Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Musikbedarf, aufgeholter

Eventuell war ich ein bisschen ausgehungert nach richtiger Musik, denn als wir am Montagabend das Fräulein Maus vom Musiklager aus dem Nachbarort abholten und noch ein bisschen auf sie warten mussten, stand ich völlig verzückt eine Viertelstunde vor der Tür der Turnhalle, aus der die Töne der „Schönen blauen Donau“ am ersten Probentag noch ein bisschen unsicher, aber doch schon als das Schönste, das ich in den letzten anderthalb Jahren gehört hatte, herausdrangen.

Wie jedes Jahr habe ich es unglaublich genossen, nicht nur die Begeisterung der beiden Musiklagerteilnehmer*innen unserer Familie – der kleine Herr Maus hat ja nur deshalb angefangen, zusätzlich zum Klavier noch Klarinette zu lernen, damit er wie seine grosse Schwester im Orchester spielen und am Musiklager teilnehmen kann – mitzuerleben, sondern auch an vier aufeinanderfolgenden Tagen zu Konzerten zu gehen.

Es ist so wunderbar, was sie dort auf die Beine stellen. Für jeden gibt es einen Platz – auch für die, die in der Musiklagerwoche vielleicht ihre erste Stunde auf einem neuen Instrument nehmen. Im Sinfonieorchester dürfen statt einer selbstverständlich alle fünf Harfen mitspielen, und selbst im Blasorchester wird für die Harfen ein hörbarer Part eingeplant. Es herrscht dort eine unheimlich motivierende Atmosphäre, die sogar die Konzertbesucher*innen spüren können.

Ich bin so froh, dass das Musiklager in diesem Jahr wieder fast ganz normal stattfinden konnte, mit kompletten Orchestern und Publikum. Denn die Deltawelle ist mit den Fussballtouristen aus St. Petersburg auch in Finnland schon angekommen, und vielleicht war es ein ganz, ganz kleines Zeitfenster, das uns allen die schönste Sommerferienwoche jeden Jahres dieses Jahr wieder ermöglicht hat.

Das Abschlusskonzert fand dieses Jahr nicht in der modernen Kirche des Nachbarorts statt, denn dort werden derzeit Coronaimpfungen verabreicht. Aber wozu hat jeder Ort in Finnland eine wunderbare Bibliothek?

Dass das Sinfonieorchester in diesm Jahr als letztes Stück die „Donau“ spielte, schloss irgendwie auch einen Kreis, denn das Fräulein Maus, von klein auf an das Gucken des Neujahrskonzertes gewöhnt, hat dabei irgendwann zum ersten Mal bewusst eine Harfe gesehen und gehört, womit die Dinge ihren Lauf nahmen

Die Woche war, wie immer, viel zu schnell um.


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Auslandsreise, verantwortungslose

Seit Monaten, wenn man den Verlautbarungen der entsprechenden Behörden und der finnischen Presse Glauben schenkt, kommen sämtliche neuen Coronafälle in Finnland aus dem Ausland, und wer jetzt ins Ausland reist, verhält sich höchst verantwortungslos.

Nun ist es so, dass ich mich durchaus privilegiert fühle, die Pandemie in Finnland aussitzen zu können. Es gibt hier keine Panikmache, keinen Impfneid, einen Coronatesttermin zu bekommen ist denkbar einfach und mit den Impfungen geht es auch voran, und zwar ohne dass man seine Ellenbogen einsetzen muss. Die Schulen waren fast durchgängig geöffnet, und wenn nicht, kam der Distanzunterricht so nahe an Präsenzunterricht heran, wie man es sich nur wünschen kann. Wir hatten nie Ausgangssperren, durften uns zu jeder Zeit im ganzen Land – bis auf die drei Wochen, in denen Uusimaa abgeriegelt war – frei bewegen und haben wunderbare Ausflugs- und Reiseziele in der finnischen Natur.

Aber Finnland ist eben doch überall Finnland. Schon seit den ausgefallenen Herbstferien hatten wir Estlandweh, und nach fast einem Jahr war die Sehnsucht nach Tapetenwechsel fast übermächtig geworden.

