Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Urlaubsrückblick (1): Im Bergrausch

Wenn ich eines in Finnland vermisse – ausser Essen, das nach was schmeckt – dann sind es Berge. Meer und Seen und Wälder und Moore sind ja schön und gut, aber die Bergsituation in Finnland wird sehr treffend durch den Umstand beschrieben, dass Norwegen sogar erwägt, Finnland zum 100. Geburtstag einen Berg zu schenken.

Stichwort Norwegen. Mir war ja bisher aus unerfindlichen Gründen gar nicht so klar, dass wir, um echte Berge zu erleben, gar nicht bis „nach Europa“ fahren müssen. (Unser diesjähriges Sommerurlaubsziel haben wir gewissermassen Luthers sowie meiner Bekannten Anja, die vor einem guten Jahr von Turku nach Bergen gezogen ist, zu verdanken. Ohne ihre vielen Wanderbilder wäre ich immer noch lange nicht auf die Idee gekommen.)

Wir wollten uns nicht auf irgendein Gebiet festlegen, und deshalb kauften wir eine Überfahrt nach Stockholm, packten das Zelt ins Auto und fuhren los. Wir hatten nur einen ganz vagen Plan – erst so lange nach Westen, bis wir endlich die Berge erreichen würden, und dann irgendwie, grob immer an der Küste entlang, weiter nach Norden, um dann oben um die Ostsee herum wieder nach Hause zu gelangen.

Als wir am ersten Abend unser Zelt direkt an einem Bergsee aufstellten und ich auf ut.no gleich noch eine nette kleine Wandertour für den nächsten Tag in der Nähe fand, war ich vollkommen am Ziel meiner Wünsche.

Berge! Richtige Berge!!!


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Im Arzgebirg is wahrlich schie…

Sechs Tage waren sehr kurz.

Aber immerhin. Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt. Wir haben uns die Sonne auf die Nasen scheinen lassen. Wir sind über, unter und in den Wolken gewandert und sind sogar durch Schnee gestapft. Ich habe einen Besuch gemacht, der mir sehr am Herzen lag. Wir haben Schnitzel gegessen und Bratwurst und Krapfen und Zuckerwatte und Waffeln mit Schlagcreme. Wir haben uns beleuchtete Fenster angeguckt und sind abends von Pyramide zu Pyramide gefahren.

Es war so schön, wie es im Advent im Erzgebirge nur sein kann.


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Home sweet home

Die Uhren eine Stunde vorstellen. Zweihundert Säcke und Kisten auspacken. Die Salzkruste vom Auto waschen lassen. Das Auto wieder mit Spikereifen versehen lassen. Milch und Obst einkaufen. Die Post von den Nachbarn holen. Den Weihnachtsbaum aufstellen. Den Weihnachtsbaum schmücken. Abends kurz vor acht noch schnell ein Päckchen von der Post und eins aus dem Paketautomaten holen.

(Es ist sehr praktisch, grundsätzlich früh aus dem Urlaub zurückzukommen.)

Und jetzt: Weihnachten.


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Komische Dinge

„Ach so, sowas wie ein Engelsgeläut…!“
„Sooo gross?!“
„Kann man da mitfahren?“
„Stehen die das ganze Jahr da?“
„Ach da sind nicht nur Krippenfiguren drauf?!“
„Bergmänner?!“

Oder: warum es so schwer ist, zu erklären, woher das Funkeln in unser aller Augen kommt, wenn wir von der bevorstehenden Reise erzählen.

(Wir rutschen dann jetzt mal mit unseren amputierten Winterreifen vorsichtig zum Hafen und durch Schweden. )


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Urlaubsreif

Solche Wochenenden treten seltsamerweise fast ausschliesslich im November auf.

Und zwar unabhängig vom Alter der Kinder. Von Freitagabend bis Sonntagabend Gebrüll, Geheul und Gezänk schaffen auch Zehn-, Acht- und Sechsjährige noch. (Es hat auch nur mässig geholfen, dass das Fräulein Maus eigentlich den ganzen Sonnabend auf einem Wettkampf war, und dass wir gestern auf Wunsch aller in der Eisbadesauna waren.) Ein Kind musste dann gestern Abend vor der Maus ins Bett. Ein anderes sorgte dafür, dass auch keine Gute-Nacht-Geschichte gelesen wurde.

Aber als wir uns ins Bett schlichen, lagen die beiden Streithammel engumschlungen friedlich schlafend unter einer Decke. ♥

Vielleicht sind wir alle im November – wegen finster und keine Ferien seit August – einfach nur schrecklich müde und fertig. Die Aussicht auf dieses Jahr gerade mal eine Woche und drei Tage Weihnachtsferien hilft auch nicht wirklich dabei, die Zähne einfach noch ein paar Wochen zusammenzubeissen.

Wir schaffen da jetzt einfach selber Abhilfe. Und machen Adventsurlaub. In der Haamit.

Der Rektor hat auch schon gute Reise gewünscht.

Vier Wochen noch.
Augenzuunddurch.


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Trängselskatt: [schwed.] Stausteuer

Diese Woche bekamen wir Post aus Schweden.

