Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Hofpausen

„Mama, ich finde es echt schön in der Schule! Aber eine Sache ist doof: die Pausen sind immer so kurz! Immer wenn wir gerade mitten im Spielen sind, müssen wir schon wieder rein…!“

Lieber kleinster Sohn, du jammerst auf sehr hohem Niveau, denke ich im Stillen.

Finnische Schulkinder haben die längsten Pausen der Welt, las ich neulich. Ich weiss nicht, ob das stimmt – aber unwahrscheinlich erscheint es mir nicht.

Nach jeder 45-minütigen Unterrichtsstunde gibt es 15 Minuten Pause, die nahezu ausnahmslos im Freien verbracht werden. Und zwar die gesamten 15 Minuten. Wenn der Unterricht 10 Uhr weitergeht, müssen die Kinder nicht 9:55 Uhr reingehen, damit sie 10 Uhr ausgezogen und bereit an ihrem Platz sitzen, sondern sie gehen 10 Uhr, wenn die Schulglocke klingelt, vom Hof zurück in ihre Klassen.

Die Mittagspause nennt sich „lange Pause“ und ist 30 Minuten lang. „Mittagspause“ wäre auch falsch, denn Mittag gegessen wird innerhalb der Unterrichtsstunde vorher. Die Zeit fürs Mittagessen geht also vom Unterricht ab, nicht von der Pause.

„Du hast wirklich keinen Grund, dich zu beklagen“, sage ich zum kleinen Herrn Maus. Und dann erzähle ich ihm ein bisschen was über die Pausen in meiner Schulzeit.


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Drei Schulkinder

Ich hatte mich vorher ja so ein bisschen gegruselt. Vor dem zeitigen Aufstehen – seit ich mich getraut hatte, ins Wilma in die seit kurz nach Juhannus dort stehenden Stundenpläne zu gucken, war klar, dass an vier Tagen der Woche mindestens ein Kind schon um acht Schule hat – und davor, dass dann plötzlich jeden Tag mindestens ein Kind zu irgendeinem Hobby kutschiert werden muss und überhaupt jeden Tag wieder dreitausend Termine unter einen Hut gebracht werden müssen.

Nach einer Woche vier Tagen mit drei Schulkindern kann ich vermelden: alles halb so wild!

Ich habe innerhalb der letzten vier Tage zwar mindestens dreihundertachtundzwanzig Termine in den Kalender eingetragen, aber das mit den Hobbys sieht bisher ganz gut aus: die beiden Herren Maus haben beide Plätze an der Musikschule bekommen, und zwar am gleichen Tag zur fast gleichen Zeit, das Fräulein Maus kann zumindest an manchen Tagen allein mit dem Fahrrad oder dem Bus zum Training fahren, und die Wochenenden haben wir fast wieder für uns, weil Schwimm- und Turntraining erst Sonntagabend sein wird, und zwar zur gleichen Zeit. Sogar der Deutschunterricht wird sich auf zwei statt der befürchteten drei Tage pro Woche beschränken, und zwar so, dass die Herren Maus direkt vom Deutschunterricht zur Musikschule gehen können und das Fräulein Maus an ihrem Deutschunterrichtstag direkt danach zum Training – sie hätten ja auch jeweils genau am anderen Tag Deutsch haben können; nicht auszudenken!

Sogar das mit dem Elternabend haben sie dieses Jahr so hingekriegt, dass ich sowohl die neue Lehrerin des grossen Herrn Maus kennenlernen als auch alle Infos zur schon in drei Wochen anstehenden Klassenfahrt des Fräulein Maus bekommen kann.

Die Besorgungen für die Schule beschränkten sich auf ein paar neue Hausschuhe für den kleinen Herrn Maus und eine kleine Thermosflasche für das Fräulein Maus, in der sie ab sofort ihre eigene Milch in die Schule transportiert. (Seit es landesweit in Kindergärten und Schulen nur noch fettfreie Milch geben darf, trinkt das Fräulein Maus nur noch Wasser. Dabei würde sie die Milch mittags so dringend brauchen, weil sie vom Schulessen auch nur Minimengen isst.)

