Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mein hübschestes Geburtstagsgeschenk

Mittwochvormittag gingen wir – natürlich in passender Kleidung! – zur Polizei zwecks Unterschriftenprobe und Fingerabdrucknahme für unsere finnischen Pässe.

Donnerstagvormittag piepten unsere Telefone und teilten uns mit, wir könnten fünf Sendungen  vom nächstgelegenen R-Kioski – einem kleinen (fast) 24/7-Laden – abholen. Unsere Pässe?! Nach einem Tag?!

Sie waren es tatsächlich.

Ich war fast ein bisschen traurig, als ich erfuhr, dass es zum Jubiläumsjahr neue Pässe geben wird – ich hatte mich doch so auf das Elch-Daumenkino gefreut…! Aber die neuen Pässe sind ja noch viel hübscher, als ich erwartet hatte: auf der ersten Seite ist ein Gedicht von Eino Leino und auf jeder Seite ist ein anderes Foto von einer finnischen Landschaft und auf der Plasteseite mit den Daten sind Schneekristalle eingeprägt und statt dem laufenden Elch gibt es jetzt unten in der Ecke einen fliegenden Schwan als Daumenkino.

(Da kann man jetzt ja mal den weinroten Bundesadler auf armeegrünem Grund danebenlegen…)


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Es könnte so einfach sein

”Gedruckte Passbilder oder elektronische?”, fragte die Fotografin, nachdem wir zu fünft in ihren kleinen Laden eingefallen waren, sie aber enttäuschen mussten, dass drei von uns keine Passbilder brauchen. Ich so: ”???” ”Wofür braucht ihr sie denn?”, hakte die Fotografin nach. ”Wenn ihr sie für einen Passantrag braucht, dann kann ich sie elektronisch direkt zur Polizei schicken.”

Just joo. Finne müsste man sein!

Wir dagegen machen morgen mit Kind und Kegel und drei Aktenordnern einen Ausflug nach Helsinki.


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“Deutsche Botschaft Helsinki, Guten Tag!“

Es ist immer und immer wieder eine Freude, mit Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Helsinki zu telefonieren. (Schon allein deshalb, weil die sich am Telefon immer so anhören, als ob sie gerade ein Schlafmittel eingeworfen hätten. Muss das so?)

Heute die einfache Frage, ob wir zur Anmeldung des Minimäuserichs auch in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester kommen könnten, und welche Öffnungszeiten sie da haben:
„Ja, also, ja… also am 24. haben wir nicht auf, und am 31. auch nicht.“
Klare Antworten auf klare Fragen. Das wär‘ mal was.

Und so zur Sicherheit noch die Frage, was wir alles mitbringen müssen, ob wir denn wirklich z.B. unsere Heiratsurkunde nochmal mitbringen müssten, wo die doch schon in zweifacher Kopie auf der Botschaft liege von der Anmeldung der anderen beiden Kinder:
„Ja, also, ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange das archiviert wird. Und wir müssten das ja dann auch erst raussuchen. Bringen Sie es lieber mit.“
Klar. Genau dafür werden Akten angelegt. (Und unsere Geburtsurkunden und Abiturzeugnisse und Pionierausweise – kleiner Scherz – bringen wir dann vorsichtshalber auch mal mit.)

„Und bringen Sie bitte Bargeld mit, Kartenzahlung ist bei uns leider derzeit noch nicht möglich.“
DERZEIT ist gut. Als wir vor viereinhalb Jahren das Mäusemädchen anmeldeten, mussten wir auch schon den nächsten Geldautomaten, der übrigens weiter als mal eben einen kleinen Fussmarsch entfernt ist, aufsuchen, weil wir in einem Land, in dem man überall, wirklich überall mit Karte zahlen kann, nie mehr als 20 € in bar dabei haben. NOCH ist auch gut. Ich bin sicher, wir könnten noch zehn Kinder bekommen und für sie Pässe beantragen und müssten jedes Mal bar bezahlen.

„Aufwiederhören!“
Hoffentlich nicht so bald.


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Wäre das auch wieder geschafft…

Mittwoch spontan beschlossen, am Donnerstag – solange der Ähämann noch Urlaub hat und derweil das Mäusekleinkind bespassen kann – mit dem Mäusebaby Passbilder machen lassen zu gehen.

