Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Und am Sonntag…

… gingen wir endlich anbaden.

„Ihr seid aber gewachsen…!“, wurden die Kinder begrüsst, und das ist nicht nur so eine Floskel, denn sie wachsen tatsächlich hauptsächlich im Sommer.

Und mir wurde so richtig bewusst, wie lange wir schon mit ihnen da hingehen, als ich den Neunjährigen da so sitzen sah auf der obersten Saunabank zwischen Ritva und Silja, die 70 Jahre älter sind als er und immer ein freundliches Wort für die Kinder haben und schon dabeiwaren, als er als Zweijähriger nach der Sauna zum ersten Mal seine Zehenspitzen ins gefrorene Meer tunkte.


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Wir haben übrigens alle auch schon ein sehr faules Wochenende hinter uns.

Es wird dunkler, und dass man das nicht nur sieht, sondern auch spürt, merkt man daran, dass wir abends alle freiwillig viel zeitiger als sonst ins Bett gehen – und am Sonnabend alle erst kurz vor elf (!) aufwachten. Wir frühstückten im Schlafanzug und verbrachten den Tag mit ein bisschen Herumräumen, Putzen, Urlaubsvorbereitungen und sehr viel Nichtstun. Das Fräulein Maus ging abends zum Training, und der kleine Herr Maus sägte und schraubte noch bis spätabends mit Stirnlampe an seiner Seifenkiste, und jetzt muss er dann erstmal einen Plan machen, woher er die gewünschten Pedalen bekommt und wie er sie befestigen will.

Am Sonntag, während der kleine Herr Maus über Mittag Schwimmtraining hatte, fuhren der Ähämann und ich eine Runde Einkäufe abarbeiten, die so schnell erledigt war, dass wir vor Trainingsende nochmal heimfahren konnten, dabei einer 356 begegneten, und der Ähämann schon mal anfangen konnte mit Kochen, während ich den kleinen Herrn Maus wieder aus der Schwimmhalle abholte. Den Rest des Tages verbrachten wir mit ein bisschen Wäschwaschen und viel Nichtstun. Das Fräulein Maus ging abends zum Training, und weil sie schon mit Muskelkater vom gestrigen Training losgegangen war, heizten wir für nach ihrem Training die Sauna an. Abendbrot gab’s fertig geschmiert zwischen den Saunagängen bei Kerzenlicht auf der Terrasse, und das könnte dann jetzt durchaus ein neues Sonntagabendritual werden. (Maus gucken wir dann montags.)

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Mit Elch und Igel in der Sauna

Hierzulande sauniert ja niemand in übermannsgrosse Tücher gehüllt, sondern nur mit einem kleinen Tüchelchen* unterm Allerwertesten. Oder mit einem langen Leintuch als Sitzunterlage für die ganze Familie.

Ich hab‘ neuerdings übrigens immer Herzchenaugen in unserer Sauna.

(Auch, weil die Rohstoffe dafür alle aus Europa kommen und es in Finnland designt und hergestellt wurde.)


*Das Wort dafür – pefletti, eine Kombination aus peffa und tabletti, also wortwörtlich Popounterlage – ist übrigens auch eines der vielen finnischen Wörter, die in unseren deutschen Wortschatz eingegangen sind.


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So tun als ob

„Morgen soll es ja nochmal warm werden“, sagte die Mutter der Freundin, als ich das Fräulein Maus Freitagabend zum Übernachten hinbrachte. „Vielleicht könnte man ja nochmal an einen Strand fahren.“

Naja. Warm ist anders. Aber wozu kennen wir Strände mit Sauna?!

Das Schilf war schon recht herbstlich braun. Ab und zu ging ein Regenschauer nieder. Aber der Herbststurm machte schöne Wellen, die Sonne wärmte immer noch ein bisschen und das Wasser war gerade noch warm genug.

