Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Reiserückblick: Feuer und Eis

Wir dachten ja, wir hätten schon mal den einen oder anderen Gletscher gesehen.

Aber das war, bevor wir den Vatnajökull und seine zahlreichen Ausläufer zu Gesicht bekommen hatten.

Das Wetter war nicht das Beste. Die Berge hingen in den Wolken. Aber immer mal lichtete sich der Nebel und gab den Blick frei auf gewaltige Gletscherzungen, die fast bis zum Meer herunterreichten.

Wir lernten, wie verheerend – man hätte es sich natürlich denken können, aber wann denkt man schon über sowas nach?! – so ein Vulkanausbruch unter einem Gletscher ist. Welche gewaltigen Überschwemmungen das gibt, wenn das dabei geschmolzene Gletschereis zum Meer strömt und alles mitreisst, was ihm in den Weg kommt.

Wir lasen von einem Bauern, der nach einem Ausbruch des Katla sich und seinen Säugling dadurch rettete, dass er auf einen vorbeitreibenden Eisberg aufsprang. Und wir sahen die verbogenen Überreste einer Brücke, die erst 1996 durch einen einem Vulkanausbruch folgenden Gletscherlauf völlig zerstört wurde.

Wir fuhren mehr als hundert Kilometer lang durch eine flache, schwarze, von Wasserläufen durchzogene Sanderlandschaft, die sich bis zu 30 Kilometer breit zwischen Bergen und Küste erstreckt, und passierten dabei Brücken, an denen gerade gearbeitet wurde, oder Brücken, die hundert Meter neben mehr oder weniger sichtbar zerstörten Brücken ganz neu errichtet waren, und ja, es wird einem durchaus ein bisschen mulmig zumute, wenn man weiss, dass jeder Vulkan dort jederzeit wieder ausbrechen kann.

Wir lernten, dass vermutlich ein isländischer Vulkan die französische Revolution ausgelöst hat. Denn bei seinem letzten, ein halbes Jahr dauernden Ausbruch im Jahr 1783 wurden eine so große Aschewolke und soviel saurer Regen auf der ganzen Nordhalbkugel verteilt, dass es in vielen Ländern mehrere Jahre hintereinander Missernten gab, und der Rest ist, nun ja, Geschichte. Inzwischen ist auch die Lava dick bemoost.

Und dann dachten wir natürlich auch, wir hätten schon mal einen Gletschersee gesehen.

Aber das war, bevor wir die Gletscherseen des Vatnajökulls kennenlernten. Auf denen schaukeln ganze Eisberge, und die Luft riecht auch im Hochsommer nach Winter. Über den stilleren der beiden tuckerte gemächlich ein Schlauchboot, das neben Gletscher und Eisbergen nicht mal aussah wie eine Nussschale, sondern allenfalls wie ein Kirschkern. Die Kinder – zum Glück geht ein Finne nirgendwohin ohne seine Gummistiefel! – fischten sich Eisbrocken aus dem milchigen Wasser, die aussahen wie geschliffenes Kristall. Und nicht einmal der kleine Herr Maus fragte, ob er baden dürfe. ;-)

Aus dem anderen Gletschersee, dem mit dem Touristenrummel, treiben die Eisberge unter einer Brücke hindurch ins Meer. Ein paar von ihnen aber stranden malerisch auf schwarzem Sand.

Lange standen wir einfach nur da und konnten uns nicht sattsehen.

Island ist völlig masslos.


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Reiserückblick: An der Grönlandsee

Nachdem wir mehrere Tage in verschiedenen Vulkanlandschaften verbracht hatten, fuhren wir erstmal Richtung Norden ans Meer und um mehrere Halbinseln herum. Die waren anfangs ein bisschen langweilig: recht flach, sehr durchkultiviert. Am An diesem Tag lockte uns das Schwimmbad in Akureyri mehr als irgendwelche Landschaft.

Akureyri, zweitgrösste Stadt Islands, war mir übrigens schon gleich hinterm Ortseingangsschild sympathisch. Eine Stadt, die auf DIN-Normen pfeift.

Die Herzen in den Ampeln gibt es dort seit der Finanzkrise 2008, als Zeichen der Hoffnung und für was wirklich im Leben zählt. Was wohl von Corona bleiben wird? In Reykjavík fanden wir später übrigens die Frau vom Ampelmännchen.

