Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Einmal Utö und zurück

11 Kommentare

Das Wochenende haben wir grösstenteils auf See verbracht. Und es war noch viel, viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte!

Das Meer ist wirklich dick und lückenlos zugeeist.

So dick, dass die Fähre gut zwei Stunden länger braucht. Sieben Stunden von Pärnäinen nach Utö, und sieben wieder zurück.

Nicht einmal die grossen Schifffahrtsrouten sind offen. Nur offener. Mit so hüttenkäseartigen Eisklumpen, die die ganze Zeit rauschend zur Seite rutschen, wenn ein Schiff kommt.

Aber wenn die Fähre von der grossen Route abweichen muss, um eine kleine Insel anzufahren, dann quält sie sich durch dicke Eisschollen.

Die Häfen der meisten Inseln können nicht mehr angefahren werden. Irgendwo weit vorher werden die Passagiere aufs Eis gesetzt. Da steht auch schon einer in Nötö am „Hafen“ und wartet:

Wenn man so ausserhalb der Touristenzeiten fährt, dann reisen nur so ein paar Leute mit der Fähre: ein Rentnerehepaar fuhr zu seinem Mökki, ein Mann nach Hause nach Nötö, eine Frau nach Jurmo, um dort ihre fünf Schafe zu scheren. Die, die am Hafen warten, warten auf Post. Und die Zeitungen. Oder ihren neuen Saunaofen.

Und machen sich dann zu Fuss, auf Skiern oder mit dem Schneemobil auf den Heimweg.

Die Fähre fährt weiter.

Ich habe mich immer gefragt, wie das rein praktisch funktioniert. Wie das Schiff dann wenden kann, ohne das Eis zu sehr kaputtzumachen. Aber es muss ja gar nicht wenden, weiss ich jetzt. Es fährt einfach eine Runde.

(Erinnert irgendwie ein bisschen an eine Buswendeschleife.)

So ein, zwei Stunden bis zum nächsten „Hafen“…

(Hier wurde der Saunaofen abgeholt.)

Einmal wurden wir auch überholt.

Unsere Fähre fuhr ganz an den rechten Rand der Fahrrinne und hielt fast an, aber weil der Platz trotzdem nicht für zwei Schiffe gereicht hatte, scherte der Frachter aus und raste durchs Eis, als ob’s nichts wäre.

Im Sonnenuntergang, als wir fahrplanmässig schon am Ziel hätten sein müssen, kamen wir nach Jurmo.

Um acht waren wir am Ziel. In Utö gibt’s eine Lotsenstation, die fahren da mit ihren kleinen, schweren, orangenen Booten oft genug hin und her, dass die Hafeneinfahrt frei ist. Wir mussten nicht aufs Eis aussteigen. Aber das Anlegen dauerte auch etwas länger.

Brita hatte uns das Mökki, in dem ich alle meine Mäusefangnächte verbracht habe (bis auf die zwei oder drei, die wir bei ihr in der Schule auf dem Fussboden schliefen, weil das Mökki anderweitig ausgebucht war), vorgeheizt und kam uns zum Hafen entgegen. Das Mäuseknäbchen lehnte jegliche Beförderung („Willst du auf den Schlitten?“ „Ne!“ „Soll ich dich tragen?“ „Ne!“) ab und lief den halben Kilometer langsam, aber stetig ganz alleine, obwohl es für ihn schon längst Schlafenszeit gewesen wäre. Die Luft wurde ein bisschen dunstig, und der Leuchtturm schickte seine dicken Leuchtarme in die Nacht.

Zwei Lotsen kamen die Treppen vom Leuchtturmhügel zum Hafen heruntergeeilt, grüssten und fuhren los. Es war alles wie immer. Und doch ganz anders, so in Schnee und Eis. Manches viel grösser, und manches viel kleiner.

Nachts musste ich mal raus – im wahrsten Sinne des Wortes, denn im Mäusemökki gibt es kein fliessendes Wasser und auch keine Toilette – da war die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet, und nur noch der Leuchtturm leuchtete unermüdlich, und obendrüber war ein Sternhimmel, so einen habe ich das letzte Mal gesehen, als ich da draussen eine ganze Nacht lang Mäuse fangen war. Wenn es nicht so kalt gewesen wäre, ich hätte ewig da stehen und gucken können…

Am nächsten Morgen reichte die Zeit – denn die Fähre fuhr auch zwei Stunden eher als sonst aus Utö wieder ab – gerade noch für einen Abstecher zum Leuchtturmhügel auf dem Weg zum Hafen. Für einen Blick über die Insel.

Und einen aufs offene Meer im Süden. Das war nur von einer dünnen Eisschicht überzogen.

Die Wolken lösten sich bald auf, und die ganze Rückfahrt über herrschte wieder strahlender Sonnenschein.

Mit der Verbindungsfähre hier zwischen den kleinen Inseln unterwegs zu sein, war damals im Frühling schon so schön. Aber das jetzt, das war so schön, dass man es eigentlich gar nicht erzählen kann…!

(Und jetzt kann der Frühling meinetwegen kommen!)

11 Kommentare zu “Einmal Utö und zurück

  1. Ich habe es ja sonst nicht so mit Eis, Schnee und kalten Temperaturen, aber diese Fahrt stelle ich mir wunderbar vor und bin so ein kleines bisschen fernweh-neidisch.

  2. Also war jetzt wirklich das ganze Archipelago bis Aland zugefroren, so wie Du es Dir gewünscht hattest?? Hätte man da auch mit dem Auto hinfahren können?

  3. Es ist so wahnsinnig schön bei euch. Ich denke jedesmal, wenn ich deine bilder sehe, in Finnland muss ich auch mal eine Weile wohnen. Wenn es mich wieder nach Europa zieht. Aber nur ein Weilchen.

  4. Wunderschön. Danke für die tollen, tollen Bilder

  5. Wunderschöne Bilder. Was für einen tollen Winter ihr habt. Bei uns in Neufundland hat sich nicht viel getan, zugefroren ist schon gar nichts. Die Beschreibung des Eisbreis als „hüttenkäseartigen Eisklumpen“ hat mir besonders gut gefallen.

    • Ja, das ist wirklich ein aussergewöhnlich schöner Winter. Vor allem hier bei uns „im Süden“, wo sich in einem gewöhnlichen Winter Frost und Matschtauwetter den ganzen Winter über abwechseln. Wir versuchen ihn zu geniessen, so gut es nur geht – denn den nächsten derartigen Winter gibt es vielleicht in 10 Jahren. Wenn überhaupt.

  6. Ich hoffe ja das der Winter bei uns hier so langsam vorbei ist. Aber die Aufnahmen sind wunderschön und auch faszinierend. Gefällt mir super!

  7. Ohh, schön, deine Reiseberichte lesen sich soooooo schön. Man möchte sofort vorbeikommen und mit geniessen.
    Ich hätte auch gern mal die zugefrorene Ostsee besucht, ich stelle mir das traumhaft vor, bei Sonnenschein mit dem Schiff durch die Eisschollen schippern…..
    Naja der nächste kalte Winter kommt bestimmt!

  8. Pingback: Utö / Finnland | Stories & Places

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