Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Heiligabend 2020

Die Weihnachtsfriedensverkündung fand dieses Jahr ohne Publikum und deshalb auch für uns im Fernsehen statt. Es war erst das dritte Mal, seit wir in Turku wohnen, dass wir nicht live dabeiwaren: einmal waren wir alle krank, und als der kleine Herr Maus erst sieben Wochen alt war, war es viel zu kalt, um mit ihm hinzugehen.

Auch der Weihnachts-Kindergottesdienst, zu dem unsere Kinder immer noch Jahr für Jahr gehen wollen, fand in diesem Jahr online statt: mit lauter kleinen Engeln, die sich sehr menschenkinderhaft benahmen, und mit einem echten Baby auf Marias Arm! ♥

Zum, ich glaube, ersten Mal in diesem Monat schien die Sonne. Obwohl sie schon kurz nach drei unterging, war es gegen vier immer noch ziemlich hell; das war fast anderthalb Stunden länger als am Tag zuvor. (So ist das hier nämlich.) Dabei hatten es die Kinder eilig, endlich die letzten der 24 erleuchteten Fenster im Museumsdorf angucken zu gehen, weil hinterher Geschenke unterm Weihnachtsbaum liegen würden.

Der Rest war wie immer: Milchreis essen, Geschenke bejubeln, Weihnachtssauna, Märchenfilm gucken, und alle gingen erst gegen Mitternacht ins Bett.


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Finnisierung XLVI

Ich weiss auch nicht, wie es passieren konnte.

Jahrelang fand ich die Vorstellung, sich zu Weihnachten Hyazinthen in die Wohnung zu stellen, völlig absurd.

Dann hat mir vermutlich mal eins der Hortkinder vor Weihnachten eine geschenkt. Und was soll ich sagen… eigentlich passen Hyazinthen doch sehr gut zu Engel und Bergmann.

Ursprünglich waren es übrigens keine Hyazinthen, sondern Maiglöckchen, die sich die Finnen zu Weihnachten in die Wohnungen holten.


[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle, XLIII, XLIV, XLV]


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Heiligabend 2019

Heute erst guckten wir die am Heiligabend aufgenommene Spezial-Maus an. Warum die denn so lang sei, fragten die Kinder. „Damit es die deutschen Kinder ein bisschen einfacher haben beim Warten auf die Bescherung“, antwortete ich.

Verstanden sie nicht, unsere Kinder. Denn bei uns ist Heiligabend immer ruckzuck um.

9:00 Uhr: Der Ähämann hat uns den Wecker gestellt. Hier schlafen schon seit Beginn der Weihnachtsferien alle bis mindestens um zehn. Aber heute müssen wir ein bisschen eher aufstehen. Zu Heiligabend haben wir immer viel vor. Viel Ruhiges und viel Schönes.

10:00 Uhr: Der Ähämann hat den Frühstückstisch gedeckt, ich habe Milchreis vorgekocht. Die Kinder sind nach und nach aufgestanden, ich bringe den Milchreis zu Bett, wir frühstücken.

11:15 Uhr: Wir steigen in den Bus. Er wird an jeder Haltestelle voller; wir haben alle das gleiche Ziel. Weil unsere Buslinie ja seit einem Jahr eine veränderte Route fährt, beschliessen wir, diesmal noch eine Haltestelle weiter zu fahren zu sonst. Dort werden gerade zwei Sisu-LKWs in Stellung rangiert, die Ampeln blinken gelb, und mitten auf der grossen Kreuzung tänzeln zwei Polizisten und schwenken wie immer in solchen Situationen eher unbeholfen ihre Stäbe, um den Verkehr zu regeln.

(In meiner Geburtsstadt gab es noch lange Zeit mehrere grosse Kreuzungen, auf denen der Verkehr von Hand geregelt wurde. Die Polizisten standen würdevoll in der Mitte und vollführten eine exakte Choreographie, die alle verstanden. Einmal versuchte ich, mich mit dem Fahrrad an einer T-Kreuzung einfach hinter dem Rücken des Verkehrspolizisten vorbeizuschleichen, was mir einen sofortigen Anpfiff desselben, ohne dass er seine Handzeichen auch nur eine Millisekunde dafür unterbrochen hätte, einbrachte.)

12:00 Uhr: Weihnachten fängt an.

