Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Novembersonntage

Der November hat uns nicht gerade mit Sonne verwöhnt. Aber wenn sie schien, dann dankenswerterweise meist am Wochenende. Also so von zehn bis drei, wobei wir üblicherweise vor zwei gar nicht rauskommen und wenn, dann meist nur mit zwei von drei Kindern in wechselnder Besetzung. Ausserdem steht die Sonne so katastrophal niedrig, dass man sich eigentlich auf freiem Feld aufhalten müsste, um überhaupt ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen.

Aber egal. Im November muss man an Sonne und Frischluft nehmen, was man kriegen kann. Eine Runde durch den Wald neben der Schwimmhalle marschieren, während der kleine Herr Maus Schwimmtraining hat. Oder schnell einmal falschrum durchs Citymoor laufen und Eis aus den Kolken polken.


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Halbfertige Schiffe gucken

Im November ist keine Zeit für lange Ausflüge und ausgedehnte Wanderungen: zu schnell verschwindet die Sonne, wenn sie denn überhaupt mal zu sehen ist, wieder.

Und so begaben wir uns heute auf einen klitzekleinen Rundweg, der landschaftlich nicht viel zu bieten hat – aber immerhin beste Ausblicke auf die Turkuer Werft.

Die Werft hält Turku am Leben: sind ihre Auftragsbücher voll, geht es den Turkuern gut. Die Werft schafft Arbeitsplätze – sogar meiner ist ein Stückchen durch die Werft gesichert, hihi! – und da ist es dann auch schon egal, dass sich die derzeit im Bau befindlichen Schiffe der „Mein Schiff“-Serie nach dem grössten und zweitgrössten Kreuzfahrtschiff der Welt sowie der wunderbaren „Grace“ ein bisschen langweilig und altmodisch ausnehmen.

Von Zeit zu Zeit werden auf der Werft Besichtigungstouren angeboten – der Ähämann war schon mal da, ich leider immer noch nicht – aber Kinder unter 15 sind nicht zugelassen. Da ist es schön, wenn sie wenigstens von ziemlich aus der Nähe mal gucken können. 

Wie sich herausstellte, waren wir übrigens gerade noch rechtzeitig da: heute Abend bricht die „Mein Schiff 2“ – die eigentlich „Mein Schiff 8“ heissen müsste, aber TUI ist in seiner Namenskreativität tatsächlich noch steigerungsfähig und für mich heissen die sowieso seit Jahren alle „Mein Schiff 28“ – nämlich zu einer ersten einwöchigen Probefahrt auf. Da wäre dann nicht mehr viel zu sehen gewesen, obwohl an den nächsten zwei Schiffen auch schon gebaut wird.


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Herbstferien, viel zu kurze

Vielleicht lag es daran, dass wir diesmal tatsächlich erst – nachdem wir am Mittwoch alle noch brav zur Schule und auf Arbeit gegangen waren – kurz vor Mitternacht ankamen: diesmal fühlten sich die vier Tage Herbstferien extrem kurz an.

Vielleicht aber waren sie einfach nur besonders schön und deshalb so schnell um.

Estland ist so wunderbar. <3


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Grau kommt noch früh genug

Eigentlich war der Plan, dass wir am Samstag einen Ausflug machen, am Sonntag aber die Kinder ihren Hobbys nachgehen und die Erwachsenen sich ihren vernachlässigten Pflichten widmen.

Aber was will man machen, wenn die Sonne scheint und es noch einmal so warm ist, dass man ohne Jacke rausgehen kann? Wenn die Bäume, die mittlerweile doch schon recht zerzaust aussehen, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr in allen Farben zwischen Rot und Gelb prunken?!

Da unten auf dem Meer waren wir das letzte Mal mit Schlittschuhen.

(Ein Glück, dass heute Nachmittag unsere grandiosen zwei (!) Tage (!!!) Herbstferien beginnen und wir in den Süden fahren, wo die Bäume ihre Blätter bestimmt noch eine Woche länger behalten! Ich bin nämlich eigentlich noch nicht bereit für kahle Bäume und graue Landschaften.)


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Alle irre

Als ich vor einer Woche von der Schule nach Hause radelte, war mein Heimweg besonders schön.

