Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kolmesataakaksikymmentä

„Das war die schönste Schwimmhalle, in der ich je war!“, seufzte eins der Kinder hinterher, und zwei stimmten ein. Und wir Eltern waren eigentlich auch versucht, dem zuzustimmen.

In Finnland ist es ja mit Spassbädern nicht weit her. Und unsere zwei oder drei Versuche, irgendwelche regnerischen Urlaubstage in Deutschland mit einem Schwimmbadbesuch zu verschönern, sind bisher auch allesamt eher skurril gewesen.

Meist scheitert das Vergnügen daran, dass wir alle nach einer halben Stunde vor Kälte zittern, weil es keine Sauna gibt (oder nur zu horrenden Zusatzpreisen). Einmal fuhren wir von Jena aus ins nahegelegene Spassbad mit angeschlossenem „Saunadorf“. Die Frage, ob wir uns den Eintritt fürs Saunadorf leisten wollten oder nicht, erübrigte sich, als man uns an der Kasse erklärte, man könne heute nur Eintritt für Schwimmbad und Sauna kaufen, und ach übrigens, es sei dann heute Nacktbadetag.

Äh. Ja. Was mich an deutschen Bädern ja am meisten irritiert, ist, dass man sich offensichtlich noch nicht mal unter Frauen in der Umkleidekabine nackt zeigt, sondern sich zum Umziehen in so ein Kabuff quetscht, und als logische Folge die meisten dann auch nur mit Badeanzug unter die Dusche gehen – aber in die Sauna geht man ganz selbstverständlich nackt, obwohl da dann sogar Männer dabei sind.

Kleiner Exkurs: in finnischen Schwimmhallen zieht man sich einfach vor seinem Spind aus und geht selbstverständlich nackt duschen. (Falls jemandem das aus welchen Gründen auch immer unangenehm ist, gibt es ein, zwei Umkleidekabinen und ein, zwei Duschen mit Duschvorhang.) Ausser Duschen gibt es in jeder finnischen Schwimmhalle eine Sauna (zum Aufwärmen vor, zwischen und/oder nach dem Schwimmen) zwischen Umkleideraum und Schwimmbecken, logischerweise genauso wie Umkleiden und Duschen nach Männlein oder Weiblein getrennt. Überhaupt wird in Finnland eher getrennt sauniert: ist man irgendwo in die Sauna eingeladen, wird üblicherweise gefragt, ob man mit seiner Familie gehen möchte oder erst alle Frauen und danach alle Männer gemeinsam, und natürlich entscheidet man sich dann meist für letztere Variante, weil man ja Zeit mit seinem Besuch verbringen möchte. Unter engeren Freunden gehen wir auch alle gemeinsam; ebenso auf der mittelfinnischen Forschungsstation, wenn wir um zehn vom allabendlichen Mäusefangen wiederkamen und jemand netterweise so lange Holz nachgelegt hatte, dass wir auch noch eine heisse Sauna geniessen konnten, da ging einfach, wer noch eine Sauna nötig hatte, oder wenn ich mit meinen Bootfahrern irgendwo draussen doch mal die Gelegenheit hatte, eine Sauna zu benutzen, dann gingen wir auch lieber gleich gemeinsam. In der Eisbadesauna wird auch gemeinsam sauniert, da aber sowieso gleich mit Badesachen.

