Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Unkomplizierte Ausflüge ins Parkhaus für alle

8 Kommentare

Seit letzter Woche ist der grosse Herr Maus das einzige Familienmitglied, das noch nicht in den Genuss eines Coronatests gekommen ist.

Mittlerweile ist auch das schon Routine. Seit ein paar Wochen gibt es in Turku ein eigenes Coronatelefon für Schulkinder; wenn man da gleich früh um acht anruft, wird man nach ein paar Minuten zurückgerufen und bekommt einen Testtermin noch am gleichen Tag. Getestet wird hier derzeit auch wieder bei den kleinsten Symptomen, denn Turku war zwei Wochen lang einer der Coronahotspots Finnlands, und vor allem auch Kinder, denn viele Fälle waren vor allem in Schulen aufgetreten. Nur wenn schon ein Familienmitglied beim Test war und die anderen die gleichen Symptome haben, müssen sie nicht zum Test, und so ging vor zwei Wochen nur das Fräulein Maus zum Test (schon zum zweiten Mal), während die Herren Maus, die erst am nächsten Tag Halsweh bekamen, zu Hause auf dem Sofa blieben und gemeinsam mit der grossen Schwester aufs Testergebnis warteten. Letzten Donnerstag gewann dann der kleine Herr Maus mit einer sehr rauen und tiefen Stimme seinen ersten Coronatest.

„Ja, wir wissen, in welchem Parkhaus getestet wird, wir waren da schon öfter“, erklärte ich donnerstagfrüh der Frau am Coronatelefon, und „Nein, danke, wir wissen inzwischen auswendig, was auf dem Infozettel steht“, lehnte der Coronatestchauffeur Ähämann sechs Stunden später den dreiseitigen Papierstapel ab.

Das Testergebnis kommt mittlerweile recht zuverlässig ca. 25 Stunden nach Testnahme per SMS. Und inzwischen muss da auch keine arme Krankenschwester mehr sitzen und den ganzen Tag SMSe tippen, sondern es kommt – im Falle eines negativen Testergebnisses; bei einem positiven würde man umgehend angerufen – eine automatisch erstellte SMS; so eine, wie auch 24 Stunden vor einem Arzt- oder Zahnarzttermin als Erinnerung geschickt wird oder als Benachrichtigung, dass ein e-Rezept ausgestellt wurde und eingelöst werden kann. Apropos. Dafür muss man neuerdings nicht mal mehr in der Poliklinik anrufen, sondern kann sich einfach in seine digitale Patientenakte einloggen, bei dem Medikament, das man gern neu verschrieben hätte, ein Häkchen setzen und damit ein neues Rezept dafür beantragen. Das letzte Mal hat es keine Stunde gedauert, bis das e-Rezept fertig war und ich in die Apotheke gehen konnte.

Die Erinnerung an die Tage – ach was, Wochen! – die ich in meinem Leben schon in deutschen Wartezimmern abgesessen habe, erscheint mir mittlerweile wie ein schlechter Traum.

8 Kommentare zu “Unkomplizierte Ausflüge ins Parkhaus für alle

  1. Ja schön ist die digitale Welt für diejenigen die verstehen damit umzugehen. Für andere ist es schon bei uns in Dänemark einen Spießrutenlauf zwischen Wartetönchen und Beamtern geworden.
    Ich sehe viele Vorteile bei der Digitalisierung, aber die Nachteile sind auch viele. Z.B. Mann muss auch bei Digitalprozess alles selber wissen und ist niemals sicher dass das eben bekanntgegebene Antwort jetzt auch richtig ist. Früher dauerte es ja ist wahr, aber dafür hatte man beim Abschluss die Formalien sicher, bequem und endgültig hinter sich.

    • Naja, man muss die Dinge ja nicht digital erledigen, sondern man kann. Wenn man möchte, kann man auch weiterhin anrufen oder aufs Amt gehen oder Papierformulare ausfüllen oder was auch immer. Und zumindest in Turku gibt es mehrere Initiativen, die z.B. alten Leuten kostenlos und unkompliziert beim Nutzen digitaler Dienste helfen.

  2. Ich rege mich über das deutsche System auf. Ich muss Schilddrüsentabletten einnehmen und 4x im Jahr den Arzt anrufen um ein neues Rezept – selbstverständlich by snail mail – zu bekommen.

    • Na da hast du aber noch Glück, dass du nicht jedes Mal persönlich zur Begutachtung deiner Schilddrüse hinmusst…!

      • Naja, nicht mal zur Begutachtung der Schilddrüse aber zum Einlesen der Krankenkassenkarte! Können wir hier auch ein Lied von singen…

        • Ja, das hatte ich auch schon vergessen… :-/

          Hier hat ja jeder eine Krankenversicherungskarte – von der einen zentralen, staatlichen Kranken- und Rentenversicherung – die man theoretisch auch vorzeigen muss, aber in den meisten Fällen wird doch nur nach der Personenkennzahl gefragt, und wenn man sich an die letzten vier Ziffern nicht erinnert – ich habe lange die von den Kindern nicht auswendig gewusst bzw. durcheinandergebracht – reicht auch der Geburtstag.

          Vorgestern z.B. wollte der Ähämann den grossen Herrn Maus von den Pfadfindern abholen und musste ihn statt nach Hause erstmal in die Notaufnahme fahren. Die Kela-Karte des grossen Herrn Maus hatte natürlich ich, zu Hause. Machte genau gar nichts.

  3. Kleiner Tipp am Rande: fotografiert doch die Karten, dann hat jeder die Nummern jederzeit im Handy dabei. Ist mein inoffizieller Tipp für Familien mit mehreren Bibliothekskarten; oft ist sie bei der Mutter, wenn der Vater mit dem Kind Bücher aussucht oder so.

    • Die Bibliothekskartennummern habe ich auch alle aufgeschrieben, denn die Bibliothekskarten haben die Kinder selbst bei sich für z.B. den wöchentlichen Bücherbusbesuch in der Schule, aber ich bin diejenige, die die Bücher z.B. verlängert.

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