Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Sommerschlussverkauf am Eiskiosk

Gestern und vorgestern kosteten am Eiskiosk neben meiner Arbeit jedes Softeis und jede Kugel Eis 1 €. (Statt 3,50 €.) Die Portionen waren extragross, und die Streusel, die man sich sonst für weitere 80 cent auf sein Softeis kippen lassen kann, gab es gratis dazu.

Wir waren dann auch in den zwei Tagen in unterschiedlichen Konstellationen insgesamt drei Mal da – normalerweise leisten wir uns bei den Preisen den Luxus eines Kioskeises nicht und halten uns an das phänomenale Sortiment an einzelnen Stiel- und Waffeleisen der Supermärkte – und als der kleine Herr Maus sich gestern nach seinem Musiktheorieunterricht am anderen Ende der Stadt mit mir zum gemeinsamen Heimradeln traf, ergatterte er das vorvorvorletzte Softeis. Dann wurde der Rolladen am Eiskiosk heruntergelassen. Sommer vorbei.

Heute Herbst, mit eisigen 14 Grad und heulendem Sturm.


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neljäsataakolmetoista

Dankenswerterweise ist hier seit Schulbeginn bisher nur von Montag bis Freitag Herbst, an den Wochenenden aber noch Sommer.

Am Samstag gingen wir in unsere Statt-Mökki-Sauna, die noch bis Mitte September aufhat. Nach jedem Saunagang, wenn wir hinterher auf dem Steg oder den Saunastufen in der Sonne sassen, flogen Libellen träge um uns herum und landeten mal auf der Hand, mal auf der Schulter, mal auf den Haaren. Nur nicht rühren: Bleib noch sitzen, Libelle! Bleib noch, Sommer!

Als wir heimfuhren, überholten wir an einer Haltestelle einen der 65 neuen Elektrobusse, mit denen unter Anderem die beiden längsten Stadtbuslinien der Turkuer Nahverkehrsgesellschaft seit diesem Sommer betrieben werden, und schwupps, hatten wir einen Plan für Sonntag: mit dem Elektrobus nach Naantali fahren, ein bisschen am Meer entlangspazieren, was essen gehen, vielleicht auch – „Mama! Dafür sind wir doch nicht zu alt!“ – kurz auf den Spielplatz, auf dem wir früher, als die Kinder klein waren, viele, viele Wochenendstunden zugebracht haben. Wie so Finnen hatten wir Ende August keine Badesachen mehr dabei, aber die Herren Maus gingen kurzentschlossen mit Unterhose in die nur noch 17 Grad warme Ostsee, denn jeder Tag kann jetzt der letzte Sommertag gewesen sein, und man muss die Feste feiern wie sie fallen.

Oh, die Rutsche ist geschrumpft…!

Andere Buslinie, anderer Heimweg: der zu jeder Jahreszeit bei weitem schönste.

Kennzeichenmässig war der Ausflug auch erfolgreich, denn gleich an der Haltestelle, zu der wir von zu Hause aus liefen, um dann ohne Umsteigen bis Naantali durchfahren zu können, kam eine 413 vorbeigefahren.

Busfahren fühlt sich übrigens auch mit grossen Kindern noch viel entspannter an als Autofahren. Und obwohl der Doppelstockbus ja schon cool war, bin ich nicht traurig, dass nun stattdessen die Wahl doch auf mittelgrosse Elektrobusse gefallen ist. Im Gegenteil. Man darf allerdings gespannt sein, wie sich die chinesischen Busse bewähren. Die chinesischen (Diesel-)busse, die ein paar Jahre lang auf unserer Linie fuhren und dann von einem Tag auf den anderen aus dem Verkehr gezogen wurden, mussten jedenfalls von der ersten Woche an mit Klebeband, Holzbrettchen und Schrauben an allen möglichen Stellen am Auseinanderfallen gehindert werden, und sie waren rumpelig und im Winter saukalt. Andererseits habe ich auch schon eine halbe Stunde, auf die ich mich besonders gefreut und für die ich extra ein Buch mitgenommen hatte, in einem eiskalten und finsteren Elektrobus aus finnischer Produktion gesessen, weil dessen Akku fast alle war. Es ist viel Luft nach oben.

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Verlängerte Sommerferien

Am 1. August – allerspätestens mit Schulbeginn Mitte August – zieht hierzulande der vielgepriesene Alltag ein. Ausflüge, Reisen, Café- und Restaurantbesuche scheinen ausschliesslich dem Sommer vorbehalten zu sein.

