Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Schulfreie Woche

Es widerspricht natürlich völlig dem Streikgedanken – aber unsere Familie geniesst den einwöchigen Lehrer*innenstreik gerade in vollen Zügen.

Man kann zum Beispiel mitten in der Woche Übernachtungsbesuch bekommen. Oder tagelang mit seinen fünf besten Schulfreund*innen mit dem Fahrrad durch die Gegend ziehen. (Wenn man Hunger hat, kann man auch, weil in der eigenen Familie das Mittagessen wegen des langen Ausschlafens erst später stattfindet, mit seinen Freund*innen zur Schule fahren und dort das kostenlose Schulessen, das auch in der Streikwoche angeboten wird, in Anspruch nehmen. Und dann trotzdem hungrig heimkommen, weil das Schulessen eben ist, wie es ist.)

Und man kann auch mitten in der Woche mitten am Schultag wandern gehen.

(Leider ist der schönste Wanderweg in der Nähe neuerdings ebenfalls durch einen Kahlschlag mehr oder weniger komplett zerstört. Seufz.)

Es werden noch immer überdimensionierte Fundstücke aus dem Wald nach Hause getragen.

Alles sehr schön.
Zumal in vier Wochen sowieso schon Sommerferien (Zwickt mich mal!) sind.


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So still und friedlich…

Seit vier Jahren – seit wir im Jahr zuvor im Gartenmarkt einen Weihnachtsbaum erwischt hatten, der, als wir am 4. Januar von einer Silvesterkurzreise zurückkamen, komplett grau und kahl war – haben wir einen festen Programmpunkt am Wochenende vor Weihnachten: im Weihnachtsbaumwald unseren Weihnachtsbaum aussuchen und absägen.

„Ihr findet wohl keinen Baum?!“, fragte uns ein Paar mit einem bärenähnlichen Hund, das ebenfalls mit Säge in der Hand durch den Wald streifte. „Finden würden wir schon einen, aber mit fünf Personen ist es ein bisschen schwierig, sich auf einen zu einigen…“, antwortete ich.

Am Ende rollte von den Kindern eins heftigst mit den Augen, eins rumpelstilzte und eins weigerte sich, die Säge rauszurücken, mit der ein Baum abgesägt werden sollte, der ihm nicht genehm war.

Weihnachtsvorbereitungen mit Kindern, so idyllisch…!

Unser Weihnachtsbaum in 15 Jahren?

(Schön war’s trotzdem.)


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Kürzester Weg

Als ich neulich mit der zentralen Zahnarztterminvergabestelle der Stadt Turku telefonierte, um einen Kontrolltermin für den kleinen Herrn Maus zu vereinbaren, sagte die Frau am Telefon: „In eurem Nachbarstadtteil wäre ein Termin frei. Kommt ihr da hin?“

Meine freudige Antwort „Ich weiss zwar nicht genau, wo das da ist, denn da waren wir noch nie, aber hinkommen tun wir prima, das sind zehn Minuten von uns mit dem Rad durch den Wald!“ verwirrte sie offensichtlich ein wenig, denn sie erklärte nicht nur, dass sich der Zahnarzt in der dortigen Schule befände, sondern auch, dass man da hin auch recht gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln käme.

In der Zeit, die wir von zu Hause bis zum Zahnarzt mit dem Rad brauchten, wären wir noch nicht mal bis zur Haltestelle der ersten von zwei benötigten Buslinien gelaufen gewesen.


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„Auf die Bäume ihr Affen…“

„… der Wald wird gefegt!“

Als der Ähämann und ich heute früh noch vor der Arbeit eine Runde im Wald laufen gingen, gingen andere schon ihrem Tagwerk nach: der zwei Kilometer lange Ringweg, der im Winter als Loipe dient, zu allen anderen Jahreszeiten aber zum Joggen und Nordic Walken benutzt wird – Radfahren ist offiziell verboten, aber darüber setzen wir uns üblicherweise grosszügig hinweg – wurde von Nadeln befreit.

Es gibt nichts, was es nicht gibt.


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Ein Samstag im September

Jetzt verkünden wieder alle, wie sehr sie den Herbst lieben. Und wie toll es ist, dass es endlich wieder kälter wird.

Wenn’s nach mir ginge, könnte es gern bis Ende Oktober warm bleiben. Und ab Anfang November Schnee liegen.

Immerhin gibt’s im Wald und im Moor keine Mücken mehr. (Und wenn man Glück hat, auch keine Elchfliegen.)
Und das Abendbrot kann man auch gleich im Vorbeigehen mitnehmen.

Ein Strand mitten im Wald! (Eiszeit lässt grüssen.)

Eine Baby-Kreuzotter.
(Die war wirklich winzig. Von weitem sah sie aus wie eine kleine Blindschleiche.)


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Frühling!

Dieses Wochenende ist der Frühling ausgebrochen.