Nacktbadetag also. Immerhin gab es eine Sauna zum Aufwärmen. Unvergessen allerdings – der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich waren auch zu Studienzeiten öfter dort – wie dort einmal ein Angestellter mit Glocke herumging und wie ein Marktschreier „Spezialaufguss! Spezialaufguss!“ brüllte und sich daraufhin die grösste Sauna mit 60 Menschen füllte und ich mir immer nur vorstellte, wie die da dann drinnen hocken und wenn es ihnen zu viel wird, dann können sie nicht raus, weil sie in der hintersten von zehn Reihen sitzen und weil sie hinterher gelyncht würden, würden sie mitten im Spezialaufguss die Tür aufreissen, um die Sauna zu verlassen. Oder der dicke, schwitzende Mann, der sich in der Sauna, über deren Tür „Finnische Sauna“ stand, mit dem zur Dekoration im Vorraum aufgestellten Birkenbüschel, das schon längst keine Blätter mehr, geschweige denn frische, die so gut riechen in der Sauna, besass, sondern nur noch aus harten Zweigen bestand, schlug und dabei Anerkennung heischend die Mitsaunierenden ansah: seht her, ich weiss, wie man das macht, in Finnland in der Sauna! Einen Eimer zum Aufguss machen gab es in der „Finnischen Sauna“ übrigens nicht. Der wurde einmal in der Stunde von einem Handtuch und Zähnen – denn der Saunaangestellte war ein Farbiger, von dem ausser den Zähnen und dem um die Hüften gesschlungenen Handtuch in der Dunkelheit nichts zu erkennen war – hereingetragen und zeremoniell über dem, natürlich – Brandschutz, Leute! – elektrischen, Saunaofen ausgeleert und handtuchschwenkend im Raum verteilt. Ich sagte schon, dass unsere Erfahrungen mit deutschen Spassbädern bisher eher skurril waren?!

Jetzt also Estland. Das Spassbad gehört zu einem Hotel, das in der Herbstferienwoche vermutlich zu 90% von Finnen belegt war, denn allüberall hörte man Finnisch, und auf dem Parkplatz stand sogar eine finnische 320. Wir hatten es zufällig entdeckt, und die Kinder hatten vorsichtig gefragt, ob wir denn da mal hingehen könnten, und waren dann vor Freude im Kreis gehüpft, als wir sagten, klar, warum nicht, denn sie dachten, sie müssten in Estland immer nur wandern, hihi. Das Beste am Spassbad ist, dass es mindestens sechs verschiedene lange und sehr lange Rutschen hat. Wir waren an der Kasse ein bisschen irritiert, dass man die Sauna extra bezahlen sollte, weil ich eigentlich angenommen hatte, dass in estnischen Schwimmhallen Sauna genauso dazugehört wie in finnischen. So war es auch – ausser dass sie knallheiss war, aber auch das wusste ich eigentlich schon, dass Sauna in Estland heisser ist als in Finnland, während sich die Finnen immer über die lauwarme schwedische Sauna lustigmachen; es scheint da also einen West-Ost-Gradient zu geben – die Sauna, die man extra bezahlen musste, war ein extra Bereich mit lauter besonderen Saunas. Ähnlich dem Saunadorf in oben beschriebenem thüringischem Spassbad, aber… viel entspannter. Die Kinder wollten ja erst gar nicht mitkommen, sondern lieber bei den Rutschen bleiben – tatsächlich schwärmen sie jetzt aber immer noch davon, wie toll die Saunas dort waren! Man ging da einfach wie in unserer Eisbadesauna mit Badesachen rein. Es gab selbstverständlich Eimer zum Aufgussmachen und selbstverständlich keine Sanduhren. Es gab eine Salz-Dampfsauna, da lag ein Haufen Salz und ein Schäufelchen dazu, und man konnte sich – wozu auch immer das gut sein soll – mit dem Salz einreiben und es dann später noch in der Sauna mit einer Regendusche wieder abspülen, und Erwachsene wie Kinder matschten fröhlich vor sich hin, und keiner guckte, ob der andere auch alles richtig macht und sein hektargrosses Saunatuch auch wirklich korrekt ausgebreitet hat, so dass kein Tröpfchen Schweiss aufs Holz gelangt, und alle Besucher lachten und redeten und kein einziger Schwimmhallenangestellter war da zum Aufpassen, und der kleine Herr Maus sass fünf Minuten mutterseelenallein in der allerheissesten Sauna und erntete Bewunderung von allen anwesenden Erwachsenen und das Fräulein Maus machte Wechselbäder im kalten und warmen Schwimmbecken und der grosse Herr Maus ging im beleuchteten Pool tauchen und dann gingen wir alle nochmal in die Dampfsauna mit dem Salzhaufen, und ja, genau so muss Sauna sein.