Wir packten die erstbeste Gelegenheit beim Schopf und bestiegen letzten Dienstag gemeinsam mit den zur Konfirmation angereisten (und zum Glück schon voll geimpften) Grosseltern ein Schiff nach Tallinn.

Unser Verständnis für Reiserestriktionen ist mittlerweile aufgebraucht. Seit anderthalb Jahren trägt unsere Familie Maske – auch da, wo wir nicht müssten. Seit anderthalb Jahren haben wir kein Museum, keine Schwimmhalle, kein Restaurant von innen gesehen – auch dann nicht, als wir es gedurft hätten. Seit anderthalb Jahren können wir die Gelegenheiten, an denen wir oder die Kinder Freunde getroffen haben, an zehn Fingern abzählen – obwohl es hier nie strenge Restriktionen gab, wie viele Haushalte und wie viele Personen sich treffen dürfen. Seit Juni dürften wir wieder Karaoke singen in Bars und auf Konzerte mit hunderten von anderen Leuten gehen – aber ins estnische Moor wandern gehen dürfen wir nicht?!

(Bezeichnenderweise drängelten sich auf der Fähre die Finn*innen, die eine Quarantänefreie Kreuzfahrt ohne Landgang machten, im Tax-Free-Shop und am Buffet, während wir die zwei Stunden Überfahrt in beide Richtungen auf dem Sonnendeck absassen. Und wenn es dann auf einem dieser Schiffe, wie letztes Wochenende auf der „Baltic Princess“, die zwischen Turku und Stockholm pendelt, unter den Kreuzfahrern zu einem Covid-19-Ausbruch kommt, dann wird das auch noch den Auslandsreisenden angelastet. Ich erwähnte schon, dass mein Verständnis für Reiserestriktionen aufgebraucht ist?!)

Tallinn war tatsächlich noch leerer als im letzten Jahr. Es fehlten nicht nur die Touristen, sondern auch die Tallinner selbst, denn sie hatten zwei aufeinanderfolgende Feiertage: den Siegestag am 23. und Mittsommer am 24. Juni. Es fiel nicht schwer, den Anweisungen der finnischen Gesundheitsbehörde – „Im Ausland besondere Vorsicht walten lassen!“ – Folge zu leisten. Wir spazierten durch menschenleere Gassen, die wir uns nur mit Tauben und Möwen teilen mussten, und assen auf Terrassen. Zudem sinkt die estnische 14-Tages-Inzidenz, die sich irgendwann im Winter bei schwindelerregenden 1500 befunden hatte, seit Wochen rapide und ist kaum noch höher als die finnische.

Ich badete in heisser Luft und freute mich am ersten echten Sommergewitter seit Jahren, das zur Mittagszeit den Himmel verdunkelte, die Gassen in Bäche verwandelte, über Gullydeckeln gewaltige Strudel erzeugte und nach einer Stunde der Sonne den Platz wieder räumte. Der Ähämann und ich überliessen einen Abend die Kinder den Grosseltern und gingen im Spätabendsonnenschein aus. Und weil es in Tallinn so leer war, reifte gleich der nächste Reiseplan.

Der dreitägige Ausflug endete offiziell erst gestern mit dem Freitesten aus der Quarantäne.
Wir sind erwartungsgemäss alle negativ – aber wenn wir uns angesteckt hätten, dann garantiert nicht bei unserer verantwortungslosen Auslandsreise, sondern beim Konfirmationsgottesdienst, wo wir dicht an dicht mit rund einhundert grossteils nicht-masketragenden Angehörigen der anderen Konfirmand*innen in der kleinen Kirche sitzen mussten. Ich wünschte, die Leute würden ihren Verstand benutzen, statt Sündenböcke zu suchen.


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Radtour mit Wasserbus

Weil es neulich so schön war, machten wir das Ganze gestern nochmal als Tagesausflug.

