Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wochenende

Je voller unser Terminkalender ist, desto dringender haben wir das Bedürfnis nach frischer Luft, Licht und Wald.

Zum Glück ist es noch leidlich lange hell abends, so dass man auch halb drei nach des Fräulein Maus‘ Training noch losfahren kann. Ich hatte neulich gelesen, dass es jetzt die erste strombetriebene Seilfähre in Finnland gibt, und weil die ganz in unserer Nähe fährt, war das Ausflugsziel natürlich klar.

Anders als die „Elektra“ fährt die Seilfähre – die übrigens nicht am Seil gezogen wird, sondern mit Diesel-bzw. Elektromotor fährt; das Seil erleichtert nur die Navigation, weswegen ein Seilfährenfahrer keine Kapitänsausbildung braucht – nicht mit Strom aus dem Akku, sondern mit Strom direkt aus dem Stromnetz und wickelt ihr eigenes Stromkabel während der Fahrt je nach Fahrtrichtung auf oder ab.

Also theoretisch. Wir fuhren nämlich los, und es tat sich nichts, und der Motor hörte sich sehr nach Dieselmotor an. Der Fährfahrer kam aber, als er uns da so stehen und gestikulieren sah, sofort aus seinem kleinen Steuerkabuff gesprungen und rief uns zu: „Das Kabel ist nicht in Betrieb. Die Fähre kriegt nächste Woche erst noch einen grösseren Elektromotor.“ Kein Problem. Wir kommen gern nochmal.

Auf der kleinen Insel, zu der die Seilfähre fährt, gibt es übrigens einen ganz wunderbaren Aussichtspunkt, von dem aus man nur Wald, Wasser und Insel an Insel sehen und sehr weit nach Süden gucken kann.

Leider stürmte es wie blöd, und die Sonne war inzwischen auch verschwunden. Aber egal, Hauptsache draussen!

Der Sonntag begann – das hatten wir ja schon mehrere Monate nicht mehr! – in aller Herrgottsfrühe in der Turnhalle. Das Fräulein Maus hatte einen Wettkampfauftritt.

Aus pädagogischen Gründen tritt der Flohzirkus ein, zwei Mal im Jahr nicht als Mannschaft, sondern einzeln mit einer Kür in rhythmischer Sportgymnastik auf. Obwohl ich das – als Zuschauer – ein bisschen langweilig finde, war ich diesmal doch sehr froh, dass das Fräulein Maus so nochmal ihren Wettkampfanzug vom letzten Jahr ausführen konnte. Den habe ich nämlich mit Zornestränen in den Augen beklebt, weil er erst zwei Tage vorm ersten Wettkampf der Saison von der Schneiderin gekommen war und wir Eltern dann in diesen zwei Tagen alle 800 Strasssteine aufzukleben hatten. (Seit das Fräulein Maus die Mannschaft gewechselt hat, klebe ich ja nicht mehr. Wir bezahlen dafür die Trainerinnen oder die grossen Mädels, die sich damit ein bisschen Geld zusätzlich verdienen. Win-win.) Ich wollte deshalb den Anzug auch nicht an das Mädchen, das für das Fräulein Maus in ihre alte Mannschaft nachgerückt ist, verkaufen – der ist unbezahlbar, echt! – sondern wir haben ihn ihr nur ausgeliehen, und jetzt hatte er nochmal einen Auftritt. Ich bin dann jetzt ein bisschen ausgesöhnt mit den zwei Tagen und Nächten Kleberei vor einem Jahr.

Dann hatte der kleine Herr Maus Schwimmtraining. Währenddessen machte das Fräulein mit mir Schwedischhausaufgaben. Weil nämlich vor vielen Jahren mein Versuch, Schwedisch zu lernen, aus bürokratischen Gründen gründlich in die Hose gegangen ist, werde ich – wir haben uns beide schon lange auf ihre 6. Klasse gefreut – jetzt einfach mit ihr mitlernen. Mal sehen, wie weit ich damit komme. Mein Vorhaben ist bis jetzt übrigens bei sämtlichen Finnen, denen ich davon erzählt habe, auf stummes Unverständnis gestossen. Hihi.

