Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Kuoppatori

4 Kommentare

So sieht es aus derzeit, das Herzstück unserer Stadt:

Kein Kauppatori*, sondern ein Kuoppatori**.

Das Loch hat sich ausgeweitet bis an die Fundamente der umstehenden Häuser, weil erst an ihnen das Nachrutschen des Erdreichs gestoppt wird. (Der drei Meter hohe Sichtschutz Bauzaun ist somit hinfällig geworden. Er wurde aber unverdrossen noch monatelang immer wieder versetzt und jedes kleinste Guckloch sorgfältig abgedichtet.) Das kleine Fleckchen vor der orthodoxen Kirche, das den Marktverkäufern noch übriggelassen wurde, ist überwiegend leer. Der Nistkastenbauer verkauft schon lange nur noch online und ab und zu in Einkaufszentren. Es steht kein einziger Blumenverkäufer mehr auf dem Markt, nicht einmal die zwei oder drei, die sogar bei -15°C mit Heizlüfter in ihren Ständen ausharrten. Neulich zählte ich zwei Fischstände und einen Kartoffel-Rüben-Möhren-Stand. Sonst nichts.

Man kommt aber auch nicht hin. Der Wegeverlauf ändert sich nahezu täglich. Für Radfahrer ist quasi die ganze Umgebung des Marktplatzes gesperrt. („Schieben erlaubt“ steht unter allen „Radfahren verboten“-Schildern. Wie gnädig!) Normalerweise umfahre ich die Grube weiträumig, aber neulich wollte ich… ich weiss gar nicht mehr so genau… vermutlich zu einem Blumenverkäufer, der dann nicht mal da war… stieg brav von meinem Rad und schob durch den schmalen Durchgang zwischen Grube und Kaufhaus, und als ich schon 3/4 dieser Marktseite passiert hatte, stand da ein armewedelnder Bauarbeiter und leitete alle Fussgänger durch die angrenzende Einkaufspassage, und mich mit meinem Fahrrad schickte er zurück. Die Grube andersum zu umgehen ging auch nicht, weil die andere Marktseite wegen Abriss eines Hauses auch voll gesperrt war. Es blieb mir nichts übrig, als einen Umweg um ein ganzes Häuserviertel zu fahren, um zu den Marktständen zu gelangen. Ich war dann auch ein bisschen ungehalten, als mir eine Frau hinterherrief, hier dürfe ich aber nicht radfahren. „Wenn dieser…“ – und hier wäre mir fast ein böses finnisches Schimpfwort herausgerutscht – „…Toriparkki nicht wäre, gäbe es auch Radwege!!!“, rief ich zurück.

Manchmal möchte man diese Stadt einfach nochmal anzünden.


*wortwörtlich: Kaufmarkt
**wortwörtlich: Grubenmarkt

4 Kommentare zu “Kuoppatori

  1. Du hast mein ganzes Mitgefühl – ging mir letztens ähnlich. Sogar zu Fuss 🙄

    • Ja, es ist auch für Fussgänger keine Freude. Eigentlich für überhaupt niemanden. (Nur irgendwer lacht sich ins Fäustchen, dass er das gegen den Willen der Mehrheit durchgeboxt hat und jetzt alle, die dagegen waren, trotzdem mit dem Loch leben müssen.)

  2. Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie wenig bei (Straßen-) Baustellen an Fußgänger oder Radfahrer gedacht wird, beziehungsweise, was man denen alles zumutet.
    Ich wünsche Dir, dass das bald wieder besser wird! (Wobei die Baustelle so groß aussieht, dass es wohl nicht ganz schnell zu Ende geht.
    Trotzdem: Ein schönes Wochenende und lieben Gruß, Michael

    • Ich würde mich ja nicht aufregen und die Widrigkeiten einfach hinnehmen, wenn es wenigstens ein sinnvolles Bauvorhaben wäre…! Der Ähämann geht in Tampere klaglos seit fast anderthalb Jahren jeden Tag einen anderen Weg um die Strassenbahnbaustelle herum.

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