Wir sieben Hanseln hatten übrigens lange Zeit die Sauna und den Strand ganz für uns allein. Ich weiss auch nicht, warum wir immer die Einzigen sind, die auch nach den Ferien noch Ausflüge machen…


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Die Sauna mit den Verbotsschildern

Ich habe ja schon immer bedauert, dass unsere Eisbadesauna nur von Oktober bis April aufhat. Es ist ja nicht jeder finnische Sommer so wunderbar wie der letzte, und dann ist so eine Sauna am Strand echt praktisch.

(Obwohl, Sauna am Strand ist eigentlich immer praktisch.)

Turkus zweite grosse Eisbadesauna hat auch im Sommer geöffnet, und – anders als unsere zwei minikleinen Lieblingsstrandsaunas – das auch fast jeden Tag. Und weil nun endlich wieder die Sonne scheint, die Luft aber nicht auf mehr als 21 Grad aufwärmt, weil die Rufe nach Baden und Strand immer lauter wurden, es aber eigentlich zum Baden zu kalt ist, gingen wir nach Jahren mal wieder hin, an den Strand und in die Sauna, die ich beide in nicht besonders guter Erinnerung hatte.

Es war eigentlich ganz schön. Aber die Kinder waren noch viel empörter als ich über die mindestens 25 Ver- und Gebotsschilder – Die Sauna ist kostenpflichtig! Nicht vom Steg springen! Keine Boote am Steg befestigen! Nicht dauernd Dampf aufwerfen! Immer die Augen offenhalten, ob jemand kein Eintrittsarmband hat und dann gleich dem Kiosk melden! Nicht mit Anziehsachen in die Sauna! Kein Feuer machen! – die wir rund um die Sauna fanden. Immerhin wussten sie gleich, wie sie den Tag in unserem Ferientagebuch illustrieren würden. Und dass sie da nicht nochmal hinwollen.


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Abschminktipp

Direkt von der Wettkampfhalle aus in die Eisbadesauna fahren.

Dann lösen sich nämlich das Makeup und der Leim, mit denen die künstlichen Wimpern und die Strasssteine auf die Haut geklebt sind, ganz von allein. Das halbe Kilo Haarklemmen – und das weiss ich sogar aus eigener Erfahrung, denn ich ging nach unserer standesamtlichen Trauung und dem Nachmittag, den wir mit unseren Freunden auf dem Sonnendeck eines Restaurantschiffes abgehangen hatten, wie jeden Freitagabend in die Mädchensauna im Studentendorf, wo wir damals wohnten – entfernt sich auch viel angenehmer, wenn man dabei wohlig in heissem Dampf sitzen kann.

Ausserdem hilft Sauna gegen Muskelkater, und frische Luft und Sonne tun nach so einem Tag in der Turnhalle auch gut.

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Diese Wettkampfschminkerei sehe ich übrigens nach anfänglichem Augenrollen sehr positiv, vor allem im Vergleich mit manchen Mädchen aus des Fräulein Maus‘ Klasse, die schon seit zwei Jahren jeden Tag geschminkt stümperhaft angemalt zur Schule kommen. Auf die Idee kämen die Turnmädchen nie, die haben ihre Blingblingmomente auch so. Und keiner hat wahrscheinlich das Schminken kunstvoller von der Pike auf gelernt als sie.

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Das Stirnband habe ich dem Fräulein Maus übrigens letztes Jahr ganz freiwillig mit den aus den letzten Jahren übriggebliebenen Strasssteinen verziert. Seit wir die Anzüge, nachdem ich jahrelang geklebt und geklebt und geklebt (180 Pailletten?! Ich muss gerade sehr lachen.) habe, nicht mehr selbst bekleben müssen, sondern bekleben lassen, war das sozusagen die Kür nach der Pflicht. (Okay, ich müsste mal ein bisschen nachbessern.)


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Urlaub, gemeinsamer

Ferien ohne eine Reise sind gar keine richtigen Ferien.