Freilich, der Kompost ist noch gefroren. (Weswegen aus dem Erdesieben und Kompostumsetzen dann doch noch nichts wurde.) In dunklen Ecken liegen noch letzte angegraute Schneereste. Auch der Waldboden ist bis auf die oberste dünne Schicht noch steinhart gefroren.

Aber wir hatten fast 20 Grad. Und Sonnenschein von früh um sechs bis abends um neun. Und wolkenlosen Himmel.

Wir fanden die ersten Gänseblümchen im Garten und die ersten Leberblümchen im Wald. Hummeln und Zitronenfalter torkelten von Blüte zu Blüte. Wir assen alle Mahlzeiten auf der Terrasse. Wir tauschten die dicken Federbetten gegen die dünnen Sommerdecken aus. Ich wusch alle unsere Anoraks und Winterstiefel (Kein Satzbaufehler – unsere kuscheligen finnischen Kinderwinterstiefel kann man in der Waschmaschine waschen!), um sie dann jetzt endgültig wegzuräumen. (Ich war schon mal so weit gekommen, aber dann fuhren wir sechs Stunden übers Meer und verbrachten vier Tage auf Utö, wofür wir beides nochmal dringend brauchten.)

Auf dem Hof ist, wie jedes Jahr, Bullerbü ausgebrochen. Die 15 Nachbarskinder zwischen 6 und 16 verbringen immer noch am liebsten jede warme Minute gemeinsam draussen. (Der 16-Jährige und der 12-Jährige spielen neuerdings draussen gemeinsam Schach.) Am liebsten hätten sich unsere Kinder von Freitagnachmittag bis Sonntagabend nicht von unserem Hof wegbewegt.

Sie waren dann aber doch einverstanden, für zwei, drei Stunden in den Wald mitzukommen, dorthin wo der Berg mit der tollen Aussicht ist und wo wir letztes Jahr waren, als Uusimaa zugemacht wurde.

Die nächste Kaltfront kommt ganz sicher. Am Donnerstag voraussichtlich. Aber fürs erste war der Frühling schon mal ganz wunderbar.


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Sowas wie Berge

„Wandern…!“, stöhnte der kleine Herr Maus gestern am Frühstückstisch. „Skifahren macht Spass! Aber Wandern…! Ausser in den Bergen. Auf hohe Berge wandern! Und über Felsen klettern! An Seilen und mit Leitern! Das ist toll!“

Tjanun. As close as  it gets.

(Der Wanderweg hatte zudem eine unseren Wünschen für den sonnigen Sonntag angemessene Länge. Lang genug, um Sonne, Waldluft und Vogelgezwitscher zu tanken. Kurz genug, um nachmittags noch im Garten werkeln (wir Eltern) und sich mit den Nachbarskindern austoben (die Kinder) zu können. Alle glücklich abends.)


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Märzsonne

Ich trauere der dieses Jahr fast in greifbare Nähe gerückten Möglichkeit, mal wieder einen richtigen März zu erleben, bis in den Frühling hinein skifahren zu können, noch hinterher.

Aber diese sonnigen Tage, an denen man nicht weiss – Ist noch Winter? Ist schon Frühling? – die sind schon sehr, sehr schön.


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Es ist gespurt!

So schlecht, wie der Winterdienst in Turku neuerdings funktioniert, so gut funktioniert neuerdings der Loipendienst.

Am Mittwoch schneite es den ganzen Tag – am Donnerstagvormittag fingen sie an, das ganze Turkuer Loipennetz mit der Pistenraupe abzufahren – als wir vom Schlittenberg kamen, wurde sie gerade auf dem Parkplatz an unserer Stadtteilloipe auf den Tieflader geladen, um zur nächsten Loipe gebracht zu werden – damit die Turkuer zum Wochenende fertige Loipen haben.

Danke! Das ist grossartig!

Müssen wir nämlich nicht erst nach Klein-Lappland oder an ähnlich weit entfernte Orte fahren dieses Wochenende.


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Lappland vor der Haustür

Egal, von wo wir seit einer Woche nach Hause kommen – in unserem Stadtteil ist es noch weisser und sind die Bäume doppelt so dick beschneit wie anderswo. Wenn wir aus dem Fenster gucken, fühlen wir uns, als wären wir im Blauen Mökki. (Nur die Rentiere fehlen.)

Kein Wunder, dass von allen Turkuer Loipen ausgerechnet unsere Stadtteilloipe fünf Tage lang keine Beleuchtung hatte, weil etliche Bäume unter der Schneelast – die ersten 20 cm waren ja sehr nass heruntergekommen und anschliessend an den Bäumen festgefroren – zusammengebrochen und auf die Stromleitung gefallen waren.

Dafür war sie gestern Abend – montags hat der kleine Herr Maus Zeit, mit mir vor dem Abendbrot noch eine Runde auf Skiern zu drehen – ganz frisch gespurt. Wir fuhren zwei Runden. Weil es sich so leicht dahinglitt. Und weil es so wunderwunderschön war.

(Und weil es vielleicht Ende der Woche zwei Tage regnen soll, bevor der grosse Frost zurückkommt. Hm.)