Fahrräder auf den Wasserbus und eine halbe Stunde lang flussabwärts und am Hafen vorbei auf die nächste Insel schippern, den Luxusradweg mit dem Edelasphalt und dem aufgemalten Mittelstreifen bis zur hintersten Spitze der Insel entlangfliegen und auch ein Stückchen Wanderweg fahren, Schafen, Rehen, Hasen und Gänseküken begegnen, in einer Holzvilla mittagessen und in einer anderen kaffeetrinken, Homeoffice am Strand, Schwimmen mit Schiffen, ein paar Geocaches suchen und kurz vor Abfahrt des letzten Wasserbusses Richtung Stadt noch vom schönsten Platz aus der ersten Schwedenfähre zuwinken.

Bester Moment des Tages: die Fähre vorbeiziehen zu sehen und festzustellen, dass das monatelange Gefühl der Bedrückung und des Eingesperrtseins bei ihrem Anblick dem von Erleichterung und Freiheit gewichen ist, weil wir ab sofort wieder mitfahren dürfen – weil auch eine Impfdosis oder jünger als 16 zu sein nun doch reicht, um zumindest ohne Test an Bord gehen und ohne Test zurück nach Finnland einreisen zu dürfen. (Im Ausland besondere Vorsicht walten lassen, freiwillige Quarantäne nach Rückkehr, kostenloser Test mindestens 72 Stunden nach Wiedereinreise, blabla… hab‘ ich kein Problem mit. Hauptsache, wir müssen keine „Quarantänefreie Kreuzfahrt“ machen, sondern dürfen die Fähre als Mittel zum Zweck benutzen!)


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Tschüss, Coronaschuljahr!

Am Sonnabend, während die Kinder bei ihren Zeugnisausgaben waren, kochte ich das letzte Maskensüppchen des Schuljahres. Sie brauchten für die anderthalb Stunden jede*r nur noch eine, und so hatte ich am Freitagabend alle Viere grade sein lassen.

Ich weiss nicht, was ich gedacht hatte, als wir alle mit Schuljahresbeginn anfingen – freiwillig, denn eine Maskenempfehlung, geschweige denn eine Maskenpflicht, gab es da noch nicht – Masken in der Schule und auf Arbeit zu tragen. Dass ich von da an jeden Abend Maskensuppe kochen und jeden Morgen Filtereinlagen in die getrockneten Masken friemeln würde, an jedem einzelnen Schultag, ein ganzes Schuljahr lang, das habe ich zu dem Zeitpunkt glücklicherweise nicht einmal geahnt.

Die Kinder hatten über das Schuljahr verteilt mehrere Wochen Distanzunterricht – weil ihre Klasse in Quarantäne war oder einfach nur prophylaktisch – und waren doch die meiste Zeit in der Schule. Manchmal fühlte es sich an wie Russisches Roulette. Als endlich eine Maskenempfehlung für Schüler*innen kam – erst nur für 7. bis 9. Klasse, dann auch für Sechstklässler*innen, ab Ende Januar endlich auch für die 4. und 5. Klasse – atmeten wir alle ein bisschen auf. Für drei Wochen mussten sogar die kleinsten Schulkinder und somit auch unsere Hortkinder Maske tragen – danach war es zum Glück leidlich warm, so dass wir alle Fenster aufreissen konnten. Dass die Schulen hier fast durchgängig auf waren und es trotzdem zu keinen nennenswerten Ausbrüchen unter Schulkindern gekommen ist, haben wir, denke ich, vielleicht dem effizienten Lüftungssystem, mit dem jedes finnische Gebäude ausgestattet ist, zu verdanken.

Wir gewöhnten uns daran, die Kinder beim kleinsten Halskratzen zu Hause zu lassen, waren unzählige Male im Krankenhausparkhaus, trugen „Wartet auf das Coronatestergebnis“ als Abwesenheitsgrund ins Wilma ein und verschickten erleichterte „Negativ!“-SMSe an den Klarinettenlehrer, die Harfenlehrerin und die beste Chefin.