Als wir am nächsten Tag weiter nach Westen fuhren, wurde die Landschaft jedoch mit jeder Halbinsel imposanter: kilometerlange schwarze Strände, riesige klotzförmige Felseninseln vor der Küste, schneebedeckte Berge, die direkt aus dem Meer herausragen, lustige vorm Strand aufragende Felsformationen. Wir fuhren von Küstenstrasse zu Gebirgspass zu Küstenstrasse. Und auf der nächsten Halbinsel das Gleiche wieder.

Einer wollte unbedingt in der Grönlandsee baden.

Am Ende des Tages fanden wir an der Spitze der letzten Halbinsel vor den Westfjorden einen Zeltplatz mit Ausblick auf den Sonnenuntergang über der Grönlandsee und auf die erste schneebedeckte Bergkette der Westfjorde. Direkt neben dem Zeltplatz befand sich eine Robbenkolonie.

Die Robben besuchten wir noch am gleichen Abend, noch bevor wir das Zelt aufgebaut hatten. Ein paar von ihnen schwammen herum, tauchten unter und steckten kurz vor uns neugierig den Kopf aus dem Wasser, um dann vorsichtshalber schnell wieder unterzutauchen. Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, noch bevor wir anfingen, das Zelt wieder abzubauen, gingen wir wieder hin – da lagen sie faul in der Sonne auf ihrem Felsen und rührten sich nicht. Fernglas war prima, aber man hätte sie auch mit blossen Augen ausreichend gut gesehen. So toll!

Ausserdem gab es jede Menge Vögel. Am tollsten fand ich die schwarzen Gryllteisten – bitte was?! – mit ihren roten Füssen und ihrem roten Schnabelinneren, die gar nicht scheu waren und direkt vor unseren Füssen herumwuselten.

Nur Papageientaucher gab es auch dort nicht. Dabei wollte ich unbedingt Papageientaucher sehen und hatte schon die ganze Zeit überall nach ihnen Ausschau gehalten.

Ein bisschen unschlüssig über unsere weitere Reiseroute waren wir auch, als wir am nächsten Tag weiterfuhren: hätten wir Zeit für die Westfjorde? Würde sich der Umweg lohnen?


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Reiserückblick: Langsam reisen

Den Floh hatte uns vor drei Jahren ein deutsches Ehepaar, das wir auf einem norwegischen Zeltplatz trafen, ins Ohr gesetzt.

Bis dahin hatte ich geglaubt, nach Island käme man als Tourist nur mit dem Flugzeug, aber sie berichteten uns von der Fähre, die einmal pro Woche in 48 Stunden von Norddänemark nach Island fährt und mit der sie mit ihren drei Kindern und ihrem Wohnmobil schon mehrmals gefahren waren.

Seit wir in Finnland wohnen, sind wir daran gewöhnt, dass jede unserer Reisen auf dem Meer beginnt. Dass jede unserer Reisen immer einen Grossteil „Der Weg ist das Ziel“ beinhaltet. Für mich ist tatsächlich die Welt nicht durch die Möglichkeit des Fliegens kleiner geworden, sondern seit der Ähämann und ich mit dem Auto, erst ohne und dann auch mit den Kindern, kreuz und quer durch Europa reisen: von Deutschland nach Tunesien, von Finnland in die Schweiz, über Schweden nach Ungarn, durchs Baltikum in die Slowakei. Man muss nicht fliegen, um weiter als bis ins Nachbarland zu kommen. Das muss einem in der heutigen Zeit ja auch erstmal klar werden.

Ich fliege gern: weil ich Flugzeuge toll finde. Aber ich reise nicht gern mit dem Flugzeug: aus Klimaschutzgründen, weil es zu fünft nahezu unerschwinglich ist, weil man am Zielort dann sowieso in den meisten Fällen noch ein Mietauto braucht, weil man mit dem Flugzeug nicht genug Krempel – schon gar kein Fünf-Personen-Zelt plus Zubehör! – transportieren kann. Und weil mir beim Fliegen das Gefühl für Entfernungen fehlt. Nach dem Fliegen fühle ich mich immer ein bisschen orientierungslos, ein bisschen wie an einem unbekannten Ort gestrandet.

Vier Nächte und drei Tage lang von Finnland nach Island zu reisen fühlte sich der Entfernung angemessen an. Als wir eine Woche später am westlichsten Punkt Islands standen, waren wir schliesslich fast in Grönland!

