Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Reiserückblick (9): Nur eine Zwischenstation

Von der Slowakei bis nach Rostock – zur Fähre, denn wir fahren weiterhin mit Freuden durch halb Schweden in den Urlaub und zurück nach Hause – wäre es für einen Tag wirklich zu weit gewesen. Als wir überlegten, wo wir eine Zwischenübernachtung machen könnten, beschlossen wir schnell, zwei Zwischenübernachtungen einzuschieben und so auch noch einen allerletzten Lieblingsort zu besuchen.

Weil wir die allerschönsten Wege gehen wollten – „Können wir bittebitte auch wieder durch die Wilde Hölle wandern?!“, hatten die Kinder gefragt – und dafür ja nur einen Tag zur Verfügung hatten, eskalierte die Wanderung ein bisschen, aber wir waren ja gut trainiert.

Was für ein grossartiger Abschluss unserer Reise!


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Reiserückblick (8): Das Lieblingsgebirge

Mit zwei – wir machten damals sehr kurze Wanderungen und sehr viele Waffelrasten – war ich das erste Mal da.

Aus Strandurlaub machte sich in meiner Familie niemand was, und so fuhren wir in meiner Kindheit jeden Sommer drei Wochen in die Malá Fatra zum Wandern. Als ich den Damals-noch-nicht-Ähämann kennenlernte, fuhren wir beide von da an gemeinsam da hin. Sogar aus Finnland waren wir noch zweimal dort, das letzte Mal vor elf Jahren, da schleppte der Ähämann das Fräulein Maus in der Kiepe über die Berge und erzählte ihr mittags zum Einschlafen was über die Entstehung von Faltengebirgen.

Und das ist dann auch der Grund, warum wir so lange nicht da waren. Es gibt in der Malá Fatra eine einzige Seilbahn, den Rest muss man sich aus eigener Kraft erlaufen – und während mein Vater mich als Einzelkind noch lange bei plötzlichen Schwächeanfällen auf den Schultern schleppte, ist das mit drei kleinen Kindern ja dann doch eher schwierig zu bewerkstelligen. Deswegen fuhren wir, wenn uns in den letzten Jahren die Bergsehnsucht packte, lieber in die Schweiz, weil man da wunderbar mit irgendeiner Bahn hochfahren, ein Stück laufen und mit einer anderen Bahn wieder runterfahren kann.

Aber die Sehnsucht blieb. Und dieses Jahr beschlossen wir, dass die Kinder jetzt alt genug wären für einen Bergurlaub, bei dem sie selbst die Berge besteigen müssten. Auch diesmal überraschten sie uns, wie schon in der Schweiz, damit, wie lange und weit sie tatsächlich wandern können, wenn sie nur wollen. Das heisst, dem kleinen Herrn Maus kann es sowieso nicht hoch und weit genug gehen, der grosse Herr Maus läuft einfach stoisch vor sich hin, und beim Fräulein Maus machte sich diesmal ganz überraschend das verstärkte generelle Fitnesstraining in der neuen Mannschaft bemerkbar. Ausserdem fanden sie es sehr motivierend, dass uns ständig erwachsene Turnschuhtouristen entgegenkamen, die wieder umkehrten, weil es ihnen zu anstrengend oder zu gefährlich war.

Nämlich. Es ist da nicht wirklich gefährlich, wenn man sich an ein paar gewisse Grundregeln hält und zumindest vernünftiges Schuhwerk trägt, es gibt Leitern und Steighilfen und Ketten, aber: es ist da schon alles durchaus sehr viel weniger gesichert und es wird sehr viel weniger (sprich: gar nicht) vor schwierigen Auf- oder Abstiegen gewarnt als in westeuropäischen Gebirgen. Viele Wege, die in der Malá Fatra normale Wanderwege sind, wären in den Alpen schon als Klettersteige ausgewiesen. Ich war übrigens sehr froh drum, dass wir unseren Kindern von klein auf – auch wenn wir nicht allzuoft Gelegenheit dazu haben – das Bergwandern beigebracht haben, denn jetzt sind sie inzwischen in einem Alter, in dem sie erstens leichtens ihren Eltern davonlaufen und zweitens an einer gewissen Selbstüberschätzung leiden; da ist der Zug dann abgefahren und wir hätten uns wahrscheinlich tatsächlich viele Wege mit ihnen nicht zu gehen getraut.

Juni war übrigens tatsächlich die perfekte Reisezeit. Wir hatten schönstes Sommerwetter, auf den Bergen blühte es wie in einem Ziergarten, und es waren noch nicht so viele Touristen da. Leider gab es fast jeden Nachmittag einen mehr oder weniger heftigen Regenschauer mit oder ohne Gewitter, so dass wir immer ein bisschen gehetzt waren, denn vor allem Gewitter ist ja nicht ohne im Gebirge. Die Kinder werden sich jedenfalls noch sehr lange an die gigantischen Blitze zwei Höhenzüge weiter erinnern, die uns allen grossen Respekt einflössten. (Und uns dann sehr schnell den Abstieg in Angriff nehmen liessen.)