Wir hatten auch schon einen Plan. Aber dann hatte der grosse Herr Maus die Gelegenheit, mit den Pfadfindern für fünf Tage nach Nordkarelien zu fahren zum Skifahren, Eisangeln, im Schnee schlafen, und wer weiss, ob er jemals wieder so perfekte Skiferien haben würde! Wir liessen ihn also fahren und verzichteten auf unsere Reisepläne, und der Ähämann war gar nicht so traurig, weil er gerade mitten in einem schwierigen Projekt steckt und so ausserdem ein paar Urlaubstage sparen konnte.

Aber so gar nicht wegfahren?!

Am Ende hatten wir einen Plan, der für uns alle passte: sobald der grosse Herr Maus wieder da war, fuhren wir für zwei Tage in die Stadt, in der der Ähämann seit August arbeitet. Er konnte arbeiten, aber trotzdem seine Mittagspausen und die Abende mit uns verbringen. (Und er konnte auch mal einfach so auf Arbeit spazieren, statt zwei Stunden mit dem Fahrrad, dem Zug und zu Fuss unterwegs zu sein.)

Die Kinder und ich bestiegen also am Donnerstagmorgen einen Zug – und fuhren dem Ähämann, der zwei Stunden eher aufgebrochen war, hinterher. Frühstück gab’s erst im Zug, damit wir früh so lange wie möglich schlafen konnten. Zwei Stunden fuhren wir bei schönstem Märzwetter durch blauweisse Landschaft, und als wir da waren, waren wir uns einig, dass wir alle gern noch länger zuggefahren wären.

Ich fahre nicht nur gerne Zug, ich bin auch wirklich sehr, sehr gerne in Tampere.

Ich mag das viele Wasser – und die grosse Stromschnelle, die von Anfang an die Lebensader der Stadt gewesen ist – und auch die alten Industriebauten mitten in der Stadt sehr. Leider sind bis auf die beiden Wasserkraftwerke und eine PapierKartonfabrik keine davon mehr in Betrieb, sondern werden heutzutage als Museen, Veranstaltungsräume oder Einkaufszentren genutzt, aber Himmel, sind die trotzdem immer noch schön!

Als der Ähämann seinen Kollegen von unseren Reiseplänen erzählte, schlug ihm eine Kollegin, da wir ja mit Kindern unterwegs wären, allen Ernstes zwei Indoorspielplätze vor, die wir unbedingt besuchen müssten. Ich soll in einer Stadt, die voller Natur, Kultur und Sehenswürdigkeiten ist, in einen Indoorspielplatz gehen?! Der Ähämann und ich haben schon lange nicht mehr so heftig mit den Augen gerollt.

Tatsächlich bin ich ja auf die Idee mit dem Ausflug nach Tampere gekommen, als ich auf Instagram ein bisschen nach Bildern mit dem finnischen Hashtag für #eisbaden herumsuchte. Tampere hat neuerdings da, wo die Stromschnelle aufhört, mitten in der Stadt eine ganzjährig geöffnete Sauna. Da müssen wir hin, waren wir uns alle fünf einig.

Wir holten also den Ähämann von Arbeit ab, gingen mit ihm Mittagessen und danach gemeinsam in die Sauna, die wir zwei Stunden lang fast ganz für uns alleine hatten. Und zur Abwechslung badeten wir mal in goldenem Seewasser statt in grauem Meerwasser. So schön! Und erwähnte ich schon das Märzwetter?!

Leider sieht es mit Eisbahnen ja dieses Jahr überall ein bisschen schlecht aus, sonst hätten wir die Schlittschuhe mitgenommen, denn in einer Stadt mit so viel Wasser kann man auch (fast) mitten in der Stadt auf dem See eislaufen.

Fürs Museum war das Wetter fast ein bisschen zu schön.

Andererseits sind die finnischen Museen – mal vom ebenfalls in Tampere befindlichen Spionagemuseum abgesehen – alle viel zu schön, um nicht hinzugehen. Diesmal waren wir im Vapriikki, einem Komplex mit neun verschiedenen Museen sowie zusätzlichen wechselnden Ausstellungen unter einem Dach. Zum Glück hatten wir gut gefrühstückt, so hielten wir es immerhin drei Stunden dort aus, bis uns allen der Magen knurrte. Tage könnte man da zubringen!

