Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Gelber Sonntag

Als wir losfuhren, war schon voll der Juhannus-Rückreiseverkehr. Sehr praktisch, die Autofähren fuhren nämlich zu mehreren non-stop, aber voll wurden sie nur in die Gegenrichtung.

Und zum ersten Mal mit Strom übers Meer gefahren sind wir auch. (Sie klingt wie eine Strassenbahn!)

(Ich hab‘ schon mal erwähnt, dass ich sehr glücklich bin, da zu wohnen, wo wir wohnen, ja?!)


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Als wir heute am Frühstückstisch – so gegen halb zwölf – gemeinsam überlegten, was wir denn mit dem schönen sonnigen Tag – der allerdings trotzdem nur noch drei Stunden dauern würde – anfangen sollten, da lief es mal wieder auf Autofähre fahren, ein bisschen wandern und danach im Allzeitlieblingsrestaurant essen hinaus.

Der Rundweg, für den wir uns heute entschieden, sollte laut Beschreibung über einen sehr steilen Aufstieg mit einem Seil als Aufstiegshilfe führen. Dass man da nun hier in der Gegend keinen alpinen Wanderweg erwarten kann, dass war uns ja schon allen klar. Dennoch hatten zumindest die Kinder eher so etwas zum Hochziehen erwartet, als das, was wir dann vorfanden: ein dickes Tau am linken Wegesrand von Baum zu Baum gespannt, das weder als Absturzsicherung nach links noch zum Hochziehen und Festhalten während des kein bisschen steilen Aufstiegs gebraucht wurde.

Das passte auch sehr gut zu dem, was wir kurz vorher auf der Autofähre erlebt hatten. Als der kleine Herr Maus und ich wie immer sofort die Treppe zur Balustrade, auf der wir neulich erst noch während der Überfahrt Ausblick und Zeltkakao genossen hatten, erklimmern wollten, war die mit lauter „Zutritt verboten“-Schildern und -Pforten versehen. „Das ist gefährlich da oben!“, murmelte die Autoeinweiserin mir auf Nachfrage zu.

HIMMELHERRGOTTNOCHMAL!

Ja, ich habe in den letzten Jahren bestimmt auch fünfhundert Mal „Und immer schön auf der anderen Seite gehen!“, „Nicht rennen!“, „Nicht zum Geländer rauslehnen!“, „Mit beiden Händen festhalten!“, „Schön langsam die Treppe runtergehen!“ gesagt. Aber ich habe auch beobachtet, wie ich mich von Fährfahrt zu Fährfahrt mehr auf die Kinder verlassen konnte. Dass sie mich mit ihrem irren Durch-die-Gegend-Gespringe zur Weissglut treiben können, aber dass sie, wenn es darauf ankommt, vorsichtig sind wie sonstwas, von sich aus. Und jetzt ist das auf einmal zu gefährlich?!

ES KOTZT MICH SO AN!!!

(Die Wanderung war nett. Das Essen – sie haben da seit einiger Zeit einen estnischen Koch – war super. Und von der Fähre, mit der wir zurückfuhren, rollte eine 247.)

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Vatertag, verspätet

Letzte Woche war hier Vatertag, so mit Geschenken und Kinder-decken-den-Frühstückstisch und Gemeinsam-schön-essen-gehen. Auf den letzten Punkt haben wir aus Gründen verzichtet; weil den Ähämann aber mal wieder nach einem Steak gelüstete, planten wir schon letzten Sonntag, heute nach Nauvo ins Allzeitlieblingsrestaurant zu fahren.

Und mal zu gucken, wie weit die Brückenbauarbeiten am Anleger für die neue Hybridfähre schon gediehen sind.

Ab nächstem Sommer fahren wir nämlich mit Strom übers Meer, jeee!

(Darauf einen „Zeltkakao“!)


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Wochenende II

Und als wir dann endlich nach Wochen zum ersten Mal wieder einen ganzen Wochenendtag frei hatten, die halbe Familie aber noch hustete und schniefte und das Wetter auch eher mistig war, da taten wir, was wir immer bei solchen Gelegenheiten tun, wenn wir trotzdem einen Ausflug machen wollen: wir fuhren mit der Lieblingsautofähre auf die überübernächste Insel.