Apropos Musikschule. Eine der besten Errungenschaften dieses Schuljahres war für mich, dass wir für ein hustendes, schniefendes oder zu Quarantäne verpflichtetes Kind jederzeit, zur Not zwei Minuten vor Beginn der Stunde, eine Klavier-, Klarinetten- oder Harfenstunde per Skype vereinbaren konnten.

Das Schuljahr glitt vorbei als eine Aneinanderreihung gleichförmiger Schultage, gespickt mit Hygienemassnahmen. Als die Herbstferien anfingen, hatte ich das Gefühl, es sei gerade mal September. Die Weihnachtsferien fühlten sich eher wie Herbstferien an. Im März sagte der grosse Herr Maus: “Jetzt ist es schon ein ganzes Jahr her, dass wir zum ersten Mal Distanzunterricht hatten!“, und es fühlte sich an wie höchstens ein halbes. Keiner der geplanten Ausflüge ins Museum, ins Konzert, in die Oper nach Helsinki fand statt, die Wissenschaftskreuzfahrt wurde dreimal verschoben und dann endgültig abgesagt, es gab keine Weihnachtskonzerte, keine Frühlingsfeste und keine Zeugnisausgabe mit Eltern und gemeinsamem Suvivirsi-Singen. Vor allem der große Herr Maus, der ohne Eltern und die sonst üblichen Feierlichkeiten in die Oberschule verabschiedet wurde, tat mir leid.

Die Kinder waren zweieinhalb Wochen vor den Ferien komplett durch mit ihrem Schulstoff, gaben ihre Lehrbücher zurück und mussten dann, weil der Kalender so komisch verschoben ist dieses Jahr, sogar noch eine Woche länger als sonst in die Schule, bis in den Juni hinein. Die Vorfreude auf die Sommerferien war gross und hielt sich gleichzeitig in Grenzen. Kein Aufbruch zum Hafen gleich am Abend nach der Zeugnisausgabe. Überhaupt keine Reisepläne. Höchstens die unbestimmte und innige Hoffnung, vielleicht im Juli wenigstens nach Estland fahren zu können. Während letztes Jahr das der beim Schopfe gepackten Gelegenheiten war, wird es diese in diesem Jahr für noch nicht Vollgeimpfte nicht geben. Warum auch, es gibt ja schon genug vollgeimpfte Rentner Menschen. Der Preis für die unempathischste Aussage geht übrigens an den Chef der finnischen Gesundheitsbehörde: „Plant euren Sommerurlaub so, dass er erst nach der zweiten Impfung stattfindet!“, empfahl er letzte Woche. Zur Erinnerung: unsere Zweitimpfung bekommen der Ähämann und ich eine Woche nach Ende der Sommerferien. Und für die Kinder, so sie denn überhaupt geimpft werden, ist noch lange kein Impfstoff vorhanden, noch nicht einmal für eine Erstimpfung vor Beginn des nächsten Schuljahres.

Es war ein seltsames Schuljahr.
Aber immerhin sind wir gesund geblieben.


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Wahllokal, pandemiekonform

Eigentlich wären in Finnland schon im April Kommunalwahlen gewesen. Weil es zu der Zeit aber coronamässig eher mies aussah, wurde sich nach viel Hin und Her darauf geeinigt, sie auf den 13. Juni zu verschieben. Bis dahin wären vielleicht nicht nur die Infektionszahlen wieder gesunken, sondern man hätte dann auch mehr Vorbereitungszeit, um die Wahlen sicherer zu organisieren.

Seit dieser Woche kann man vorwählen – in Bibliotheken, Supermärkten und auch in der Uni.

In der Uni ist diesmal allerdings falsch. Auf dem Uniparkplatz kann man wählen. Wir kamen mit dem Fahrrad, aber es ist gleichzeitig auch eins von drei oder vier Drive-in-Wahllokalen in Turku. Das Wahlbüro befindet sich in einem Weihnachtsmarkthüttchen, daneben steht die Wahlkabine. Zusätzlich müssen alle Wähler*innen Maske tragen und bekommen ihren Stimmzettel erst, wenn sie sich die Hände desinfiziert haben.

