Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wochenende, sonniges

Bei uns ist das Wetter ja gerade so, dass es immer einen Tag sonnig ist und danach einen oder mehrere Tage durchregnet.

Am Sonnabend schüttete es den ganzen Tag wie aus Eimern. Ausgerechnet. Der grosse Herr Maus hatte nämlich einen Pfadfinderwettberb zu bestreiten. Draussen, versteht sich. Mit Regenjacke, Regenhose und Gummistiefeln zog er los, und am späten Nachmittag kam ein stolzes Grüppchen zurück, das nicht, wie so viele andere, zwischendurch abgebrochen hatte. Wegen des Regens wurde es den ganzen Tag nicht richtig hell, dafür leuchteten die Bäume besonders intensiv. Als ich früh den grossen Herrn Maus auf die übernächste Insel fuhr, konnte ich mich gar nicht sattsehen an ihnen. An einer Stelle war ringsum nichts anderes zu sehen als Gelb – an beiden Strassenrändern, und geradeaus in der Ferne auch. Sonne trotz Regenwetter!

Am Sonntag schien die Sonne von einem strahlend blauen Himmel und lockte uns nach draussen. Wir entdeckten, dass es gleich am Stadtrand ein Stück ganz besonders schönen Wald gibt. Der Regen der letzten Tage glitzerte in den Zweigen, waberte durch den Wald, hatte die Wurzeln auf dem Weg wie mit Schmierseife überzogen und floss als Bächlein den Wanderweg entlang. Das Gras und die Herbstblätter leuchteten mit der Sonne um die Wette.

(Alle Fotos vom Ähämann. Ich war mit Gucken und Vor-Freude-Hüpfen beschäftigt.)


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Spätsommersonntag

„So schön warm war es den ganzen Sommer nicht!“, rief uns der Nachbar auf dem Parkplatz zu.

Das stimmt ja so nicht: immerhin waren am Sonntag nur 20 Grad, und im Sommer hatten wir üblicherweise 21 Grad – bis auf den einen Tag, an dem das Thermometer schwindelerregende 25 Grad anzeigte!

Wir haben uns jedenfalls eine dem unverhofften Spätsommerwetter angepasste sonnige Wanderroute ausgesucht, die ausschliesslich über Wiesen, durch Schilf und lichte Birkenwälder rund um einen See eine verlandete Bucht führte – dafür war es auch nur halb so idyllisch mit den Geräuschen einer sehr stark befahrenen Strasse im Ohr und mit Ausblick auf die Werft, wo gerade „Mein Schiff 28“ (oder so) gebaut wird. (Die Auftragsbücher der Turkuer Werft sind so voll, dass die neue Viking-Line-Fähre woanders gebaut werden muss. Schade. Also, schön, meine ich natürlich. Aber trotzdem schade.)

Dank Turn- und Schwimmtraining in diesem Schuljahr Sonntagabend statt Sonntagmittag gibt es zwar jetzt immer erst Montagabend Maus mit Büffchen, aber wir können endlich wieder auch am Sonntag Dinge unternehmen! Jeee!


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Urlaubsrückblick (5): Ganz im Norden

„Die Leute wissen gar nicht, wie schön Magerøya sein kann, weil sie alle nur auf diesen einen blöden Felsen wollen.“ *

Die Entscheidung, zum Nordkap zu fahren, haben wir sehr demokratisch ausdiskutiert.

Ich wollte nicht, weil ich schon zweimal da war – einmal als Teenager mit einer Reisegruppe, einmal mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann, als er mich nach meiner Diplomarbeit aus Mittelfinnland abholte und wir übers Nordkap – den kürzesten Weg kann ja wohl jeder! – zurück nach Deutschland fuhren – und vor allem, weil es eine fürchterliche Touristenhölle ist und zudem ja noch nicht mal der wirklich nördlichste Punkt Europas.

Der Ähämann wollte gern, weil wir damals keine zehn Meter weit gucken konnten und das Ende der Strasse, die sich dutzende Kilomter lang durch – es war Ende Mai! – drei Meter hohe ausgefräste Schneewände gewunden hatte, genausogut irgendwo im Nichts gelegen haben könnte.