Wir trafen meine Eltern, die auch immer noch Jahr für Jahr in die Malá Fatra fahren, wir lebten vom Frühstück bis zum Abendbrot quasi im Schlaraffenland, und vielleicht – wenn nur die weite Anreise nicht wäre! – machen wir das einfach nächstes Jahr wieder!


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Reiserückblick (7): Die Lieblingsstadt

Als wir aus Jena wegfuhren, waren wir alle ein bisschen wehmütig.
Aber von einer Lieblingsstadt in die nächste zu fahren, liess die Wehmut schnell verfliegen.

Der Ähämann und ich waren schon so oft in Prag, dass es sich tatsächlich jedes Mal ein bisschen wie nach Hause kommen anfühlt (und wir auch völlig frei von „Das und das und das alles müssen wir uns angucken!“ sind). Und auch die Kinder hatten uns schon seit Jahren in den Ohren gelegen, wann wir denn endlich mal wieder nach Prag fahren könnten.

Wir wohnten in einem idyllischen Vorort, wo in jedem Vorgarten ein Hund bellte, und fuhren jeden Tag Metro. (Juhuu, Metrofahren!) Wir liefen planlos durch die Gässchen der Kleinseite, wir kletterten auf Türme und sahen uns satt an roten Dächern, wir spazierten durch Parks, wir fuhren Strassenbahn, wir hielten die Hände in Springbrunnen, wir assen Trdelník zum Mittagessen und uns am Abend durch die Speisekarte der Vorstadtkneipe, die nicht nur eine wunderbare Terrasse in der Abendsonne, sondern auch einen noch viel wunderbareren Spielplatz hatte. (Und wir tranken Kozel, und auf der Rückfahrt, als vor Prag Stau auf der Autobahn war und wir den umfuhren, fuhren wir sogar noch an der Brauerei vorbei, an deren hohem Schornstein auch ein Ziegenbock prangt.)

Und am nächsten Tag machten wir das Gleiche nochmal.


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Reiserückblick (6): Die Leuchtenburg

Als der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich noch in Jena wohnten, konnten wir die Leuchtenburg von unserem Wohnzimmerfenster aus sehen.

Wir waren auch ein paarmal da, mit dem Fahrrad, und einmal feierten wir in der damals auf der Burg befindlichen Jugendherberge mit Kommilitonen eine Weihnachtsfeier mit Übernachtung, aber auf der Burg gab’s eigentlich nichts weiter zu sehen und man konnte auch nicht rein.

Seit ein paar Jahren gibt’s nun aber auf der Leuchtenburg – denn sie liegt direkt über der Porzellanstadt Kahla – ein Porzellanmuseum, von dem uns bisher alle Leute nur vorgeschwärmt hatten.

Wie das übrigens so ist mit Kindern – kaum ist alles einfacher, weil keiner mehr gewindelt oder gefüttert und ständig im Auge behalten werden muss und das Trotzalter endlich bei allen überwunden ist, findet das grösste Kind plötzlich alles doof, was die Eltern vorschlagen, und das mittlerste tutet aus Solidarität prompt ins gleiche Horn, und nur das kleinste legt noch kindliche Neugierde und Begeisterung an den Tag. Zwei wollten jedenfalls unter gar keinen Umständen in so ein „doofes Museum“ und viel lieber den ganzen Tag im Freibad verbringen.

Seltsamerweise waren dann aber drei Kinder überaus begeistert. Zwei Erwachsene auch. Das Museum ist nämlich ganz, ganz wunderbar. Man darf Sachen anfassen und ausprobieren, es werden Geschichten erzählt, es gibt die grösste Vase und die kleinste Teekanne der Welt dort zu sehen… und vor allem ist das Museum nicht bierernst.

Am Ende kann man sich einen Porzellanteller nehmen, mit nur im Schwarzlicht sichtbarem Stift seinen grössten Wunsch draufschreiben und ihn von einem hohen Steg den Burgberg hinunterwerfen.


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Reiserückblick (5): Die Lieblingsaussicht vom Lieblingsturm

Der Turm – auch genannt „Penis jenensis“ oder „Keksrolle“ – ist vielen ein Dorn im Auge.

Ich liebe ihn sehr.

Ich war jahrelang in seinem Erdgeschoss mittagessen und mit dem Damals-noch-nicht-Ähämann Tanzkurs machen und zumindest im ersten Studienjahr, bevor sie geschlossen wurde, in der Cafeteria im 26. Stock Kaffee trinken und eine Zeitlang im 8. Stock Tschechisch lernen und ein paar Monate lang habe ich sogar im 10. Stock, da war er schon nicht mehr der Uniturm, gearbeitet. Auch deswegen hänge ich an ihm.

„Können wir auch wieder auf den Turm hoch?“, fragten die Kinder. Natürlich! Wir fuhren diesmal im Abendsonnenschein hoch und blieben so lange oben – man kann sich ja sowieso gar nicht sattsehen! – bis überall unter uns die Lichter angingen.

Ohne den Turm wäre Jena nicht Jena.


