Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Echt finnische Sommerferien

In unserer ersten Sommerferienwoche waren wir jeden Tag an einem anderen Strand.

Am See gibt es eine ganz und gar neue Sauna, am Sprungturmstrand gibt es einen neuen Sprungsturm, die Sauna neben der Sandgrube hat einen neuen Ofen bekommen und die Sauna ganz draussen wird gerade noch renoviert.

Die ganze Woche war es heiss und sonnig. Gebraucht hätten wir keine Sauna, aber mit Sauna ist es immer schöner als ohne Sauna.

Heute machte der Sommer eine Pause. Es war nicht kalt, aber regnete den ganzen Tag über mal mehr, mal weniger. Wenn kurz die Sonne rauskam, gab es öffentliche Sauna. Es roch nach feuchten Birkenblättern und wurde mit jeder Stunde grüner.

Wir fuhren in unsere Mittwochs- und Samstagssauna, denn Sauna bei Regen ist mindestens genauso schön wie Sauna bei Sonne.

Nach jedem Saunagang schwammen wir gemeinsam mit den drei Streithähnenschwänen vom letzten Jahr. Sie scheinen sich übrigens mit ihrer unglücklichen Dreierbeziehung abgefunden zu haben.


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kolmesataaviisikymmentäseitsemän

Sonntagabend, als wir von Helsinki – leider gibt es keine direkte Fährverbindung von Turku nach Tallinn – ja noch irgendwie heimkommen mussten, habe ich – und das passiert auch nach 16 Jahren noch! – ein neues Wort gelernt. VESILIIRTOVAARA leuchtete es von allen elektronischen Anzeigen entlang der 165 km Autobahn.

(Ausser in den sieben Tunneln, und diesmal fanden wir es auch total verlockend, einfach mal ein kleines Päuschen im Tunnel einzulegen.)

Es war jedenfalls stockfinster und schüttete wie aus Kübeln und die ganze Autobahn stand unter Wasser und alle Autos, auch die 357, zogen riesige Sprühwasserwolken hinter sich her und das mit der Wasserrutsch- äh… Aquaplaninggefahr war uns eigentlich auch ohne die Warnanzeigen klar.

(Das neue Wort mag ich übrigens sehr, weil es eines von vielen finnischen Worten ist, aus deren Klang man sich schon erschliessen kann, was es bedeutet: liirtää heisst (zur Seite) wegrutschen.)

Wir vermissten auch sehr des Herrn Picassos Sommerreifen, mit denen wir uns bei solchen Gelegenheiten zu Recht recht sicher gefühlt haben. Für den Löwen Balthasar sind aber schon welche bestellt – nicht, weil die Originalreifen so schlecht wären, aber weil wir – juhuu! – ganz überraschend diesen Advent eine Woche ins Erzgebirge fahren können und eine neue Lösung brauchen, um nicht wieder als Schwerverbrecher spikefrei, aber nicht mit Sommerreifen hinfahren zu müssen; und siehe da, unsere tollen, für starken Regen und unbefestigte Strassen wunderbar geeigneten Sommerreifen sind eigentlich Ganzjahres- und offiziell als Winterreifen zugelassene Reifen!

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Donnerstag

Machste früh die Kühlschranktür auf, um den Kindern ihre Frühstücksmilch zu bereiten, steht da neben der Milch… eine Flasche Badezusatz! Was zum… ach so, ja, die Flasche ist ja gestern leer geworden, wurde von den Herren Maus mit Badewasser befüllt und für gegenseitige „kalte Güsse“ beim nächsten Bad aufbewahrt. Und Zimmertemperatur ist anscheinend nicht kalt genug. Vielleicht wollen sie sich schon auf die übermorgen beginnende Eisbadesaison vorbereiten. Apropos Eisbaden: ich fand da neulich ein sehr schönes Video. Es ist so unspektakulär wie treffend und hach und überhaupt kann ich es jetzt kaum noch erwarten.

Heute scheint dann auch wieder die Sonne; es ist ein wunderbarer Herbstmorgen mit ein bisschen Nebel und viel Sonne und ganz viel bunt, und ich hoffe, dass die ersten Herbststürme noch ein bisschen auf sich warten lassen und die Bäume noch nicht so bald kahlrupfen.

