Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Wie im Bilderbuch

Als ich letzten Dienstag mit den Kindern wieder 150 km nach Norden fuhr, um den zweiten Teil unserer Skiferien anzutreten, kamen wir kurz vorm Ziel an einer einzeln stehenden, im Abendlicht leuchtenden, kleinen Kirche vorbei. „Guckt mal“, rief ich den Kindern zu, „die sieht ja aus wie die Koiramäki-Kirche!“

Koiramäki („Hundehügel“) ist ein historisches, von Hunden bewohntes Dorf aus den Bilderbüchern von Mauri Kunnas – der auch unser liebstes Weihnachtsmannbuch gemalt und geschrieben hat – die den Kindern auf kurzweilige Art das Leben auf dem Lande vor 200 Jahren nahebringen sollen. Vor Weihnachten erst hat der kleine Herr Maus das Buch über den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche von Koiramäki gelesen!

Am nächsten Tag sassen wir mit unserer Gastgeberin in der Sauna und kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen und erfuhren eher zufällig, dass die Kirche, die wir gesehen hatten, nicht nur aussieht wie die Koiramäki-Kirche, sondern tatsächlich das Vorbild für die Koiramäki-Kirche ist! 1997 brannte die 500 Jahre alte Kirche, die in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen werden sollte, vollständig ab, als ein Einbrecher seine Spuren verwischen wollte. Mauri Kunnas zeichnete daraufhin das Weihnachtskirchenbuch und spendete den gesamten Verkaufserlös für den Wiederaufbau, eine grosse finnische Papierfirma spendete das für den Druck des Buches benötigte Papier. Über 1000 Leute halfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau.

Nun steht sie wieder. Und es war klar, dass wir auf dem Rückweg da unbedingt nochmal anhalten müssten.

„Mama! Mama! Das ist ja wirklich die Kirche aus dem Buch!“, juchzten drei Kinder von der Rückbank, als ich auf die kleine Zufahrtsstrasse einbog. „Das ist so toll!“

Der kleine Herr Maus wollte sich gern auch noch die Kirche von innen angucken: „Da sind doch die schönen Bilder an der Emporen. Da, wo auf einer Seite nur die Männer sitzen durften und auf der anderen die Frauen!“ Aber dafür müssen wir, wie das in Finnland so üblich ist, im Sommer nochmal wiederkommen.


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Jeden Tag eine gute Tat

Immer am Donnerstag nach Weihnachten gehen die Pfadfinder die vielen, vielen Grabkerzen, die hier nicht nur zu Allerheiligen, sondern auch am Heiligabend auf den Friedhof gebracht werden, einsammeln.

Wir gehen immer, wie viele andere, mit der ganzen Familie hin, und in allerhöchstens einer Stunde ist die ganze Sache erledigt. Obwohl jedes Mal zwei riesige Container mit Plastemüll und zwei Mülltonnen voller Blech zusammenkommen.

Hinterher Abstecher zur Bibliothek, heisses Bad, weiter mit Ferien.


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Endlich Ferien! Endlich wieder im Meer baden gehen!

Wir waren schon vermisst worden von den Saunastammgästen. „Ihr seid ja alle gross geworden!“, wurden die Kinder begrüsst. Und seit heute haben tatsächlich alle drei begriffen, dass es sich besser anfühlt, wenn man nicht nur die Zehen eintunkt, sondern wirklich bis zum Hals ins Wasser geht. Sie wollten dann gar nicht mehr aufhören. Deswegen blinkerten schon grün und rot die Seezeichen übers schwarze Wasser, als wir das letzte Mal dampfend von der Sauna auf den Steg liefen.

Und als wir heimfuhren, fuhr eine 292 vor uns her.

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Weihnachtsfrieden 2017

Mit Hubschrauber, der lange vorher und hinterher Runden um den Dom flog. Mit Betonsperren. Mit sehr viel Polizei. Mit Streuautos als Strassensperre. (Letztes Jahr hatte kurzerhand die Armee mit LKWs ausgeholfen. Aber so gelb sah es wenigstens weniger bedrohlich aus.)

Aber auch mit Leuten, die den Hunden wildfremder Leute im völlig überfüllten Bus einen Platz unter ihrem Sitz anboten. Mit Leuten, die den neben ihnen Stehenden mit ausgedruckten Liedtexte aushalfen. Mit fremden Leuten, die sich, bevor sie den Platz wieder verliessen, gegenseitig frohe Weihnachten wünschten.

Mit 15000 Leuten, die wie jedes Jahr gekommen waren, um zu hören, wie der Weihnachtsfrieden für das ganze Land verkündet wird.

So, wie Heiligabend hier immer anfängt.

Und dann war da auch noch der freundliche Busfahrer, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hatte, allen Fahrgästen frohe Weihnachten wünschte und unseren Kindern, als wir ausgestiegen waren und er weiterfuhr, noch lange zuwinkte.