12:30 Uhr: Unser Bus ist der erste, der sich durch die sich auflösende Menschenmenge geschoben hat. Fast alle Busfahrer tragen Wichtelmützen (einmal fuhr uns auch der Weihnachtsmann nach Hause) – unser Busfahrer fährt ein echtes kleines Weihnachtsbäumchen mit sich herum.

13:00 Uhr: Wir decken schnell den Tisch, wecken den Milchreis auf und essen. In einer Stunde müssen wir ja schon wieder los.

14:30 Uhr: Kinderkirche. Weihnachten muss ja sein wie immer.

15:15 Uhr: Leider ist gestern der Einkaufsbeutel mit dem frischen Fisch fürs Weihnachtsessen unausgepackt in der Küche stehengeblieben – wir knobeln noch aus, wer daran schuld ist – und wir merkten es erst, als heute nach dem Frühstück jemand nach Bananen fragte, die sich auch nicht im Obstkorb befanden. Wir brauchen also neuen Fisch. Nicht unbedingt sofort, weil wir an Heiligabend eigentlich schon seit Jahren nichts Besonderes mehr essen, weil keiner Zeit und Lust zum Kochen und auch niemand wirklich Hunger hat abends, und weil man, seit die Ladenöffnungszeiten hier noch weiter gelockert wurden, auch an den Weihnachtsfeiertagen einkaufen könnte, aber dann haben wir wahrscheinlich noch weniger Lust dazu als jetzt. Im Prisma sind die Regale voll, vier Kassen geöffnet und zehn Leute am Einkaufen, und wir beschliessen spontan, dass wir ab nächstem Jahr unseren gesamten Weihnachtseinkauf immer um diese Zeit machen.

15:45 Uhr: Bevor wir heimfahren, besuchen wir noch die beiden Über-Weihnachten-Pflegekatzen. Sie bekommen natürlich ein extra Weihnachtsleckerli.

16:30 Uhr: Es liegen Geschenke unterm Weihnachtsbaum!

17:30 Uhr: Alle Geschenke sind ausgepackt und bejubelt. Der Ähämann räumt zum zweiten Mal heute den Geschirrspüler ein, das Fräulein Maus schneidet Gemüse und rührt Dippi an, ich verräume Geschenkband und mache einen Pappmüllpappkarton für Legoverpackungen und Packpapier auf, mit dem wir wohl in den nächsten Tagen zum grossen Container hinterm Supermarkt fahren werden müssen, weil unser hausgemeinschaftseigener Pappcontainer schon seit Tagen überquillt und sich die Situation erfahrungsgemäss an Heiligabend drastisch verschärft.

18:30 Uhr: Weihnachtssauna. Die Herren Maus wollen eigentlich lieber an ihrem neuen Lego weiterbauen, kommen dann aber doch für zwei Saunagänge mit, weil es so schön ist, dampfend auf der Gartenbank neben dem Weihnachtsbaum zu sitzen. Nebenher essen wir, süss und salzig und gesund und ungesund durcheinander, draussen, drinnen, wie jeder will. (Ich trinke alkoholfreie Bierbrause – die mit den hübschen Kronkorken – und verstosse damit wenigstens gegen eine deutsche Saunaregel nicht.)

20:00 Uhr: Es wird ein Märchenfilm gewünscht. Zum Glück wurden und werden gerade mehrere neue ARD-Märchenfilme gesendet. Die „Regentrude“ ist schon immer mein Lieblingsmärchen gewesen, und der Film ist auch ganz prima. Wenn auch vielleicht nicht so gaaanz zu Weihnachten passend. Zum ersten Mal heute haben wir Zeit rumzubringen. Als der Film zu Ende ist, haben wir noch eine Viertelstunde Zeit, um uns anzuziehen. Gutes Timing!

22:00 Uhr: Wir waren dieses Jahr noch gar nicht Weihnachtslieder singen, und deshalb nutzen wir die allerletzte Chance. Womit wir nicht gerechnet hatten: in der Kitschkirche zweitgrössten Kirche der Stadt haben sich um diese Uhrzeit noch um die tausend Leute versammelt, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen, und wir finden kaum noch einen Platz. (Und leider quetschen sich dann kurz vor knapp direkt hinter uns noch zwei Männer, die zum traditionellen Weihnachtschinken offensichtlich schon reichlich Alkohol genossen haben und besonders lautstark und… äh… schön… mitsingen.) Eine Stunde lang singen wir fast das gesamte Weihnachtsliederheftchen durch, der Pfarrer ist sehr cool, und wir erfahren, dass Finnlands einziger Kantor, der sowohl Orgel spielen als auch Dampflok fahren kann, unser Singen begleitet, und er antwortet mit einem sehr echt klingenden Dampflokpfeifen von der Orgelempore.

