Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Flieg, Korbinchen, flieg!

Drachensteigen ist ja nicht unbedingt ein Kinderspiel.

Suchbild. ;-)
(So eine 100-m-Drachenschnur ist ganz schön… lang.)

Die meisten Drachen nämlich sind leider völlig ungeeignet: drehen unkontrollierte Loopings in der Luft und stürzen gleich wieder ab. Ich habe in meinem ganzen Leben eigentlich nur zwei Drachen an der Leine gehabt, mit denen ich wirklich Spass hatte: den riesigen Lenkdrachen, den der ehemalige Mäusefängerfreund und Bürokollege, als wir gemeinsam auf Tagung nach Holland fuhren, dorthin mitgenommen hatte – und Korbinchen.

Korbinchen hat mein Vater aus einem Bastelbogen aus einer FRÖSI von 1968 (!) für mich gebaut, als ich ein Jahr alt war. Korbinchen bekam ein paar Jahre später einen noch längeren Schwanz verpasst sowie eine 100-m-Leine, die das einzig Brauchbare an einem gekauften Drachen, den ich mal geschenkt bekommen hatte, gewesen war, und stieg Herbst für Herbst wie ein Greifvogel in die Luft. Das letzte Mal war ich mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann das Korbinchen auf den Hochebenen über Jena ausführen, da waren wir beide dem Drachenalter längst entwachsen, aber na und?! Vor ein paar Jahren brachten meine Eltern Korbinchen mit nach Turku, und ich hätte gern sofort ausprobiert, ob es immer noch so prima fliegt.

Aber. Drachensteigen ist hier auch deswegen schwierig, weil es keine geeigneten Plätze dafür gibt. Es gibt keine Stoppelfelder, weil die so spät erst abgeerntet und dann immer gleich umgepflügt werden. Und selbst wenn, befinden sich Felder und Wiesen immer irgendwo unten, im Windschatten von Wäldern, sind eher klein und zumeist von Stromleitungen überzogen.

Sonntagabend, als wir sowieso alle – bis auf den grossen Herrn Maus natürlich – ganz dringend nochmal frische Luft schnappen und Sonne tanken mussten, haben wir dann jetzt einfach mal beschlossen, dass die Kinder jetzt alt genug sind und schon oft genug da waren, um das Korbinchen vom einzigen geeigneten Platz weit und breit aus steigen zu lassen: einem ziemlich steilen Berg – naja, „Berg“; eher ein überdimensionierter Felsen – nämlich. Was auch deswegen kein Problem darstellte, weil das Korbinchen wirklich mit der ersten Windböe in die Luft steigt und dann da steht wie eine Eins, so dass man mit ihm auch nicht rennen muss, um es in die Luft zu bringen oder in der Luft zu halten. (Die Kinder rannten nur juchzend durch die Gegend, um geeignete trockene Grashalme zu sammeln, um dem Korbinchen Post nach oben zu schicken.)

Kinder glücklich.
Eltern glücklich.
Das Korbinchen nickte uns von weit oben auch irgendwie glücklich lächelnd zu. Mit Kranichen ist es noch nie geflogen!


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kolmesataakymmenen, kolmesataayksitoista

Am Freitag fuhren wir – dafür, dass Ferien sind und wir Urlaub haben – aussergewöhnlich viel durch die Gegend.

Erst waren wir in Naantali am Strand, dann fuhren wir das Fräulein Maus zum Training ins Stadion, dann fuhren wir die Herren Maus nach Hause, dann assen wir schnell ein Eis, dann fuhren der kleine Herr Maus, der Ähämann und ich kurz ins Einkaufszentrum – wo die 310 im Parkhaus vor uns stand – dann fuhren wir das Fräulein Maus vom Stadion abholen, wobei der kleine Herr Maus bei knapp 30 Grad erst noch mehrere Runden ums Stadion raste und wir Eltern beiden Kindern beim Sportmachen zusahen und nebenher der Musik zuhörten, die von der nahegelegenen Bühne des Rockfestivals herüberschallte, dann fuhren wir heim – wobei wir an einer geparkten 311 vorbeikamen – dann packten wir schnell eine Picknicktasche mit unserem Abendbrot und fuhren zum nahegelegenen Berg, den wir immer bei derlei Gelegenheiten aufsuchen, um auf die Mondfinsternis zu warten.