(Und wir liefen dann – weil wir einfach den ersten Bus, der sich aus den Menschenmassen herausgeschlängelt hatte und ungefähr in unsere Richtung fuhr, genommen hatten – den allerschönsten Weg nach Hause.)

Schöner kann Heiligabend wirklich nicht anfangen.


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24

Maria und Josef sind Eltern geworden. Die drei Weisen aus dem Morgenland fahren ein letztes Mal Fähre. Der Weihnachtsbaum strahlt.

Heute früh wurden wir von Jubelschreien geweckt: „Die Tonttus haben uns zurückgeschrieben!“ (Ich sehe mich plötzlich nicht nur verantwortlich für die Reiseleitung nach Bethlehem, sondern auch für einen Briefwechsel mit nicht nur einem, sondern – „Hast du nicht zwei Freunde, die bei meinen Brüdern einziehen könnten?“, schrieb das Fräulein Maus vor ein paar Tagen an ihren Tonttu – gleich drei Tonttus verantwortlich…) Und natürlich wurden auch die Tonttus mit Geschenken und Weihnachtsbaum versorgt.

Frohe Weihnachten!


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22

Während in den Supermärkten und Einkaufszentren der Stadt in diesen Tagen die Hölle los ist, wanderten wir gestern Abend durch den stillen Wald zur Weihnachtskrippe. Über uns der Sternenhimmel, der Pfad von Kerzen beleuchtet.

Auf der Nachbarinsel wird dieser kleine Weihnachtspilgerweg seit Jahren an einem Abend kurz vor Weihnachten aufgebaut. Am Anfang des Pfades bekommt jeder eine Kerze in die Hand gedrückt, die man dann an der Krippe abstellt und wo es mit jedem, der ankommt, ein bisschen heller wird. (Natürlich werden an der Krippe auch Weihnachtslieder gesungen.)

Schöner kann man den kürzesten Tag des Jahres eigentlich nicht begehen.


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13. Januar

Mir ist es dieses Jahr sehr schwergefallen, die Weihnachtssachen wegzuräumen

Vielleicht, weil uns zehn Tage Advent fehlten.

Es kam mir jedenfalls sehr gelegen, dass die Weihnachtszeit in Finnland eine Woche später endet.

Wir zündeten auch nach Weihnachten noch alle Kerzen an, hörten auch nach Silvester noch Weihnachtslieder und fanden es am 6. Januar völlig undenkbar, den Weihnachtsbaum schon rauszuschmeissen. Jeden Tag, wenn ich von Arbeit kam, freute ich mich über den schon von Weitem leuchtenden Weihnachtsbaum im Garten. Der kleine Herr Maus spielte weiterhin mehrmals täglich „Joulupuu on rakennettu“ auf dem Klavier* – zweifingrig noch, aber schon zweihändig mit Melodie und Begleitung – und es klang so schön und kein bisschen unpassend so Anfang Januar und ganz oft sangen wir alle mit.

Vorvorgestern dann sah der Weihnachtsbaum plötzlich ganz grau und welk aus. Vorgestern haben wir ihn gemeinsam abgeschmückt. Und den Grossteil der Weihnachtssachen in ihre Kisten und Schächtelchen und die zwei grossen Umzugskartons gepackt.

Es war dann sehr leer in der Wohnung.

Aber Tulpen haben wir noch keine gekauft.

(Die sind hier auch – zu Recht! – unerschwinglich um diese Jahreszeit.)

Alles zu seiner Zeit.


* Als nächstes möchte er gerne „Dr Bargma trägt sei halles Licht“ lernen. Hat zufällig jemand der Mitlesenden aus dr Haamit die Noten und/oder den Text dafür und könnte die uns zukommen lassen?


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Heiligabend

Spätestens, als wir unter den mit echten Kerzen bestückten Kronleuchtern in der kleinen Kirche sassen, die schon immer unsere Weihnachts- und Oster- (und neuerdings Unabhängigkeitstags-) kirche ist, statt des hier unüblichen Krippenspiels in der Predigt eine echte KELA-Kiste – mit Geschenken fürs Jesuskind: ein Lammfell von den Hirten, ein gestrickter Strampler von der Anna-Grossmutter, eine Taufkerze vom Cousin Johannes… – eine wichtige Rolle spielte, ich feststellte, dass mir sämtliche gesungenen Lieder mehr ans Herz gewachsen sind als es irgendein deutsches Kirchenlied je ist, alle mitsangen und mitbeteten und der Familiengottesdienst weit entfernt war von der Theaterhaftigkeit vieler deutscher Weihnachtsgottesdienste, und wir danach auf den mit Kerzen übersäten Friedhof traten, da wusste ich wieder ganz genau, warum zwar die Adventszeit nirgends so schön ist wie im Erzgebirge, aber Weihnachten nirgends so schön wie hier.