Für ein paar Stunden allerdings dachten wir, Schifffahren sei vielleicht doch eine Schnapsidee gewesen. Ich bin noch nie seekrank geworden – auch nicht bei der stürmischen 24stündigen Überfahrt von Genua nach Tunis oder im Herbststurm auf der Ostsee zwischen Helsinki und Rostock – aber die „Norröna“, kleiner als unsere Schwedenfähren, fing sofort hinter der Hafenausfahrt in Hirtshals mit dem Schaukeln an – und zwar nicht so ein bisschen hin und her oder auf und ab, sondern eher so achterbahnmässig – und in Verbindung mit Schlafmangel, zu wenig Frühstück und zu allem Überfluss einer Kopfschmerztablette auf nahezu nüchternen Magen war das dann doch zu viel. Dem Rest der Familie ging es auch nicht besser. Wir waren jedoch so müde, dass wir den Grossteil des Nachmittags, Abends und der Nacht einfach verschliefen.

Am nächsten Morgen überliess uns eine deutsche Familie eine ihrer zahlreichen Reisetablettenpackungen – etwas, woran wir, obwohl uns durchaus bewusst war, dass es auf dem Nordatlantik schaukeln würde, schlicht nicht gedacht hatten, weil wir sowas erstens noch nie gebraucht hatten und zweitens in Finnland noch nie auch nur eine einzige Werbung für Reisetabletten gesehen hatte. Die Tabletten und ein ordentliches Frühstück im Bauch halfen jedenfalls schnell, worauf wir den Rest der Reise wieder geniessen konnten.

Beim Frühstück, nach 21 Stunden Fahrt, tauchte Schottland auf. Gewaltige grüne Inseln. Und die ersten Basstölpel segelten neben dem Schiff her. (Da hatten wir freilich noch nicht recherchiert, um was für Vögel es sich handelte. Der grosse Herr Maus taufte sie einstweilen sehr passend Jetmöwen.)

Was man alles verpasst, wenn man fliegt…!

Als die letzte schottische Insel wieder hinterm Horizont verschwunden war, erfreuten wir uns noch lange an den das Schiff begleitenden Jetmöwen. Und an der Sonne und den hundert verschiedenen Blautönen von Wasser und Himmel. Und fast ein bisschen auch an der Schaukelei. Ich zumindest.

Abends hatte die Schaukelei kurzzeitig ein Ende: die Fähre legte für eine halbe Stunde in Tórshavn, der Hauptstadt der Färöerinseln, an. Über dem Hafen hing ein vollständiger Regenbogen, und ich hatte Herzchenaugen: so weit draussen, und plötzlich taucht da wieder eine bewohnte Gegend auf!

In der Nacht und am nächsten Morgen schaukelte es nicht weniger als vorher, aber keiner von uns wurde mehr seekrank. Als Island am Horizont auftauchte, als die ersten schneebedeckten Berge unsere Herzen hüpfen liessen und wir in Seyðisfjörður einliefen, hatte ich eine Ahnung, wie sich die frühen Entdecker gefühlt haben müssen, wenn nach Wochen auf See ein unbekanntes Land, ein neuer Kontinent auftauchte.

(Vor dem Landgang mussten wir allerdings noch an Bord unseren Coronatest absolvieren, dessen Ergebnis uns noch am gleichen Abend per App mitgeteilt wurde.)

Island schwankte übrigens noch zwei Tage lang unter unseren Füssen.

***

Auf der Rückfahrt fühlten wir uns auf der „Norröna“ schon fast zu Hause. Wir erlebten fünf Meter hohe Wellen auf dem Nordatlantik, die das Schiff wie ein grosses Schaukelpferd auf und ab bewegten, und eine nahezu langweilig glatte Nordsee. Wir sahen einen Wal gleich neben dem Schiff! Nachmittags sassen wir in einer heissen Badewanne auf dem Oberdeck, während wir am Leuchtturm von Muckle Flugga vorbeifuhren. Und beim Abendessen nahmen wir alle paar Bissen das Fernglas zur Hand und bestaunten gigantische norwegische Bohrinseln.

Die 46 gemächlichen Stunden Heimfahrt auf der „Norröna“ halfen auch beim Abschiednehmen von Island, das uns überraschend schwer fiel. Es war dann auch durchaus passend, dass wir mit dem Löwen Balthasar die Letzten waren, die von Bord rollten.