Am Donnerstag direkt vom Fotografen zur Polizei gegangen, um eine Aufenthaltsgenehmigung für das Mäusebaby zu beantragen. (Nein, es reicht nicht, wenn die Eltern eine haben, die Kinder brauchen eine eigene.) Dort erfahren, dass das Mäusebaby dazu erst einen eigenen Pass braucht.

Also am Donnerstag spontan beschlossen, gleich noch am Freitag – des Ähämanns letztem Urlaubstag – nach Helsinki auf die Botschaft zu fahren. Immer wieder schön das. *augenroll*

Und der neue deutsche Staatsbürger hat die meiste Zeit im Auto gebrüllt wie am Spiess. Das kann ja noch lustig werden, wenn das Kind schon im zarten Alter von knapp sieben Wochen noch nicht mal im fahrenden Auto einschläft…
(Wir wären ja liebend gerne mit dem Zug gefahren, wenn die Botschaft nicht solche beknackten Öffnungszeiten hätte.)


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Kleine deutsche Staatsbürgerin

Seit Freitag ist das Mäusebabymädchen endlich offiziell deutsche Staatsbürgerin. Bisher war das arme Kind staatenlos. Zwar wurde sie auf dem maistraatti von Anfang an als Deutsche geführt, aber für die deutschen Behörden braucht es natürlich ein bisschen mehr als die Tatsache, dass das Kind zwei deutsche Eltern hat. Nämlich: einen Auszug aus dem finnischen Melderegister, einen Geburtsschein aus dem Krankenhaus, ein Passbild, die Geburtsurkunden der Eltern, die Heiratsurkunde der Eltern (allerdings, wie gehabt, nicht die offizielle, kürzere, sondern die ausführliche, die eigentlich nur für den Gebrauch auf dem maistraatti bestimmt ist), einen Antrag und die Anwesenheit des Kindes sowie beider Eltern auf einem deutschen Konsulat oder der deutschen Botschaft. Ganz einfach also. ;-) Es hat uns auch nur eine Fahrt nach Helsinki, anderthalb Stunden Papierkrieg sowie 70 € in bar (!) – denn wir befinden uns zwar in Finnland, wo man an jedem Kiosk mit Bankkarte bezahlen kann, aber letztendlich doch auf deutschem Hoheitsgebiet – für die Ausstellung ihres Passes (in den unbedingt ihre Grösse einzutragen ist – das fanden wir neben dem Passbild den grössten Witz!) und Eintragung in unsere Pässe gekostet. Um eine deutsche Geburtsurkunde für das Mäusebabymädchen zu bekommen – für die sich hier kein Schwein interessiert, aber die wir garantiert brauchen, sollten wir auch nur irgendeine kleine Sache in Deutschland für sie zu klären haben – steht ungefähr noch einmal so viel Papierkrieg an. Allerdings haben wir dafür jetzt noch einmal drei Monate Zeit.

Auf die Botschaft zu gehen war wie immer ein Erlebnis. Nebenan befindet sich die Botschaft irgendeines südamerikanischen Staates, dort wuchert das Gras und stehen hohe Bäume, eingezäunt von einem Holzzaun, dessen Tor sperrangelweit offen steht. Nebenan, bei den Deutschen, gibt es auf dem gepflasterten Hof eine – na? – natürlich! – Eiche! Auf dem Hof schmort in der Sonne ein Wachmann, der Besucher, die hinter übermannsgrossen Eisenzäunen klingeln und warten müssen, einlässt, nachdem sie ihr Begehr vorgetragen haben. Ein Blick auf das Baby genügte in unserem Fall. Die Botschaftsangestellten, die für solcherlei Angelegenheiten wie unsere zuständig sind, sitzen hinter einem gesonderten Besuchereingang hinter schusssicherem Glas, kommuniziert wird per Mikrofon und Telefonhörer, Unterlagen werden durch eine Schublade hin- und hergereicht. Lustig ist, dass an der Pinnwand noch ein Fahndungsaufruf nach drei Jenaern hängt, die dort 1997 (!) auf dem Theaterplatz ein Sprengstoffpäckchen abgelegt haben sollen. Davon haben wir nie gehört. Aber das war ja auch vor der allgemeinen Terrorhysterie. Wenigstens haben sie einen prima Wickeltisch, den, den uns IKEA nicht verkaufen wollte.