„Können wir da mal wieder hingehen?!“, fragen die Kinder seitdem. Aber sicher!

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Herbstferien, viel zu kurze

Vielleicht lag es daran, dass wir diesmal tatsächlich erst – nachdem wir am Mittwoch alle noch brav zur Schule und auf Arbeit gegangen waren – kurz vor Mitternacht ankamen: diesmal fühlten sich die vier Tage Herbstferien extrem kurz an.

Vielleicht aber waren sie einfach nur besonders schön und deshalb so schnell um.

Estland ist so wunderbar. <3


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Goldene Herbstferien

Estland ist nur eine kurze Schiffsreise von uns entfernt: nahe genug, dass es sich auch für vier Tage Herbstferien lohnt,und anders genug, dass es sich wie richtiger Urlaub anfühlt.

Deshalb besteigen wir, seit wir Schulkinder haben, zu Beginn jeder Herbstferien – wenn nichts dazwischenkommt – eine Fähre und fahren für vier Tage Richtung Süden.

Diesmal hatten wir eine extralange Anreise mit noch einer zweiten Fährüberfahrt, weil wir diesmal Urlaub auf Saaremaa machen wollten.

Dafür genossen wir vier Tage lang Sonnenschein, goldenen Herbst und Meer. Wir winkten hunderten Wildgänsen hinterher. Die Kinder sammelten kiloweise Hühnergötter und stellten einen neuen Wanderrekord auf, weil auch sie gern zu dem schiefen, verlassenen Leuchtturm wollten, den man nur zu Fuss erreichen kann. Wir bewunderten Windmühlen, kleine schiefe Kirchlein, einen riesigen Meteoritenkrater und Karstquellen. Wir begegneten Füchsen, Elchen und Marderhunden. (Und ausserhalb der Stadt, in die wir jeden Abend zum essen fuhren, ungefähr fünf Menschen.) Jeden Abend heizten wir die Sauna an, und wenn wir danach dampfend auf der Terrasse sassen, bestaunten wir die Milchstrasse, die ich zum letzten Mal im letzten Estlandurlaub gesehen hatte.

Estland ist weit und wild und wunderbar.

Ein Meteoritenkrater! (Echt jetzt!)

Estnischer Spielplatz abends halb acht: noch voller Kinder – und unsere sind nicht die lautesten!

Bis nächstes Jahr!


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Herbstferien (4): Hach, Estland!

Überhaupt mag ich Estland sehr. Vielleicht, weil es Finnland so ähnlich ist. Und doch ganz anders.

So viel Weite! So wenig Leute! Winzige Strässchen. (Und Autobahnen eine Autobahn, auf der man wenden darf. Oder muss. Wenn man zufällig in die Richtung will, in die es keine Auffahrt gibt.) Und die vielen Storchennester! Und die vielen Kuhherden! Und die Herbstfarben!

Restauriertes neben Verfallenem, Modernes neben Altmodischem. Das gefällt mir. Viel mehr als so “geleckte“ Urlaubsländer. In Estland findet man ausserhalb Tallinns nicht einmal eine Postkarte, die man als Souvenir erstehen könnte.

Natürlich fahren wir auch wegen des Essens nach Estland. Es ist ein bisschen schwierig, in der Nachsaison in einer Gegend, in der Dörfer aus fünf Häusern mit insgesamt siebzehn Einwohnern bestehen, ein geöffnetes Lokal zu finden. Aber wenn man einmal eins gefunden hat, kann man sich auch gut und gern vier Tage lang durch die Speisekarte essen.

Nicht mehr so dringend wie vor zwei Jahren war die Spielecke im Restaurant, die es in jedem estnischen Restaurant zu geben scheint. Dafür war die hier besonders toll: die Kinder konnten sich unter Anderem im Melken einer Kuh üben. Sie gab Wasser.

Vielleicht bin ich auch einfach deshalb so gern in Estland, weil alle Urlaube meiner Kindheit in Osteuropa stattfanden. Vielleicht können mich deshalb Vorsuppen zum Mittagessen, ukrainische Melonen im Supermarkt, rot-weiss gestreifte Industrieschornsteine und grün gestrichene Holzhäuschen so glücklich machen.