Die Kinder waren unentschlossen. Einerseits bekamen sie langsam Sehnsucht nach ihren Freunden und hätten auf zwei Tage Umweg gern verzichtet, andererseits hätten sie das mit dem nördlichsten Punkt Europas schon irgendwie aufregend gefunden. Und weil ich der Meinung bin, dass man – Touristenhölle hin oder her – an manchen Orten ruhig wenigstens einmal im Leben gewesen sein kann, gab ich meine Stimme zugunsten der Kinder dann auch für das Nordkap.

Und es war so schön!

Wenn man nämlich den wohl seltsamsten Tunnel der Welt – drei Kilometer geht er steil nach unten, einen Kilometer geradeaus und dann drei Kilometer steil wieder nach oben – hinter sich gebracht hat und auf Magerøya angekommen ist, dann ist die Landschaft auf einmal nochmal ganz, ganz anders. Nur noch Berge und Tundra. Und Meer drumrum.

Touristen waren gar nicht so viele wie befürchtet da, weil wir schon nachmittags dawaren, die meisten Touristen aber erst zum Begucken der Mitternachtssonne – als ob die woanders nicht zu sehen wäre! – herangekarrt werden. Der Ähämann bekam diesmal seinen Blick aufs Nordmeer, die Kinder fanden es schon durchaus beeindruckend und durften sich zur Erinnerung im Souvenirladen jeder einen Magneten aussuchen, und den Polen mit dem Motorrad, den wir vom letzten Zeltplatz kannten, trafen wir auch wieder.

Der grosse Herr Maus hatte sein schönstes und sein schlimmstes Erlebnis am Nordkap mit einem Flügel, den eine norwegische Musikgesellschaft zur Freude der Besucher und zur freien Benutzung durch die Vorübergehenden in der Nordkaphalle aufgestellt hatte. Stolz und freudig und völlig ohne sich um das Publikum zu kümmern spielte er zwei Stücke, bis ihm beim dritten eine Rezeptionistin mit Dolores-Umbridge-Lächeln den Tastaturdeckel über den Fingern zuklappte und ihm verbot – „Wir erleben das hier jeden Tag, das Kinder auf dem Klavier rumhämmern!“ – weiterzuspielen. (Der grosse Herr Maus spielt ganz sicher nicht perfekt – aber dass er nicht einfach auf dem Klavier rumhämmerte, das hätte auch ein BlinderTauber mit Krückstock gehört.)

„Nie wieder in meinem Leben will ich ans Nordkap!“, war sein abschliessender Kommentar zu dem Vorfall. Und mal ehrlich – wegen des einen blöden Felsens, den man nur nach Zahlung eines horrenden Eintrittpreises überhaupt betreten darf, muss man tatsächlich nicht nach Magerøya.

Aber sonst!

Hinterher gingen wir nämlich – ganz ohne Eintritt und Parkgebühren – ein Stück auf dem Wanderweg, der zum wirklich nördlichsten Punkt Europas führt, und blieben noch eine Nacht auf der Insel und guckten noch hier und bauten Steinmännchen da und erfreuten uns an der gewaltigen Landschaft.

Magerøya ist wirklich wunderschön.
Abseits von diesem einen blöden Felsen.


*Wir zitieren ja oft und gern aus dem Lieblingsfilm – aber noch nie haben wir ein Zitat aus so vollstem Herzen hergesagt wie dieses in diesem Urlaub.


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Urlaubsrückblick (2): Fjorde, Fjells und Gletscher

Die nächsten Tage fuhren wir kreuz und quer durch Südnorwegen – über Passstrassen, durch verschneite Hochebenen, mit Autofähren über Fjorde. Wir hielten an, wo wir gern Fotos machen, Steinchen schmeissen, Schneeballschlacht spielen, ein Stückchen wandern wollten.

Wir wanderten zu einem Gletscher, und ich musste die ganze Zeit daran denken, dass es vielleicht eine der letzten Gelegenheiten für die Kinder war, nochmal einen Gletscher in echt zu sehen…

Wir schliefen jede Nacht auf einem anderen Zeltplatz und waren recht erfolgreich dabei, die grössten Touristenattraktionen und die typischen Kreuzfahrtziele zu umgehen. Das Wetter war ok – wir erlebten die erste Regennacht im Zelt und fuhren einen Tag lang durch Nebel und Wolken, aber danach kam immer wieder die Sonne raus. So richtig voran kamen wir nicht, weil hier noch eine schöne Aussicht und da noch ein Berg, den man mal eben besteigen könnte, lockten.