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Reiserückblick (4): Freibadtourismus

Ich habe es, glaube ich, schon mehrfach erwähnt: oft haben wir kein Glück mit dem Urlaubswetter. Während wir weg sind, herrscht bei uns zu Hause eine dreiwöchige Hitzewelle, während wir bei 15 Grad und Regen durch die Schweizer Berge stapfen. Zum Beispiel.

Juni ist, das haben wir nun nach vielen, vielen Versuchen gelernt, die beste Zeit für einen Sommerurlaub: während es vor Mittsommer in Finnland eher kühl ist, ist in Mitteleuropa schon richtiger Sommer. Man kann sich natürlich auch darauf nicht verlassen, aber dieses Jahr hat es jedenfalls geklappt.

Es war so heiss, dass wir in der Urlaubswoche in Jena fast jeden Tag ins Freibad gingen. Und zwar jeden Tag in irgendein anderes Freibad der Umgebung. Und zwar immer gleich vormittags, wenn die armen Thüringer Schulkinder noch in der Schule hocken mussten und wir das Freibad fast für uns allein hatten.

(Anders ertrage ich deutsche Freibäder auch nicht mehr.)


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Reiserückblick (3): Die Lieblingsheimatstadt

Über Jena habe ich eigentlich alles schon gesagt.

Nach Jena kommen ist immer noch wie nach Hause kommen.

Die Kinder gingen jeden Morgen begeistert zum Bäcker Frühstück kaufen. Wir führten die Kinder in die Lieblingsstudentenkneipe und assen jeden Tag einen Eisbecher. Wir bestiegen bei 33°C den Jenzig und die Kinder stellten in den Kernbergen einen neuen Wanderrekord auf. Wir besuchten den Lieblingsbuchladen, den – zwei Kinder brauchten ein grösseres Fahrrad – Lieblingsfahrradladen, das Planetarium, die Leuchtenburg, den Erfurter Zoo, die Freibäder der Umgebung, den Lieblingsturm und die Freunde, mit denen immer ein Feuer gemacht werden muss.

Aus Jena wieder wegfahren fällt immer noch schwer.


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Reiserückblick (2): Im Irrgarten

Unser Urlaub stand diesmal unter dem Motto: Wir besuchen alle Plätze in Mitteleuropa, die uns lieb sind und an denen wir schon lange nicht mehr waren.

Damit kann man natürlich auch schon auf der Reise anfangen, denn der Weg ist ja bekanntlich das Ziel, und wenn man früh um sechs schon in Rostock ankommt und dann nur 450 km zu fahren hat bis zur ersten Station der Reise, dann hat man ja auch reichlich Zeit.

Man kann zum Beispiel die Elbe statt über eine Autobahnbrücke mit einer kleinen Strömungsfähre überqueren. Diesmal den Wörlitzer Park aber links liegen lassen und stattdessen den nahe gelegenen Irrgarten ansteuern.

Die Kinder wollten ja nicht glauben, dass der wirklich gross und schwierig ist. Man könne da doch sicher sowieso über die Hecken drübergucken! (Kann man nicht. Die sind zwei Meter hoch.) Und wir mögen sie doch bitte allein laufen und sich voreinander verstecken lassen! (Aber bitte, gern. Ein jeder muss schliesslich seine Erfahrungen selber machen.) Denn nur so ein bisschen den Weg zur Aussichtsplattform in der Mitte suchen, das sei doch total langweilig!

Nun. Nach einer Viertelstunde trafen wir uns nach und nach alle wieder. Bis auf den grossen Herrn Maus, dem wir am ehesten einen Panikanfall zugetraut hätten, der aber unbeirrt allein weitersuchen wollte und schliesslich tatsächlich als Erster den Weg zur Aussichtsplattform fand und dort dann geduldig auf uns wartete und versuchte, uns von oben zu dirigieren, schlossen wir anderen vier uns letztendlich doch als Grüppchen zusammen und liefen gemeinsam. Es gibt fast anderthalb Kilometer Wege im Irrgarten, kein einziger ist eine Sackgasse, und je nach Glück und Gedächtnis kann man lange, sehr lange immer wieder im Kreis laufen, bis man den richtigen Weg findet. Wir haben diesmal über eine Stunde gebraucht und sind bestimmt insgesamt fünf Kilometer gelaufen.

Kann jedes Maislabyrinth einpacken gegen so einen 300 Jahre alten Irrgarten!


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Reiserückblick (1): Nach Süden segeln

Jede unserer Reisen beginnt auf dem Meer.

(So ist das, wenn man auf der anderen Seite der Ostsee wohnt.)

Sommerurlaub ist besonders schön, denn dann schiebt sich die „Grace“ nicht in finsterer Nacht, sondern im Abendsonnenschein am Badehäuschen vorbei durch den Wald aufs Meer hinaus.

Diesmal gab’s aber was Neues: schon am Hafen wunderten wir uns, was für eine sich drehende Säule die „Grace“ da neuerdings neben dem Schornstein hat.

Ein Segel! Voll cool! Und umweltfreundlich!

Man lernt nie aus…!