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Herbstferien (3): Durch Wald und Flur Moor

Schon, als wir unsere Herbstferienreise vor zwei Jahren planten,hatten die vielen Wanderwege aller Längen den Ausschlag für das Reiseziel gegeben. Auf den Seiten der estnischen Forstbehörde kann man sie sich alle vorher aussuchen, Beschreibungen lesen und Wanderkarten samt Weg-und Anfahrtsbeschreibung ausdrucken.

Längst nicht alles, was wir gern erlaufen hätten, haben wir in den vier drei Tagen damals geschafft. Inzwischen gibt es sogar schon wieder neue Rundwege. Da, wo wir letztes Mal nicht weiterkamen, spannt sich jetzt eine funkelnagelneue Hängebrücke über den kleinen, schwarzen Fluss.

Wir liefen einen „Kulturlandschaftspfad“ – der dennoch mitten durch den Wald führte – vorbei an alten Weidemauern, einer Baumschule, einer Sägemühle und einer Wolfsfalle. Am Anfang des Pfades standen die Türen eines kleinen Museums einladend offen – wir mussten nur den Lichtschalter finden.

Eine historische KinderWolfsfalle.

Und natürlich wollten die Kinder wieder zu den Bibern und auf den sieben Meter hohen Findling, der mitten im Wald liegt und auf den man mit einer Leiter klettern kann.

Gipfelrast auf Findling.

Komisch nur, dass die Wege alle irgendwie geschrumpft sind in den letzten zwei Jahren. ;-)


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Herbstferien (2): Das Meer von der anderen Seite

Ich mag die Ostsee auf der anderen Seite der Finnischen Bucht unheimlich gern.

Bei uns erinnert sie mit den vielen Inseln ja eher an einen finnischen See. Auf der estnischen Seite ist sie, wie ein Meer sein muss: mit Wasser bis zum Horizont. Dafür gibt es kaum richtige Sandstrände. Aber das macht ja nichts, wenn man nicht zum Baden, sondern zum Wandern gekommen ist. Und diese ganzen finnischen Felsbrocken machen echt was her!


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Herbstferien (1): Kurze, weite Reise

Manchmal komme ich mir ein bisschen versnobt vor, weil so eine Schifffahrt gar nichts Besonderes mehr für uns ist. Auch die unter Finnen so beliebten „Kreuzfahrten“ empfinden wir eher als zweifelhaftes Vergnügen. Denn wann immer wir irgendwohin ausserhalb Finnlands reisen wollen – es sei denn, wir fliegen, aber das ist mit fünf Personen finanziell eher keine Option – besteigen wir ein Schiff. Also oft.

Dennoch fühlt sich so ein Urlaub, der mit einer Schiffsreise beginnt, gleich wirklich wie eine weite Reise an. Auch wenn man gar nicht weit fährt.

Irgendwie muss man ja aus zwei (!) schulfreien Tagen (!) das Beste machen.


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Skiferien, anders

Da das Wetter in Südfinnland oft nicht mitspielt, bleibt einem eigentlich nur die Flucht in den Norden (Frost! Schnee!) oder den Süden (Wärme! Sonne!). Da beides aber beliebte Alternativen sind, sind sie für Otto Normalverbraucher kaum erschwinglich, wenn nicht sowieso seit fast einem Jahr ausgebucht.

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Tallinn ohne Touristenmassen ist aber auch schön.

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Bisher dachte ich immer, das Schlimmste an Reisen, die mit dem Schiff von Helsinki aus anfangen, wären die jeweils zwei Stunden Autobahn von Turku nach Helsinki und zurück. Dabei sind die jeweils zweieinhalb Stunden auf der Fähre nach Tallinn und zurück das Allerschlimmste.