23:30 Uhr: Die Kinder sind jetzt dermassen bettreif, dass sie direkt vom Flur ins Bad ins Bett gescheucht werden müssen. Wir wollten doch noch Bowle trinken, beschwert sich der kleine Herr Maus. Und er wolle eigentlich noch bis in die Nacht mit seinen Weihnachtsgeschenken spielen.

Hör zu, kleiner Herr Maus, sage ich, als ihm schon fast die Augen zufallen, zum Glück fängt Weihnachten ja gerade erst an.


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Advent im Erzgebirge: De Peremett

„Un wenn de Peremett sich dreht, is unner schennste Zeit!“, heisst es im bekanntesten erzgebirgischen Weihnachtslied, und das ist wohl wahr!

Als Kind hat mich von allen Weihnachtsdingen die Pyramide am meisten beeindruckt: wie sich der Spanbaum in der Mitte um sich selbst drehte, wie die Engel immer schneller dahineilten, je kürzer die Kerzen brannten, und welch sonderbare, vierfache Schatten die Pyramidenflügel an die Decke warfen!

Als Grundschulkind bekam ich meine eigene Pyramide, weil mein Vater zufällig eine bei einer Betriebsweihnachtsfeier geschenkt bekommen hatte und wir ja dann zwei hatten. Auf ihr rennen Rehe um eine Raufe, und sie hat mich und uns seither in jede neue Wohnung begleitet. (Praktischerweise braucht sie nur drei Kerzen, das spart eine Packung Pyramidenkerzen, die wir hier nicht kriegen, pro Saison!)

Am Dienstag verpackte ich unsere Pyramide vorsichtig in ihren Karton, verstaute den in der Fahrradtasche und fuhr sie für einen Nachmittag in den Hort, um den Kindern ein bisschen was über meinen Urlaub zu erzählen und gleichzeitig beim wöchtenlichen Wissenschaftsdienstag ein bisschen was mit Thermodynamik zu machen.

Weil im Erzgebirge zur Weihnachtszeit aber alles noch ein bisschen wundersamer ist als anderswo, gibt es dort nicht nur Pyramiden für drin, sondern auch grosse für draussen. (Die funktionieren freilich mit Strom, und ich liebe das leise Brummen, mit dem sie sich auf den stillen Plätzen kleiner Ortschaften drehen.)

Die älteste dieser Pyramiden dreht sich seit 1934 in Schwarzenberg. Und obwohl nach der Wende noch etliche dazugekommen sind, gab es schon in meiner Kindheit so viele, dass wir oft an den Adventswochenenden, abends, wenn es dunkel geworden war, auf „Pyramidentour“ gingen und von einer zur anderen fuhren. (Das, was wir jetzt auch mit unseren Kindern machen, wenn wir im Advent im Erzgebirge sind.)

Manche haben die Form eines Weihnachtsbaums, manche den eines Förderturms oder eines Huthauses. Sie haben weisse Flügel oder rote oder blaue oder welche mit Sternen drauf oder welche aus Metall. Alle haben sie mehrere Stockwerke, auf denen geschnitzte oder gedrechselte Figuren gemächlich im Kreis laufen: Kurrendesänger, Engel, manchmal die heilige Familie, Bergleute natürlich und alle Berufe vom Holzweibel bis zum Schuster, die es im Erzgebirge gab und gibt – auf manch einer Pyramide ist auch ein Bergmann mit Presslufthammer oder ein Waldarbeiter mit Motorsäge zu sehen. Und auf einer meiner Lieblingspyramiden gibt es ganz viele Spanbäume! Diese Ortspyramiden sind klein oder gross und sie sind alle – mit Ausnahme der grössenwahnsinnigen neuen Pyramide in Johanngeorgenstadt – eine schöner als die andere!

(Überhaupt gar nichts mit einer erzgebirgischen Pyramide zu tun haben die unsäglichen Fresspyramiden aus Pappe, die neuerdings auf allen grossen deutschen Weihnachtsmärkten stehen!)

