen, den anderen aus dem Weg zu gehen. Ach, Kind.

Der Tag endete mit dem Stellen eines dritten Antrags auf Freistellung von der Schule bis zu den Sommerferien. Er wurde umgehend genehmigt.