Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Herbst, plötzlicher

Am Wochenende sind wir hauptsächlich Fahrrad gefahren und haben uns dann irgendwo faul die Sonne ins Gesicht scheinen lassen.

Nach der kalten letzten Woche hätte man denken können, es sei nochmal Spätsommer. Aber es ist dann doch schon ganz schön herbstlich: die Bäume sind bunt, wir trugen zwei Beutel Eicheln und Kastanien nach Hause, und gestern Abend flog ein riesiger Schwarm Kraniche laut trompetend über unser Haus Richtung Afrika.

Auch ein Zeichen von Herbst: verriegelte und verrammelte Cafés. Auch wenn das Wetter so schön ist, dass man sogar noch draussen sitzen könnte und es an Publikum nicht mangeln würde.


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neljäsataaseitsemäntoista

Nachdem gestern Nachmittag das Fräulein Maus eine Orchesterprobe hinter sich gebracht hatte, der grosse Herr Maus von einer zweitägigen Wanderung zurückgekehrt war und der kleine Herr Maus sich von einem ausgedehnten Tobsuchtsanfall erholt hatte, beschlossen wir, doch schnell noch in unsere kürzlich wiederentdeckte September-Eisbadesauna zu fahren, und zwar angesichts der Umstände mit dem Auto statt mit dem Rad. Was gut war, denn bis wir uns mit den fünf Fahrrädern in Bewegung gesetzt hätten, wäre die 417 längst über alle Berge gewesen. Andererseits mussten wir feststellen, dass wir mit dem Auto gar nicht so viel schneller sind als mit dem Fahrrad; und das ist ja durchaus mit den klimafreundlichen Alternativen generell so, dass die überraschend wenig mehr Aufwand / Zeit / Geld kosten als man vermuten würde. (Aber ach…!)

Die Sauna war überraschend voll. Es war bestes Badewetter. Luft 10°C, Wasser 11°C.

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Ein Samstag im September

Jetzt verkünden wieder alle, wie sehr sie den Herbst lieben. Und wie toll es ist, dass es endlich wieder kälter wird.

Wenn’s nach mir ginge, könnte es gern bis Ende Oktober warm bleiben. Und ab Anfang November Schnee liegen.

Immerhin gibt’s im Wald und im Moor keine Mücken mehr. (Und wenn man Glück hat, auch keine Elchfliegen.)
Und das Abendbrot kann man auch gleich im Vorbeigehen mitnehmen.

Ein Strand mitten im Wald! (Eiszeit lässt grüssen.)

Eine Baby-Kreuzotter.
(Die war wirklich winzig. Von weitem sah sie aus wie eine kleine Blindschleiche.)


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kolmesataaseitsemänkymmentäseitsemän, kolmesataaseitsemänkymmentäkahdeksan

Oder: Was hier so los war in den zwei Wochen nach den Herbstferien.

Traditionell bekommt der kleine Herr Maus nach den Herbstferien seine neongelben Anzippdinger an den Ranzen – nach den Skiferien können sie dann wieder ab – und fast hätten wir uns dazu hinreissen lassen, den Herren Maus sonntagabend noch schnell Spikereifen auf die Räder zu machen. Wir entschieden uns dann dagegen, weil es nach den beiden kalten Nächten – die dann nicht mal so kalt waren wie vorhergesagt und demzufolge die Radwege auch nicht glatt – jetzt vermutlich wieder etliche Wochen dauern wird, bis man eventuell das nächste Mal Spikereifen brauchen wird.

Weil es immer noch keine richtige Frostnacht gegeben hat und nach Aila auch keinen richtigen Herbststurm mehr, sind noch ziemlich viele gelbe Blätter an den Bäumen, die normalerweise bei uns nach den Herbstferien – Herbstferien in Estland sind immer so eine Gnadenfrist – schon komplett kahl sind. Das tut gut, vor allem an den Tagen, an denen es unter der Wolkendecke erst gar nicht richtig hell wird und ich den ganzen Tag denke, ich hätte versehentlich die Sonnenbrille auf.

