Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Und sonst so?

Seit zwei Wochen (!) haben wir in Turku – der letzte ist ja auch schon zwei Jahre her – Grossküchenstreik. Der Ähämann kocht seit zwei Wochen riesige Berge an Essen, die wir morgens in drei Thermosbehälter füllen, weil es kein Schulessen gibt. (Die Schulen bieten ein Notessen an, das aus in Plastik verpackten Sandwiches, in Plastik verpacktem Salat, Pillimehu und einzeln in Plastik verpackten Keksen besteht, dazu gibt es Pappteller und Plastikgabeln. Passenderweise gehört auch das Putzpersonal zum Grossküchenunternehmen, und es kann sich folglich nur noch um ein, zwei Tage handeln, bis sämtliche Schulen der Stadt unter einem Plastikberg versunken sind.) Die Kinder wünschen sich, dass der Streik nie aufhört.

Seit einer Woche haben wir sowas wie Winter. Es ist kalt, um die -10°C, und es ist, anders als normalerweise in Turku, keine Änderung in Sicht. Leider machen die Schneewolken einen grossen Bogen um Südwestfinnland. Das bisschen Weiss, das auf dem Boden liegt, sind Raureif und gefrorene Luftfeuchtigkeit, die glitzernd vom Himmel fällt. Um die Stimmung zu heben, machen die Wetterfritzenmattis immer mal ein Schneesymbol in die Wettervorhersage, aber wenn man sich das dann genauer anguckt, steht da immer, dass die Niederschlagswahrscheinlichkeit kleiner als 10% sein wird und die Niederschlagsmenge 0,1 mm, und als jemand, der grundsätzlich in der Lage ist, Zahlen zu deuten, kommt man sich dann schon auch ein bisschen verarscht vor. Immerhin gibt es Eis. Am Wochenende konnten wir das erste Mal von Eisbaden sprechen, denn in Ufernähe hatten sich die ersten Eisschollen gebildet, und die Herren Maus brauchten die ganz dringend gewünschten und noch auf dem Weg besorgten Neoprenhandschuhe weniger zum Schwimmen als zum Eisschollen-aus-dem-Meer-angeln.

(Wir fuhren trotz der -7°C mit dem Fahrrad hin, und ich war zum ersten Mal in diesem Herbst dabei weder zu dick noch zu dünn angezogen und auch noch wohlig warm, als wir wieder zu Hause ankamen.)

Der Fluss, auf dem vorgestern noch nur winzige Flecken von Eishäutchen Richtung Meer trieben, hat seit gestern eine geschlossene Eisdecke. Leider ist weit und breit kein Wasserauto in Sicht, das die Turkuer Sportplätze vereisen würde, obwohl jetzt der vermutlich passendste Zeitpunkt dafür wäre. Sportplätze vereisen ist aber erst ab Ende der Weihnachtsferien vorgesehen, wenn es dann in Turku vermutlich wieder tauen wird. Diese Unflexibilät hat mich schon im Kindergarten – „Nächsten Donnerstag gehen wir auf den Rodelberg!“ Warum nicht morgen?! – unsäglich genervt. Wir sind hier in Turku! Nicht in Lappland oder Sibirien, wo man sich drauf verlassen kann, dass der Winter noch fünf Monate anhält! Hier muss man die Gelegenheiten beim Schopfe packen, solange sie sich bieten. Tja. Vielleicht können wir am Wochenende ja schon auf dem See schlittschuhlaufen. Falls wir irgendwo Eisahlen für die Kinder erstehen können. Eisahlen kommen nämlich auch erst im Januar in die Läden.


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Novemberradtour

Man muss nehmen hierzulande im November, was man kriegen kann an tiefstehender Sonne. Da passte es gut, dass sich der kleine Herr Maus schon vor zwei Wochen gewünscht hatte, mit dem Rad in die Eisbadesauna auf der nächsten Insel zu fahren. Und dass einer von zwei Sonnentagen der Woche auf einen Samstag fiel.

Da wir am genau entgegengesetzten Ende der Stadt wohnen, ist das kein schneller „Wir fahren mit dem Rad in die Sauna“-Ausflug, sondern eher eine „Radtour mit Saunabesuch“, 19 km einfache Strecke. Bis auf die zwei, drei Kilometer, die man braucht, um das Hafengelände zu umfahren – weil ausserhalb des Sommers der Wasserbus nicht fährt – ist der Weg allerdings ausgesprochen schön: erst bis zur Burg immer am Fluss entlang, und dann auf einem extrem glatten, extrem schön angelegten Radweg über Wiesen und durch Eichenwälder – schwer vorstellbar, dass die gerade noch grün und voller Maiglöckchen waren – das Meer immer in Sichtweite, bis zur äussersten Spitze der Insel. Und was die 82-jährige Ritva, die unsere Kinder sozusagen in der Eisbadesauna hat aufwachsen sehen und die neuerdings nicht mehr mit dem Auto, sondern mit ihrem E-Bike in die Sauna kommt, kann, das werden wir ja wohl auch hinkriegen!