Als der kleine Herr Maus vom Schwimmtraining zurückkam, verschwanden die Herren Maus gemeinsam im Wald, um ihr Projekt, an dem sie schon seit Freitagnachmittag in jeder freien Minute gewerkelt hatten, fertigzustellen. Netterweise luden sie mich zur Einweihung ein, so dass ich auch am Sonntag wenigstens für ein knappes Stündchen in den Wald kam. (Gestern hat der kleine Herr Maus noch eine selbstgebaute Klingel angebracht. Und jetzt planen sie noch Tisch und Stühle.)

Das Wochenende endete mit Maus mit Büffchen, wobei wir Eltern uns diesmal um die Büffchen gar nicht kümmern mussten, weil die Herren Maus die – während ich zum Beispiel mit einer ausserplanmässigen Waschmaschinenladung beschäftigt war – selbst zubereiteten, inklusive Möhrenernte im Garten.

Manchmal hätte ich schon ganz gern ganz und gar freie Wochenenden wie so normale Leute. Aber so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte, als ich erfuhr, dass jetzt ein Kind samstags und ein Kind sonntags Training hat, und zwar mitten am Tag, ist es eigentlich gar nicht. Alles eine Frage der Einstellung.


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Halber Ring

30 Autos hatte der Ähämann gezählt. Wohnmobile doppelt, selbstverständlich. Könnte klappen, aber könnte knapp werden. Ganz schön klein nämlich, die „Antonia“, nur drei Autospuren, und nicht sehr lang. Bisher waren wir nie in der Hochsaison mit ihr gefahren, aber jetzt war die Warteschlange schon lange vor der ersten Abfahrt des Tages ziemlich lang. Abwarten.

12:15 Uhr sollte Abfahrt sein. 12:10 Uhr hatte sich die Warteschlange langsam in Bewegung gesetzt. 12:25 Uhr wurde das kürzeste Auto, das sich noch in der Warteschlange befand, vorgewinkt. 12:26 Uhr wurde, zwei Autos vor uns, der Schlagbaum heruntergelassen. Mist. Passen also 27 Autos auf die „Antonia“, keine 30. Nächste Abfahrt in drei Stunden. Hätten wir mal gleich nach dem Aufstehen den Herrn Picasso in die Warteschlange gestellt und das Zelt dann hinterhergetragen!

Eine Dreiviertelstunde später war die „Antonia“ immer noch nicht abgefahren. 13:05 Uhr wurden die ersten Autos rückwärts wieder runterrangiert. Motorschaden. Heute keine Abfahrten mehr. Morgen vielleicht. Nein, keine Ersatzfähre – ist die „Antonia“ ja sowieso die Fähre, die nur für die Touristen fährt und in den zwei Sommermonaten die Lücke in der Schärenringstrasse schliesst. Alle Ortschaften kann man auch ohne sie – jeweils von Norden oder Süden – erreichen.

Keine Rundfahrt diesmal also. Schade.

Sowieso hatten wir uns erst Samstagmittag entschieden, mal wieder die gesamte Schärenringstrasse mit allen acht Autofähren abzufahren. Innerhalb von anderthalb Stunden hatten wir Zelt und Klamotten ins Auto gepackt und waren losgefahren. Waren zwei Minuten lang Autofähre gefahren oder eine halbe Stunde, hatten unterwegs gebadet und gegessen und uns einen Sturm, so warm wie direkt aus der Wüste, um die Köpfe wehen lassen und uns über die von ihm aufgetürmten Wellen gefreut, und als wir am sechsten Fährhafen ankamen, schlief die „Antonia“ schon, und wir bauten auch unser Zelt auf und die Kinder bandelten mit anderen Kindern an und der Ähämann und ich tranken ein Bier und hörten der Kapelle zu, die für ein paar Tangotänzer aufspielte und erst als es ziemlich finster und wir ziemlich von Mücken zerstochen waren, krochen wir ins Zelt, und morgen würden wir die Reise fortsetzen und die nördliche Hälfte der Schärenringstrasse fahren.

