Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Kleine Runde Meer

3 Kommentare

Die Sonne lacht, es ist fast Sommer, den Finnen zieht es aufs Wasser. Aber was, wenn man kein eigenes Boot besitzt?

Dann fährt man Autofähre.

Zunächst eine der grossen gelben zwischen Parainen und Nauvo. „Sterna“ ist ausgeflogen in Reparatur, stattdessen fährt Ersatzfähre „Odil“, die mit knapp 30 Autos gerade mal halb so viel wegbringt. Wir müssen dann auch prompt auf „Falco“ warten, weil wir auf „Odil“ nicht mehr draufpassen. Aber nicht lange, denn die Fähren fahren fahrplanmässig alle Viertelstunde, bei Bedarf auch ununterbrochen und manchmal auch mit allen dreien.

Von Nauvo aus kann man seit Freitag wieder mit Zwischenstopp in Seili nach Rymättylä übersetzen, weil die „Östern“ ihren Sommerbetrieb wiederaufgenommen hat. Diese Fähre muss man dann auch – im Gegensatz zu den gelben Autofähren, die ein Stückchen Strasse ersetzen – bezahlen, denn nach Rymättylä käme man auch auf dem Landweg: nur schlappe 90 km von Nauvo aus!

Zuerst aber müssen wir klären, wie das mit dem Herrn Picasso und dem Zwischenstopp in Seili zu bewerkstelligen wird. Wie vermutet, darf in Seili kein Auto von Bord – man bietet uns aber an, den Herrn Picasso mit nach Rymättylä zu nehmen, ihn dort von Bord zu fahren, zu parken, und uns dann die Schlüssel zu übergeben. Nach kurzer Beratung entschliessen wir uns, den Herrn Picasso zunächst in Nauvo zurückzulassen und den Tag mit viel Schifffahren zu verbringen.

Nach zwanzig Minuten gehen wir in Seili von Bord.

Seili hat eher traurige Berühmtheit erlangt durch sein Leprakrankenhaus, in dem ab dem 14. Jahrhundert Leprakranke behandelt isoliert wurden, und das später in ein Irrenhaus und noch später in das Archipelago-Forschungszentrum der Uni Turku umgewandelt wurde. Ich kenne Leute, die da gearbeitet haben – alles gestandene Wissenschaftler – und die ernsthaft behaupten, dass es dort spukt. Das wundert mich gar nicht – eine unserer Unterkünfte im Archipelago war das Dienstbotenhaus eines Leprakrankenhauses auf einer anderen Insel. Ich war dort nicht gern. Ich fand es dort auch gruselig. Und bedrückend.

Aber heute scheint die Sonne so hell, die Bäume haben frühlingsgrüne Blättchen, der Löwenzahn steht in voller Blüte, das Gras reckt seine kräftiggrünen Spitzen in die Höhe, ein Kuckuck ruft, das Meer glitzert. Ich fühle mich ein bisschen wie früher – in mitteleuropäischem Klima – auf einem Osterausflug.

Wir suchen uns einen Platz mit Ausblick und machen Picknick. Zwischen Löwenzahn, wilden Stiefmütterchen und direkt vor einem ganzen Feld von Sumpfdotterblumen, nein, keine Sumpfdotterblumen, die anderen, wie hiessen die gleich nochmal? Scharbockskraut, genau.

In Finnland grünt und blüht es nur kurz. Aber dann richtig! Als erstes im Frühjahr färben sich die Waldböden lila von Leberblümchen, später sind sie mit grünweiss gesprenkelten Teppichen aus Buschwindröschen ausgelegt. Im Juni stehen die Maiglöckchen dicht an dicht und duften um die Wette. Zu Juhannus sind die Strassenränder bunt von Lupinen, als hätte jemand kilometerlange Blumenbeete angelegt.

Auf Seili wachsen die Himmelschlüsselchen felderweise.

Der kleine Herr Maus macht Mittagsschlaf im Mäusevolvo, während wir anderen auf eigenen Beinen einmal rund um die Insel spazieren. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir die fahrplanmässigen vier Stunden halbwegs gut rumbringen würden. Würden wir. Ist ganz, ganz toll hier, vor allem jetzt, wo ausser uns noch keine Touristen hier sind. (Dass im Sommer ganze Heerscharen von Touristen hier einfallen müssen, sieht man daran, dass überall Hinweisschilder hängen, wo man langgehen darf und wo nicht. Das interessiert jetzt noch keinen.) Jetzt aber müssen wir schon nach zwei Stunden zurück zum Schiff, zurück nach Nauvo, den Herrn Picasso abholen.

Der kleine Herr Maus verschläft dann auch noch die ganze Rückfahrt, wird dann aber pünktlich in Nauvo wach, um sich auf das hafeneigene Sandspielzeug zu stürzen. Kleiner Herr Maus im Glück!

Dort bringen wir die eine Stunde rum, bis wir wieder – diesmal mit dem Herrn Picasso – an Bord gehen.

Ich bekomme seit langer Zeit wieder Sehnsucht nach dem Meer. Die grossen Mäusekinder entdecken die Faszination einer LandSeekarte.

Am Minihafen in Hanka geht’s von Bord, aber eine Autofähre haben wir noch vor uns.

Schön, die „Kleine Schärenringstrasse“.
Zu Juhannus dann wieder die grosse.

3 Kommentare zu “Kleine Runde Meer

  1. Wunderbar. Beide Scherenringstrassen habe ich vor einiger Zeit mit dem Fahrrad erkundet. Highlights während meiner Zeit in Turku. Die vielen Fähren sind dabei ganz sicher nicht nur für die Kinder eine Attraktion…

  2. Pingback: Kleine Runde Meer | Stories & Places

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