Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Das war ein sehr schöner Geburtstag gestern.

Erst schliefen wir aus. Dann leerten wir die Nikolausstiefel. Dann assen wir jede Menge blauweisse Köstlichkeiten. Dann gingen die Kinder im Schnee spielen. Dann assen wir weitere blauweisse Köstlichkeiten. Dann ging der grosse Herr Maus auf eine Zwillingsmädchengeburtstagsfeier. Dann zündeten wir blauweisse Kerzen an. Dann holten wir den grossen Herrn Maus ab und fuhren zur blauweiss beleuchteten Turkuer Burg.

Es war übrigens ganz Finnland blauweiss beleuchtet!

Als wir vier Stunden später wieder zu Hause waren, gab es Abendbrot vorm Fernseher. Das Fräulein Maus ist jetzt übrigens so alt, dass sie gern Kleider und Frisuren gucken und kommentieren möchte. Im Gegensatz zu ihr gingen die Herren Maus halb zehn freiwillig ins Bett, und ich kam gerade rechtzeitig zu Finlandia und Feuerwerk und zum Auftritt der Semmarit wieder aus dem Jungszimmer raus. Dann musste auch das Fräulein Maus endlich ins Bett, und der Ähämann und ich stiessen mit einem Glas Wein auf das Geburtstagskind an.

Das war wirklich ein sehr schöner blauweisser Geburtstag!


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Ich sollte einst, da war ich in etwa so alt wie das Fräulein Maus, den 40. Geburtstag eines Landes feiern. Es kam dann nicht mehr dazu. Aber wir hatten auch den 39. Geburtstag zu feiern und den 38. und alle vorher. Ich erinnere mich an wenig Begeisterung und die immer gleichen Sprüche, Lieder und Gedichte.

Dieses Jahr feiern unsere Kinder den 100. Geburtstag eines Landes.

Unsere Schule ist so gross, dass immer nur zwei Klassenstufen gemeinsam feiern können. Deshalb kamen wir in den Genuss von zwei Geburtstagsfeiern, eine schon letzten Donnerstag, eine gestern.

Die Fünftklässler hatten ein „Präsidentenpaar“ gewählt, das am Eingang stand und jedem Besucher die Hand schüttelte. Der „Präsident“ hielt natürlich auch eine Rede. Die Klasse des Fräulein Maus tanzte Walzer, wofür die Handarbeitslehrerinnen dem Fräulein Maus und einer ihrer Klassenkameradinnen, die noch kleiner ist, extra noch zwei neue Ballkleider genäht hatten. Die Klasse des grossen Herrn Maus tanzte in finnischer Tracht. Der kleine Herr Maus und seine Klassenkameraden sangen und spielten das Lied vom finnischen Löwen, den es ja in den finnischen Wäldern gar nicht gibt, aber im Wappen. Sie hatten dafür selbst Löwenmähnen gebastelt und wochenlang geübt, die Krallen wie der Wappenlöwe auszufahren und laut zu fauchen. Es wurde ein Schauspiel über das Leben von Jean Sibelius aufgeführt, Schattentheater gespielt, und am Ende sangen alle gemeinsam einen selbsterdachten Suomirap frei nach Lauri Tähkä. (Die Schule hat eine eigene Band! Das ist ja mal um Welten besser als ein Blockflötenorchester!) Und weil es an der Schule unserer Kinder Spezialklassen für Gehörlose gibt, wurde das gesamte Programm, inklusive aller Liedtexte, in Gebärdensprache übersetzt. Als am Ende die Nationalhymne gesungen wurde – unsere Kinder hatten sie übrigens seit Wochen vor sich hingesungen, und zwar inklusive der Strophe auf Schwedisch, und wir werden nun bei der Weihnachtsfriedensverkündung dieses Jahr kein Textblatt mehr brauchen – wurde sie in der vordersten Reihe in Gebärdensprache gesungen. So schön!

Ich bin bei jedem dieser Schulfeste wieder erstaunt, wieviel Arbeit und Zeit da reingesteckt wird, wie lange dafür geübt wird und wie perfekt und modern jeder einzelne Auftritt ist. Und mit wieviel echter Begeisterung alle dabeisind.

„Finnland wird nur einmal 100“, sagte der Rektor. „Und es ist wirklich etwas Besonderes, dass wir dabeisein und das feiern dürfen.“


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Ausflug mit Harfe

Als vor drei Wochen der Finnische Harfenistenverein zu einem gemeinsamen Konzert – 100 Stücke zu Ehren von 100 Jahren unabhängigem Finnland – nach Helsinki einlud, freute sich nicht nur das Fräulein Maus.