Arbeit ist grad eher so… naja. Ich müsste ein Paper fertigschreiben, aber während ich wirklich gerne Feldarbeit mache und zur Not auch ganz gerne Zahlen hin und her schiebe, tue ich mich mit dem Schreiben jedes Mal schwer. Seufz.

Kurz vor Feierabend fängt es, wie angekündigt, wieder zu schütten an. Und der erste richtige Herbststurm ist dann auch da. Das ging ja schnell. Und ich soll jetzt wirklich da rausgehen?! Im Kindergarten hinterlasse ich eine Viertelstunde später eine Wasserspur. Tropftropf.

Heute dann nur noch: Klavierstunde für den grossen Herrn Maus. Und während er spielt, fahre ich schnell die drei Dinge nachkaufen, die in unserem Haushalt dauernd alle sind: Milch, Tomaten und Motoröl.


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Mittwoch

Frühstück mit Kerzen. Und wie man sieht, sind wir voll integriert. (Oder: warum der Herr Picasso ein bisschen überladen war auf der Rückreise aus Deutschland. Nicht im Bild: der Hagelschlag, den der Ähämann von der letzten Dienstreise – so viele Packungen, wie die Handgepäckvorschriften zuliessen – herangeschleppt hat.) Aber Gurkenscheiben auf Käsebrot sind ja nun wirklich kein Frühstück!

Ich habe heute einen verkürzten Arbeitstag, weil der grosse Herr Maus nachmittags Deutschunterricht hat. Er kommt allein mit dem Bus in die Stadt, aber auf dem Weg zur Schule, wo der Unterricht stattfindet, muss er mehrere riesige Kreuzungen überqueren, wobei ihn einer von uns lieber begleitet. Mittags hat es angefangen zu regnen, aber pünktlich mit Eintreffen des grossen Herrn Maus fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten.

Während der grosse Herr Maus Deutschunterricht hat, gehe ich in die Schwimmhalle. Mein neues, altes Mittwochshobby. Eigentlich wollte sich das Fräulein Maus dort mit mir treffen, aber… vielleicht sind wir nächste Woche mal alle gesund.

Normalerweise würde ich den grossen Herrn Maus nach dem Deutschunterricht wieder abholen und ihn zurück zur Bushaltestelle begleiten, aber heute hat eine andere deutsche Mutter angeboten, ihn mitzunehmen und nach Hause zu fahren.

Mein Heimweg führt durch mittlerweile stellenweise knietiefe Pfützen Teiche, und ja, mir macht das Spass, mit dem Rad da in grösstmöglicher Geschwindigkeit durchzurasen. Wohl dem, der die Wettervorhersage interpretieren kann und früh schon Gummistiefel angezogen und eine Regenhose eingepackt hat…!

Eigentlich hätte der kleine Herr Maus heute Fussballtraining, aber nun ja, es schüttet immer noch. Auf dem Fussballplatz kann man wahrscheinlich inzwischen Wasserball spielen. Ganz unverhofft haben wir alle einen freien Abend und es sehr gemütlich.


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Das bisschen Regen…!

Ab und zu ist so ein verregnetes Wochenende ja gar nicht so schlecht. (Denn allzuoft geht es uns so.) Aber nachdem wir das halbe Wochenende geputzt, aufgeräumt und Wäsche gewaschen hatten, hielten wir es doch nicht mehr aus und machten uns gestern Nachmittag noch auf den Weg zu unserem Lieblings-Sommerausflugsort.

So musste nach der ganzen Putzerei wenigstens nicht auch noch ein Mittagessen gekocht werden. Und wir konnten endlich mal wieder dem Tomatenmann einen Besuch abstatten. Und die funkelnagelneuen Sommerreifen, deren Qualität sich angeblich besonders bei Starkregen zeigt, mussten schlieslich auch getestet werden.


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Warten, Warten, Warten

Wenn man im Archipelago arbeitet, braucht man gelegentlich sehr viel Geduld, starke Nerven und vor allem einen grossen Berg Lesestoff.