Die Sonne war gerade untergegangen, aber die Bäume glühten noch eine Weile weiter, fast, als hätten sie das Sonnenlicht gespeichert und würden es erst nach und nach abgeben. Ich fuhr durch gelbleuchtende Laubtunnel, und als ich am Fluss ankam, der glatt wie ein Spiegel war und schon ein klitzekleines bisschen in der kalten Abendluft dampfte, war es schon fast ganz finster, nur im Westen leuchtete der Himmel noch orange.

Ich finde es immer sehr gewöhnungsbedürftig, wenn es nach dem langen, hellen Sommer auf einmal wieder dunkel ist: als ob man das Sehen und Laufen und Radfahren und Autofahren bei Nacht erst wieder lernen müsse.

Aber es hätte schöner nicht sein können.

Zwischen all dem Gelb, Orange und Schwarz allerdings, das zart und weich über der Landschaft lag, blendeten leider grellweiss die ersten Weihnachtsbeleuchtungen über Bäume und Sträucher geworfenen Lichterketten.

(Als ich die erste Lichterkette sah, dachte ich noch: da hat’s jemand aber sehr eilig. Dann sah ich im Nachbargarten auch eine, und eine Strasse weiter noch eine, und dann noch eine, und als ich zu Hause ankam, hatte ein Nachbar tatsächlich schon einen beleuchteten Stern ins Fenster gehängt.)

Es macht mich von Jahr zu Jahr wütender.

Nicht, weil keiner mehr zu verstehen scheint, wie kostbar Vorfreude ist; das kann meinetwegen jeder halten, wie er will. Aber weil es mir fast körperliches Unbehagen bereitet, dieses grelle Geleuchte und Geblinke.

Zumal jetzt, wo die Natur selbst noch in allen Farben leuchtet.

(Es gibt ja ausser grellen LED-Lämpchen auch durchaus noch andere Möglichkeiten, Wärme und Licht in dunkle Herbstabende zu bringen.)


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Farben tanken

Der Samstag begann damit, dass ich gegen acht, kurz vor Sonnenaufgang, aufs Klo wankte und es vor dem Fenster so aussah:

Statt direkt wieder ins Bett zu kriechen, holte ich erstmal die Kamera. Dann schlich ich mich zurück ins Bett und freute mich nicht nur, dass ich mindestens noch eine Stunde schlafen könnte, sondern auch, dass wir ausnahmsweise einen komplett freien Tag vor uns hatten. Mit besten Wetteraussichten noch dazu.

An so einem Tag, an denen schon vor Sonnenaufgang die Bäume wie von innen heraus leuchten, kann man aber nicht in den Wald und auch nicht ins Moor. Da muss man irgendwohin, wo es viele Laubbäume gibt! Und waren wir nicht schon ewig nicht mehr in Rauma?! Wir würden alles stehen und liegen lassen und gleich nach dem Frühstück losfahren. („Gleich nach dem Frühstück“ entpuppte sich dann als um zwölf, weil alle das Ausschlafen bitter nötig hatten, aber die Sonne steht ja – Sommerzeit sei Dank! – immer noch erst um eins am höchsten, und abends ist es noch leidlich lange hell.)

Wir konnten uns schon auf der Hinfahrt nicht sattsehen an den gelb und orange leuchtenden Bäumen am Strassenrand. Und in Rauma fanden wir sogar überraschend eine Gelegenheit zum Laubflössen. Nachdem die Herren Maus den Stock, der sich quer im Bach verfangen hatte, entdeckt und herausgezogen hatten, setzte sich ein Riesenplacken angestauter Herbstblätter in Bewegung und wollte in der Strömung gehalten werden. Drei Kinder besorgten sich in Windeseile lange Stöcke und rannten am Ufer auf und ab und stocherten mit Hingabe im Bach herum.
So lange jedenfalls, bis der kleine Herr Maus mit einem gewaltigen PLATSCH rücklings in den Bach flog und mit bis über die Hüfte triefnassen Klamotten – die einzigen beiden Kleidungsstücke, die noch trocken waren, waren Mütze und Halstuch – wieder herausstieg. Zum Glück fahren wir immer noch wie in Kleinkinderzeiten einen Beutel mit drei vollständigen Sätzen Kinderersatzklamotten im Auto spazieren, war das Auto nicht allzuweit weg und war es nicht sehr kalt.

