Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Überfüllter finnischer Wald

Auf dem Heimweg war noch Zeit für einen Nationalpark, in den ich schon lange mal wollte, der aber leider vier Stunden Autofahrt von uns entfernt ist.

Es gibt dort auf der beliebtesten, mittelkleinen Wanderrunde eine Hängebrücke, eine Fähre zum Sich-selbst-über-den-See-ziehen und einen Berg, auf den steile Treppen führen wie in der Sächsischen Schweiz, aber wenn man oben ist, könnte die Aussicht finnischer nicht sein.

Leider hatten ungefähr 2000 Leute die gleiche Idee. 2000 Leute mit 500 Hunden. Das war nach den stillen Tagen am See und im Herbstwald ein echter Kulturschock. Und weil es dort anscheinend immer so voll ist, waren leider auch die Wanderwege, bis auf den kleinen Umweg über den Berg, eher so Autobahnen statt schmaler Pfade.

Gut, dass wir nicht extra hingefahren sind, habe ich die ganze Zeit gedacht. Andererseits war der Umweg, den wir gefahren sind, ein echter Genuss. So schöne, leere Strassen durch so schöne Landschaft!


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Plan C

Plan A war: Wir fahren nach Venedig. Mit einer Nachtfähre und zwei verschiedenen Nachtzügen, denn der Weg ist ja bekanntlich das Ziel, und zum ersten Mal in acht Jahren hätten wir Zeit dazu, denn zum ersten Mal hätten wir eine ganze Woche statt zwei Tagen Herbstferien. Plan A gaben wir schon im Frühling auf.

Plan B war: Wir fahren nach Estland. Wie immer, nur eben diesmal eine ganze Woche. Plan B scheiterte vor zwei Wochen an den aktuellsten finnischen Reisebeschränkungen.

Plan C war: Wir fahren in irgendein Mökki an irgendeinen finnischen See. Plan C war gar nicht schlecht.

Höhepunkt des Urlaubs: Klempner und Abpumpauto kommen. Das Fräulein Maus und der kleine Herr Maus springen ihnen noch im Schlafanzug entgegen und kommen erst nach Abschluss der Arbeiten wieder ins Haus. Klempner und Abpumpautofahrer freuen sich über das kindliche Interesse an ihrer Arbeit und geben schmunzelnd Auskunft. Und hinterher dürfen wir zur Entschädigung für 50 € Backwaren und lokale Produkte im Dorfladen kaufen.

(Plan C hätte gegenüber Plan A oder B auch den Vorteil gehabt – wir kamen extra schon gestern Abend zurück – dass der grosse Herr Maus heute mit den Pfadfindern zu einer lange geplanten Wochenendradtour hätte aufbrechen können. Vorgestern wurde die Radtour abgesagt, da sich mehrere Betreuer wegen Kontakts mit einem Coronainfizierten in prophylaktischer Quarantäne befinden. Tja nun. Besser wird 2020 wohl nicht mehr.)


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Herbstferien, herbstliche

Als wir vor sechs Jahren zum ersten Mal die vier Tage Herbstferien unseres Schulkindes in Estland verbrachten, regnete es ziemlich viel und war so kalt, dass wir dicke Überhosen und Anoraks trugen, und als wir auf den sieben Meter hohen Findling kletterten, schneite es zum ersten Mal in jenem Herbst.

Ich fand das ganz normales Wetter für Mitte Oktober. Aber alle unsere Herbstferien danach waren ausgesprochen sonnig.

Bis zu diesem Jahr. Dieses Jahr regnete es und nieselte, es war neblig und finster und dabei seltsam warm, so dass wir uns unterwegs einer Schicht Wollsachen nach der anderen entledigten. Zwei Stunden schien die Sonne in den vier Tagen.

Es war eigentlich genau so, wie der Herbst sein muss.

Im Mökki den Kamin und die Sauna mit riesigen Holzkloben anzuheizen und Kerzen aufzustellen und in unser neues Lieblingsspassbad zu gehen, fühlte sich bei dem Wetter auch gleich nochmal viel besser an. Wir waren ganz allein am langen, breiten Strand und im weiten Moor. Ich freute mich, weil ich schon ewig keinen Nebel mehr gesehen hatte. Und das Rot der Moore und das Gelb der Laubbäume leuchteten im Herbstgrau besonders stark, als ob in jedem bunten Blatt eine kleine Sonne steckte.

Wanderweg de luxe: mit durchgängigem Rutschschutz!

Baden wäre nicht verboten gewesen – es gab sogar eine Leiter ins Wasser! – nur ins Wasser zu springen. Und erwähnte ich schon, dass ich Estnisch sehr niedlich finde?!


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Herbstliche Verschnaufpause

„Freust du dich schon auf die Herbstferien?“, fragte die Zahnärztin den grossen Herrn Maus, als ich mit ihm am Donnerstag mal wieder in der Lieblingszahnklinik war. Er nickte heftig. „Na, nur noch morgen Schule…“, sagte die Zahnärztin, und dann musste ich sie leider unterbrechen und sagen „Schön wär’s…!“, denn wir Turkuer haben auch in diesem Schuljahr wieder nur Donnerstag und Freitag frei.