Ihr Ururopa war tatsächlich stolzer Besitzer und Fahrer eines solchen Dings!

„Mama, was muss man denn da machen?“
(Ich bin Ich-kann-ein-Wählscheibentelefon-bedienen-alt.)

Kleiner Postillion.

Wir liefen kreuz und quer durch die Stadt. Wir entdeckten auch in Tampere Spuren unseres Freundes Engel. Wir bestaunten fasziniert und neidisch die Strassenbahnbaustelle. Sogar zum Entenfüttern kamen die Kinder nach Jahren zum ersten Mal wieder. (Und ja, ich weiss, dass Brot keine artgerechte Nahrung ist.)

Manche Städte bauen eine Strassenbahn.
(Andere eine Tiefgarage.)

Freitagabend fuhren wir gemeinsam mit dem Ähämann zurück nach Turku.

Aber in den nächsten Ferien machen wir das wieder, haben wir beschlossen. Ich will auch mal wieder auf den Harju. Und den Kindern die lustigen Gemälde im Dom zeigen. Und im neuen Muminmuseum waren wir auch immer noch nicht. Und überhaupt ist es ganz wunderbar, wenn wir alle zusammensein können, auch wenn einer gar nicht frei hat.


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Spass mit Pappschnee

Gestern war, dank Südwind und Nieselregen, bestes Schneemannbauwetter.
(Haben wir ja auch nicht so oft.)

Leider auch eben derartiges Schmuddelwetter, dass als einzige vernünftige Winteraktivät Eisbaden übrigblieb.

Zwischen zwei Saunagängen aber, da konnte man sich prima eine Schneeballschlacht liefern, oder eine Schneekugel wälzen, die mit jedem Saunagang grösser wurde.

(Der Plan war, sie am Ende mit vereinten Kräften ins Meer zu wälzen. Aber der Schnee war stärker als wir.)


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Januarsonne

Der Ähämann und das Fräulein Maus sind heute an die Arbeit und in die Turnhalle zurückgekehrt. Den Ähämann fuhr ich kurz nach sechs zum Bahnhof. Es war bitterkalt, die Strassen vereist, der Schnee knirschte unter den Füssen, und die Venus war so gross, dass ich sie zuerst für ein landendes Flugzeug hielt. Als ich wieder nach Hause kam, leuchtete der Weihnachtsbaum so anheimelnd, dass ich mir eine Kerze anzündete und eine Stunde lang in der sonst dunklen und stillen Wohnung Kaffee trank, ein Brötchen ass und dabei las. Als es schon ganz sachte zu dämmern anfing, legte ich mich wieder hin und wachte erst nach zwei Stunden wieder auf. Da war es kurz vor halb elf, und alle drei Kinder schliefen immer noch. Ferien…! <3

Nachmittags fuhren wir das Fräulein Maus zur Turnhalle, und die Herren Maus und ich fuhren – denn es gibt nichts Besseres, was man bei diesem Wetter machen kann – zur Eisbadesauna. Da war es dann schon halb drei, und die Sonne stand schon wieder sehr, sehr niedrig. Eine Stunde später war sie untergegangen, noch eine Stunde später leuchtete der Himmel in allen Farben von dunkelblau bis tieforange. Als wir zum zweiten Mal ins Wasser gingen, hatte sich auf dem Meer eine Eishaut gebildet, und von Saunagang zu Saunagang konnten wir zugucken, wie sie dicker und grösser wurde.

Dann aber mussten wir uns sputen, um den Ähämann vom Bahnhof abzuholen, der mit dem kleinen Herrn Maus nach Hause fuhr und das Fräulein Maus aus der Turnhalle abholte, während der grosse Herr Maus und ich ins Kino gingen. Und noch als wir mit dem Bus nach Hause gefahren und die letzten 500 m gelaufen waren, fühlten wir uns ganz saunawarm. Von aussen und innen.