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Reiserückblick: Reisen in Zeiten von Covid-19

In diesen Zeiten muss man schnelle Entscheidungen treffen.

Wir hatten uns, nachdem unsere eigentlichen Urlaubspläne, dieses Jahr zum Glück eher unspektakulär, wegen Corona ins Wasser gefallen waren, schon darauf eingestellt, die Sommerferien in Finnland zu verbringen. Ganz eventuell, wenn die Situation es zuliesse – die finnische Regierung hatte von vornherein angekündigt, dass sie über die Lockerung der Reisebeschränkungen länderspezifisch je nach Entwicklung der jeweiligen Infektionszahlen entscheiden würde – dürften wir gegen Ende der Ferien vielleicht sogar nach Estland fahren.

Wir genossen den heissen Juni in Finnland, als alle anderen noch arbeiten gingen und die Ausflugsziele so leer waren wie im November. Und dann ging alles ganz schnell: Mitte Juni entschied die finnische Regierung, dass wir in sechs Länder fahren dürften, ohne hinterher in Quarantäne zu müssen – nach Estland, Lettland, Litauen, Dänemark, Norwegen und Island.

Ich las dem Ähämann – wir sassen gerade im Abendsonnenschein an einem See auf dem Rückweg von Hämeenlinna – die Nachrichten vor, und wir guckten uns an und sagten beide: „Dann fahren wir nach Island!“

Es ist nämlich so, dass wir seit Jahren nach Island wollten. Aber wer fährt schon freiwillig im kurzen finnischen Sommer in ein Land, in dem der Sommer noch kürzer und kälter ist?! Deshalb wollten wir seit Jahren dann doch nicht nach Island.

Zwei Tage später hatte der Ähämann Tickets bei zwei verschiedenen Fährgesellschaften gebucht, die isländischen Einreisebestimmungen recherchiert sowie ein Telefonat mit der dänischen Polizei geführt. Zwei Wochen später fuhren wir los.

Klar, Reisen durch mehrere Länder war schon mal einfacher.

Wir gingen auf der „Grace“ auf schnellstem Weg vom Autodeck in die Kabine. Mit Maske auf.

Wir machten in Schweden nicht wie sonst Pause bei IKEA und Reiseproviantgrosseinkauf im Supermarkt. Wir hielten noch nicht mal an einer Raststätte an. Wir fanden ein abgelegenes Naturschutzgebiet samt Waldklo am Vätternsee für die erste Pause, und einen abgelegenen See für die zweite. Dort füllten wir auch das obligatorische Online-Einreiseformular für Island aus, bezahlten schon mal den Coronatest für uns Erwachsene (Kinder unter 15 müssen nicht) und luden uns die isländische Corona-Tracking-App herunter, die jeder Tourist benutzen muss.

Dann fuhren wir über die grosse Brücke und erlebten zwischen Brücke und Tunnel an einer Behelfs-Grenzstation unsere erste Grenzkontrolle nach 30 Jahren. (Abgesehen von den paar Pro-Forma-Grenzkontrollen bei den Reisen nach Estland, bevor Estland zum Schengen-Gebiet gehörte, und der Reise durchs Baltikum und Polen in die Slowakei mit dem anderthalbjährigen Fräulein Maus, deren Passbild, aufgenommen im zarten Alter von ein paar Wochen, sämtlichen Grenzbeamten ein Lächeln entlockte.) Das ausgelieferte Gefühl war sofort wieder da; noch dazu, wo wir in der Vergangenheit keine besonders guten Erfahrungen mit den Dänen gemacht hatten. (Man hatte uns dort unter Anderem mal 500 Euro Strafe pro Person – ja, auch für jedes Kind! – angedroht, weil wir aus Versehen eine halbe Stunde zu früh in einen Regionalzug zwischen Kopenhagen und Lund gestiegen waren, was damit endete, dass wir Hals über Kopf in Malmö aus dem Zug flüchteten und schon dort in den Schnellzug nach Stockholm stiegen, was für die schwedische Bahn übrigens – „Das ist uns doch egal, ob ihr in Malmö oder in Lund umsteigt!“ – überhaupt kein Problem darstellte.) Der dänische Grenzbeamte aber war einer der netten Sorte, wollte weder Pässe noch Fährticket sehen und winkte uns nach einem kurzen Wortwechsel – „Ihr seid aus Finnland?“ „Ja.“ „Ihr könnt weiterfahren!“ – einfach durch.