Unterwegs kamen wir an mehreren Tankstellen vorbei, und spätestens angesichts der aktuellen Benzinpreise fragt man sich ja, warum nicht mehr Leute ihr Auto einfach mal stehen lassen. (Oder wieviel der Liter Benzin noch kosten muss, damit die Leute endlich aufhören, innerhalb der Stadt täglich mit dem Auto auf Arbeit oder ihre Kinder in die Schule zu fahren.)

Als wir wieder heimkamen, hatten die beiden Grossen, die nicht hatten mitkommen wollen, gemeinsam die ganze Wohnung blitzblank geputzt. Sagte ich schon, dass grosse Kinder toll sind?!


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Nachdem gestern Nachmittag das Fräulein Maus eine Orchesterprobe hinter sich gebracht hatte, der grosse Herr Maus von einer zweitägigen Wanderung zurückgekehrt war und der kleine Herr Maus sich von einem ausgedehnten Tobsuchtsanfall erholt hatte, beschlossen wir, doch schnell noch in unsere kürzlich wiederentdeckte September-Eisbadesauna zu fahren, und zwar angesichts der Umstände mit dem Auto statt mit dem Rad. Was gut war, denn bis wir uns mit den fünf Fahrrädern in Bewegung gesetzt hätten, wäre die 417 längst über alle Berge gewesen. Andererseits mussten wir feststellen, dass wir mit dem Auto gar nicht so viel schneller sind als mit dem Fahrrad; und das ist ja durchaus mit den klimafreundlichen Alternativen generell so, dass die überraschend wenig mehr Aufwand / Zeit / Geld kosten als man vermuten würde. (Aber ach…!)

Die Sauna war überraschend voll. Es war bestes Badewetter. Luft 10°C, Wasser 11°C.

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neljäsataaviisitoista

Weil es am Freitag so schön war, und das Wetter am Sonntag – grau und feucht – laut „Sauna!“ rief, fuhren der Ähämann, die Herren Maus und ich gleich nochmal in die Sauna mit den Verbotsschildern.

Mit dem Rad sind es bis dahin von uns aus knapp 9 km, die eigentlich recht angenehm zu fahren wären, wenn der Radweg nicht 7 km davon an einer stark befahrenen Strasse entlangführen würde. Aber alles hat zwei Seiten, und die Chancen, eine 415 zu sehen, waren dadurch recht gut. Wir sahen dann auch gleich zwei: eine auf einem Parkplatz in einem Wohngebiet, in dem wir mal eine Wohnung angeboten bekommen hatten, die wir aber gar nicht erst besichtigen gingen, weil ich schon nicht gern entlang dieser Strasse radfahren, aber erst recht nicht wohnen möchte, und die andere kam uns einen Kilometer später entegegen.

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Freitagabend

Die Kinder waren Freitagabend zu einer Geburtstagsfeier in der nur für das Geburtstagskind und ihre Gäste reservierten kleinsten Schwimmhalle Turkus eingeladen. Sie freuten sich sehr, und ich mich mit ihnen: das Fräulein Maus war irgendwann vor einem knappen Jahr zum Schulsport das letzte Mal in der Schwimmhalle gewesen, der kleine Herr Maus vor knapp anderthalb Jahren, der grosse Herr Maus irgendwann vor Corona.

Weil grosse Kinder toll sind und die Herren Maus mit dem Fahrrad und das Fräulein Maus zusammen mit der Freundin aus dem Nachbarhaus mit dem Bus zur Schwimmhalle und zurück fuhren, und weil das Wetter nochmal fast sommerlich war und wir auch was Schönes machen wollten zum Freitagabend, fuhren der Ähämann und ich direkt von Arbeit bzw. vom Bahnhof – der Ähämann war seit anderthalb Jahren zum ersten Mal wieder im Büro arbeiten gewesen – in die Sauna mit den Verbotsschildern. Die ist nämlich, das ist uns irgendwie jetzt erst bewusst geworden, die einzige, die ganzjährig geöffnet hat. (Und die meine vom Arbeitgeber bezahlten Sport- und Kulturgutscheine als Zahlungsmittel akzeptiert. Und zu der man mal eben mit dem Fahrrad fahren kann.) Es war dann in der Abendsonne, die sogar noch ein bisschen wärmte, auch ausgesprochen schön.

Vielleicht habe ich mich dann ausgesöhnt mit dieser Sauna. Die Verbotsschilder kann ich ohne Brille sowieso nur verschwommen sehen.


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Ein Sonntag im September

Das hatte diesmal schon sehr viel von Eisbaden: Luft 14°C, Wasser 14°C. Und die Sauna haben wir auch 20°C heisser geheizt als im Sommer.

Eine Woche noch, dannn ist die Sommersaison in der Sauna am See zuende.

Vier Wochen noch, dann macht unsere Eisbadesauna auf. (Wenn sie aufmachen darf. *seufz*)

***

(Mal sehen, wie lange es diesmal dauert, bis Flickr das Saunafoto zensiert. Mit Badebekleidung am Strand ist offensichtlich in Ordnung, mit Badebekleidung in der Sauna nicht. Ach, Leute…!)