Am Dienstag warteten wir auf besseres Wetter am Mittwoch.

Am Mittwoch warteten wir darauf, dass sich die See beruhigt und Mikael uns in Kasnäs abholen kann. Mittwoch war definitiv ein schöner Tag. Mit viel Sonne und solch intensiv grünen Wiesen und einem solch intensiv blauen Meer, wie es es nur in Finnland gibt. Kurz vor Kasnäs gibt es eine Strassenfähre, auf die mussten wir auch nicht warten. Im Gegenteil. Als wir ankamen, hatte sie gerade abgelegt. Aber als sie uns sah, kam sie nochmal zurück. DAS gibt es definitiv nur in Finnland! :-) Auf Mikael mussten wir auch nicht warten. Dafür hat uns der Mann mal wieder mit seiner grossartigen Fähigkeit zum Mitdenken begeistert: als das Boot beladen und wir abfahrbereit waren, warf er sich seine Schwimmweste über, hielt plötzlich inne und fragte, ob wir beide eigentlich Schwimmwesten hätten. Noch NIE bin ich in Finnland mit jemandem Boot gefahren, der nicht mehr als genug Schwimmwesten für eventuelle Mitfahrer im Boot gehabt hätte. Aber klar, William und ich haben ja neuerdings unsere persönlichen Schwimmwesten immer und überall im Handgepäck! *grmpf* Mittwochabend haben wir tatsächlich noch ein bisschen gearbeitet.

Donnerstag warteten wir mit Bangen auf den angekündigten Sturm und waren froh, dass er sehr lange auf sich warten liess und wir wenigstens anderthalb Inseln vegetationsmässig erfassen konnten. Nebenbei warteten wir natürlich auf plötzliche Geistesblitze, die unsere spärliche Artenkenntnis erhellen würden. Leider vergeblich. Deswegen hat alles auch so lange gedauert. Besonders romantisch war, dass, während wir auf unserer Insel hockten und Pflänzchen zählten, die finnische Armee rund um uns Krieg spielte. Im Süden andauerndes Kanonengrollen, im Norden Helikoptergedröhne, im Westen wummerte ab und zu ein Kriegsschiff vorbei, und Düsenjäger schossen im Tiefflug über uns und unser Inselchen weg. Wahrhaft seeeehr schön!

Freitagfrüh wachten wir auf und begannen darauf zu warten, dass der Regen aufhört. Mittags um elf tat er uns auch schon den Gefallen. Allerdings nur, um sofort in dicksten Nebel überzugehen. Wenn man keine hundert Meter weit sehen kann, sollte man sich nicht aufs Meer begeben. Sechs Menschen und ein Hund sassen also im mökki und warteten. Lasen und schrieben und machten Feuer und assen und schliefen… alles sehr schöne Dinge, wenn einem nicht die viele Arbeit für einen viel zu kurzen Sommer im Nacken sässe. Wir warteten also weiter geduldig auf Auflösung des Nebels. Umsonst. Wenigstens hat er die Armee auch vom Kriegspielen abgehalten. Schön ruhig war’s.

Als es Samstagfrüh wieder regnete, warteten wir… nein, nicht darauf, dass es aufhört, sondern nur noch darauf, dass uns jemand von der Insel wegbringt und wir wieder nach Turku können. Natürlich waren die Minkleute heute besonders lange beschäftigt. Natürlich brauchte Mikael hinterher besonders lange, seine dreizehn Säcke und Taschen zu packen. Also warteten wir geduldig. Wobei ich endgültig meine beiden Bücher und die ganze (!) Kuukausiliite zu Ende auslas. Die Heimfahrt war eine einzige eine Stunde lang dauernde Salzwasserdusche.

Weiss jemand ein gutes Buch über Seefahrt, es muss viel Sturm und Nebel drin vorkommen, die Wellen müssen über Deck spülen und die Mannschaft muss sich mit Seilen festbinden müssen, um nicht über Bord zu gehen… weiss jemand so ein Buch? Das möcht’ ich jetzt lesen.