Oder eben nicht. Uns traf es nicht so hart wie andere Leute – immerhin hatten wir keine Unterkunft auf der anderen Seite gebucht, und wir waren die gesamte Ringstrasse ja auch schon das eine oder andere Mal komplett gefahren. Sowieso finde ich den südlichen Teil der Ringstrasse schöner, und ausserdem fanden wir auf der Rückfahrt noch eine Badestelle mit für diesen Sommer unvorstellbar kaltem und klarem Wassesr – kein Wunder, sie liegt nämlich direkt unterhalb des Zentimeter-hoch-Bergs, und unterm Wasser geht der Berghang genauso steil weiter – für deren Entdeckung allein schon sich die ganze Fahrt gelohnt hat.

Die „Antonia“ fährt übrigens bis heute noch nicht wieder.


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Sonntagsseefahrt

Weil’s so schön war, sind wir auch diesen Sonntag wieder Schiff gefahren. Kreuzfahrt für Arme, sage ich immer, denn unsere Autofähren und Verbindunsschiffe hier sind – wir zahlen gern Steuern! – komplett kostenlos, und jede einzelne fährt durch allerhübscheste Landschaft. Man kann gar nicht oft genug Autofähre fahren!

Ich weiss gar nicht, wie oft wir schon in Kasnäs sehnsüchtig der Autofähre, die noch weiter nach Süden fährt, hinterhergeguckt und dabei gedacht haben: mit der müssten wir auch mal fahren! (Man muss sich da nämlich leider ein bisschen nach dem Fahrplan richten, weil sie am Wochenende nur viermal am Tag fährt.)

Diesen Sonntag also. Der Wecker klingelte lange vorm Aufstehen um acht, weil vor der Abfahrt auch noch bei der Pflegekatze vorbeigefahren werden musste, um ihr Futter und Streicheleinheiten zukommen zu lassen, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Fähre nach Rosala fährt wirklich durch schon fast alleräusserstes Schärengebiet, da, wo die Inseln viel kleiner und runder und felsiger sind als auf unserer üblichen Autofährstrecke, und wo man ab und zu schon einen Blick aufs offene Meer erhaschen kann.

Damit die Schifffahrt auch ein Ziel hatte, besuchten wir das Wikingerdorf in Rosala, das mich bisher eher nicht gelockt hatte, weil ein Besuch dort in den völlig überteuerten Schifffahrten zu Finnlands höchstem Leuchtturm enthalten ist. Dabei ist es dort wirklich nett: man darf sehr viel ausprobieren und anfassen, es gibt sogar Hasen und Hühner, und weil wir in der Hochsommerhitze fast die einzigen Besucher dort waren, zumindest die einzigen, die sich länger als eine halbe Stunde dort aufhielten, fühlte ich mich ein bisschen wie in der Idylle in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

Danach an den Strand gleich daneben, wo hinter den Schären, die man von da aus sieht, tatsächlich das offene Meer anfängt, und dann mit der Fähre zurück, und auf der Rückfahrt das obligatorische Sommereis aus dem Supermarkt. (Gelobt seien die finnischen Ladenöffnungszeiten!)

Hach, Sommerferien…!


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Pfadfinder müsste man sein…!

Der grosse Herr Maus war letzte Woche vier Tage im Pfadfinderlager. Auf einer kleinen Insel, ganz weit draussen, die seinem Pfadfinderstamm gehört. Sie schliefen im Zelt, sie kochten und assen draussen, sie gingen schwimmen, angeln und rudern, sie lernten Seemannsknoten und wie man jemanden aus dem Wasser rettet.

