Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Bei der Schneekönigin

16 Kommentare

Als wir in Lappland ankamen, schien die Sonne kroch die Sonne genau zwei Stunden am Tag am Horizont entlang: von 11:15 Uhr bis 13:15 Uhr.

Wir wussten, worauf wir uns eingelassen hatten. Im Januar 2000 waren der Ähämann und ich extra nach Inari gefahren, um zu erleben, wie das ist, wenn die Sonne den ganzen Tag nicht aufgeht. Ich weiss gar nicht mehr so recht, was wir erwartet hatten. Stockdunkle Nacht, vermutlich. Stattdessen erlebten wir, dass es unerwartet hell wird, wenn die Sonne zwar nicht aufgeht, aber knapp unterm Horizont entlangkriecht. Dass es unerwartet lange vor Sonnenauf- und lange nach Sonnenuntergang noch hell ist. Keine graue Dämmerung, sondern leuchtendes Zwielicht, das die weisse Schneelandschaft in ein rosa Zuckerwatteland unter einem babyblauen Himmel verwandelt.

Ich hatte schon ganz vergessen, wie schön dieses blaurosa Licht ist…!

Zum ersten Mal, nach all den Jahren, in denen wir mit Babys und Kleinkindern im blauen roten Mökki Winterurlaub gemacht hatten, konnten wir diesmal das wunderbare Loipennetz in der Umgebung wirklich nutzen, weil die Kinder endlich mehr als drei Kilometer schaffen. Wir glitten bei -15°C acht oder vierzehn oder achtzehn Kilometer auf perfekt gespurten Loipen durch dieses Zuckerwatteland, fernab der motorschlittenfahrenden oder schneeschuhschlurfenden Touristenhorden. (Ja, die gibt es leider auch schon wieder.) Ich konnte mich nicht entscheiden, ob das Licht zur Mittagszeit oder kurz nach Sonnenuntergang am schönsten war, und selbst die Loipenbeleuchtung, für die wir am Ende der Skitouren immer recht dankbar waren, hatte ihren ganz eigenen Zauber.

Neben den Loipen standen die Fichten in ihren Eispanzern – an einer Fichte können bis zu drei Tonnen Schnee kleben, las ich gerade – wie Stalagmiten. Oder wie verwunschene Fabelwesen: schlanke Prinzessinnen, Königinnen mit Krone auf dem Kopf, Zauberer im langen Umhang. Zu ihren Füssen spielten grossköpfige Fabeltierchen im Schnee, stand ein Weiblein mit verschränkten Armen und Hut auf dem Kopf, schlief ein Kind auf weichen Kissen.

Schon als wir vor ein paar Jahren die „Schneekönigin“ vom ZDF sahen, die ja zum Teil im finnischen Lappland gedreht ist, habe ich mich gefragt, warum in aller Welt sie das im März machen mussten, im gleissenden Sonnenlicht. Klar, vermutlich will niemand bei -20°C einen Film drehen, aber nichts hätte besser das Reich der Schneekönigin darstellen können als dieser Märchenwald in diesem blaurosa Zwielicht im Januar.

11:58 Uhr. Mittagssonne.

Nach drei Tagen wusste ich, dass ich diesen Märchenwald und dieses Licht den Rest des Winters schmerzlich vermissen würde. Den Rest diesen Winters und alle kommenden. Und so kam es, dass wir noch im blauen roten Mökki unseren nächsten Urlaub im blauen roten Mökki buchten.

16 Kommentare zu “Bei der Schneekönigin

  1. Wahrscheinlich geheim, wo Ihr da wart oder? Ich will auch wieder hoch, nach Äkäslompolo oder in die Gegend. Die endlosen Langlaufloipen in der finnischen Finnmark, die sind schon toll!!!

  2. Was für wunderschöne Bilder! Eine verzauberte Welt.

  3. So tolle Fotos! *herzchenaugen*

  4. Hach, hach… wer weiss, ob man nächsten Winter schon wieder so weit reisen sollte *seufz*
    Wo ihr in etwa seid kann man eruieren, wenn man den Wegweiser auf dem 2. Bild genauer anschaut ;-)
    Dabei darf ich gar nicht wirklich klagen, wir machen im Februar eine Woche Langlaufferien im Engadin, da fährt man über die zugefrorenen Seen :-)

    • Das klingt auch gut!