Ich sag mal so: Alltag reicht mir von Montag bis Freitag. Und Reisen geht immer.

Freitag.

Die Freitagabendfähren auf die Inseln, auf denen viele Leute ihre Mökkis haben – oder ein Mökki gemietet haben, so wie wir – sind immer noch voll. Wir kamen erst zehn Minuten vor Abfahrt an und hatten Glück, dass wir gerade noch draufpassten. Die nächste und letzte wäre erst anderthalb Stunden später gefahren.

Der kleine Herr Maus hat gerade entdeckt, dass es für die Besatzung der Autofähre sogar eine Sauna auf der Fähre gibt.

Die Kinder machten sich, sobald sie entdeckt hatten, dass zum Mökki ein Ruderboot gehört, ohne Umschweife auf die Suche nach Schwimmwesten, stiegen ins Boot steigen und ruderten los. (Diversen Klassenfahrten und Pfadfinderlagern sei Dank. Ich kann immer noch nur in Schlangenlinien rudern.) Sie ruderten unermüdlich, bis es dunkel wurde.

Abendbrot essen, saunieren und nach der Sauna in der doch schon wieder ganz schön kalten Ostsee schwimmen geht schliesslich auch noch, wenn die Sonne unter- und der Mond aufgegangen ist.

Samstag.

Den Samstag begannen wir mit einem Morgenbad in der Ostsee und einem Frühstück auf dem Steg. Es war so warm und sonnig, dass wir den ganzen Tag immer wieder ins Wasser sprangen. Wir machten eine kleine Rudertour zwischen den Inseln – die letzte ist doch schon eine Weile her – und die Kinder ruderten von früh bis spät hin und her und um das nahegelegene Inselchen, bis sie Blasen an den Händen hatten.

Was für ein Geschenk, dieser vielleicht allerletzte Sommertag, nach der letzten Woche voller Sturm und Regen!

Sonntag.

Ein Kind schlich sich völlig unausgeschlafen gegen halb neun aus dem Haus, weil das Ruderboot solch eine Anziehungskraft ausübte. Es dauerte auch nicht lange, bis die anderen beiden mit Schwimmwesten bereitstanden und das zweite Boot ins Wasser schoben.

Die Sonntagnachmittagfähre war genauso voll wie die Freitagabendfähre. Zum Glück waren wir – die Herren Maus wollten noch einen Geocache suchen neben dem Fähranleger – rechtzeitig da, denn drei Autos kamen tatsächlich nicht mehr mit.

Auf der anderen Seite der Fähre gingen wir mittagessen, und weil wir einmal da waren, packten wir die Gelegenheit, den hübschen Wanderweg, den wir letztes Jahr entdeckt hatten, mal ohne vorherige anderthalbstündige Anreise zu gehen, beim Schopf.

Danach Heimfahrt, Dusche, Maus mit Büffchen, Bett.

Was für ein wunderbares Wochenende!


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Spätsommer, plötzlicher

Es liegt auf einmal schon so viel Herbst in der Luft.

Die Birken sind gelb. Das Getreide ist reif. Das Sonnenlicht ist so weich, dass ich manchmal schon meine Sonnenbrille einfach zu Hause lasse. Nach neun Wochen Hochsommer regnet es jetzt ab und zu mal. Und 20 Grad fühlen sich sehr kalt an, wenn man sich seit Anfang Juni an zehn Grad höhere Temperaturen gewöhnt hatte.

Ich bin noch nicht bereit für den Herbst. Obwohl ich weiss, dass ich es eigentlich bin: dass wir diesen Sommer so viel Wärme, Sonne, Meer- und Moorwasser auf der Haut getankt haben, dass es reichen müsste für den Winter. (Aber nur, wenn es ein Winter mit Schnee wird. Sonst sehe ich schwarz.)

Gestern fuhren wir in die Sauna am See. Obwohl es regnete. Weil es regnete. Wir hatten Mittagessen dabei und Kaffee und Kuchen. Als wir ankamen, war das Feuer im Saunaofen gerade am Verlöschen. Wir waren ganz allein da! Wir holten schnell eine Schubkarre voll Holz aus dem Schuppen, warfen ein paar Scheite auf, schöpften zwei Eimer Wasser aus dem See und begaben uns ohne Umschweife, obwohl wir im Auto alle noch Hunger gehabt hatten, in die Sauna. Und danach in den See, auf den der Regen Ringe warf, und dessen Wasser genau die richtige Temperatur hatte: noch warm genug, um bis zu den Seerosen zu schwimmen, aber schon wieder kalt genug, um sich nach der Sauna wirklich abzukühlen.