Am Sonntag waren Eltern und Geschwister auf die Insel eingeladen, und deswegen schaukelten wir den grössten Teil des Tages bei traumhaftem Sommerwetter übers Meer: erst eine halbe Stunde mit einer gelben Autofähre, dann anderthalb Stunden mit einer blau-weissen Schärenfähre, die von bewohnter Insel zu bewohnter Insel fährt, und dann noch fünf Minuten mit dem Motorboot. (Und ein paar Stunden später das Gleiche zurück.)

Ich hatte schon halb vergessen, wie wunderschön es so weit draussen auf den ganz kleinen Inseln ist. Und dass man eigentlich viel öfter mit einer der Schärenfähren fahren sollte.


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Ein perfekter Ferientag

Das Fräulein Maus zum Musiklager fahren, mit dem Rest der Familie weiterfahren auf die übernächste Insel, Baden am Lieblingsstrand, danach schnell die T-Shirts gegen Hemden und das Sommerkleid gegen ein feineres Kleid tauschen und zum Abendkonzert der Musiklagerteilnehmer – nacheinander eins in der Kirche, in der wir letztes Jahr Weihnachtslieder sangen, eins in einem alten Gutshaus und eins in den Ruinen einer alten Burg – auf der nächsten Insel eilen.

Ein Holztransport!

Halb zehn, als wir heimfuhren, schien die Sonne immer noch.
Auch halb elf noch, als die Kinder endlich in ihre Betten sanken.


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Es ist seit Wochen finster. Und noch schlimmer: wir hatten seit Wochen kein freies Wochenende mehr. Denn zusätzlich zu all den Weihnachtsfeierlichkeiten im Dezember hat auch noch ein Grossteil der Freunde unserer Kinder am Jahresende Geburtstag und feiert üblicherweise samstags.

Gestern war zwar nicht völlig frei, aber immerhin bis 17:30 Uhr, und seit Wochen stand der Plan dafür – weil der immer und bei jedem Wetter geht – wir fahren Elektra!

Elektra

(Ton an! Sie ist so, so leise!)

Ausserdem sahen wir seit Wochen zum ersten Mal wieder die Sonne (wenngleich nur als orangen Streifen am Horizont, aber mehr kann man um diese Jahreszeit auch nicht erwarten) und den Wald. Und ein bisschen Schnee und Eis. Und einen rotbemützten Tonttu trafen wir auch. ;-)


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Oder: Wie wir einmal mit Electra auf die Elektra rollten.

(Unser Autoradio kann sowas!)

Auf der Hinfahrt sah ich übrigens gleich nach dem Losfahren eine 279, unterwegs eine 278, und kurz vor Zuhause wieder eine – vermutlich die selbe – 279.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277]


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Urlaubsrückblick (3): Wasser von links, rechts, unten und oben

Nachdem wir ausgiebig zwischen hohen und noch höheren Bergen herumgefahren waren, machten wir uns langsam auf den Weg nach Norden. Immer möglichst nahe an der Küste entlang. Man kann da ja Wasser links, rechts und unter sich haben. Leider kam dann aber auch sehr viel Wasser von oben.

Dabei hatte der Teil der Reise ziemlich gut angefangen.

Kurz vor Trondheim nämlich, da zelteten wir am Fjord, und es war das einzige Mal, dass wir alle schon gegen acht aufwachten, weil die Sonne aufs Zelt knallte. Die Kinder freuten sich, dass sie dann gleich noch baden gehen könnten – aber noch während wir frühstückten, schrie das erste: „Der Strand ist viel kleiner als vorhin!“ Drei erlebten zum ersten Mal in ihrem Leben Ebbe und Flut!

Sie sammelten eimerweise Muscheln, Schneckenhäuser und Seeigelschalen und retteten gemeinsam eine gestrandete Qualle. (Die Nordsee hat schon so ein klitzekleines bisschen mehr zu bieten als die Ostsee…!)