Zu Hohneujahr werden sie übrigens alle wieder abgebaut, die Figuren vorsichtig verpackt und eingelagert, um dann zu Beginn der nächsten Adventszeit wieder aufgebaut und vielerorts mit einer kleinen Zeremonie feierlich wieder „angeschoben“ zu werden.


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Weihnachten wie immer

„Nein, Mama, wir wollen alles so machen wie immer!“, protestierten drei Kinder, als ich vorschlug, dieses Jahr vielleicht nicht mehr zum Kindergottesdienst zu gehen, sondern ein bisschen später zu einem anderen.

Unser Weihnachten war also wie immer: mit Weihnachtsfriedensverkündung, Milchreis (der unterm Federbett quillt in unserem Bett schläft, während wir weg sind) zum Mittagessen, Kindergottesdienst, Geschenken unterm Baum und Weihnachtssauna.

Und mit -10 Grad und Schnee!!!
(Und das ist sehr viel mehr, als wir an einem „Weihnachten wie immer“ erwarten dürfen!)

Mein schönster Moment des Tages – neben dem, als alle schon aus der Kirche hinausströmten und der Organist noch in der kerzenbeleuchteten Kirche Händels „Ave Maria“ spielte – war dann auch, nach der Sauna dampfend auf der Bank im verschneiten Garten neben dem schneebedeckten, funkelnden Weihnachtsbaum zu sitzen.


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Wie im Bilderbuch

Als ich letzten Dienstag mit den Kindern wieder 150 km nach Norden fuhr, um den zweiten Teil unserer Skiferien anzutreten, kamen wir kurz vorm Ziel an einer einzeln stehenden, im Abendlicht leuchtenden, kleinen Kirche vorbei. „Guckt mal“, rief ich den Kindern zu, „die sieht ja aus wie die Koiramäki-Kirche!“

Koiramäki („Hundehügel“) ist ein historisches, von Hunden bewohntes Dorf aus den Bilderbüchern von Mauri Kunnas – der auch unser liebstes Weihnachtsmannbuch gemalt und geschrieben hat – die den Kindern auf kurzweilige Art das Leben auf dem Lande vor 200 Jahren nahebringen sollen. Vor Weihnachten erst hat der kleine Herr Maus das Buch über den Weihnachtsgottesdienst in der Kirche von Koiramäki gelesen!

Am nächsten Tag sassen wir mit unserer Gastgeberin in der Sauna und kamen vom Hölzchen aufs Stöckchen und erfuhren eher zufällig, dass die Kirche, die wir gesehen hatten, nicht nur aussieht wie die Koiramäki-Kirche, sondern tatsächlich das Vorbild für die Koiramäki-Kirche ist! 1997 brannte die 500 Jahre alte Kirche, die in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen werden sollte, vollständig ab, als ein Einbrecher seine Spuren verwischen wollte. Mauri Kunnas zeichnete daraufhin das Weihnachtskirchenbuch und spendete den gesamten Verkaufserlös für den Wiederaufbau, eine grosse finnische Papierfirma spendete das für den Druck des Buches benötigte Papier. Über 1000 Leute halfen ehrenamtlich beim Wiederaufbau.

Nun steht sie wieder. Und es war klar, dass wir auf dem Rückweg da unbedingt nochmal anhalten müssten.

„Mama! Mama! Das ist ja wirklich die Kirche aus dem Buch!“, juchzten drei Kinder von der Rückbank, als ich auf die kleine Zufahrtsstrasse einbog. „Das ist so toll!“

Der kleine Herr Maus wollte sich gern auch noch die Kirche von innen angucken: „Da sind doch die schönen Bilder an der Emporen. Da, wo auf einer Seite nur die Männer sitzen durften und auf der anderen die Frauen!“ Aber dafür müssen wir, wie das in Finnland so üblich ist, im Sommer nochmal wiederkommen.


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Jeden Tag eine gute Tat

Immer am Donnerstag nach Weihnachten gehen die Pfadfinder die vielen, vielen Grabkerzen, die hier nicht nur zu Allerheiligen, sondern auch am Heiligabend auf den Friedhof gebracht werden, einsammeln.

Wir gehen immer, wie viele andere, mit der ganzen Familie hin, und in allerhöchstens einer Stunde ist die ganze Sache erledigt. Obwohl jedes Mal zwei riesige Container mit Plastemüll und zwei Mülltonnen voller Blech zusammenkommen.

Hinterher Abstecher zur Bibliothek, heisses Bad, weiter mit Ferien.