Wir assen erst, als doch noch drei oder vier andere Leute kamen.

Ich mochte auch das freibadähnliche Gewusel dort im Hochsommer. Die Horden freundlicher, zuvorkommender Jugendlicher, die sich gegenseitig ins Wasser schubsten und sich hinterher wie die Hühner auf der Stange auf den Saunabänken drängelten.

Aber wenn es am Ende des Sommers überall wieder stiller wird, das ist auch schön.

(Noch fünf Tage bis Schulbeginn.)


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Herbstlaub und Sommersonne

Seit vier Tagen haben wir deutschen Oktober: die Bäume sind schon bunt, aber es ist nochmal über 20 Grad warm geworden.

Etwas, das wir in Finnland in 17 Jahren noch kein einziges Mal erlebt haben.

Am Samstag fuhren wir nach Rauma, wo das Herbstlaub besonders malerisch, aber sonst nur mit dicken Jacken und Mützen zu kriegen ist. Diesmal liefen wir im T-Shirt durch die Gassen der Altstadt.

Wir hatten gedacht, wir könnten auch die Chance nutzen, nochmal essen zu gehen, bevor es zu kalt wird, um draussen zu sitzen. Leider hatte der Italiener, der im Juni Tische und Stühle auf dem schmalen Fussweg stehen hatte, selbige schon wieder weggeräumt. Und auch sonst konnte man nirgends in der Altstadt draussen sitzen. (Was ausser uns auch niemanden zu stören schien. Es war überall voll.) Unsere Rettung war die gleiche Pizzeria wie vor einem Jahr, die damals das einzige Lokal gewesen war, das sonntags geöffnet hatte. Diesmal war es das einzige, wo man noch draussen sitzen konnte. „Dieses Wochenende noch“, erklärte uns die Kellnerin, „ab Oktober bräuchten wir eine Sondergenehmigung für den Winter.“ Man könnte tatsächlich meinen, Corona sei vorbei.

Nachdem wir wie immer nach (sehr spätem) Mittagessen und Kaffeetrinken und Besuch des Lieblingsspielplatzes, ohne den wir noch immer keinen Ausflug nach Rauma machen können, die Heimfahrt antraten, war die Sonne gerade untergegangen, und trotzdem war es noch unwirklich warm. Drei Elche standen malerisch im Abendnebel auf einer Wiese neben der Strasse, und ein riesiger rosa Mond leuchtete uns den Weg.


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Meerblick 0,00 €

Jetzt sind wieder diese Tage, die schon richtig herbstlich sein können. Oder noch richtig sommerlich.

Gestern war mehr Sommer als Herbst. Gegen Mittag holten wir den kleinen Herrn Maus von seinem besten ehemaligen Schulfreund ab, bei dem er nicht nur den Samstagnachmittag, sondern spontan auch noch die Nacht verbracht hatte, bestellten zwei Kartons Pizza, fuhren auf die Insel vor den Toren der Stadt und assen Mittag am Strand neben fünfhundert Gänsen. Dann spazierten wir zum Café mit den schönen bunten Fenstern, das im Garten ein ebenso entzückendes Plumpsklo hat, und tranken Kaffee mit Blick aufs Meer.

Das war nicht der sparsamste Tag. Aber man muss die Feste feiern wie sie fallen. Und den Meerblick und die Sonne und das weiche Septemberwaldgrün gab’s kostenlos.


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Spätsommer

Eigentlich wäre Samstagabend Sommerverabschiedung Nacht der Urfeuer gewesen.

Dass wir da dieses Jahr nicht hingehen würden, war mir schon lange klar.

(Es wird wohl auch eine Adventszeit ohne öffentliches Weihnachtsliedersingen und ein Heiligabend ohne Weihnachtsfriedensverkündung werden dieses Jahr.)

Sehr komisch fand ich jedoch, dass sämtliche kleinen Veranstalter – hier oder hier – die Veranstaltung dieses Jahr wegen Corona abgesagt hatten, Städte wie Naantali die Urfeuernacht jedoch mit allem Pipapo – Livemusik, Dampferfahrten, gemeinsamer Gottesdienst – begingen, als wäre nichts.

Wir fuhren nochmal in unsere Samstagssauna – solange noch Sommer ist und die Sauna geöffnet! Und legten zur Feier des Tages Thüringer Rostbrätel auf den finnischen Grill.