Zur Erholung von soviel Deutschheit haben wir am Nachmittag eine Kollegin vom Ähämann besucht, die nebenher zwischen Tammisaari und Salo ein Café direkt am Meer betreibt. Wir haben alles probiert (naja, fast alles), was sie im Angebot hat, haben stundenlang in der Sonne gesessen, während das Mäusebabymädchen schlief, ein bisschen finnisch geredet, ein bisschen gelesen, ganz viel nichts getan. Was man im finnischen Sommer eben so tut.


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Heute früh um neun riss mich das Telefon aus meinem Urlaubsschlaf: „Guten Tag, Schürer von der deutschen Botschaft in Helsinki. Ich habe da gerade Ihren Passantrag vor mir liegen…“ Kurz und gut, ihnen fehlte die Abmeldebestätigung aus Jena. In Finnland wäre sowas nicht nötig, ein kurzer Blick ins Melderegister würde genügen, aber bitte, ich stelle mich ja nicht auf die Hinterbeine, wenn ich deutschen Bürokraten etwas zu arbeiten beschaffen kann. „Kann ich das auch faxen?“ „Ja, können Sie.“ „Und wie ist die Nummer?“ „Ja, Sie stellen Fragen…!“ Ich glaube langsam wirklich, dass in der deutschen Botschaft in Helsinki nur die fähigsten Beamten Deutschlands angestellt sind!!!

Das grössere Problem war jedoch, dass ich ja nun letzten Freitag nicht nur meinen Nachnamen, sondern gleich auch die Reihenfolge meiner Vornamen habe ändern lassen. Und oh Himmel, jetzt stimmen die ja nicht mehr mit meiner Geburtsurkunde überein! Das geht natürlich nicht für einen guten deutschen Staatsbürger! „So können wir das jedenfalls nicht in einen deutschen Pass schreiben. Sie haben das ja nur nach finnischem Recht geändert, nicht nach deutschem.“ „Soso, ist dann also auch meine Nachnamenänderung ungültig?!“ „Neeeiiiin…“ (ich hörte deutlich, wie es in Herrn Schürers Kopf ratterte), „Sie haben ja den Namen Ihres Mannes angenommen, das ist ja nicht anders als im deutschen Recht.“ Fein rausgewunden, Herr Schürer! Und die Vornamen? „Die könnten Sie in Deutschland ja überhaupt nicht ändern lassen. Also wenn überhaupt, dann mit enormem bürokratischem und finanziellem Aufwand.“ Ach! Herr Schürer beteuerte mir jedenfalls mehrfach, ihm seien „die Hände gebunden“, und er müsse sich an die Geburtsurkunde halten. Bitte, dann macht ihr Deutschen doch was ihr wollt! Der Pass ist mein einziges deutsches Dokument (einen Personalausweis brauche ich nicht mehr, den Führerschein bekomme ich aus Finnland), und wird wohl auch das letzte sein – wenn das so weitergeht, wird mein nächster Pass aber sicher ein finnischer!!!

Vielleicht sollte auch nur endlich mal jemand den Deutschen sagen, wieviel einfacher es ist, wenn jeder so eine Sozialnummer hat. (Oh, Entschuldigung, dann würde aber bestimmt auch die Hälfte der deutschen Beamten ihre Arbeit verlieren!) Vorletzte Woche war ich meine Steuererklärung abgeben und fragte gleich, ob ich dann nach der Hochzeit eine neue Steuerkarte bekomme. „Nö, bekommen Sie nicht. Sie können einfach selbst den Namen durchstreichen und den neuen Namen draufschreiben.“ „Und den Teil, den mein Arbeitgeber hat?“ „Dann sagen Sie einfach Ihrem Arbeitgeber, dass sich Ihr Name geändert hat, und der macht das dann ganz genauso.“ „Aha…“ „Wissen Sie, der Name ist doch sowieso vollkommen irrelevant, Hauptsache Ihre Sozialnummer steht drauf, und die ändert sich ja nicht.“ Polizei, Post, Bank und KELA wissen auch schon automatisch von meiner Namensänderung, ohne dass ich die extra melden müsste.
Vielleicht sollte ich mich auch am Telefon mit meiner Sozialnummer melden. ;-) Das funktioniert nämlich noch nicht so richtig und hört sich ungefähr so an: “Karen … ähm, Hallo?“