Letzten Montag fuhr ich auf dem Heimweg noch am Baumarkt vorbei, um einen mittelgrossen S-Haken zu kaufen. Die Haken waren komplett ausverkauft. Es ist ja jetzt die Zeit, wo alle wieder Laternen in die Bäume und vor ihre Haustüren hängen. (Der Ähämann hatte aber, das wusste ich nicht, noch einen zu Hause rumliegen, also hätte ich den unnötigen Umweg gar nicht machen müssen – ausser natürlich, um auf dem Weg vom Baumarkt nach Hause einer 377 zu begegnen.)

Auf Arbeit haben wir direkt nach den Herbstferien damit begonnen, die Erst- und Zweitklässler in getrennten Räumen zu betreuen. Darüber nachgedacht hatten wir schon länger, aber da sich in der Schule alle immer noch lockerlustig vermischen dürfen, hatten wir es noch aufgeschoben. Es macht keinen Spass – aber was muss, das muss, und lieber sind wir mit allem zwei Schritte voraus – siehe Maskentragen – als zwei Schritte hinterher.

Letzten Freitag überraschte mich der Ähämann nach der Arbeit neben meinem Fahrrad wartend mit Kaffee in der Thermoskanne, selbstgebackenen Waffeln und Schlagcreme, und wir setzten uns damit in den kleinen Park neben dem Fahrradständer. Mal wieder ausgehen wäre schön, aber wenn man hierzulande in fast keinem Restaurant und keinem Café mehr draussen sitzen kann, muss man sich eben so behelfen.

Seit der Zeitumstellung – die letzte, hatte man uns ja eigentlich versprochen, aber wer will sich im Moment mit solchen Lappalien befassen – ist es gefühlt noch dunkler geworden als in der Woche zuvor, denn jetzt stehen wir nicht nur im Stockfinstern auf, sondern ich komme auch erst im Stockfinstern wieder nach Hause. Ich bin so froh, dass ich jeden Mittag zwei Kilometer durchs Stadtzentrum wandern und jeden Nachmittag mindestens eine Stunde auf Spielplätzen herumstehen muss und wenigtens ein bisschen Tageslicht sehe! (Oder mir eben dabei die 378 über den Weg fährt.)

In der Schule der Herren Maus gab es diese Woche den ersten Coronafall. Leider gibt es offensichtlich grosse Unterschiede zwischen den Schulen – denn während es in der Schule des Fräulein Maus noch am gleichen Tag eine Pressemitteilung gab, alle Eltern per Wilma-Nachricht benachrichtigt wurden und alle Klassen am nächsten Tag für zwei Wochen auf Fernunterricht umstiegen, erfuhren wir diesmal eher nebenher und überhaupt erst mit vier Tagen Verzögerung davon, und für alle ausser die, die in Quarantäne müssen, läuft der Unterricht ganz normal weiter. Finde ich jetzt nicht ganz so lustig.

Am Donnerstag hatte sich übrigens die finnische Gesundheitsbehörde vorsichtig positiv geäussert, weil sich die Kurve der Neuinfektionen in den letzten zwei Wochen deutlich abgeflacht hatte. Aber wie alle Mütter wissen, die jemals laut ausgesprochen haben, dass ihr Kind jetzt durchschläft, kam es, wie es kommen musste: am Freitag wurde eine Rekordzahl an Neuinfektionen (sowohl in Turku als auch in ganz Finnland) innerhalb der letzten 24 Stunden verkündet.

Trotzdem sieht es in Finnland noch vergleichsweise gut aus.

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Überfüllter finnischer Wald

Auf dem Heimweg war noch Zeit für einen Nationalpark, in den ich schon lange mal wollte, der aber leider vier Stunden Autofahrt von uns entfernt ist.

Es gibt dort auf der beliebtesten, mittelkleinen Wanderrunde eine Hängebrücke, eine Fähre zum Sich-selbst-über-den-See-ziehen und einen Berg, auf den steile Treppen führen wie in der Sächsischen Schweiz, aber wenn man oben ist, könnte die Aussicht finnischer nicht sein.