Und so liefen wir, nachdem der kleine Herr Maus sich umgezogen hatte und wir die nassen Klamotten im Auto ausgebreitet hatten, weiter durch Gässchen voller Holzhäuser, gingen sehr lecker und gemütlich italienisch essen, statteten dem Lieblingsspielplatz einen Besuch ab und liessen die Kinder – da die drei Kinderfahrräder inzwischen wirklich nicht mehr ins Auto passen – noch mehrere Runden rullern.

Es war alles ganz wunderbar.

Auch wenn das wohl eher nicht so unser Glückstag war, gestern. Denn auf der Hinfahrt hatte uns ein entgegenkommender LKW einen Stein an die Frontscheibe geschleudert, und die ist jetzt leider hin.

Wir fuhren dann auf der Heimfahrt auch sehr, sehr vorsichtig, denn nach Glasbruch und unfreiwilligem Bad im Bach hätte es mich nicht gewundert, wenn wir in der Dämmerung auch noch einem Elch begegnet wären.


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Blau-goldener Oktober

Jetzt ist er also da, der goldene Oktober. Und wie jedes Jahr leuchten die Bäume hier besonders schön.

Wenn die wirklich freie Wochenendzeit allerdings sowieso schon knapp bemessen ist, dann ist es wenig hilfreich, wenn ein Familienmitglied auch noch an einem Samstag in die Schule muss und der Unterricht in einem fensterlosen Kellerraum stattfindet.

Aber. Das waren die schönsten sechs Unterrichtsstunden, die ich bisher hatte. In 15 Stunden – die anderen werden aber wie üblich mittwochs stattfinden – werden wir die Grundlagen der Gebärdensprache lernen, weil wir in unserer Arbeit mit Kindern mit diversen Sprachschwierigkeiten zu tun haben können, für die unterstützende Gebärden zusätzlich zur gesprochenen Sprache echt hilfreich sein können. Ich finde ja, dass Sprachenlernen sowieso immer Spass macht, aber so viel Spass gemacht hat es noch in keiner Sprache, und so schnell ging es auch noch nie. Das hätte ich auch noch ein paar Stunden länger machen können!

Hinterher holten mich der Ähämann und die Mäusekinder von der Schule ab und wir fuhren direkt weiter zur Sauna auf der nächsten Insel zum Anbaden. Es fühlte sich ja schon ein bisschen seltsam an, nur vier Wochen nach dem letzten Strandbesuch schon „Eis“baden zu gehen, aber juhuu, endlich wieder!

Den Sonntag verbrachte ich grösstenteils mit Hausaufgaben – leider nicht Gebärdensprache lernen, sondern nervige Planungsformulare für meine erste Lehrprobenwoche ausfüllen – aber als der Ähämann und die Herren Maus vom Schwimmen zurückkamen, mussten wir doch nochmal ins Auto springen und auf die Hausinsel fahren, weil man nie weiss, wann der nächste Sturm kommt und dem goldenen Oktober ein jähes Ende bereitet.

Ausser in der Eisbadesauna waren wir in den letzten Jahren nicht mehr viel auf Ruissalo. Vielleicht, weil wir, als die Kinder klein waren, andauernd da waren und wir dann, seit wir keinen Kinderwagen mehr brauchten und es auch endlich mehr Rundwanderwege aller Längen in der näheren Umgebung (naja…) gibt, erstmal eine Weile nicht mehr da hin wollten.

Aber Himmel, ist es schön da! Vor allem jetzt, wo die ganze Insel blau-golden leuchtet!


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kolmesataayhdeksäntoista

Es war schwer vorstellbar, dass wir vor genau einer Woche erst noch am Strand gewesen sein sollten.

Wir waren auch diesmal ganz allein.

Wie vor einer Woche wälzte sich uns auf der Hinfahrt eine Blechlawine Richtung Stadt entgegen, und als wir heimfuhren, kamen die alle zurück. Der Ähämann hatte vor einer Woche sogar zweimal die gleiche 319 gesehen! (Ich nicht, ich hatte wie immer in der Gegend rumgeguckt.)

Wir mussten noch einen Schauer abwarten, der uns kurz vor der Fähre erwischt hatte, aber dann zog es auf und der Wald war wie frisch gewaschen und die Kinder freuten sich über die ersten Pfützen nach Monaten noch genauso wie als sie Kleinkinder waren und sowieso ist es ja schon sehr, sehr schön da auf dem „Zentimeterhochberg“.

(Und auf dem Rückweg sah dann sogar ich eine 319. Die war in den Strassengraben gerutscht.)

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