Jeden Morgen fahren zwei mit dem Rad in die grosse Schule, eins stapft jeden Morgen allein los und kommt nachmittags selbstständig aus dem Hort nach Hause. Jeden Abend bin ich erstaunt, wie schnell ich von Arbeit zu Hause bin, wenn kein einziges Kind mehr unterwegs eingesammelt werden muss!

Der kleine Herr Maus hat – und seine Geschwister waren dabei mindestens so stolz wie er selbst – vor der versammelten Schule seine Schulanfängermütze überreicht bekommen. Und ich sehe auch beim dritten Mal wieder fasziniert zu, wie aus dem Kindergartenkind quasi über Nacht ein selbständiges, verantwortungsbewusstes, stolzes Schulkind geworden ist.

Und wie toll, dass ich seit einer Woche auch auf Arbeit jeden Tag mit kleinen Schulanfängern spielen arbeiten darf!

Das Schuljahr 2017/18 gefällt mir bisher ausnehmend gut.


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Traditionen weitergeben

Mein Schulanfang war das wunderbarste Fest meiner Kindheit.

3. September 1983

Und deswegen feiern wir auch die Schulanfänge aller unserer Kinder genau so: mit Verwandten, Freunden und Paten, mit Zuckertüte und Zuckertütenbaum und einem kleinen Schulanfänger, der den ganzen Tag im Mittelpunkt stehen darf.

Auch wenn so ein finnischer Schulanfänger eigentlich ohne viel Aufhebens einfach am ersten Schultag in die Schule marschiert.

Das machen wir dann am Dienstag.


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Statt Neujahrsspaziergang

Bis halb elf schlafen, dann schnell meinem Lieblingsneujahrsritual nachgehen und vom Sofa aus das letzte Noch-Nicht-Schulkind für die Schule anmelden, und dann ganz schnell ans ins Meer.

Spiegelglatt und mit Eishaut heute. Sooo schön!

(Man beachte den gigantischen Sonnenstand…!)


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Schulanfang auf Deutsch

Der Samstag begann damit, dass der Schulanfänger und seine grosse Schwester, nachdem sie ihre Festkleidung angezogen hatten, nach einem Strauss-Walzer verlangten und durchs Wohnzimmer tanzten, und er endete damit, dass wir mit den Kindern und den Grosseltern halb elf noch vorm Fernseher sassen und die schönsten Fotos vom grossen Herrn Maus aus den letzten siebeneinviertel Jahren anguckten.

Dazwischen hatten wir viele, viele Gäste, die dem grossen Herrn Maus wichtig sind, packten viele, viele liebevoll für ihn ausgesuchte Geschenke aus, assen zwei riesige Töpfe Soljanka, ernteten Zuckertütchen vom Apfelbaum, assen Rhabarberkuchen und Kalten Hund, sprangen Trampolin, tranken literweise Limo, schwitzten, holten uns fast einen Sonnenbrand, und abends durfte der grosse Herr Maus mit der Lupe aus seiner Zuckertüte den Grill anzünden.

„Ich hatte aber eine schöne Schulanfangsfeier!“ sagte er glücklich, als er endlich ins Bett sank. „Und jetzt nur noch dreimal schlafen!“

So soll es sein.


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Nich’ mein Kind…

Gestern füllte ich mit dem Fräulein Maus einen Zettel aus, auf dem sie ihre Wünsche für die eine Stunde Wahlfach im nächsten Schuljahr angeben sollte. Sie brauchte eigentlich nur noch meine Unterschrift, denn sie hatte sich schon fest entschieden: Handarbeiten, und wenn das nicht ginge, dann Hauswirtschaft. (Weiterhin zur Auswahl hätten gestanden: Sport, Musik, Kunst, Werken, Computer, Theater, Gebärdensprache, Naturwissenschaften.)

Ich habe nur ein ganz kleines bisschen innerlich den Kopf geschüttelt.

Und mich so gefreut über das Kind, das so ganz genau weiss, was es will. Bei allem.