Wir hatten sie schon erwartet, denn wir wussten, dass die „Stausteuer“, die wochentags in der Stockholmer Innenstadt – und irgendwie müssen wir ja vom Hafen auf die Autobahn und wieder zurück kommen – erhoben wird, auch von Ausländern eingezogen wird.

Der Bescheid war komplett auf Finnisch, die Rechnung schon fertig in Euro umgerechnet. Famos. Zu zahlen waren: 1,61 €.

Nun kann man sich ja fragen, ob sich dafür der ganze Aufwand lohnt. Aber ich finde es prima. Ich bin ein grosser Fan von derartiger Gleichbehandlung.

Und ich komme bis heute nicht darüber weg, wie ein deutscher Politiker ernsthaft eine Maut nur für Ausländer vorschlagen kann.


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Deutschlandreise: Sand in seiner schönsten Form

„Lass uns hinterher noch ein paar Tage in die Sächsische Schweiz fahren!“, schlug ich dem Ähämann vor. „Wenn wir schon einmal in der Nähe sind…!“

„Ach, komm, wir fahren eine ganze Woche!“, sagte der Ähämann, und ich stimmte freudig zu. Sollte das Wetter schlecht sein oder uns langweilig werden, dann wäre da ja auch noch Dresden in der Nähe mit jeder Menge toller Dinge zum Angucken.

Was soll ich sagen… wir waren auch diesmal wieder nicht im Hygienemuseum. Denn man kommt ja zu nichts, wenn jeden Tag die Sonne scheint und noch nicht alle Stiegen begangen sind…!

Gleich am ersten Tag juchzten alle drei Kinder vor Begeisterung – und schrien fortan täglich nach „Leitern in Felsspalten“ sowie Aufstiegen, die mit „schwierig“ beschildert sind. Wir taten unser Bestes, unsere Routenplanung nach diesen Forderungen auszurichten, Touristenmagnete wie die Bastei oder die Festung Königstein weiträumig zu vermeiden, und hatten die schönste Wanderwoche seit ewig.


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Deutschlandreise: Wandern mit Aussicht

Um Jena kann man einmal auf halber Höhe auf den Kalkbergen – entlang der sogenannten Horizontale – herumwandern. Wenn man dabei jedes Seitental mitnimmt, dann kommt man insgesamt auf ungefähr 100 km.

Die wandert natürlich niemand am Stück. Also eigentlich.

Neben allgemeiner Sehnsucht und einem dringend nötigen Fahrradkauf war einer unserer Gründe für den Jena-Urlaub – und zwar eine Woche bevor für unsere beiden Schulkinder die Sommerferien anfingen – dass der Ähämann mal wieder wie zu Studienzeiten bei der jährlich stattfindenden 100-Kilometer-Wanderung rund um Jena mitlaufen wollte.

Aber. Damals liefen, wenn es hoch kam, 100 Leute. Jetzt wälzen sich 1000 Leute – und wenn die Teilnehmerzahl nicht begrenzt wäre, wären es vermutlich 5000 – die schmalen Pfade entlang. Anja hat aus ähnlichem Anlass sehr schön beschrieben, was einem, der die Wanderung von früher kennt, dabei sauer aufstösst. Und warum die Motivation, das Ding durchzuziehen, mit jedem hightechausgerüsteten Marathonläufer, der sich rücksichtslos an einem vorbeiquetscht, ins Bodenlose sinkt.

Als wir dann an den restlichen Urlaubstagen die schönsten Teilstrecken nochmal gemeinsam gingen, war das eine echte Freude.

Uns begegneten in all den Tagen insgesamt zehn Menschen.


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Deutschlandreise: Die Lieblingsstadt

Jena ist die einzige Stadt, die ich als meine Heimatstadt bezeichne. Dabei bin ich da weder geboren noch aufgewachsen noch habe ich irgendwelche Verwandtschaft da.

Selbstgewählte Heimat.

„Und? Hat sich viel verändert, oder?“, fragen immer alle. Kein bisschen. Fast alles ist auch 13 Jahre, nachdem wir weggezogen sind, noch am alten Platz. Anders als hier, wo die Geschäfte in der Innenstadt alle zwei Jahre Ringelpiez spielen und Cafés nach einem Sommer wieder verschwinden. Sogar die zwanzigseitige Speisekarte in der Jenaer Lieblingskneipe ist noch die gleiche.

Zum Turm hege ich übrigens – aller Kontroversen zum Trotz – eine grosse Zuneigung. Ich habe dort nicht nur – als er noch Uniturm war – im 26. Stock Kaffee getrunken und im 8. Stock Tschechisch gelernt und im Erdgeschoss Mittag gegessen und später jahrelang mit dem Ähämann Tanzkurs gemacht, sondern später – als er nicht mehr Uniturm war und ich auch ausstudiert hatte – sogar mal ein paar Monate lang im im 10. Stock gearbeitet, als sich das Umweltamt dort befand. Und von der damals funkelnagelneuen Aussichtsplattform das schönste – nämlich auf Augenhöhe – Feuerwerk meines Lebens gesehen.

Jena ohne Turm wäre gar nicht Jena.

(Und man könnte ja auch gar nicht so schön runter gucken!)