Seit Wochen war der Himmel komplett wolkenlos gewesen, aber Freitagabend hatten sich natürlich im Süden zwei grosse Gewitterwolken aufgetürmt, so dass wir zwar gegen halb elf einen wunderbaren Sonnenuntergang beobachten konnten, aber keinen Mondaufgang. Und statt sich aufzulösen, breiteteten sich die Wolken immer weiter aus. Halb zwölf hatten bis auf zwanzig alle zweitausend Leute, die die gleiche Idee wie wir gehabt hatten, den Berg verlassen. Dreiviertel zwölf lugte der blassrosa Mond – ich hatte ja befürchtet, dass man bei der Helligkeit, die hier auch nach Sonnenuntergang herrscht, nicht nur keinen Blutmond, sondern überhaupt, solange er im Schatten liegt, keinen Mond sieht – für drei Minuten durch die Wolken!

Kurz nach Mitternacht fuhren wir nach Hause, halb eins erhaschten wir noch einen Blick auf einen halb beschatteten, leuchtenden Mond von der Terrasse aus. Der kleine Herr Maus schlief am nächsten Tag bis um zwölf.

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Urfeuernacht 2017

Jeden letzten Samstag im August werden hier entlang der Küste grosse Feuer entzündet – zur Erinnerung daran, dass solche Feuer früher als Seezeichen und Warnsignale dienten – um den Sommer zu verabschieden.

Das schönste Feuer der Schärenregion fand dieses Jahr leider nicht statt. Und so wählten wir das nächstgelegene und fuhren im Abendsonnenschein mit den Fahrrädern hin.

Das Feuer war zwar ein Spiritusfeuer im Fass, aber trotzdem ganz hübsch anzusehen, auf dem Fluss zogen beleuchtete Boote vorbei, es gab Musik und Feuerakrobatikvorführungen.

Und als wir halb elf wieder heimradelten, war es stockdunkel.

Von jetzt an wieder: Die Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Regelmässig Vitamin D einnehmen. Mützen, Handschuhe und Reflektoren herauskramen.

Tschüss, Sommer!


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In den Mond gucken

Wolkenloser Himmel, Vollmond, Mondfinsternis und Freitagabend sind eine sehr schöne Kombination.

Der grosse Herr Maus schleppte begeistert sein Teleskop auf den Berg, der uns schon einmal im Finstern den Tag gerettet hatte. Leider konnte man auch damit die nur Halbschattenfinsternis nicht erkennen, aber egal… Vollmond! Sterne! Oranges Abendlicht! So, so schön!!!


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Abendliches Kinderlüften

Als der Ähämann und ich heute – nach einem Wochenende, das wir wegen Ekelwetter, einer Einladung zur Feier eines Hochzeitstages, einem Wettkampf des Fräulein Maus und dem seit neuestem in der Halle stattfindenden Fussballtraining des grossen Herrn Maus hauptsächlich in geschlossenen Räumen verbracht hatten – zur Feier des Tages mit der ganzen Familie fein Kaffeetrinken gehen wollten, drehten die Kinder alle drei völlig am Rad.

Wir fuhren dann vom Café gar nicht erst nach Hause, sondern am Abzweig vorbei noch ein paar Kilomter weiter und stiegen im Finstern auf einen Berg.

Danach ging’s wieder.


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Draussen vor der Stadt

Vielleicht haben wir deshalb fast neun Jahre gebraucht, bis wir endlich mal zum in Fahrradentfernung gelegenen Burgberg von Liedon Vanhalinna aufgebrochen sind, weil es ein Tag sein musste wie heute:

Mit Sonne und weissen Wölkchen und frischem Wind und bunten Wiesen und frühlingsgrünen Getreidefeldern und Wäldern voll Maiglöckchenduft und funkelndem Fluss unter der Hängebrücke und zwei glücklich im Fahrradanhänger sitzenden Herren Maus und einem stolz selbst radelnden Fräulein Maus.