Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Jede Reise beginnt auf dem Meer

Der Ähämann hatte noch ein paar Urlaubstage für die Sommerferien übrig. Und so haben wir die letzten vier Tage verbracht, wie wir solche kurzen Urlaube immer verbringen: in Estland.

Wie jede unserer Reisen beginnt auch jede Reise nach Estland auf dem Meer. Aber nicht am Badehäuschen auf Ruissalo vorbei, sondern durch die „Königspforte“ zwischen Vallisaari und Suomenlinna, durch die diese Riesenschiffe wirklich nur gerade so durchpassen, und wo ich im Winter immer mit der liebsten Freundin spazierengehe.

Die zweieinhalb Stunden Überfahrt von Estland nach Tallinn sind natürlich, wenn es heiss ist und die Sonne scheint und man auf dem Sonnendeck liegen und lesen und den billigem Alkohol hinterherjagenden „Kreuzfahrt“passagieren aus dem Weg gehen kann, sehr viel angenehmer als in den Herbstferien


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Mittsommer 2019

Unsere Reisepläne ergaben sich diesmal so, dass wir die Mittsommernacht auf dem Schiff verbrachten.

Juhannus ist ein Fest, das mir lange Zeit nicht so wichtig war, das ich aber mittlerweile doch sehr gern feiere. Und so hatten wir diesmal, während wir sonst – vor allem im Winter, wenn es schon lange finster ist, oder wenn mal wieder das Wetter genau dann schlecht wird, wenn wir zurückreisen – nach Betreten der Fähre direkt in unsere Kabine schlafen gehen, zur Feier des Tages extra Buffet gebucht.

Es gab nicht nur Mittsommer zu feiern, sondern vielleicht auch einen Abschied. Mit der „Amorella“ kamen der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor 16 Jahren in Finnland an. Seitdem hat sie uns aus aus jedem Urlaub nach Hause gebracht. Vielleicht zum letzten Mal diesmal, denn nächstes Frühjahr soll sie durch ein neues Fährschiff ersetzt werden. (Dabei ist die 30 Jahre alte „Amorella“ immer noch moderner als alles, was zwischen Deutschland und Schweden fährt, zusammen.) Ich finde das neue Schiff aus China jetzt schon doof.

Wir assen uns also im Abendsonnenschein, während sich die „Amorella“ durch die Stockholmer Schären schob, durchs Buffet, und dann sasssen wir bei Fast-Mitternachtssonne an Deck, das mit Birken geschmückt war, und liessen Inseln und Inselchen an uns vorbeiziehen. Und wenn wir nicht am Morgen schon um sechs in Trelleborg angekommen und entsprechend müde gewesen wären, hätten wir bestimmt noch bis Åland, bis weit nach Mitternacht, so weitergemacht.

Ich sag‘ mal so: es gibt sicher weniger schöne Plätze, um Juhannus zu feiern, als die „Amorella“ zwischen Stockholm und Turku.


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Meer, gefrorenes

Was mich ja am meisten erstaunt hat, war, dass das Meer schon richtig gefroren ist.

Es ist ja noch gar nicht so lange Winter! Und so richtig extrem kalt ist es ja auch noch nicht gewesen!

Dennoch schnurpste sich die Suomenlinna-Fähre gleich am Freitagabend durch ziemlich dicke Eisschollen, die erst blitzschnell von schwarzen Rissen durchzogen wurden und sich dann polternd rechts und links der Fahrrinne aufeinanderschoben.

Reingehen kann man da natürlich auch.

(Aber dann gingen wir schnell zurück in die Sauna.)


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kolmesataaneljätoista, kolmesataaviisitoista

Unser fast letztes komplett freies Wochenende dieses Jahr – neuerdings hat ein Kind samstags Training und eins sonntags – mussten wir natürlich auch nochmal zu einem etwas ausgedehnteren Ausflug nutzen. Schliesslich waren wir dieses Jahr noch gar nicht an unserem Lieblingswanderweg gewesen!

Dort war fast schon Herbst.

Wobei nicht immer so ganz klar ist, was die Folgen der langanhaltenden Trockenheit und was tatsächlich schon erste Herbstanzeichen sind: die Seilfähre, mit der man über den See gelangt, legte nicht mehr am Steg an, sondern lief schon drei Meter vom Steg entfernt auf Grund.

Der letzte Blutweiderich, das erste Heidekraut und die Sonnenflecken auf dem immer noch leuchtend grünen Waldboden waren jedenfalls über alle Massen schön!

Auf der Rückfahrt fiel uns ein, dass zu Hause die Milch komplett alle ist, und so hielten wir an einem Supermarkt unterwegs nochmal an und kauften Milch. Und natürlich – der Sommer ist schliesslich noch nicht ganz vorbei! – ein Eis für jeden. Und die 314 und die 315 waren auch da einkaufen.