Aber genau dafür waren wir ja hergekommen.


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Urlaubsrückblick (1): Im Bergrausch

Wenn ich eines in Finnland vermisse – ausser Essen, das nach was schmeckt – dann sind es Berge. Meer und Seen und Wälder und Moore sind ja schön und gut, aber die Bergsituation in Finnland wird sehr treffend durch den Umstand beschrieben, dass Norwegen sogar erwägt, Finnland zum 100. Geburtstag einen Berg zu schenken.

Stichwort Norwegen. Mir war ja bisher aus unerfindlichen Gründen gar nicht so klar, dass wir, um echte Berge zu erleben, gar nicht bis „nach Europa“ fahren müssen. (Unser diesjähriges Sommerurlaubsziel haben wir gewissermassen Luthers sowie meiner Bekannten Anja, die vor einem guten Jahr von Turku nach Bergen gezogen ist, zu verdanken. Ohne ihre vielen Wanderbilder wäre ich immer noch lange nicht auf die Idee gekommen.)

Wir wollten uns nicht auf irgendein Gebiet festlegen, und deshalb kauften wir eine Überfahrt nach Stockholm, packten das Zelt ins Auto und fuhren los. Wir hatten nur einen ganz vagen Plan – erst so lange nach Westen, bis wir endlich die Berge erreichen würden, und dann irgendwie, grob immer an der Küste entlang, weiter nach Norden, um dann oben um die Ostsee herum wieder nach Hause zu gelangen.

Als wir am ersten Abend unser Zelt direkt an einem Bergsee aufstellten und ich auf ut.no gleich noch eine nette kleine Wandertour für den nächsten Tag in der Nähe fand, war ich vollkommen am Ziel meiner Wünsche.

Berge! Richtige Berge!!!


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Fundstück

„Guck mal!“, rief der kleine Herr Maus gestern plötzlich mitten im Wald. „Da ist ja Finnland!“

(Woran man sehen kann, dass hierzulande der Patriotismus recht ausgeprägt ist. Oder die Kinder schon im Kindergarten recht anspruchsvolle Sachen lernen. Oder beides. Ich hätte jedenfalls als Vorschulkind nirgends den Umriss meines Heimatlandes erkannt. Schon gar nicht abstrakt auf dem Waldboden.)


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kaksisataakuusikymmentäseitsemän

Nicht, dass das lange Wochenende weniger verplant gewesen wäre als all die Wochenenden vorher. (Noch nie hat es sich so komisch angefühlt, dass in einer Woche schon Sommerferien sein sollen. Noch nie haben wir so dringend auf die Sommerferien gewartet.) Aber irgendwann muss man ja auch mal wieder raus.

Wir fuhren also – was wir immer tun bei solchen Gelegenheiten – auf die überübernächste Insel.

(Schon auf der nächsten Insel kam uns eine 267 entgegen.)

Autofähre fahren, essen gehen, wenigstens eine Minirunde wandern.

Wir waren rechtzeitig zurück zum Klaviervorspiel der Herren Maus.

Und abends hatte der kleine Herr Maus einen Wackelzahn.

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Nachtfrost und Schneeschauer

Wir sind ja eigentlich dran gewöhnt.

An unserem ersten Ostern in Finnland machten der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich eine Radtour mit Zelt. Als wir nach dem Frühstück unser Geschirr abspülen wollten, mussten wir erstmal ein Loch ins über Nacht wieder zugefrorene Meer klopfen.

Aber gut, dass wir heute verabredet waren. Sonst wären wir bei 1°C Tageshöchsttemperatur vermutlich trotzdem nicht zu einer Wanderung aufgebrochen.

Dabei war es natürlich wie immer: wenn man erstmal draussen ist, ist es richtig schön.

Alles Wasser im Moor war mit einer Eishaut überzogen. Der Schnee, der ab und zu fiel, war nicht der sonst für diese Jahreszeit typische windgepeitschte Schneeregen, sondern segelte wie Frau Holles feinste Daunen vom Himmel. Viel besser als Regenschauer!

Und die Sonne wärmte schon richtig. Ist ja schliesslich schon Mitte April.