Ich nämlich freue mich immer und über jede Gelegenheit, nach Helsinki zu fahren.

Ausserdem mag ich diese finnische Harfengemeinschaft sehr, weil die immer so tolle Sachen organisieren und ausserdem alle so nett sind. Man trifft auf den Konzerten, Musiklagern und Workshops übrigens nicht nur immer wieder die gleichen Leute, sondern auch immer die gleichen Harfen: „Guck mal, das Mädchen hat jetzt meine ehemalige Leihharfe!“, zeigte das Fräulein Maus, und „Das da ist die alte Harfe von meiner Lehrerin, die hat hat sich ja eine neue gekauft“, erklärte sie – wobei die neue wiederum die ausgemusterte Harfe der Turkuer Philharmoniker ist – was ich wirklich sehr amüsant finde.

Wir luden also Samstag in aller Herrgottsfrühe Kind und Kegel und Harfe ins Auto und rollten 160 km durch grün-gelb gesprenkelte Wälder über eine völlig leere Autobahn. Dann lieferten wir das Fräulein Maus zur Generalprobe im Musiikkitalo ab, während der Ähämann, die Herren Maus und ich ein nahegelegenes Café aufsuchten, um ein zweites Frühstück einzunehmen und danach wegen Planänderung spontan zwei Badetücher sowie Badehosen und -anzüge für alle zu kaufen. (Es war nicht ganz so dekadent, wie es sich anhört, denn die Kinder sind im Sommer sowieso aus ihren Badeklamotten rausgewachsen, der Ähämann hat seit zwölf Jahren die gleiche Badehose angehabt und meine Badebekleidungssituation ist auch nicht gerade üppig.) Angesichts des schönen spätsommerlichen Wetters hatten wir nämlich spontan den Plan „Wir gehen nach dem Konzert noch in irgendein Museum“ in „Wir gehen nach dem Konzert in Finnlands schönstes Freibad“ geändert.

Dann hörten wir uns die ersten 25 Stücke eines wirklich sehr schönen Konzerts an – das Fräulein Maus hat bei insgesamt sechs Stücken mitgespielt und sich während vier Stunden Probe und Konzert tatsächlich eine Blase an den Finger gespielt! – und danach gingen wir bei ganz wunderbarem Sonnenschein drei Stunden lang neben ausparkenden Schwedenfähren und mit Blick auf den Dom schwimmen und saunieren, bis wir alle ganz hungrig und schlapp waren.

Erst als schon der Leuchtturm von Suomenlinna herüberblinkte und die Steinmänner am Bahnhof ihre Leuchtkugeln angezündet hatten, traten wir den Heimweg an.

Über eine fast genauso leere Autobahn wie am Morgen übrigens, auf der man tatsächlich weite Strecken mit Fernlich fahren kann. Die Kinder schliefen nach zehn Minuten, und die 160 km fühlten sich nach dem Sommerurlaub wie ein Klacks an.

So ein schöner Tag! ♥


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Mein hübschestes Geburtstagsgeschenk

Mittwochvormittag gingen wir – natürlich in passender Kleidung! – zur Polizei zwecks Unterschriftenprobe und Fingerabdrucknahme für unsere finnischen Pässe.

Donnerstagvormittag piepten unsere Telefone und teilten uns mit, wir könnten fünf Sendungen  vom nächstgelegenen R-Kioski – einem kleinen (fast) 24/7-Laden – abholen. Unsere Pässe?! Nach einem Tag?!

Sie waren es tatsächlich.

Ich war fast ein bisschen traurig, als ich erfuhr, dass es zum Jubiläumsjahr neue Pässe geben wird – ich hatte mich doch so auf das Elch-Daumenkino gefreut…! Aber die neuen Pässe sind ja noch viel hübscher, als ich erwartet hatte: auf der ersten Seite ist ein Gedicht von Eino Leino und auf jeder Seite ist ein anderes Foto von einer finnischen Landschaft und auf der Plasteseite mit den Daten sind Schneekristalle eingeprägt und statt dem laufenden Elch gibt es jetzt unten in der Ecke einen fliegenden Schwan als Daumenkino.

(Da kann man jetzt ja mal den weinroten Bundesadler auf armeegrünem Grund danebenlegen…)