Danach fuhren wir zähneknirschend ein Stück E6, um dann für die nächsten Tage auf die Küstenstrasse ganz im Westen abzubiegen. Die mit den vielen Autofähren.

Ich kann allen erdenklichen Arten von Kreuz- und sonstigen Schifffahrten nichts abgewinnen, aber Autofähre fahren ist prima! (Ich würde auch jederzeit den Bananenfrachter einem Kreuzfahrtschiff vorziehen.) Dank der Tatsache, dass man die norwegischen Autofähren – anders als unsere finnischen – bezahlen muss, waren wir auch fast die einzigen nicht-norwegischen Touristen auf dieser Route. Die Leute mit den Wohnmobilen und -anhängern und die Deutschen, denen ja generell immer alles zu teuer ist, rasten lieber auf der E6 nach Norden. (Und zahlten dafür dann jede Menge Strassenmaut. Wir sind auch schon gespannt auf unsere Post aus Norwegen.) Verglichen mit dem, was man für eine Seilbahnfahrt in der Schweiz bezahlt, ist Autofähre fahren in Norwegen allerdings ein regelrecht preiswertes Vergnügen. Und man bekommt für sein Geld auch richtig was geboten: hohe Wellen zum Beispiel. Theoretisch auch sehr viel Landschaft. Leider war von der schon ab der ersten Fährüberfahrt fast nichts mehr zu sehen.

Anfangs regnete es wenigstens nicht ununterbrochen. Wir schafften es, das Zelt zu trocknen, bevor wir es einpackten. Oder wenn wir es nass einpacken mussten, dann trocknete es abends nach dem Aufbauen. (Bevor nachts der nächste Starkregen niederging.)

Wir machten eine Wanderung, die wie gemacht war für typisch norwegisches Wetter: wenn es nämlich regnet, ist so eine Wanderung durch den Berg ja durchaus praktisch. Der kleine Herr Maus hätte so gerne noch auf den Berg gewollt – aber nicht bei dem Wetter! Als wir einmal durch den Berg hindurch und einmal halb um ihn herum zurückgelaufen waren, hatten wir einen Kofferraum voller triefnasser Regenklamotten – zusätzlich zu einem triefnassen Zelt – und der Wetterbericht versprach Besserung in ungefähr einer Woche. Vielleicht.

Berg mit Loch.

Die nächsten Tage verbrachten wir vorwiegend im Auto und auf Autofähren. Wir wählten für zwei Nächte die Weicheivariante mit festem Dach überm Kopf. Und da hatten wir es noch gut: all die netten Motorrad- und Fahrradfahrer, die wir unterwegs getroffen hatten – was sollten die denn erst sagen?!

Wir fuhren durch unglaublich schöne Landschaft – und sahen genau nichts. Wir schipperten mit der Autofähre über den Polarkreis – und sahen genau nichts. Wir fuhren über bombastische Brücken und ewig an Fjorden entlang – und sahen genau nichts.

Als nach drei Tagen unsere Laune dann doch an einem Tiefpunkt angekommen war, auch deswegen, weil plötzlich alle Hütten auf den nächstgelegenen Zeltplätzen schon ausgebucht waren, und wir aus einer gewissen Trotzhaltung heraus beschlossen hatten, dann eben – pfeif doch auf das Wetter! – wie gehabt im Zelt zu schlafen und dafür dann noch eine Stunde bis zum übernächsten Zeltplatz zu fahren, da wurde es abends halb zehn plötzlich ein bisschen heller in der Nebelsuppe, und auf einmal brach die Sonne durch ein hellblaues Loch in den Wolken und beschien grüne Wiesen und schneebedeckte Berge.

„Das ist ja wie im Märchen!“, hauchte der kleine Herr Maus von der Rückbank.
Aber echt!