Leider hatten ungefähr 2000 Leute die gleiche Idee. 2000 Leute mit 500 Hunden. Das war nach den stillen Tagen am See und im Herbstwald ein echter Kulturschock. Und weil es dort anscheinend immer so voll ist, waren leider auch die Wanderwege, bis auf den kleinen Umweg über den Berg, eher so Autobahnen statt schmaler Pfade.

Gut, dass wir nicht extra hingefahren sind, habe ich die ganze Zeit gedacht. Andererseits war der Umweg, den wir gefahren sind, ein echter Genuss. So schöne, leere Strassen durch so schöne Landschaft!


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Plan C

Plan A war: Wir fahren nach Venedig. Mit einer Nachtfähre und zwei verschiedenen Nachtzügen, denn der Weg ist ja bekanntlich das Ziel, und zum ersten Mal in acht Jahren hätten wir Zeit dazu, denn zum ersten Mal hätten wir eine ganze Woche statt zwei Tagen Herbstferien. Plan A gaben wir schon im Frühling auf.

Plan B war: Wir fahren nach Estland. Wie immer, nur eben diesmal eine ganze Woche. Plan B scheiterte vor zwei Wochen an den aktuellsten finnischen Reisebeschränkungen.

Plan C war: Wir fahren in irgendein Mökki an irgendeinen finnischen See. Plan C war gar nicht schlecht.

Höhepunkt des Urlaubs: Klempner und Abpumpauto kommen. Das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus springen ihnen noch im Schlafanzug entgegen und kommen erst nach Abschluss der Arbeiten wieder ins Haus. Klempner und Abpumpautofahrer freuen sich über das kindliche Interesse an ihrer Arbeit und geben schmunzelnd Auskunft. Und hinterher dürfen wir zur Entschädigung für 50 € Backwaren und lokale Produkte im Dorfladen kaufen.

(Plan C hätte gegenüber Plan A oder B auch den Vorteil gehabt – wir kamen extra schon gestern Abend zurück – dass der grosse Herr Maus heute mit den Pfadfindern zu einer lange geplanten Wochenendradtour hätte aufbrechen können. Vorgestern wurde die Radtour abgesagt, da sich mehrere Betreuer wegen Kontakts mit einem Coronainfizierten in prophylaktischer Quarantäne befinden. Tja nun. Besser wird 2020 wohl nicht mehr.)


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Herbstlaub und Sommersonne

Seit vier Tagen haben wir deutschen Oktober: die Bäume sind schon bunt, aber es ist nochmal über 20 Grad warm geworden.

Etwas, das wir in Finnland in 17 Jahren noch kein einziges Mal erlebt haben.

Am Samstag fuhren wir nach Rauma, wo das Herbstlaub besonders malerisch, aber sonst nur mit dicken Jacken und Mützen zu kriegen ist. Diesmal liefen wir im T-Shirt durch die Gassen der Altstadt.

Wir hatten gedacht, wir könnten auch die Chance nutzen, nochmal essen zu gehen, bevor es zu kalt wird, um draussen zu sitzen. Leider hatte der Italiener, der im Juni Tische und Stühle auf dem schmalen Fussweg stehen hatte, selbige schon wieder weggeräumt. Und auch sonst konnte man nirgends in der Altstadt draussen sitzen. (Was ausser uns auch niemanden zu stören schien. Es war überall voll.) Unsere Rettung war die gleiche Pizzeria wie vor einem Jahr, die damals das einzige Lokal gewesen war, das sonntags geöffnet hatte. Diesmal war es das einzige, wo man noch draussen sitzen konnte. „Dieses Wochenende noch“, erklärte uns die Kellnerin, „ab Oktober bräuchten wir eine Sondergenehmigung für den Winter.“ Man könnte tatsächlich meinen, Corona sei vorbei.

Nachdem wir wie immer nach (sehr spätem) Mittagessen und Kaffeetrinken und Besuch des Lieblingsspielplatzes, ohne den wir noch immer keinen Ausflug nach Rauma machen können, die Heimfahrt antraten, war die Sonne gerade untergegangen, und trotzdem war es noch unwirklich warm. Drei Elche standen malerisch im Abendnebel auf einer Wiese neben der Strasse, und ein riesiger rosa Mond leuchtete uns den Weg.