      Und mein Verständnis für Reisebeschränkungen ist schon lange aufgebraucht. Man muss natürlich nicht extra irgendwohin fahren, wo die Situation ganz besonders schlimm ist, aber ansonsten ist es doch überall auf der Welt, überall in Europa zumindest, ziemlich gleich. Mein Risiko, mich auf Arbeit anzustecken, ist jedenfalls um ein Vielfaches höher…

      • Der Unterschied bei einer Lapplandreise wäre halt bei uns „Flughafen, Flugzeug, Bus“ versus bei euch „eigenes Auto, eigenes Zugabteil, eigenes Auto“.
        Wir gehen nicht mal einkehren im Urlaub, und weil die Take-away-Stellen fürchterlich überlaufen sind und dort keiner sich an irgendwas hält, nehmen wir nicht nur heissen Tee, sondern auch Eintopf oder Suppe mit für unterwegs.
        NOCH sind wir „nur“ 3x geimpft und nicht genesen, mal schauen, wie lange wir das noch hinbekommen.

        • Das stimmt natürlich, und nach Lappland fliegen, jedenfalls unser Erfahrung nach, ziemlich gut gefüllte Flugzeuge mit Menschen aus der ganzen Welt. Man kann aber auch mit dem Auto hinfahren. ;) Man muss ja nichtmal den ganzen Weg über Schweden und Haparanda selbst fahren, es geht auch schon über Stockholm und Turku und dann weiter mit dem Zug…
          Aber Spaß beiseite, was den Schutz und das Reisen generell angeht, glaube ich, dass 3 Impfungen, nach dem jetzigen Stand der Forschung jedenfalls, wirklich sehr gut sind. Und dafür sind die Impfungen ja auch da. Und dass sie helfen, auch 2 schon, haben wir, unfreiwillig natürlich, selbst testen können, indem ich nämlich sogar ohne Maske niemanden angesteckt habe. Wir nehmen es natürlich nicht auf die leichte Schulter, und ich will auch niemanden bekehren. ;) Wir setzen uns auch nicht in überfüllte Restaurants. Aber ich bin mir auch ziemlich sicher, dass diese Krankheit nicht oder auf keinen Fall in naher Zukunft verschwinden wird.

  5. so schöne märchenhafte Fotos, danke fürs Zeigen. Da komme ich ins Träumen, diese weite Landschaft, sicher knackt es hier und dort auch mal, oder? Gruß Roswitha

  6. Deine Bilder entfalten wirklich einen unglaublichen Zauber. Vielen Dank für das Mitträumen lassen!

  7. Wundervolle und wunderschöne Fotos …

    Ich selbst bin Anfang Januar mit insgesamt 4 jungen Menschen (2 meiner Kinder und zwei Teenie-Freunden des Sohnes) mit dem Flugzeug direkt von Deutschland für 5 Tage nach Schweden, Lulea, geflogen. Gewohnt haben wir in einem kleinen Häuschen auf einem Campingplatz.
    Die Sonne ging gegen 10.15 Uhr auf und gegen 13 Uhr unter. Noch in Deutschland dachte ich, es wäre vor und nachher sofort stockdunkel :-) … so ist es nicht und du, Karen, hast es wunderbar beschrieben, wie es ist. Ein unglaubliches Licht … lange bevor die Sonne aufgeht und lange nachdem sie untergegangen ist. Die von der aufgehenden Sonne rosarot beschienenen Bäume, die sich immer weiter rosarot färben, je höher die Sonne aufgeht und wenn dann die Sonne sichtbar ist, ist sie bald auch schon wieder am Untergehen … Absolut faszinierend. Bei euch hat es noch mehr Schnee gehabt als bei uns, so toll wie bei euch waren die Bäume nicht beschneit, aber fast :-)
    Ein weiterer Höhepunkt war die Temperatur. Mittags um 13 Uhr hatten wir – 29 Grad. Auch interessant war es, wie unterschliedlich unsere Schuhe beim Laufen auf dem Schnee geknirscht haben.
    Und, wir haben tatsächlich Nordlichter gesehen. Leider war der Himmerl sehr bewölkt, die Lichter waren sichtbar, jedoch wie hinter Watte. Wir haben eine Ahnung bekommen, wie diese bei wolkenlosem Himmel aussehen könnten und deshalb ein bissle enttäuscht, dass der Himmel doch nicht mehr aufgerissen ist. Aber nur ein kleines Bisschen ;-). Für uns alle ein unvergesslicher Urlaub.

    Schön, dass ihr das Mökki für den nächsten Urlaub bereits gebucht habt. Und beim nächsten Mal klappt es bestimmt mit den Nordlichtern!
    Herzliche Grüße von Silke

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