Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Winter? Frühling?

Manchmal weiss man’s nicht. Bis in den Mai weiss man’s manchmal nicht.

Manchmal zieht der Frühling schon übers Land, mit warmen Sonnenstrahlen, die den Schnee in Windeseile schrumpfen lassen. Am nächsten Tag lacht der Winter höhnisch und kehrt zurück, mit 10 cm Neuschnee, oder mit -15°C eines schönen Märzmorgens, an dem man sich wundert, warum denn die Amsel auf dem Dach heute nicht singt.

Manchmal zanken sich Winter und Frühling aber auch gar nicht, sondern ziehen Hand in Hand durch die Wälder und Felder und lachen sich ins Fäustchen, weil die Menschen sich wundern, wie es sein kann, dass Winter und Frühling zur gleichen Zeit herrschen.

Letztes Wochenende war das so.


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Mittagessen im Moor

Wir haben ja jetzt Skiferien.

Der Wortbestandteil „Ski“ ist allerdings angesichts der derzeitigen Temperaturen… ach, reden wir nicht drüber. Der grosse Herr Maus ist in einer schneesicheren Gegend im Pfadfinderlager, das Fräulein Maus hat vier Tage lang Intensivtraining, und bei des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmtraining weiss man auch nichts von Ferien. Ausserdem gäbe es dreitausend Dinge im Haushalt zu erledigen, ich müsste noch mehrere kleinen Hausarbeiten schreiben sowie ein Fotobuch für eine bald Dreizehnjährige gestalten. Aber kann man drinnen bleiben, wenn draussen die Sonne lacht? Eben.

Zum Glück haben wir das Citymoor als Rettung in der Not, wenn wir eigentlich gar keine Zeit für Ausflüge haben. Und wenn man noch weniger Zeit hat als sonst, kann man da sogar mittagessen. Und Sonne und Frischluft tanken.


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Dieser Tag im Februar

Jedes Jahr wieder kommt er völlig überraschend: der Tag, an dem plötzlich Frühling wird.

Der Tag hat nichts mit den ersten Krokussen zu tun. Es ist auch völlig egal, ob an dem Tag – und das alles ist durchaus möglich – ein halber Meter Schnee liegt oder gar keiner, ob minus 25 Grad sind oder plus fünf.

Ab Weihnachten wissen wir, dass die Tage wieder länger werden. Aber erst tut sich gar nichts. Dann ist irgendwann der Himmel um fünf noch ein bisschen blau im Westen. Irgendwann ist es nach Feierabend nicht mehr stockdunkel. Fortschritte, kleine.

Aber dann kommt irgendwann Mitte Februar der Tag, an dem nach eher trüben Wochen plötzlich die Sonne rauskommt und den ganzen Tag scheint. Der Himmel ist knallblau, die Sonne sticht in die Augen und wärmt auf einmal wieder. Und abends scheint sie plötzlich – und gewiss ging sie am Tag vorher zwei Stunden eher unter! – immer noch, als ich die Horttür hinter hier mir zuziehe, und als ich im Stadtzentrum umsteige, strahlen die Häuser alle im orangen Abendlicht und die Fussgänger, die gestern noch als schwarze Schemen umeinander herumwuselten auf der grossen Kreuzung, haben auf einmal wieder Gesichter und lächeln, und als ich zu Hause ankomme, ist es immer noch so blau wie sommers um Mitternacht und der Schnee riecht nach Frühling und ich höre die erste Amsel singen und ich möchte vor Glück ein bisschen rennen und hüpfen.

Nicht, weil jetzt der Frühling im mitteleuropäischen Sinn käme. Im Gegenteil, ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als noch bis Ende März skifahren oder auf dem Meer schlittschuhlaufen zu können. Frühling im mitteleuropäischen Sinn wird hier sowieso erst im Mai. Aber dieser erste Frühlingswintertag, der für uns auch nach 15 Jahren noch jedes Jahr völlig überraschend kommt, dieser erste Sonnentag, an dem der Winter plötzlich unwiderruflich auf den Frühling zurennt und an dem auf einmal alles völlig anders ist als noch am Tag vorher, der ist unbezahlbar.

Dieses Jahr war es Dienstag, der 12. Februar.


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Sommer, Sonne, Blütenpracht

Man wagt es ja kaum zu denken, aber: vielleicht folgt auf den wunderbaren Winter doch mal wieder ein richtiger Sommer? In unseren ersten Jahren in Finnland war es nämlich oft so: je kälter der Winter, umso heisser der Sommer. Und umgekehrt.

Wir haben seit zwei Wochen blauen Himmel und Sommertemperaturen, seit drei Tagen sogar jeden Tag 30 Grad. Das gab es die ganzen letzten beiden Sommer nicht! (Wie üblich stöhnen natürlich alle ausser mir über die fürchterliche Hitze!)

Es wird jeden Tag nochmal drei Stufen grüner, obwohl man jeden Tag denkt, es könne nun wirklich nicht mehr grüner werden. Alles, was irgendwie blühen kann, blüht: Träubchen, Tulpen, Buschwindröschen, Löwenzahn, Sumpfdotterblumen, die Johannisbeeren und die Obstbäume, sogar die Juniglöckchen und der Flieder schon fast.

Das kleine Apfelbäumchen, das vor sieben Jahren als erstes in unseren Garten einzog, hat sich zu einem Halbstarken gemausert und blüht über und über. Fast würde man sich niedrigere Temperaturen wünschen, damit er nicht morgen schon wieder sein Spitzenkleid abwirft.

(Aber nur fast!)