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Die aufgebrezelten, drängelnden, unfreundlichen und oft besoffenen ”Kreuzfahrt”passagiere habe ich nämlich gefressen. Solche, die einem bellenden Hund hinterherlächeln, aber einem zwei Minuten lang lautstark seinen Unmut kundtuenden Dreijährigen nur ein ”Sch! Sch!” zu sagen haben, ganz besonders.

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Der Unterschied zwischen einer Stockholmfähre und einer Tallinnfähre besteht nicht nur in der Grösse der mitgeführten Alkoholtransportgeräte, sondern auch darin, dass in Tallinn die finnischen Passagiere schon besoffen sind, bevor sie die Fähre besteigen.

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Die Kinder überboten sich gegenseitig im Nichthören, Herumzappeln, Miteinanderstreiten und Sichindreckeckenherumdrücken. Rückblickend waren sie aber insgesamt doch wieder ganz wunderbare, begeisterte Reisekinder.

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Doof ist, wenn das Hauptziel der Reise in ”gut essen” besteht, man sich dann am zweiten Tag so lange nicht für ein Restaurant entscheiden kann (Touristenfalle, zu edel mit den Kindern, kein Palatschinken im Angebot, zu ungemütlich, zu teuer, zu gross, zu klein, zu weit weg…) bis die Kinder fast umkippen, man dann die nächstgelegene Lokalität ansteuert und dort nicht nur das Schnitzel so ungeniessbar ist, dass man es ungegessen zurückgeben muss, sondern auch in der Suppe irgendetwas Ungeniessbares war, weswegen man die folgenden anderthalb Tage auf wackeligen Beinen unterwegs ist und der Magen nichts anderes als Orangensaft aufzunehmen bereit ist.

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Die Sonne sahen wir auch in Tallinn nicht.

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Wegen letztem und vorletztem Punkt hielt sich auch die Lust am Fotografieren in Grenzen, weswegen es hier keine Touristenstadtfotos geben wird.

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Den Kindern war das alles egal. Die kann man in Städten am glücklichsten machen, indem man der ganzen Familie ein Mehrtagesticket kauft und stundenlang Strassenbahn fährt. Das haben wir dann auch ausführlich gemacht.


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Vier Herbstferientage

Man hat’s nicht leicht als finnisches Schulkind. Zwei Tage Herbstferien…!

Wir hatten trotzdem prima Ferien: mit einer richtigen Schiffsreise, mit Sandbuddeln und Wandern, mit Meer und Wald, mit Sonne und Hagelschauern.

Das Fräulein Maus durfte eine Stunde eher aus der Schule gehen. Die beiden Herren Maus waren Mittagskinder. Im Sonnenuntergang kamen wir in Tallinn an.

Bis die bis auf den allerletzten Platz ausgebuchte Fähre leer war, war es draussen stockfinster. Als wir die letzten Lichter der Stadt hinter uns gelassen hatten, begleitete uns der Mond neben der Autobahn. Die Mäusekinder zählten Sterne. Ich erfreute mich an weissen Elchwarnschildern und den Wegweisern für Blitzmerker. So Kleinigkeiten, die ein anderes Land so besonders machen.


(Wie man bei zugelassenen 110 km/h auf der Autobahn unfallfrei erfassen soll, wo und wie man wohin an der Ausfahrt abbiegen muss, ist mir ja ein Rätsel…)

Wir verliessen die Autobahn an einer weniger spektakulären Abfahrt (aber mit nicht weniger Ortsangaben – die sich dann allesamt als Ansammlung von maximal fünf Häusern entpuppten). Die vollkommen dunkle, schmale Strasse wand sich durch einen undurchdringlichen nächtlichen Märchenwald, der so dicht an die Strasse heranwuchs, dass einmal sogar ein kleines, reflektierendes, rot-weisses Schildchen vor einem knorrigen Kiefernast, der über die Strasse ragte, warnte. Ein Fuchs lief elegant über die Strasse, ein Reh kehrte wieder um, mehrere funkelnde Augen verfolgten uns aus dem Unterholz am Strassenrand. Dann wieder führte die Strasse über mondbeschienene Felder, auf denen sich Kühe zusammendrängten. Ich wusste gleich, dass wir uns mit dem ersten Nationalpark der Sowjetunion für das richtige Reiseziel entschlossen hatten.

