Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Es ist seit Wochen finster. Und noch schlimmer: wir hatten seit Wochen kein freies Wochenende mehr. Denn zusätzlich zu all den Weihnachtsfeierlichkeiten im Dezember hat auch noch ein Grossteil der Freunde unserer Kinder am Jahresende Geburtstag und feiert üblicherweise samstags.

Gestern war zwar nicht völlig frei, aber immerhin bis 17:30 Uhr, und seit Wochen stand der Plan dafür – weil der immer und bei jedem Wetter geht – wir fahren Elektra!

Elektra

(Ton an! Sie ist so, so leise!)

Ausserdem sahen wir seit Wochen zum ersten Mal wieder die Sonne (wenngleich nur als orangen Streifen am Horizont, aber mehr kann man um diese Jahreszeit auch nicht erwarten) und den Wald. Und ein bisschen Schnee und Eis. Und einen rotbemützten Tonttu trafen wir auch. ;-)


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Gelber Sonntag

Als wir losfuhren, war schon voll der Juhannus-Rückreiseverkehr. Sehr praktisch, die Autofähren fuhren nämlich zu mehreren non-stop, aber voll wurden sie nur in die Gegenrichtung.

Und zum ersten Mal mit Strom übers Meer gefahren sind wir auch. (Sie klingt wie eine Strassenbahn!)

(Ich hab‘ schon mal erwähnt, dass ich sehr glücklich bin, da zu wohnen, wo wir wohnen, ja?!)


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Als wir heute am Frühstückstisch – so gegen halb zwölf – gemeinsam überlegten, was wir denn mit dem schönen sonnigen Tag – der allerdings trotzdem nur noch drei Stunden dauern würde – anfangen sollten, da lief es mal wieder auf Autofähre fahren, ein bisschen wandern und danach im Allzeitlieblingsrestaurant essen hinaus.

Der Rundweg, für den wir uns heute entschieden, sollte laut Beschreibung über einen sehr steilen Aufstieg mit einem Seil als Aufstiegshilfe führen. Dass man da nun hier in der Gegend keinen alpinen Wanderweg erwarten kann, dass war uns ja schon allen klar. Dennoch hatten zumindest die Kinder eher so etwas zum Hochziehen erwartet, als das, was wir dann vorfanden: ein dickes Tau am linken Wegesrand von Baum zu Baum gespannt, das weder als Absturzsicherung nach links noch zum Hochziehen und Festhalten während des kein bisschen steilen Aufstiegs gebraucht wurde.

Das passte auch sehr gut zu dem, was wir kurz vorher auf der Autofähre erlebt hatten. Als der kleine Herr Maus und ich wie immer sofort die Treppe zur Balustrade, auf der wir neulich erst noch während der Überfahrt Ausblick und Zeltkakao genossen hatten, erklimmern wollten, war die mit lauter „Zutritt verboten“-Schildern und -Pforten versehen. „Das ist gefährlich da oben!“, murmelte die Autoeinweiserin mir auf Nachfrage zu.

HIMMELHERRGOTTNOCHMAL!

Ja, ich habe in den letzten Jahren bestimmt auch fünfhundert Mal „Und immer schön auf der anderen Seite gehen!“, „Nicht rennen!“, „Nicht zum Geländer rauslehnen!“, „Mit beiden Händen festhalten!“, „Schön langsam die Treppe runtergehen!“ gesagt. Aber ich habe auch beobachtet, wie ich mich von Fährfahrt zu Fährfahrt mehr auf die Kinder verlassen konnte. Dass sie mich mit ihrem irren Durch-die-Gegend-Gespringe zur Weissglut treiben können, aber dass sie, wenn es darauf ankommt, vorsichtig sind wie sonstwas, von sich aus. Und jetzt ist das auf einmal zu gefährlich?!

ES KOTZT MICH SO AN!!!

(Die Wanderung war nett. Das Essen – sie haben da seit einiger Zeit einen estnischen Koch – war super. Und von der Fähre, mit der wir zurückfuhren, rollte eine 247.)

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Vatertag, verspätet

Letzte Woche war hier Vatertag, so mit Geschenken und Kinder-decken-den-Frühstückstisch und Gemeinsam-schön-essen-gehen. Auf den letzten Punkt haben wir aus Gründen verzichtet; weil den Ähämann aber mal wieder nach einem Steak gelüstete, planten wir schon letzten Sonntag, heute nach Nauvo ins Allzeitlieblingsrestaurant zu fahren.

Und mal zu gucken, wie weit die Brückenbauarbeiten am Anleger für die neue Hybridfähre schon gediehen sind.

Ab nächstem Sommer fahren wir nämlich mit Strom übers Meer, jeee!

(Darauf einen „Zeltkakao“!)


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Wochenende II

Und als wir dann endlich nach Wochen zum ersten Mal wieder einen ganzen Wochenendtag frei hatten, die halbe Familie aber noch hustete und schniefte und das Wetter auch eher mistig war, da taten wir, was wir immer bei solchen Gelegenheiten tun, wenn wir trotzdem einen Ausflug machen wollen: wir fuhren mit der Lieblingsautofähre auf die überübernächste Insel.

Es ist noch gar nicht so lange her, da sagte ich, als wir wieder irgendwo eine neue Brücke statt einer Autofähre vorfanden: um die Lieblingsfähre müssen wir uns wohl keine Sorgen machen – die Strecke ist einfach zu lang. Nur ein paar Tage später kam der Ähämann mit dem Gerücht nach Hause, dort werde jetzt auch eine Brücke gebaut. Als wäre das schon beschlossene Sache.

Mir wurde ganz weh ums Herz. Denn so wenig ich den Fahrten mit den Stockholm- und Tallinnfähren abgewinnen kann, so sehr hänge ich an den kleinen, gelben Strassenfähren.

Doch eine kurze Recherche ergab: das ist ja ein uralter Hut. Da wird noch viel Wasser den Aurajoki hinabfliessen, ehe die Lieblingsfähre ausser Betrieb genommen wird. Wenn überhaupt.

So lange werden wir weiterhin Fähre fahren. Übers zugefrorene Meer, bei Mondschein, bei Mistwetter. So oft es geht.

Und geduldig jeden Stau ertragen – die Anwohner, in deren Namen das Brückenprojekt angeblich durchgesetzt werden soll, haben sowieso ein Vorfahrtsrecht; und wer sich ein Mökki auf einer Insel baut, tja… – denn der ist schliesslich Teil des Abenteuers.

Es gibt sowieso zu viel Hektik auf der Welt.