Die dänischen Coronabestimmungen finde ich übrigens auch eher fragwürdig. Man darf derzeit entweder nur durchreisen – ohne die Möglichkeit irgendwo zu übernachten; auf dem Rückweg wurden wir bei der Einreise auch gleich prophylaktisch angeranzt, wir dürften ausschliesslich zum Tanken anhalten – oder man muss sechs Nächte bleiben. Das war eine der Sachen, die wir ohne Corona entspannter hätten haben können – dann hätten wir noch eine Zwischenübernachtung in Dänemark eingeschoben. So blieb uns nur, ein paar Stunden im Auto zu schlafen. Wir putzten unsere Zähne an einer Tankstelle, fanden einen netten Parkplatz am Skagerrak, machten es uns mit Kissen leidlich bequem und schliefen alle fünf in unseren Sitzen von kurz nach Mitternacht bis gegen halb sechs. Das war besser als erwartet. Und früh um sechs ganz allein im Morgenlicht in den Dünen und am Strand zu sein war wunderschön.

Die Rückreise gestaltete sich ähnlich kompliziert. Statt einer Zwischenübernachtung fuhren wir einfach die 1000 km und die Nacht durch. (Unerwarteterweise gab es noch eine Grenzkontrolle in Schweden, die aber sehr nett verlief: „Ihr seid eine Familie? Keine Hunde und Katzen dabei?“, wurden wir auf Schwedisch gefragt und dann lachend durchgewinkt.) Zum Glück wurde es erst kurz vor Mitternacht dunkel und schon gegen zwei wieder hell. Und ich habe noch nie so eine leere Autobahn erlebt. (Und die schwedischen Autobahnen sind immer leer!) Dann nahmen wir die Morgen- statt der Abendfähre von Stockholm, gingen noch im Hafen schlafen und schliefen bis Åland durch.

Dieses Jahr und genau jetzt nach Island zu fahren war trotzdem die beste Entscheidung des Jahres.

Auch deswegen, weil der finnische Sommer aufhörte, als wir wegfuhren. Und weil es nie wieder so leer sein wird in Island wie in diesem Sommer. Schon in unserer zweiten Woche dort war es deutlich voller als in der ersten. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie es ist, wenn die normale Anzahl an Touristen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zieht…!

Demnächst wird’s hier jedenfalls viel Reiserückblick und viele Fotos geben.
Wenn ich ein paar Wäscheberge abgetragen habe.


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Gelegenheit, Schopf usw.

Wie es aussieht, hat sich gerade ein kleines, relativ coronafreies Zeit- und Raumfenster für uns aufgetan.

Reisen war schon mal einfacher. Grenzen zu überschreiten war schon mal selbstverständlicher und mit weniger Aufregung – „Haben wir wirklich alle Papiere dabei?“, „Wird der Coronatest wirklich negativ sein?“ – verbunden. Urlaube haben wir schon mal längerfristig geplant als zwei Wochen vor Abfahrt.

Aber wir sind dann jetzt mal weg. Juhuuu!


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Sommerferien minus 11

Finnland hat 6399 bestätigte Coronafälle.

Der Ähämann fand heute in unserem etwas unübersichtlichen Getränkevorratschrank noch zehn Flaschen slowakisches Bier. Vermutlich war es nach hinten gerutscht, als wir nur vier Wochen später die Flaschen mit estnischem Bier in den Schrank stellten und dann gleich nochmal estnisches Bier mitbrachten und zuletzt dann viele Flaschen sächsisches Bier.

Es war ein ganz kleines bisschen wie Weihnachten.

Aber viel, viel froher macht mich, dass wir letztes Jahr so viel verreist sind, dass wir jede Gelegenheit dazu genutzt haben. Denn dieses Jahr sind die Reiseaussichten ja eher trübe. (Die finnischen Grenzen sind für Privatpersonen auch immer noch geschlossen.)

Nun. Dieses Jahr werden wir dann vielleicht tatsächlich endlich unsere Sommerurlaubspläne von 2015 verwirklichen.


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Reiserückblick (2): Rote Dächer

Zwischenstopp machten wir auch in diesem Jahr in der liebsten Lieblingsstadt.