Am ersten Tag besuchten wir das Meer. Das gleiche Meer, das doch so ganz anders aussieht als bei uns. Und allüberall finnische Findlinge!

Am zweiten Tag besuchten wir die Biber. Das nämlich hatte den Ausschlag gegeben für den Nationalpark: dass es dort jede Menge Rundwanderwege gibt. Der Biberlehrpfad ist ein ganz besonders liebevoll angelegter, der tatsächlich an mehreren Biberdeichen und benagten Bäumen vorbeiführt. Der grosse Herr Maus behauptete sogar, er habe eine Biberpfote gesehen, und wollte unbedingt warten, bis er einen ganzen, echten Biber gesehen hätte. Leider regnete es in Strömen, und das Fräulein Maus, das mir im Frühling die lustigen Krokodilgummistiefel abgetrotzt hatte, hatte nasse Füsse, weil ebenjene Gummistiefel nach nur ein paar Monaten an der Sohle durchgelaufen waren. (Unser erster Weg zu Hause führte in den grossen Supermarkt, ordentliche Nokia-Gummistiefel kaufen. Solche, die das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus schon jeweils zwei Jahre getragen haben, und die der kleine Herr Maus jetzt immer noch mit wunderbar trockenen und warmen Füssen trägt.)

Am dritten Tag fuhren wir ans andere Ende des Nationalparks. Über winzige Strassen, vorbei an immer nur einzelnen Häuschen – oft grüne oder dunkelgelbe Holzhäuschen, die mich immer an „Timur und sein Trupp“ erinnern. Vorbei an verfallenen Ställen und Fabrikruinen, vorbei an prunkvollen Landgütern. Und überall Storchennester: auf Schornsteinen, auf Strommasten. Da wäre ich gern mal im Sommer. Als wir noch eine Kleinststadt mit trostlosen Plattenbauten, aber einem supermodernen, riesigen Spielplatz passiert hatten, waren wir am Ausgangspunkt unserer ausgewählten Wanderroute: zum sieben Meter hohen drittgrössten Findling Estlands (die beiden grösseren liegen vor der Küste im Meer rum). Es fing dann auch gleich erstmal an zu hageln. Der Weg schlängelte sich sieben Kilometer durch hohe Fichten mit Flechtenbartzotteln an den Ästen, durch Moor, über eine lange, mit Rentierflechte bewachsene Düne, durch Birkenwäldchen und an einem Bach entlang. Von einem Aussichtsturm sahen wir bis zum fernen Tallinn. „Ob man auf den Findling auch draufklettern kann?“ hatte das Fräulein Maus vorher gefragt. „Ich glaube nicht. Den kann man sich bestimmt nur von unten angucken. Sieben Meter sind ja ganz schön hoch, da kann man nicht einfach so hochklettern“, hatte ich ihr geantwortet. Und dann entdeckte sie die Leiter als erste: „Da kann man ja doch draufklettern!“ Das war das Allerbeste.

Wir assen leckere Sachen, und die Kinder freuten sich über die Spielzimmer oder wenigstens Spielecken in jedem Restaurant. (Über das deutsche Restaurant, in das es uns zufällig verschlagen hat, und das wir aus verschiedenen Gründen schnellstmöglich wieder verliessen, sage ich jetzt besser nichts…)

Am vierten Tag kauften wir im Supermarkt genug estnische Kekse, Bonbons, nostalgisch verpackte Schokolade, Käse und slowakische Käsenudeln für das nächste halbe Jahr die nächsten vier Wochen.

Dann betankten wir den Herrn Picasso mit preiswertem Benzin, fuhren zurück nach Tallinn, bestiegen eine völlig ausgebuchte Fähre, ärgerten uns ein wenig über bekloppte „Kreuzfahrer“… und als wir am blinkenden Leuchtturm von Suomenlinna vorbei in den Helsinkier Hafen einfuhren, habe ich mich schon ganz schrecklich auf die nächste Reise gevorfreut.