Sehr lustig. (Zum Glück regnete es nicht.)

Es wäre diesmal für mich einfacher gewesen, in der Hauptbibliothek zu wählen. Aber warum soll ich irgendwas in geschlossenen Räumen machen, wenn es auch draussen geht?! Und ausserdem war es der perfekte Ort, um der ehemaligen Mitdoktorandin meine Stimme zu geben.


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kolmesataayhdeksänkymmentäkahdeksan, kolmesataayhdeksänkymmentäyhdeksän

Als ich nach der Impfung dann gestern mit dem Fahrrad auf Arbeit fuhr – Pfingstmontag ist kein Feiertag in Finnland – kam mir genau an der Stelle, an der ich Anfang März das Plakat mit der Aufforderung, sich impfen zu lassen, fotografiert habe, eine 398 entgegen. Zum Glück hat es ja dann doch keine zehn Monate, sondern nur noch zehn Wochen gedauert.

Und auf dem Heimweg kam mir dann auch gleich noch die 399 entgegen.

Heute Impfkater. Der Impfstoff und mein Immunsystem tun offensichtlich, was sie sollen.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310-311, 312, 313, 314-315, 316, 317-318, 319, 320, 321-322, 323, 324, 325, 326, 327, 328, 329, 330, 331-332, 333, 334, 335, 336-337, 338, 339, 340, 341, 342, 343-344, 345, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 353-355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366-367, 368, 369, 370, 371, 372, 373, 374-375, 376, 377-378, 379, 380-381, 382, 383, 384, 385, 386-387, 388-389, 390, 391-393, 394, 395, 396-397]


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2x Moderna im Arm

Der Ähämann und ich haben heute einen Ausflug ins Messezentrum gemacht. Die Austellung war, um es mit den Worten des Ähämanns zu sagen, eher öde, dafür war der Eintritt frei.

Es ging dann doch überraschend schnell.

In Finnland wird – abgesehen von ein paar wirklich drastischen Risikogruppen wie Organtransplantations- oder Krebspatienten sowie Menschen mit Down-Syndrom, Diabetes oder chronischen Herzkrankheiten – strikt in absteigender Altersreihenfolge gegen Covid-19 geimpft.

(Das scheint dem norwegischen Impfsystem sehr zu ähneln, und dazu hat Frau Rabe schon alles gesagt, was ich dazu gern sagen möchte.)

Von Hundertnochwas bis 56 bekamen in Turku alle automatisch eine Einladung per SMS. Weil aber offensichtlich dann doch recht viele Leute ihren Impftermin gar nicht wahrgenommen haben, wurde Anfang Mai ein Link freigeschaltet, unter dem sich 18- bis 55-Jährige, die die Impfung wirklich wollen, registrieren konnten. Den Registrierten wird dann nach und nach – nicht in Anmeldereihenfolge, sondern ebenfalls in absteigender Altersreihenfolge – automatisch per SMS ein Termin zugewiesen. Der Ähämann, der zwei Jahre älter ist als ich, bekam seine Einladung letzten Dienstag für heute, ich am Freitag für Donnerstag.

Geimpft wird in Turku am Arsch der Welt im Messezentrum anderen Ende der Stadt. Es gibt dort 25 Impfstationen – es können also jeweils 25 Leute gleichzeitig geimpft werden – und sehr wenig Bürokratie (Name aufrufen, KELA-Karte kontrollieren, Spritze in den Arm, Zettel mit Folgetermin in die Hand drücken, bitte da entlang und dort noch 15 min warten, auf Wiedersehen!) und sicher geht es auch deswegen so schnell voran mit den Impfungen hier.

Apropos schnell. Finnland hat von Anfang an die Impfintervalle auf 12 Wochen hochgesetzt, damit möglichst schnell möglichst viele Leute überhaupt erstmal eine Impfung bekommen. Finde ich gut – macht sich nur blöd für den EU-Impfpass, weil mit dem ja nur vollgeimpfte Leute reisen dürfen, unsere Zweitimpfung aber erst eine Woche nach Ende der Sommerferien stattfinden wird. (Nein, Herbstferien sind kein Trost. Okay, eine Woche im Advent im Erzgebirge schon. Ein bisschen.)

