Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Zeitreise

Ein Kommentar

Heute bin ich zehn Jahre zurückgereist.

Seit das Fräulein Maus buchstabieren kann und im Vorbeifahren das Wort Uimahalli entziffert hat, hat sie gebettelt, ob ich mit ihr nicht auch mal in diese kleine Schwimmhalle gehen kann.

Erst musste sie richtig schwimmen lernen, weil es dort kein Kinderbecken gibt. Dann haben wir es zwischendurch wieder vergessen. Dann war immer irgendwas anderes. Aber heute ging ich endlich mit ihr hin.

Vor ziemlich genau sieben Jahren war ich zum letzten Mal da. Aber als wir heute da rein kamen, uns zwei Schlüssel am Gummiband ausgehändigt wurden (nachdem das Fräulein Maus kurzerhand als Studentin deklariert worden war, weil Kinder dort in der Preistabelle gar nicht vorgesehen sind) und uns dieser unverkennbare Chlorgeruch entgegenschlug, den es in modernen Schwimmhallen gar nicht mehr gibt, da fühlte ich mich sofort zurückversetzt in den Winter bevor der grosse Herr Maus geboren wurde, als ich mich im Endspurt für meine Doktorarbeit befand und regelmässig direkt vom Schreibtisch weg mit der deutschen Freundin dorthin zum Schwimmen und Schwatzen ging – sehr ernst nahmen wir das nämlich nicht mit dem Sport – um danach mit dem Gefühl, mehrere Zentner zu wiegen, dem Wasser zu entsteigen und mich und den dicken Babybauch in die Sauna zu schleppen.

Nichts hat sich seither dort geändert. Das Holz in der Sauna ist vielleicht noch ein bisschen dunkler geworden. Dafür riecht es in ihr immer noch so, wie es in einer richtigen Sauna riechen muss, ein bisschen so wie die Sauna auf der geliebten Forschungsstation, ein bisschen wie die Eisbadesauna, bevor sie renoviert wurde. Über dem Schwimmbecken hängt genau die gleiche Werbung wie vor zehn Jahren. (Ich bezweifle, dass es ausser Silja Line noch irgendetwas davon gibt. Und wenn, dann garantiert nicht mehr unter der inserierten Adresse.) Immer noch strampeln alte Frauen im Wasser und kraulen Studentinnen ihre Bahnen.

Ich bin weniger geschwommen als vor zehn, neun, acht, sieben Jahren. Für das Fräulein Maus waren die 25m pro Bahn nicht nur ein Klacks, sie schwamm sie überdies mit mir um die Wette, und ich habe nur noch knapp gewonnen.

Ein Kommentar zu “Zeitreise

  1. Alles ändert sich ständig, unterschiedlich schnell, so zeigt sich Leben, beziehungsweise, es zeigen sich Spuren. die das Leben hinterlässt. Manche Dinge, manche Orte ändern sich sehr lange Zeit nicht, nicht einmal in Kleinigkeiten. Das kommt uns dann „besonders“ vor und auch ein bisschen heimelig, weil bekannt und vertraut.
    Schön, dass Du Deine Wahrnehmung eines solchen Ortes –mit allen Sinnen– mitteilst!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s