Es ist noch gar nicht so lange her, da sagte ich, als wir wieder irgendwo eine neue Brücke statt einer Autofähre vorfanden: um die Lieblingsfähre müssen wir uns wohl keine Sorgen machen – die Strecke ist einfach zu lang. Nur ein paar Tage später kam der Ähämann mit dem Gerücht nach Hause, dort werde jetzt auch eine Brücke gebaut. Als wäre das schon beschlossene Sache.

Mir wurde ganz weh ums Herz. Denn so wenig ich den Fahrten mit den Stockholm- und Tallinnfähren abgewinnen kann, so sehr hänge ich an den kleinen, gelben Strassenfähren.

Doch eine kurze Recherche ergab: das ist ja ein uralter Hut. Da wird noch viel Wasser den Aurajoki hinabfliessen, ehe die Lieblingsfähre ausser Betrieb genommen wird. Wenn überhaupt.

So lange werden wir weiterhin Fähre fahren. Übers zugefrorene Meer, bei Mondschein, bei Mistwetter. So oft es geht.

Und geduldig jeden Stau ertragen – die Anwohner, in deren Namen das Brückenprojekt angeblich durchgesetzt werden soll, haben sowieso ein Vorfahrtsrecht; und wer sich ein Mökki auf einer Insel baut, tja… – denn der ist schliesslich Teil des Abenteuers.

Es gibt sowieso zu viel Hektik auf der Welt.


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Sonntagabendstau

Was wir nicht bedacht hatten: offensichtlich hat dank des zeitigen Frühlingseinbruchs auch die Mökkisaison schon angefangen – während die Autofähre weiterhin nach Winterplan verkehrt.

Als wir gestern nach absolvierter Wanderung unsere hungrigen Mägen in Nauvo wieder aufgefüllt hatten (und ich möchte mir jetzt besser nicht ausmalen, wie es uns ergangen wäre, wenn wir uns für die Option „Ach, lass uns doch zu Hause was kochen!“ entschieden hätten) und gegen halb acht im Abendsonnenschein die Heimfahrt antraten, da gingen wir fest davon aus, dass der grösste Sonntag-Rückreise-Ansturm auf die Fähre schon vorbei wäre.

Wir versuchten uns sogar noch zu erinnern, wann denn die nächste Fähre fahrplanmässig fahren müsste, und ob wir wohl gerade richtig kämen oder vielleicht einen knappe halbe Stunde warten müssten – da mussten wir schon scharf bremsen: wegen der einzigen Art Stau, die es in Finnland ausserhalb von Ring III gibt.

Zwar flog fuhr „Sterna“ schon längst nicht mehr nach Fahrplan, sondern non-stop von einem Ufer zum anderen, aber eben allein auf weiter Flur (während im Sommer bis zu drei Fähren gleichzeitig hin und her fahren), und, weil Autos ja immer schwerer werden, auch nur mit einer (von möglichen zwei) heruntergelassenen Autobalustraden. Alle zwanzig Minuten rückten wir ein Stückchen der letzten zwei Kilometer bis zur Fähranlegestelle vor. Ab und an brauste ein Auto mit rotem Schild auf der linken Fahrspur vorbei. Das Kaffeebüdchen kurz vor der Anlegestelle hatte noch auf und machte kräftig Einnahmen. Munkki war schon alle, aber Kaffee und Eis gab’s noch und wurde reichlich aus dem Büdchen heraus und an der Autoschlange entlanggetragen. Ab und zu ging sich jemand die Beine vertreten. Keiner meckerte.

Nach knapp zwei Stunden Warterei passte der Herr Picasso als vorvorvorletztes Auto noch auf die Fähre. Überall blinkerten schon die Seezeichen rot und grün und weiss.

Bis wir zu Hause ankamen, waren alle drei Kinder eingeschlafen. Eins wollte dann nicht mal mehr ins Bett.

Unsere Kinder sind auch die, die montags meist bereitwillig Mittagsschlaf im Kindergarten machen…


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Willkommen, März!

Der März ist der schönste Wintermonat in Finnland. Mit Eis auf dem Meer und Schnee und Sonne und starkem Nachtfrost, und tagsüber tropft der Schnee von den Dächern und sickert von den Strassen.

Zeit für eine Seereise. ;-)

Mit der Autofähre von Parainen nach Nauvo, und von Nauvo nach Korppoo. Und wieder zurück natürlich.