Wir schliefen aus, frühstückten in aller Ruhe, wuschen schnell nochmal ein bisschen Wäsche und liessen es überhaupt sehr ruhig angehen.

Wir bestiegen keinen Turm und gingen in keine einzige Kirche. Aber wir fuhren Metro und Strassenbahn und hielten uns – es war wunderbar heiss! – in Parks und Gärten, vornehmlich solchen mit Aussicht auf rote Dächer, auf.

Und am nächsten Tag konnten wir die letzten 500 km der insgesamt 2000 km weiten Reise ausgeruht in Angriff nehmen.


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Mittsommer 2019

Unsere Reisepläne ergaben sich diesmal so, dass wir die Mittsommernacht auf dem Schiff verbrachten.

Juhannus ist ein Fest, das mir lange Zeit nicht so wichtig war, das ich aber mittlerweile doch sehr gern feiere. Und so hatten wir diesmal, während wir sonst – vor allem im Winter, wenn es schon lange finster ist, oder wenn mal wieder das Wetter genau dann schlecht wird, wenn wir zurückreisen – nach Betreten der Fähre direkt in unsere Kabine schlafen gehen, zur Feier des Tages extra Buffet gebucht.

Es gab nicht nur Mittsommer zu feiern, sondern vielleicht auch einen Abschied. Mit der „Amorella“ kamen der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor 16 Jahren in Finnland an. Seitdem hat sie uns aus aus jedem Urlaub nach Hause gebracht. Vielleicht zum letzten Mal diesmal, denn nächstes Frühjahr soll sie durch ein neues Fährschiff ersetzt werden. (Dabei ist die 30 Jahre alte „Amorella“ immer noch moderner als alles, was zwischen Deutschland und Schweden fährt, zusammen.) Ich finde das neue Schiff aus China jetzt schon doof.

Wir assen uns also im Abendsonnenschein, während sich die „Amorella“ durch die Stockholmer Schären schob, durchs Buffet, und dann sasssen wir bei Fast-Mitternachtssonne an Deck, das mit Birken geschmückt war, und liessen Inseln und Inselchen an uns vorbeiziehen. Und wenn wir nicht am Morgen schon um sechs in Trelleborg angekommen und entsprechend müde gewesen wären, hätten wir bestimmt noch bis Åland, bis weit nach Mitternacht, so weitergemacht.

Ich sag‘ mal so: es gibt sicher weniger schöne Plätze, um Juhannus zu feiern, als die „Amorella“ zwischen Stockholm und Turku.


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Fliegen bei Streik

Am Donnerstag freilich war das mit dem Streik weniger lustig.

Am Mittwoch und Donnerstag nämlich streikte das Sicherheitspersonal auf den Flughäfen. Das betrifft uns ja normalerweise nicht – aber am Donnerstag flog der grosse Herr Maus, wie zwei Jahre zuvor seine grosse Schwester, mit seiner Deutschlehrerin und zwei seiner Mitschüler aus dem Muttersprachunterricht nach München zu “1, 2 oder 3“.

Eigentlich von Turku aus. Aber am Flughafen wurde uns mitgeteilt, der Flug von Helsinki nach Turku und zurück sei gestrichen. Grosse Enttäuschung und Panik beim grossen Herrn Maus!

Wir wären allerdings nicht in Finnland, wenn nicht sofort ruhig und besonnen eine Lösung des Problems in Angriff genommen worden wäre: 14:45 Uhr hätte der Flug gehen sollen, 13:45 Uhr stand ein Bus vorm Flughafen bereit, samt Proviantwägelchen, aus dem man sich vor dem Einsteigen zur Entschädigung kostenlos – denn auch bei Finnair gibt’s schon lange kein Essen mehr im Flugzeug – bedienen durfte, Punkt 14 Uhr – und vielleicht gewöhnen wir uns jetzt doch noch ab, immer erst 20 Minuten vor Abflug an unserem Provinzflughafen zu sein – fuhr er Richtung Helsinki los. Und die vier München-Reisenden schafften sogar ihren Anschlussflug.

Dafür ging diesmal auf dem Rückflug alles glatt. Drei stolze Sieger kamen gestern Abend pünktlich in Turku an.

Ausstrahlung am 9.2.2019. Der Dachs kommt auch ins Fernsehen! <3