Weil der Ähämann auch schon mal umkippt nach einer Impfung, fuhren wir gemeinsam hin, damit ich ihn wieder nach Hause fahren konnte. Eingedenk meiner Erfahrungen bei der Schweinegrippenimpfung hatte ich vorsorglich meinen Impfpass heute schon mal dabei und durfte mir tatsächlich die Impfung heute schon verpassen lassen und meinen Donnerstagstermin canceln einem anderen dringend auf die Impfung Wartenden überlassen.

Naja, Impfpass. Dieses Konzept ist hier ja eher unbekannt – Impfungen stehen wie alles andere in der digitalen Patientenakte – und ich habe schon mehrere Neuvolatanten und Schulschwestern in Erstaunen versetzt, als ich ihnen gesagt habe, dass man den Aufkleber von der Ampulle mit dem Impfstoff abmachen und in den gelben Pass kleben kann. („Das ist ja praktisch!“ Ja.) Heute gab es keine Aufkleber, weil schlicht keine dran sind an den Einzeldosen, und noch nicht mal einen Stempel, weil, nun ja, Stempel hierzulande nicht so einen Stellenwert besitzen wie in Deutschland. (Vor Jahren besuchte das Fräulein Maus mit mir die ehemaligen Kolleg*innen auf dem Jenaer Umweltamt, entdeckte den Stempelhalter auf dem Schreibtisch des einen – „Mama, was ist das denn?!“ – bekam dann ein Blatt Papier gereicht und war für die nächste Stunde beschäftigt.)

***

Freude und Erleichterung weitergeben.

Weil die Impfung für uns kostenlos war, haben wir beide den Preis für unsere Impfdosen dafür gespendet, dass auch Menschen in ärmeren Ländern gegen Covid-19 geimpft werden können.


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Partnerlook in Pandemiezeiten

Erstklässlerin: „Wir haben heute deine Tochter gesehen!“

Ich: „???“
(Das Fräulein Maus war vor Corona manchmal im Hort, um Zeit zwischen Schule und Hobbyterminen rumzubringen und Hausaufgaben zu machen, aber noch nie, seit die diesjährigen Erstklässler*innen bei uns sind.)

Erstklässlerin: „Weisst du, woran wir sie erkannt haben? Sie hatte die gleiche Maske auf wie du!“


Ein Kommentar

kolmesataayhdeksänkymmentäneljä

Der kleine Herr Maus hat jetzt wieder Orchester. Noch halbiert und deshalb nur alle zwei Wochen, aber immerhin.

Für Kinder und Jugendliche geht wieder fast alles: Muttersprachunterricht, Musiktheorieunterricht, jegliche Art von Hobbys drinnen und draussen ausser Kontaktsportarten. Ich sehe das nicht ganz so optimistisch – obwohl die Zahlen in Finnland wirklich gut aussehen; die 14-Tage-Inzidenz (man kann das also nach deutschen Massstäben nochmal grob halbieren) für ganz Finnland liegt derzeit bei 55, für unsere Region bei 81, und beides sinkt seit Wochen – und unsere Kinder nehmen auch noch nicht wieder an allem, was erlaubt wäre, teil, aber über die Orchestermöglichkeit haben wir uns alle sehr gefreut. Distanzorchester war doch ein bisschen frustrierend.

Diesen Winter, als Schnee lag und halbiertes Orchester noch erlaubt war, sind der Ähämann und ich während der Orchesterprobe und der anschliessenden Klavierstunde des kleinen Herrn Maus immer skifahren gegangen. Haben wir letzte Woche fortgesetzt, diese Tradition, und sind einfach von Skiern auf Inlineskates umgestiegen. Das Radwegenetz in Turku ist sehr schön, aber die Runde, die man neben der Musikschule fahren kann, ist leider genauso von vielbefahrenen Strassen umgeben wie die Skiloipe neben der Musikschule. Das ist mir zu laut und zu stinkend, um das nochmal zu wiederholen.

Zwischendurch wollten wir uns – schliesslich ist jetzt Sommer, egal was das Thermometer sagt! – ein Eis kaufen, was aber daran scheiterte, dass wir den Laden auf Socken (hätte ich gemacht) und ohne Masken (hätte ich nicht gemacht) hätten betreten müssen. Also rullerten wir ohne Pause zurück zum Musikschulparkplatz, schnallten die Rollschuhe ab, holten zwei Masken aus dem Auto und spazierten zum nahegelegenen kleinen Laden, wobei uns eine 394 entgegenkam.

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Nördlich der dritten Welle

Gestern klingelte bei uns seit langem der Wecker zum ersten Mal wieder um 6:10 Uhr. (Grässlich!) Das Fräulein Maus ging nach fünf Wochen Distanzunterricht – geplant waren anfangs drei, dann wurde nochmal um die zwei kurzen Wochen vor und nach Ostern verlängert – zum ersten Mal wieder in die Schule. Für die nächsten drei Wochen wird sie nach jeweils zwei Präsenzschultagen einen Distanzunterrichtsschultag haben. Die Klassen werden dabei nicht geteilt, aber es ist jeweils eine ganze Klassenstufe weniger in der Schule.

Finnland gibt sich übrigens gerade optimistisch, dass bis Juli alle Erwachsenen, die das wollen, geimpft sein können, und vielleicht sogar bis zum Beginn des nächsten Schuljahres schon alle Teenager. Das wäre prima! Nachdem wir ein Jahr lang wie hypnotisierte Kaninchen die steigenden Fallzahlen oder Inzidenzwerte angestarrt haben, finde ich es gerade sehr angenehm, täglich die aktuellen finnischen Impfzahlen anzugucken. (Und die Hochrechnung, an welchem Tag bei der derzeitigen Impfrate eine 70%-ige Durchimpfung der Bevölkerung erreicht sein wird. Das ist zur Zeit immer irgendein Tag im August.)

Dieser Impfneid allerorten – „Warum ist der vor mir dran?“, „Wieso darf die sich denn schon impfen lassen?“ – nervt mich übrigens unsäglich. Abgesehen davon, dass wir natürlich alle am liebsten möglichst bald selbst geimpft sein wollen, senkt doch jeder Einzelne, der schon geimpft ist, indirekt auch mein eigenes Infektionsrisiko. Ist es wirklich zu viel verlangt, statt seines eigenen Bauchnabels mal das grosse Ganze angucken?! Die finnische Regierung hat sich übrigens strikt gegen einen Impfpass, der schon Geimpften den Besuch von Veranstaltungen, Restaurants oder Museen erlauben würde, ausgesprochen, weil das gegen das Prinzip der Gleichbehandlung aller verstossen würde. (Grosse Finnlandliebe dafür, schon immer.)

Was eigentlich aus den geplanten Ausgangsbeschränkungen geworden ist? Die hat aus dem gleichen Grund der Grundgesetzausschuss des Parlaments gekippt. Wenn man private Feiern – die zuletzt der Hauptgrund für das Ansteigen der Fallzahlen waren – verhindern will, kann man nicht pauschal allen Bürgern ein Grundrecht entziehen, sondern muss gezielt dagegen angehen. Was ich sage.

Die Zahlen in Finnland sinken übrigens tatsächlich wieder. Es freut mich sehr, aber andererseits bin ich ein bisschen entsetzt, dass es reicht, Restaurants und Fitnessstudios zu schliessen. Ich wäre sehr froh über eine Beschränkung unserer vielen unfreiwilligen Sozialkontakte gewesen, denn freiwillige Kontakte haben wir alle doch sowieso schon zur Genüge reduziert. Dachte ich. Aber gut. Immerhin sind die Finnen Meister im Sich-an-Coronaregeln-Halten.