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Pfadfinder müsste man sein…!

Der grosse Herr Maus war letzte Woche vier Tage im Pfadfinderlager. Auf einer kleinen Insel, ganz weit draussen, die seinem Pfadfinderstamm gehört. Sie schliefen im Zelt, sie kochten und assen draussen, sie gingen schwimmen, angeln und rudern, sie lernten Seemannsknoten und wie man jemanden aus dem Wasser rettet.

Am Sonntag waren Eltern und Geschwister auf die Insel eingeladen, und deswegen schaukelten wir den grössten Teil des Tages bei traumhaftem Sommerwetter übers Meer: erst eine halbe Stunde mit einer gelben Autofähre, dann anderthalb Stunden mit einer blau-weissen Schärenfähre, die von bewohnter Insel zu bewohnter Insel fährt, und dann noch fünf Minuten mit dem Motorboot. (Und ein paar Stunden später das Gleiche zurück.)

Ich hatte schon halb vergessen, wie wunderschön es so weit draussen auf den ganz kleinen Inseln ist. Und dass man eigentlich viel öfter mit einer der Schärenfähren fahren sollte.


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Reiserückblick (1): Nach Süden segeln

Jede unserer Reisen beginnt auf dem Meer.

(So ist das, wenn man auf der anderen Seite der Ostsee wohnt.)

Sommerurlaub ist besonders schön, denn dann schiebt sich die „Grace“ nicht in finsterer Nacht, sondern im Abendsonnenschein am Badehäuschen vorbei durch den Wald aufs Meer hinaus.

Diesmal gab’s aber was Neues: schon am Hafen wunderten wir uns, was für eine sich drehende Säule die „Grace“ da neuerdings neben dem Schornstein hat.

Ein Segel! Voll cool! Und umweltfreundlich!

Man lernt nie aus…!


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Pfadfinder müsste man sein…!

Ich fahre ja gern an Sommerabenden über kleine Strassen.

Deshalb habe ich auch gleich „Hier!“ gerufen, als nach Eltern gesucht wurde, die bereit waren, ihren eigenen und ein paar andere kleine Pfadfinder zum – so ist das hier – 70 km entfernten Ausgangspunkt ihrer Radtour zu kutschieren.

(Ursprünglich sollte ja ein Bus gemietet werden. Als sich dann aber von knapp 60 Wölflingen, die hätten mitfahren können, gerade mal 12 anmeldeten, wurde auf die Variante Elterntaxi plus Pakettiauto für die Fahrräder umgeschwenkt. Und ich versteh’s echt nicht. Also das geringe Interesse. So eine tolle Tour von Insel zu Insel! Mit Burgruinenbesichtigung und Badestrandbesuch und Seefahrtsmuseumangucken! Mit Gepäcktransport und allem Drum und Dran! Das lässt man sich als echter Pfadfinder doch nicht entgehen?!)

Als ich Freitagabend am nordwestlichsten Zipfel, den man über Brücken und eine gelbe* Autofähre erreichen kann, dem grossen Herrn Maus und den anderen Pfadfindern hinterherwinkte, als ihre Fähre im Abendsonnenschein über das türkisgrüne Meer davonschaukelte, da wäre ich schon lieber mitgefahren als mit dem Auto zurück nach Turku. Und habe mich so für den grossen Herrn Maus gefreut!

Gestern Abend – drei Tage, vier Fährüberfahrten und 70 Fahrradkilometer später – kam dann auch ein sehr fröhliches und braungebranntes Grüppchen am Turkuer Hafen aus dem Bauch der grossen Schwedenfähre geradelt.

Pfadfinder müsste man sein! Echt jetzt!


* Gelb sind die Autofähren, die ein Stück Strasse ersetzen und deshalb kostenlos sind.


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Minikreuzfahrt, umweltfreundlich

Mal davon abgesehen, dass ich heute früh kurz darüber nachdenken musste, das Winterfahrrad mit den Spikereifen nochmal von der Schuppenwand runterzuhieven, weil der Schnee von gestern tatsächlich liegengeblieben war und mit dem morgendlichen Raureif um die Wette glitzerte und die Strassen bei – 2 Grad tatsächlich stellenweise überfroren waren, war ich ganz froh, dass ich heute Vormittag einen Termin auf dem Arbeitsamt hatte – vielleicht gehe ich bald Mercedesse zusammenschrauben, jeee! – denn das gab mir endlich mal wieder einen Anlass, mit der geliebten Föri über den Fluss zu fahren.

Völlig lautlos zog sie heute über den spiegelblanken Aurajoki – denn seit letztem Wochenende fährt sie mit Strom.

(War sogar BBC eine Meldung wert.)


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Ewige Dankbarkeit

Es gibt ja so Dinge, auf die wäre ich im Leben nicht von allein gekommen.
Auf dem Schiff nach einem Rausfallschutz zu fragen, zum Beispiel.