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Spätsommer, plötzlicher

Es liegt auf einmal schon so viel Herbst in der Luft.

Die Birken sind gelb. Das Getreide ist reif. Das Sonnenlicht ist so weich, dass ich manchmal schon meine Sonnenbrille einfach zu Hause lasse. Nach neun Wochen Hochsommer regnet es jetzt ab und zu mal. Und 20 Grad fühlen sich sehr kalt an, wenn man sich seit Anfang Juni an zehn Grad höhere Temperaturen gewöhnt hatte.

Ich bin noch nicht bereit für den Herbst. Obwohl ich weiss, dass ich es eigentlich bin: dass wir diesen Sommer so viel Wärme, Sonne, Meer- und Moorwasser auf der Haut getankt haben, dass es reichen müsste für den Winter. (Aber nur, wenn es ein Winter mit Schnee wird. Sonst sehe ich schwarz.)

Gestern fuhren wir in die Sauna am See. Obwohl es regnete. Weil es regnete. Wir hatten Mittagessen dabei und Kaffee und Kuchen. Als wir ankamen, war das Feuer im Saunaofen gerade am Verlöschen. Wir waren ganz allein da! Wir holten schnell eine Schubkarre voll Holz aus dem Schuppen, warfen ein paar Scheite auf, schöpften zwei Eimer Wasser aus dem See und begaben uns ohne Umschweife, obwohl wir im Auto alle noch Hunger gehabt hatten, in die Sauna. Und danach in den See, auf den der Regen Ringe warf, und dessen Wasser genau die richtige Temperatur hatte: noch warm genug, um bis zu den Seerosen zu schwimmen, aber schon wieder kalt genug, um sich nach der Sauna wirklich abzukühlen.

Wir assen erst, als doch noch drei oder vier andere Leute kamen.

Ich mochte auch das freibadähnliche Gewusel dort im Hochsommer. Die Horden freundlicher, zuvorkommender Jugendlicher, die sich gegenseitig ins Wasser schubsten und sich hinterher wie die Hühner auf der Stange auf den Saunabänken drängelten.

Aber wenn es am Ende des Sommers überall wieder stiller wird, das ist auch schön.

(Noch fünf Tage bis Schulbeginn.)


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Echt finnische Sommerferien

In unserer ersten Sommerferienwoche waren wir jeden Tag an einem anderen Strand.

Am See gibt es eine ganz und gar neue Sauna, am Sprungturmstrand gibt es einen neuen Sprungsturm, die Sauna neben der Sandgrube hat einen neuen Ofen bekommen und die Sauna ganz draussen wird gerade noch renoviert.

Die ganze Woche war es heiss und sonnig. Gebraucht hätten wir keine Sauna, aber mit Sauna ist es immer schöner als ohne Sauna.

Heute machte der Sommer eine Pause. Es war nicht kalt, aber regnete den ganzen Tag über mal mehr, mal weniger. Wenn kurz die Sonne rauskam, gab es öffentliche Sauna. Es roch nach feuchten Birkenblättern und wurde mit jeder Stunde grüner.

Wir fuhren in unsere Mittwochs- und Samstagssauna, denn Sauna bei Regen ist mindestens genauso schön wie Sauna bei Sonne.

Nach jedem Saunagang schwammen wir gemeinsam mit den drei Streithähnenschwänen vom letzten Jahr. Sie scheinen sich übrigens mit ihrer unglücklichen Dreierbeziehung abgefunden zu haben.


Ein Kommentar

Endlich!

Nach fast zehn Monaten waren wir am Montag wieder in einer öffentlichen Sauna mit natürlichem Gewässer.

In der Sauna am See, die, als wir das letzte Mal dort waren, den letzten Tag geöffnet war. Die neue Sauna ist schon seit Mitte Mai fertig, war aber wegen der Coronabeschränkungen noch bis Sonntag geschlossen.

(Sie war sogar so neu, dass der gerade angeheizte Saunaofen – es ist auch in der neuen Sauna wieder ein Holzofen! – noch qualmte und stank. Erst nach einer Stunde gab sich das, und dann roch das Fichtenholz der neuen Saunabänke ganz wunderbar.)

Der Ähämann hatte sein mobiles Homeoffice dabei und arbeitete mit Blick auf den See, die Kinder und ich wechselten unzählige Male zwischen Sauna und See hin und her. Nicht, dass die Sauna nötig gewesen wäre – es war so heiss, dass es am späten Nachmittag in der Ferne sogar ein bisschen blitzte und donnerte, und das Seewasser war geradezu lauwarm – aber ach, war das wunderbar…! Und wie sehr uns die Eisbadesauna gefehlt hatte den ganzen Winter über…!

Wir blieben bis abends um neun, als die Sonne den See und den Wald golden färbte. Das ist sowieso die schönste Tageszeit.

Passend zum Thema: Finnische Saunakultur steht seit Dezember 2020 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESO.