Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Eismeer statt Mittelmeer

Das Fräulein Maus ist diese Woche auf Klassenfahrt in Lappland.

Auch wenn die Kinder hier vergleichsweise leicht durch die letzten zwei Jahre gekommen sind, haben sie doch alle auf etliches verzichten müssen. Der grosse Herr Maus auf eine feierliche Verabschiedung aus der Grundschule. Der kleine Herr Maus auf eine Reise nach München zu „1, 2 oder 3“. Am schlimmsten hat es vielleicht das Fräulein Maus getroffen, die ja auf eine Musikklasse in einer wirklich engagierten Schule geht: Der Ausflug in die Oper nach Helsinki im letzten Jahr – wegen Corona gestrichen. Der Schüleraustausch in der 8. Klasse mit der Partnerschule in Celle – wegen Corona gestrichen. Die Chorreise nach Italien in der 9. Klasse – wegen Corona gestrichen.

Damit die Chorreise nicht ganz ausfallen musste, fuhr man statt nach Süden nach Norden. So weit weg, wie man von Turku im Inland nur fahren kann, und das sind immerhin über 1000 km. Luftlinie.

Italien wäre sicher ein tolleres Reiseziel gewesen. Und für Lappland hätte es sicher bessere Zeitpunkte gegeben: während es in Turku diese Woche endlich warm ein bisschen wärmer und grün geworden ist, sind in Lappland 3°C und die Seen noch zugefroren, im Wald liegen letzte Schneereste, die Tunturis haben noch weisse Decken umgehängt und auf dem Teno treiben gewaltige Eisschollen. Aber Abenteuer ist Abenteuer.

Sie fuhren mit dem Nachtzug. Sie schliefen bei Gastfamilien in Oulu und in dem Hotel in Inari. Sie sangen auf einem grossen Konzert in Oulu, in Schulen in Ivalo und Inari, und vielleicht am allerschönsten nur für sich neben einer gewaltigen, rauschenden Stromschnelle. (Die Chorleiterin schickt regelmässig Videos.) Gestern sangen sie live bei Yle Sámi (ab ca. 1:38:05), dem samischsprachigen öffentlich-rechtlichen Radio Finnlands, das sein Studio in Inari hat.

Und für ein paar Stunden kamen sie doch noch ins Ausland: sie fuhren nach Norwegen und gingen am Eismeer Muscheln sammeln.


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neljäsataaneljäkymmentäkaksi, neljäsataaneljäkymmentäkolme

Der gestrige Tag begann mit einer Überraschung: 15 cm Neuschnee.

Ich weiss nicht, ob die Ostereier am Osterbäumchen schon jemals nicht eingeschneit waren. Das muss wohl so. Ohne ordentlichen Takatalvi kann der Sommer nicht kommen.

Dann schickten wir das jüngste Kind in die Schule und gingen mit den anderen beiden zur Bushaltestelle, um ins Impfzentrum zu fahren. Wir hatten diesmal auf eine Terminreservierung verzichtet; zu Recht, denn nach einer halben Minute Wartezeit wurden das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus gleichzeitig in zwei verschiedene Impfkabinen gebeten. Eine weitere Minute später hatten wir für beide erfolgreich eine dritte Coronaimpfung erdiskutiert.

Es ist nämlich so, dass in Finnland Boosterimpfungen für Jugendliche – zumindest, wenn sie keiner Risikogruppe angehören und nicht unter Immundefizienz leiden – nicht vorgesehen sind. Man kann sie aber in Ausnahmefällen bekommen, wenn man sie z.B. für den Coronapass braucht (und seit der zweiten Impfung mindestens sechs Monate vergangen sind, womit sich bei den Inzidenzen der letzten Monate für die meisten Jugendlichen die Sache wohl von selbst erledigt haben dürfte). Wir haben dann mal die „Wir sind Deutsche“-Karte gezogen – nicht ohne zu erwähnen, dass in Deutschland die Boosterimfpung für Jugendliche schon seit letztem Herbst empfohlen wird.

Mit einer halben Dosis Spikevax (das Fräulein Maus) und einer Dosis Comirnaty (der grosse Herr Maus) im Arm wurden wir unter „Gute Reise!“-Wünschen in den Wartebereich entlassen.

Dann gingen wir zurück zur Bushaltestelle – sowohl auf dem Weg ins Impfzentrum als auch auf dem Rückweg sahen wir jeweils eine 442 – bestiegen den nächsten Bus, der nach zwei Minuten Wartezeit kam und gleich der richtige für uns alle war; das Fräulein Maus stieg an ihrer Schule aus, der Ähäman und ich fuhren bis ins Stadtzentrum und der grosse Herr Maus noch ein paar Haltestellen weiter zu seiner Schule.

Der Ähämann und ich gingen zu mir auf Arbeit, weil es sich für mich nicht gelohnt hätte, nochmal heimzufahren, und weil der Ähämann versprochen hatte, dort noch ein letztes Regal sicher an die Wand zu schrauben. Zum Glück hatten wir es nicht eilig, denn als wir über die Brücke liefen, mussten wir erstmal fünf Minuten stehenbleiben und staunen: auf dem Fluss trieb etwas, das aussah wie riesige Plastikfetzen, sich aber als frischgefallener Schnee auf Wasser nahe dem Gefrierpunkt herausstellte. Kleinste Schneebälle, ohne Schwung von der Brücke geworfen, plumpsten einfach so durch die Schneeschichten hindurch, aber wenn zwei solcher Schichten von der Strömung zusammengetrieben wurden, dann falteten sie sich kunstvoll auf.

Bevor ich die ersten Schulkinder abholen musste, schafften es der Ähämann und ich noch, gemeinsam mittagessen zu gehen. Das georgische Restaurant hatte ein Mittagsangebot, und es fühlte sich sehr dekadent an, mitten am Arbeitstag dort zu zweit zu sitzen und in aller Ruhe sehr leckere Sachen zu essen.

Dann fuhr der Ähämann heim ins Homeoffice, und ich ging meiner Arbeit nach. Später fuhr der Ähämann den kleinen Herrn Maus ausnahmsweise mit dem Auto zum Theorieunterricht ins Konservatorium, denn der Tank war fast komplett leer und es war Dienstagabend (2,07 € der Liter 95er Benzin). Zwischendurch holte er mich von Arbeit ab, und am Flussufer parkte die 443.

Der Tag endete damit, dass der kleine Herr Maus zwanzig Minuten lang vor der Haustür Schnee schippte, der grosse Herr Maus mit einer Paracetamol-Tablette zeitig ins Bett ging und der Ähämann sämtliche Wecker im Haus für die nächsten zwei Tage ausstellte, weil in Finnland mal wieder gestreikt wird.

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Hoffnungen, zerbombte

Einer unserer nächsten, noch etwas vagen, aber schon fest anvisierten Reisepläne war übrigens, nach Kiew zu fahren, sobald die Pandemie vorbei wäre und die ukrainische Bahn wieder nach Riga fahren würde. Der Gedanke, dass von der Stadt in ein paar Tagen vielleicht nicht mehr viel übrig sein wird, ist schwer auszuhalten.

Ein weiterer Plan war, sobald unser Impfstatus und die Coronazahlen es zulassen würden – und die Touristenströme aus Asien noch nicht wieder eingesetzt hätten – endlich nach St. Petersburg zu fahren; dank e-Visum und direkter Zugverbindung von Helsinki kein grosses Ding. Inzwischen fährt der „Allegro“ nur noch, um Russ*innen einen Fluchtweg offenzuhalten.

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Presseschau.

Kaj Stenvall, dessen Entenbilder uns begleiten, seit wir in Finnland angekommen sind, malt jetzt Putin.


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neljäsataakaksikymmentäyhdeksän

Symbolbild Februar 2022:

Noch Winter, schon ein bisschen Frühling sowie der Versuch, unbeschadet unter der vierten Welle durchzutauchen.

In den Klassen unserer Kinder und meiner Hortkinder fehlen derzeit bis zur Hälfte aller Schüler*innen. Nach allem, was wir davon erfahren, hat ca. ein Drittel Corona, ein Drittel Flunssa und ein Drittel Magen-Darm.

Viel erfahren wir ja nicht. Die Schulen müssen schon lange keine Coronafälle in der selben Klasse mehr an die Eltern weitermelden. Mittlerweile ist die PCR-Test-Kapazität komplett zusammengebrochen, so dass man aufgefordert wird, bei Verdacht nur noch einen Schnelltest zu machen.

(Wie… äh… zuverlässig die Schnelltests funktionieren, haben wir ja schon selbst herausgefunden. Der Schnelltesttest sagt, der Test, der hier hauptsächlich im Handel ist, zeigt hohe Viruslast mit 94%iger Wahrscheinlichkeit an – alle anderen Viruslasten aber nur mit 54%iger Wahrscheinlichkeit. Der Ähämann bekam neulich von der Uni einen Schnelltest zugeschickt, den er vor einem in echt stattfindenden Meeting machen sollte, da war die Wahrscheinlichkeit, dass er eine symptomlose Infektion anzeigt, sogar nur 34%. Kann man auch gleich würfeln. Wir testen nur noch, wenn eine*r von uns schon zwei Tage irgendwelche Symptome hat, um zu wissen, ob es nun wieder eine*n erwischt hat oder es sich doch nur um eine harmlose Flunssa handelt.)

Es wird also nicht mehr offiziell getestet, aber da – Überraschung! – die Fallzahlen sinken, wird eine Einschränkung nach der anderen aufgehoben. Es muss niemand mehr in Quarantäne, solange er oder sie keine Symptome hat, nicht einmal, wenn eine der im gleichen Haushalt lebenden Personen infiziert ist. Selbst bei einer nachgewiesenen Infektion darf man nach fünf Tagen zurück auf Arbeit, in die Schule oder den Kindergarten, und zwar ohne Freitesten.

Völlig klar, so werden wir in Zukunft mit Corona umgehen müssen. Aber muss das wirklich jetzt schon sein, wo man hierzulande noch mitten im Boostern der Erwachsenen ist, die Jugendlichen immer noch keinen Anspruch auf eine dritte Impfung haben und die Kinder noch auf ihre zweite Impfung warten, weil Finnland auch in der gegenwärtigen Situation an einem Impfabstand von sechs Wochen festhält?!

Ich höre Omikron an allen Ecken und Enden laut kichern.

***
Als ich am Montag das reduzierte Grüppchen Hortkinder abholte, bog aus der Strasse vor der Schule gerade eine 429.

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Im Schlaf reisen

Neulich sah ich irgendwo ein Werbevideo, ich glaube, von der EU, für Nachtzüge und dafür, wie praktisch das Reisen im Schlaf ist und wieviel Zeit das spart.

Und da ging mir auf, dass das für uns überhaupt nichts Exotisches (mehr) ist, sondern, seit wir in Finnland wohnen, ein ziemlich normaler Urlaubsanfang. Wenn wir nach Europa fahren, beginnen wir die Reise auf einer Fähre nach Stockholm, über Nacht.

Den Nachtzug nach Rovaniemi, der auch Autos transportiert, haben wir gleich in unserem ersten Winter in Turku für uns entdeckt. Bis die Kinder in die Schule kamen, sind wir jedes Jahr damit in den Winterurlaub nach Lappland gefahren, mit den ganz kleinen Kindern noch in den alten Schlafwagen und später mit den grösseren Kindern in den wunderbaren neuen Schlafwagen.

In Turku lädt man sein mit Skiern und Gepäck beladenes Auto in den Zug, lässt sich im Schlaf knapp 1000 km nach Norden schaukeln, kommt ausgeruht in Rovaniemi an, holt sein Auto aus dem Autowaggon und fährt entspannt die letzten 100 km bis an seinen Urlaubsort. (Das einzig Unentspannte ist, dass man im Winter sehr genau planen muss, was man im Auto lässt, weil nach der Nacht im unbeheizten Autowaggon alles, wirklich alles tiefgefroren ist. Wir lösen das Dilemma üblicherweise mit einem Lebensmittelgrosseinkauf in Rovaniemi direkt nach Ankunft.) Und am Ende kann man seinen Urlaub bis zur letzten Minute geniessen und am Montagmorgen direkt vom Bahnhof aus auf Arbeit und in die Schule gehen.

Teuer ist es auch nicht. Wenn man nicht gerade zur allerbeliebtesten Ferienzeit fährt und lange im Voraus bucht, können – ich habe das gerade eben nochmal gecheckt – vier Personen (in zwei Kabinen) und ein Auto für gerade mal 157 € von Turku nach Rovaniemi reisen. Okay, das hat diesmal bei uns *hüstel* nicht so ganz geklappt, aber die nächste Reise können wir dann hoffentlich auch wieder länger als die coronabedingten gerade mal drei Monate im Voraus buchen.

Jedenfalls waren wir alle sehr vorfreudig, nach sechs (!) Jahren – wie haben wir das nur ausgehalten?! – endlich wieder einen „Schlafzug“ zu besteigen und nach Lappland – in den Winter! – zu reisen.

Zuerst durfte Balthasar einsteigen. Ich hatte beim Ticketbuchen gesagt, dass wir keine Dachbox auf dem Dach haben werden, sehr wohl aber Skier, aber da die Frau ja noch nicht mal wusste, dass die Kabinen im Ober- und Untergeschoss der Schlafwagen unterschiedlich ausgestattet sind, hätten wir uns auch gleich denken können, dass der Autoplatz, den sie uns – „Ja, das passt!“ – buchte, eher nicht der richtige wäre. Der Verladetyp jedenfalls guckte kritisch auf die Skier auf dem Dach und schickte Balthasar nach oben – „Wird sich schon noch ein niedrigeres Auto finden, das mit euch tauschen kann!“ – obwohl für ihn unten ein Platz reserviert war.

Weil zwischen Autoaufladung und Zugabfahrt noch anderthalb Stunden Zeit waren, beschlossen wir, Turkus teuerstem und misslungenstem Bauwerk einen Antrittsbesuch abzustatten und von oben ein bisschen den Rangierarbeiten – Schlafwagen aus dem Depot auf Gleis 7, Autowaggons von Gleis 1 auf Gleis 7, Rangierlok ab, Meerschweinchen dran – zuzugucken.

Als die Rangierlok Richtung Autowaggons rollte, klingelte mein Handy: ob wir bitte doch nochmal zurückkommen und unser Auto nach unten fahren könnten, es wäre doch kein niedrigeres Auto mehr gekommen, zur Not müssten wir eben die Skier abnehmen. Es passte aber zum Glück. Gerade so. Mit Skispitzen nach unten.

Für die verliebene Dreiviertelstunde bis zur Abfahrt verzichteten wir auf weitere Ausflüge und guckten den Rangierarbeiten vom Bahnsteig aus zu.

Es ging dann auch holprig weiter.

Der Schaffner eröffnete uns direkt nach dem Einsteigen, dass die Toiletten in unserem Waggon nicht funktionieren würden und auch bis zum Ende der Reise nicht repariert werden könnten.

Wir hatten ja zugunsten zweier verbindbarer Kabinen sowohl auf das Reisen im Obergeschoss als auch auf Kabinen mit eigener Dusche und Toilette verzichtet – Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie das gegangen sein soll, die letzten beiden Male mit fünf Personen in einer Zwei-Bett-Kabine…! – und waren entsprechend wenig begeistert.

Andererseits, da ja eben die Kabinen im Obergeschoss eigene Toiletten haben und sich unten zwei Toiletten befinden, müssen sich maximal acht Leute eine Toilette teilen, und so musste man weder anstehen, noch waren die Klos schon nach einer Stunde total eingesaut.

Du weisst, dass du in Finnland bist, wenn sich ein Töpfchen neben der Erwachsenentoilette befindet.

Ausserdem hatten wir einen Besuch im Speisewagen geplant.

Die finnische Bahn hat nämlich ein eigenes Bier mit dem hübschen Namen „Schienen-Bier“ in einer noch hübscheren Dose. (Es wird übrigens in der nahegelegenen kleinen Limonadenfabrik Brauerei produziert). Der Ähämann wollte mir schon zum Abschluss unserer Herbstferienreise eins kaufen, aber ich wollte lieber auf die nächste Reise warten, denn wann wäre der geeignetere Zeitpunkt, es auszuprobieren, als abends vor dem Schlafengehen im Nachtzug?

Andererseits: sich angesichts der aktuellen Coronasituation in einen Speisewagen setzen?! Wir beschlossen, mit Maske auf mal vorsichtig gucken zu gehen, und waren sehr verblüfft, denn im Speisewagen befand sich ausser dem Kellner kein einziger Mensch. Wir mussten  als erstes unsere Coronapässe vorzeigen, um als zweites gesagt zu bekommen, wir dürften aber gar nicht im Speisewagen essen, sondern nur was zum Mitnehmen kaufen. Und nein, Bier dürfte er uns nicht verkaufen. Es brauchte auch nur drei Minuten und mehrere verwirrte Nachfragen, bis er endlich zur Erklärung das Wort „Restaurantbeschränkungen“ benutzte und ich mir vor den Kopf schlug: stimmt ja, ab 17 Uhr kein Alkoholverkauf mehr und ab 20 Uhr alle Restaurants geschlossen. (Ich komme mittlerweile auch nicht mehr hinterher mit den aktuellen Bestimmungen, und Restaurantbeschränkungen sind das, was mich von allen am wenigsten interessiert.)

Dann eben auch auf dieser Reise kein Bahnbier und stattdessen mitgebrachtes Abendbrot in der Kabine.

Und dann war es auch schon Zeit, sich bettfertig zu machen und in die Eulenbettwäsche zu kriechen.

Generell hat’s die finnische Bahn drauf mit der Lackierung ihrer Waggons, aber dann noch Bettwäsche, passend zur Lackierung der Schlafwagen…! Weil noch Weihnachtszeit war, waren ausserdem überall in der Kabine kleine Aufkleber mit Wichteln versteckt. Man muss sie einfach lieben, die finnische Bahn!

(Ausser für ihr Buchungssystem und ihren telefonischen Kundendienst und dafür, dass sie alle Fahrkarten- und Auskunftsschalter an fast allen ihren Bahnhöfen dichtgemacht haben.)

Als wir aufwachten, waren wir schon in Oulu. Unter normalen Umständen wären wir zum Frühstücken in den Speisewagen gegangen, aber so hatten wir heisses Wasser in der Thermosflasche und Kaffeepulver, Teebeutel und „Zeltkakao“ dabei.

Neuer Autowaggon trifft alten Autowaggon.

Dann holten wir Balthasar aus dem Autowaggon ab, und der zweitschönste Teil des Urlaubs konnte beginnen.

Auf der Rückfahrt funktionierten die Toiletten, dafür war offensichtlich sämtliche Eulenbettwäsche in der Wäsche. Ausserdem hatten wir eine Kabine direkt über den Rädern, speziell über einem Rad mit einer kleinen Unwucht (oder was auch immer), das bei jeder Umdrehung klackerte und die Geschwindigkeit des Zuges anzeigte, und, ich sag‘ mal so, ich habe auch schon besser geschlafen im Zug.

Gute-Nacht-Geschichte wird auch im Zug vorgelesen.

Immerhin wissen wir jetzt, welche Kabinennummer wir das nächste Mal buchen müssen.

(Und wie wir auf die dritte Kabine, weil mittlerweile jedes Kind offiziell ein Bett oder einen Sitzplatz braucht, es aber von Turku nach Rovaniemi laut telefonischem Kundendienst keine Sitzplätze gibt, verzichten können, weiss ich jetzt auch: es gibt natürlich keine durchgehenden Sitzplätze, weil der Zug in Tampere komplett auseinandergenommen und mit einem Zug aus Helsinki zusammengeführt wird, aber man kann durchaus ein Ticket von Turku nach Tampere und ein zweites von Tampere nach Rovaniemi kaufen. Mit vier Betten kommen wir schliesslich auch (noch) auf jeder Fähre hin.)

Es wird nämlich auf jeden Fall ein nächstes Mal geben. Und zwar nicht erst in sechs Jahren.


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neljäsataakaksikymmentäkuusi

Seit heute sind endlich 5/5 geimpft!

Am 22.12. wurde in Finnland beschlossen, die Impfung für alle Fünf- bis Elfjährigen freizugeben – bisher wurden nur Risikogruppen geimpft – und in Turku ging es direkt am Montag los mit den Kinderimpfungen. Nicht im Impfzentrum, sondern in der Studentenpoliklinik, wo diese und nächste Woche ausschliesslich Kinder geimpft werden.

Man bekam dann auch nicht nur zwei Wartestühle pro Impfling zugewiesen, sondern jedes Kind wurde einzeln während der – gewohnt kurzen – Wartezeit befragt: „Bist du aufgeregt?“ und bei Bedarf beruhigt: „Das ist wirklich nur ein ganz kleiner Pieks, da musst du gar keine Angst haben! Und du hast doch auch schon jede Menge andere Impfungen bekommen!“

Weil es letzte Woche einen Zwischenfall im Impfzentrum gegeben hatte – jemand hatte eine Impfschwester bedroht, damit sie ihm die Impfung in die digitale Patientenakte einträgt, ohne ihn oder sie zu impfen; sowas gibt es hier also leider auch – war dann heute auch ein Wachmann anwesend, ausserdem durfte man seine Jacken nicht mit in die Impfzimmer nehmen, sondern musste sie draussen an die Garderobe hängen.

Fünf- bis Elfjährige brauchen theoretisch die Unterschriften beider Sorgeberechtigter auf der Einverständniserklärung; praktisch hatte der kleine Herr Maus die Spritze schon im Arm, ehe ich überhaupt das Papier aus der Handtasche gekramt hatte.

Dann setzten wir uns brav fünfzehn Minuten in den Hinterher-Warteraum, wo wiederum jedes Kind einzeln befragt wurde: „Fühlst du dich gut?“, „Wie war die Impfung?“, „War doch nicht schlimm, oder?“.

Dann fuhren der kleine Herr Maus und ich mit dem Bus wieder heim.

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Zur Feier des Quarantäneendes fuhren wir später noch kurz – der kleine Herr Maus fühlte sich fit bis auf einen ein bisschen schmerzenden Arm – in die Eisbadesauna. Auf dem Rückweg holten wir noch zwei späte Weihnachtspakete von der Post aus dem Supermarkt ab. Und als wir dann heimfuhren, stand an der letzten Ampel eine 426 vor uns.

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Weihnachtsspaziergang (2)

Zur Feier des Tages machten der Ähämann und ich heute gleich nach dem Frühstück, um die Mittagssonne zu nutzen, eine seiner Homeoffice-Runden auf Skiern.

(Die Kinder blieben zu Hause und arbeiteten trotz der -10°C mehrere Stunden lang an einer riesigen Schneeburg mit ausgeklügeltem Tunnelsystem, Oberlichtfenstern, Aussentreppe und Rutsche.)

Unterwegs kam der Anruf vom Gesundheitsamt. Es ist nicht Omikron.

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Presseschau.

Tausende Rentiere werden in Lappland vermisst. Auch das eine Folge des Klimawandels.


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Einen Tag vor Weihnachten

Die Ergebnisse vom PCR-Test gestern Abend sind da: der Ähämann ist wie erwartet positiv, das Fräulein Maus und überraschenderweise sogar ich – denn ich habe mir die ganze Nacht von Montag auf Dienstag noch ins Gesicht husten lassen – negativ. Die Herren Maus sind weiterhin symptomfrei. Dem Ähämann, der sowieso nur ein bisschen Fieber, Husten und Halsschmerzen hatte, geht’s heute auch schon wieder besser. Alles in allem tun die Impfungen offensichtlich, was sie sollen.

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Andererseits ist diese Konstellation jetzt für die nächsten Tage ein bisschen schwieriger als wenn wir uns alle angesteckt hätten, denn sie heisst, dass wir weiterhin zu Hause FFP2-Masken tragen, getrennt schlafen, andauernd lüften und die Belüftungsanlage, mit der glücklicherweise jede finnische Wohnung ausgestattet ist, weiterhin Tag und Nacht volle Pulle laufen lassen werden müssen. Die Kinder sind zum Glück sehr einsichtig, auch wenn die Aussicht auf Geschenkeauspacken mit Maske sie nicht gerade vor Freude hüpfen lässt.

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Fünf weitere Gäste der Doktorfeier haben sich ebenfalls infiziert. Alle Anwesenden waren geimpft oder genesen. Eine der Infizierten – und das ist jetzt besonders interessant , weil hier ja immer behauptet wird, Restaurantbesuche seien total sicher vor 17 Uhr solange nicht getanzt oder Karaoke gesungen und noch niemand betrunken ist – ist übrigens direkt nach dem Essen nach Hause gegangen, noch bevor die eigentliche Party angefangen hatte.

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Wir wissen übrigens noch nicht, ob es Omikron ist. Steht weder in der digitalen Patientenakte noch in der SMS. Der Ähämann wartet auf den Anruf vom Gesundheitsamt.

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2G+ mit Schnelltests kann übrigens auch nicht die Lösung sein: des Ähämanns erster Schnelltest war noch negativ, als er schon seit mehreren Stunden hustete.

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Offiziell sind dann jetzt ja nur noch der Ähämann und der kleine Herr Maus in Quarantäne. Wir werden das nicht überstrapazieren, da uns klar ist, dass so ein Test auch nur eine Momentaufnahme ist, dass wir uns immer noch jederzeit beim Ähämann anstecken können. Aber ich werde ohne schlechtes Gewissen Take-away aus dem Restaurant oder Pakete von der Post abholen oder zielgerichtet in einen Laden springen, wenn es nötig ist.

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Quarantäne wird hier übrigens nicht überprüft und ihr Ende auch nicht von einem Testergebnis abhängig gemacht. Quarantäne dauert 10 Tage ab Symptombeginn, Punkt. In der Hauptstadtregion ist inzwischen die Obergrenze der Testkapazität erreicht, weswegen jetzt die Leute im ganzen Land aufgefordert werden, nach einem positiven Schnelltest gar nicht erst zu einem PCR-Test zu gehen, sondern einfach 7 bis 10 Tage zu Hause zu bleiben, bis die Symptome abgeklungen sind. (Vernünftige Sache, wenn sich alle dran halten. Und wo bekommt man dann seine Bescheinigung für den Coronapass und für die Beantragung des Quarantänegelds her?!)

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Wir haben heute auch die Herren Maus testen lassen. Der grosse Herr Maus hat vorgestern ein- oder zweimal geniest, der kleine Herr Maus klagte vorgestern über diffuse Halsschmerzen. Damit hatten sie sich für einen PCR-Test im Krankenhausparkhaus qualifiziert; der erste freie Termin war aber erst heute Mittag. (Wie sehr wir finnisiert sind, sieht man daran, dass wir gar nicht auf die Idee kamen, gleich am Anfang zu sagen, wir alle fünf hätten Symptome, um PCR-Tests für die ganze Familie zu bekommen.) „Wer will anfangen?“, fragte der Tester. „Du bist der kleine Herr Maus?“, lehnte er sich, nachdem er das Teststäbchen aus dem Container geholt hatte, mit seinem Weltraumhelm ins Autofenster wie zu einem netten Plausch. „Ich bin Antti. Ihr wisst, dass das nicht die angenehmste Sache der Welt ist, aber auch nicht schlimm? Ach, ihr habt das schon ganz oft gemacht? Na dann seid ihr ja schon richtige Profis. Dann fangen wir mal an…“ Man fährt jetzt übrigens vom ältesten Krankenhausteil aus ins Parkhaus rein, aber beim neuesten wieder raus. Sehr spannend.

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Gestern haben wir den Drive-in vom Supermarkt ausprobiert. Die 6 € Servicegebühr lohnen sich für Grosseinkäufe, besonders auch an solchen Tagen wie jetzt, an denen die Läden sowieso gerammelt voll sind, auch ohne Quarantäneauflagen. Wenn sie es jetzt noch hinkriegen würden, die Einkäufe in Pfandkisten statt in Plastetüten oder Wegwerfkartons zu packen, würden wir das garantiert regelmässig machen.

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Als ich vorhin den Weihnachtsbaumständer und die Kiste mit dem Weihnachtsbaumschmuck aus unserem Käfig holen war, traf ich eine Nachbarin, die mich darauf aufmerksam machte, dass gerade neue Zeiten für Dritt- und Kinderimpfungen buchbar seien. Ich bedankte mich, klemmte die zwei Kisten unter den Arm und raste – „Ich glaube, ich habe was ganz Dringendes zu tun!“ – ohne weiteren Smalltalk zurück in die Wohnung. Wenn wir uns jetzt nicht noch anstecken, dann kriegt der kleine Herr Maus nächste Woche seine erste und ich in drei Wochen meine dritte Impfung. Jippiii!


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Drei Tage vor Weihnachten

Wir fangen dann unsere Weihnachtsferien mal einen Tag vorfristig an.

Eigentlich wollten der Ähämann und ich uns heute früh – seit dieser Woche dürfen sich in Finnland auch Unter-60-Jährige, die keiner Risikogruppe angehören, zum dritten Mal impfen lassen, wenn seit der zweiten Impfung vier bis sechs Monate vergangen sind – an einer Pop-up-Impfstelle im Nachbarstadtteil – da, wo man mit dem Rad durch den Wald hinfahren kann – anstellen.

Aber aus Gründen – anderen als den -12 Grad draussen – blieb der Ähämann heute früh im Bett liegen, weil eine Impfung sowieso nicht möglich gewesen wäre, und, wie sich drei Stunden später, als er ausgeschlafen hatte, herausstellte, nun offensichtlich auch fürs Erste nicht mehr nötig ist.

(Vermutlich von der Doktorfeier am Freitag mitgebracht, trotz 2G für alle. Und ich habe mich noch so für ihn gefreut, dass er nach 1 ¾ Jahren Homeoffice und unendlicher eigenverantwortlicher Vorsicht endlich mal wieder ausgehen konnte…!)

Ich beorderte per Wilma-Nachricht die Kinder aus der Schule zurück nach Hause, schrieb Nachrichten an alle Leute, mit denen wir in den letzten Tagen zu tun hatten – ausgerechnet letztes Wochenende hatten wir Besuch, hat die beste Freundin des Fräulein Maus bei uns übernachtet, haben der kleine Herr Maus und das Fräulein Maus zum Adventskaffee in der Deutschen Gemeinde vorgespielt und hat das Fräulein Maus eine kleine Weihnachtsfeier mit fünf Freundinnen veranstaltet; soviel Sozialleben haben wir sonst in einem halben Jahr nicht! – telefonierte schnell mit der besten Chefin und radelte dann zum Hort, um ihr mit Maske und am ausgestreckten Arm das Horthandy, das ich üblicherweise abends mit nach Hause nehme, durch die geöffnete Tür zu reichen. Der Ähämann rief derweil das Turkuer Coronatelefon an, von wo er immerhin schon – angesichts der derzeitigen hiesigen Coronasituation ist das ein völlig unironisches schon – fünf Stunden später zurückgerufen wurde.

In Quarantäne für die nächsten zehn Tage sind dann jetzt offiziell nur der Ähämann, weil er mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv ist, und der kleine Herr Maus, weil er nicht geimpft ist. Ausserdem bis zum PCR-Testergebnis das Fräulein Maus und ich, weil wir zwar geimpft sind, aber (leichte) Symptome haben: das Fräulein Maus ein bisschen Halsschmerzen, und ich, ich habe eigentlich gar keine Symptome, kann aber auch nicht behaupten, völlig symptomfrei zu sein, denn ich fühle mich ein bisschen matschig.

Sollte sich beim PCR-Test morgen Abend – das war der erste freie Termin, den die Frau vom Coronatelefon anbieten konnte – herausstellen, dass es sich um Omikron handelt, muss auch der grosse Herr Maus in Quarantäne. (Ist aber auch egal, weil der grosse Herr Maus morgen selbstverständlich auch zu Hause bleiben wird.) Zum PCR-Test wiederum dürfen nur der Ähämann, das Fräulein Maus und ich, weil Symptomlose nicht getestet werden. Dabei wäre es schön zu wissen, wen in der Familie man noch versuchen sollte, vor einer Ansteckung zu schützen. Oder ob man sich das Zu-Hause-Maske-Tragen und Lüften und Jeder-in-einem-anderen-Zimmer-hocken sparen könnte.

Immerhin hat das überhaupt keine Auswirkungen auf unsere Weihnachtspläne – ausser auf den, Heiligabend um vier in einem leeren Supermarkt unseren Weihnachtseinkauf zu erledigen – weil wir sowieso hier und nur mit uns gefeiert hätten und in Turku inzwischen ohnehin für Heiligabend alles wieder abgesagt ist.
Immerhin ist das alles gerade noch rechtzeitig passiert, dass wir noch knapp vor unserer geplanten Lapplandreise wieder gesund sein und unsere Quarantäne hinter uns gebracht haben sollten.
Immerhin hat der Ähämann nur ein bisschen Husten – der Ähämann hat sonst nie Husten! – leichte Kopfschmerzen und letzte Nacht ein bisschen Fieber.

Immerhin scheint die Impfung zu tun, was sie soll.