Als ich vor Jahrzehnten Jahren einmal allein mit den Kindern aus Stockholm zurückfuhr und mit dem sieben Monate alten kleinen Herrn Maus, den ich in der Trage vorm Bauch schleppte, dem drei Jahre alten grossen Herrn Maus, der vor lauter Erschöpfung nach einem langen Tag in der Babywanne des Kinderwagens hockte, und dem fünfjährigen Fräulein Maus, das sich brav am Kinderwagen festhielt, nach ungefähr zwanzigminütigem Warten vor dem Fahrstuhl endlich auf dem Deck, auf dem sich unsere Kabine befinden sollte, ankam, wurden wir von einer freundlichen Viking-Line-Mitarbeiterin begrüsst und gefragt, ob wir ein Babybettchen bräuchten.

„Ach nein, danke!“, sagte ich. „Der schläft sowieso nur bei mir im Bett.“ „Oder einen Rausfallschutz für die beiden Grösseren?“, fragte die freundliche Viking-Line-Mitarbeiterin weiter.

Ein Rausfallschutz*…!

Ich weiss nicht, ob ich mir Gedanken gemacht hatte, wie wir in der Viererkabine – zwei Betten oben, zwei Betten unten – eigentlich schlafen wollten. Ich weiss auch nicht mehr, wie wir – mit dem Ähämann dabei – auf der Hinfahrt geschlafen hatten. Vermutlich der Ähämann oben mit dem grossen Herrn Maus, ich unten mit dem kleinen Herrn Maus und das Fräulein Maus unten alleine. Vermutlich hatte mein Plan für die Rückfahrt irgendwas mit Hochklappen der unteren Betten und Ausbreiten der Matratzen auf dem Fussboden zu tun gehabt. Ich weiss es wirklich nicht mehr.

Ich weiss nur, dass ich unendlich freudig bejahte, einen Rausfallschutz würden wir gern nehmen. Dann könnten nämlich das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus gemeinsam unten „in einer Höhle“ schlafen und ich mit dem kleinen Herrn Maus in dem anderen unteren Bett, und wenn wir für das auch noch einen Rausfallschutz kriegten, dann müsste ich ihn nach dem zweiten nächtlichen Stillen noch nicht mal zurück auf die Wandseite bugsieren.

Bis heute bin ich der freundlichen Viking-Line-Mitarbeiterin dankbar, und bis heute fragen wir bei jeder Nachtfährfahrt als Erstes nach zwei bis drei Rausfallschützen, noch bevor wir die Kabine betreten. Das eröffnet nämlich auch bei grossen Kindern noch ganz neue Möglichkeiten: neuerdings wird nicht mehr so sehr darum gestritten, wer mit wem „in der Höhle“ schlafen darf, sondern wer – allein oder mit welchem Geschwisterkind – oben schlafen darf. Und ich habe jetzt schon einige Fährüberfahrten erlebt, bei denen ich mein Bett mit keinem einzigen Kind teilen musste!

(Irgendwann hatte ich die Schnapsidee, auch bei einer Überfahrt mit Stenaline oder TT-Line oder Scandlines oder wer auch immer die überteuerten Fahrten mit den räudigen Schiffen von Trelleborg nach Rostock anbietet, nach einem Rausfallschutz zu fragen. „Ein Rausfallschutz?!“, guckte mich der freundliche deutsche Mitarbeiter am Infoschalter entgeistert an. „Ein Babybett könnten wir Ihnen anbieten!“ (Da war der kleine Herr Maus vier!) „Naja, so ein Ding halt, was man unter die Matratze klemmt und was dann eben verhindert, dass das Kind aus dem Bett fallen kann…“, erklärte ich. „Nein, sowas haben wir leider nicht. Aber sowas ist an den oberen Betten ja auch dran…“ Ja, neee, danke. Dieser Minibügel wird unsere sich herumwälzenden Kinder leider nicht aufhalten. Aber immerhin sind jetzt alle gross genug, um wenigstens unten ohne Rausfallschutz auszukommen. Und oben geschlafen wird eben nur zwischen Stockholm und Turku.)


*Wir besassen und besitzen freilich einen Rausfallschutz für unsere Kinder. So einen ausziehbaren, den wir tatsächlich immer noch mit auf Reisen nehmen, denn man weiss ja nie. Aber auf eine Fähre haben wir ihn nie mitgeschleppt. Wer einmal drei Kinder, einen Kinderwagen, Klamotten für alle – ich bin da vielleicht ein bisschen paranoid, aber die Anoraks bleiben nicht im Auto, wenn wir Fähre fahren – und einen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien für die Nacht durch ein vollgeparktes, enges Autodeck manövriert hat, der verzichtet auf jedes nicht unabdingbare Gepäckstück.