Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Reiserückblick (3): Deutsche Geschichte

Ein Kommentar

Nachdem wir den Nord-Ostsee-Kanal überquert hatten, mussten wir uns sputen: wir waren in der Stadt, die vor 20 Jahren ein Jahr lang mein Zuhause gewesen war, mit der Freundin, die ich in den letzten 19 Jahren nur viermal getroffen habe, verabredet.

Die schönen deutschen Autobahnen waren wegen Pfingstmontag zwar wenigstens LKW-frei, aber trotzdem sehr… schön.

Auch deutsche Raststätten sind ein steter Quell der Freude. Diesmal zog ich mir insbesondere den Unmut einer Mutter zu, die hinter mir am Sanifair-Bezahlautomaten anstand, ihre Kinder schon mal auf die Toilette vorgeschickt hatte und dann durch die Kabinenwand polterte: „Jetzt musste ich euch so lange warten lassen, weil da welche unbedingt am einzigen Automaten, an dem man mit Münzen zahlen kann, mit Karte zahlen mussten. Echt unmöglich, manche Leute!“ Es tut mir ja aufrichtig leid – aber ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass fünf Mal kontaktlos 70 cent bezahlen fast drei Minuten dauern würde. Und dass es unterschiedliche Automaten gäbe. Und dass ausser uns alle (!) mit Münzen zahlen wollten.

Der Kulturschock lauert überall.

(Mal ganz davon abgesehen, dass, wenn ich nicht nur eine Deutsche unterwegs in einem Auto mit finnischem Kennzeichen, sondern eine echte Finnin wäre, ich noch nicht mal im Traum auf die Idee gekommen wäre, dass man für eine Toilettenbenutzung an einer Raststätte überhaupt bezahlen muss.)

Immerhin gab es, wie immer an und auf deutschen Autobahnen, unvorstellbar riesige Teile von Windkraftanlagen zu bestaunen.

Der Abend in Bielefeld war vielleicht der schönste der ganzen Reise.

Ich war das erste Mal seit 19 Jahren wieder da, aber ich hatte tatsächlich so ein bisschen das Gefühl von Nach-Hause-Kommen: ein Jahr ist eben nicht nichts. Die Bielefelder Freundin und ich rechneten nach, wann wir uns eigentlich zuletzt gesehen hatten – es muss mindestens sechs oder sieben Jahre her sein – aber es war wie immer, wenn wir uns nach langer Zeit wieder treffen: es fühlte sich an, als sei seit dem letzten Treffen höchstens eine Woche vergangen.

Wir gingen zunächst alle zusammen was essen, dann brachte der Ähämann die Kinder zurück ins Hotel, wo sie eigentlich den Rest des Abends deutsches Fernsehen gucken wollten, während die Bielefelder Freundin und wir unserem gemeinsamen Hobby Cocktailtrinken nachgehen würden. Sie mussten dann aber feststellen, dass synchronisierte Filme und die dauernden Werbeunterbrechungen nicht zu ertragen und sie ausserdem viel zu müde waren, so dass sie alle drei schon längst schliefen, als der Ähämann und ich zurück ins Hotel kamen.

Am nächsten Tag hatten wir es nicht eilig, und es war noch Zeit, den Kindern den Lieblingsbuchladen zu zeigen und mit ihnen beim Lieblingsdönerladen zu essen und sie eine halbe Stunde auf dem Kesselbrink turnen zu lassen.

Und wo wir schon einmal in der Gegend waren, statteten wir auch gleich noch Hermann einen Besuch ab, zu dessen Füssen man ja nicht nur über die Schlacht im Teutoburger Wald, die die Kinder sogar aus dem finnischen Geschichtsunterricht kennen, sondern auch sehr schön über Nationalismus und sinnlose Erzfeindschaften reden kann.

Damit war der Exkurs in die deutsche Geschichte aber noch nicht beendet, denn ein paar Stunden später überquerten wir die hessisch-thüringische Grenze an der Stelle, an der der Ähämann zwischen zwei Zäunen aufgewachsen ist.

Ein Kommentar zu “Reiserückblick (3): Deutsche Geschichte

  1. Tempolimit, da sagst du was!!! Es wär so schön, endlich mal eineN fähigeN VerkehrsministerIn zu haben.

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