Wir freuen uns alle sehr auf die Ferien, denn wir werden auch in diesem Jahr wieder das Beste draus machen. Aber wir fühlen uns diesmal nicht wie Marathonläufer kurz vor dem Ziel, sondern eher wie vor der Rast auf einer kleinen Wanderung durch sonnige Herbstwälder.

Nämlich. Das Fräulein Maus, das im Frühljahr zwischen der völlig verrückten Trainingsmenge von fünfmal die Woche mindestens drei Stunden von einer nicht völlig auskurierten Infektion zur nächsten und von einer Verletzung zur nächsten gestolpert ist, hat ungefähr im März beschlossen, dass sie nach der Saison aufhören möchte. Das war keine leichte und auch emotional eher schwierige Entscheidung: weil dieses Turnen genau ihr Ding ist, weil die Mannschaft so gut war, dass sie überall Medaillen abgeräumt haben – und weil der Flohzirkus ihre allerbesten Freundinnen waren.

Aber aufzuhören, wenn es am schönsten ist, ist ja nicht das Verkehrteste, und die Entscheidung sehr erleichtert hat dann letztendlich die Tatsache, dass ihre Mannschaft nach dem Sommer wegen ungünstiger Altersunterschiede sowieso komplett auseinandergenommen worden wäre.

Jedenfalls hatten wir schon lange keine Sommerferien mehr so ganz für uns – ohne Sommertraining und ohne schlechtes Gewissen, weil wir eben aus Gründen im Juni wegfahren und nicht wie alle anderen im Juli. Spätestens da hat sich die Entscheidung richtig angefühlt.

Seit Schuljahresbeginn geht das Fräulein Maus ein- bis dreimal in der Woche zum Training in rhythmischer Sportgymnastik, weil sie ganz ohne Turnen eben doch nicht kann, aber jetzt kann sie genau so viel oder wenig trainieren, wie es sich für sie gut anfühlt – ohne den Zwang, bei jedem Training dabeizusein, weil es sonst der ganzen Mannschaft schadet.

Das hat sich übrigens auch positiv auf den kleinen Herrn Maus ausgewirkt, der ja seit dem Frühjahr auch viermal in der Woche Training hat – und seit September neben Klavier auch noch Klarinette spielen lernt – der geht jetzt nämlich auch nur dreimal in der Woche zum Training, weil die Montagszeit für uns einfach nicht machbar ist, und er lässt auch mal ohne schlechtes Gewissen das Training am Sonntag oder Freitagabend ausfallen, wenn wir da schon irgendwas anderes vorhaben.

Der grosse Herr Maus hat mit Klavierspielen aufgehört und geht jetzt endlich – das hat er sich seit vielen Jahren gewünscht – zum Klettern, und sowohl zum Klettern als auch zu den Pfadfindern fährt er allein mit dem Fahrrad oder mit dem Bus. Gefahren werden muss eigentlich nur noch der kleine Herr Maus, der praktischerweise Klavier- und Klarinettenstunde am selben Platz und direkt hintereinander hat, wonach passenderweise das Fräulein Maus gleich noch von der Musiktheorie eingesammelt werden kann.

Jedenfalls haben wir jetzt sogar manchmal alle gemeinsam einen ganzen Abend frei, und das Fräulein Maus hat jetzt wieder Zeit zum Hausaufgabenmachen, zum Harfeüben, um zum Deutschunterricht zu gehen – oder um stundenlang Dinge für die Halloweenparty zu basteln, die sie für ihre Freundinnen aus ihrer alten Mannschaft geben will.

Das Beste an den diesjährigen Herbstferien ist, dass wir uns nicht mit letzter Kraft durch die letzten Schul- und Arbeitsstunden auf sie zuschleppen.

Das Allerbeste aber an den diesjährigen Herbstferien ist, dass sie die letzten sein werden, die nur vier Tage lang sind. Ab nächstem Schuljahr haben endlich auch wir Turkuer eine ganze Woche Herbstferien!


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Herbstferien, viel zu kurze

Vielleicht lag es daran, dass wir diesmal tatsächlich erst – nachdem wir am Mittwoch alle noch brav zur Schule und auf Arbeit gegangen waren – kurz vor Mitternacht ankamen: diesmal fühlten sich die vier Tage Herbstferien extrem kurz an.

Vielleicht aber waren sie einfach nur besonders schön und deshalb so schnell um.

Estland ist so wunderbar. <3


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Goldene Herbstferien

Estland ist nur eine kurze Schiffsreise von uns entfernt: nahe genug, dass es sich auch für vier Tage Herbstferien lohnt,und anders genug, dass es sich wie richtiger Urlaub anfühlt.

Deshalb besteigen wir, seit wir Schulkinder haben, zu Beginn jeder Herbstferien – wenn nichts dazwischenkommt – eine Fähre und fahren für vier Tage Richtung Süden.

Diesmal hatten wir eine extralange Anreise mit noch einer zweiten Fährüberfahrt, weil wir diesmal Urlaub auf Saaremaa machen wollten.

Dafür genossen wir vier Tage lang Sonnenschein, goldenen Herbst und Meer. Wir winkten hunderten Wildgänsen hinterher. Die Kinder sammelten kiloweise Hühnergötter und stellten einen neuen Wanderrekord auf, weil auch sie gern zu dem schiefen, verlassenen Leuchtturm wollten, den man nur zu Fuss erreichen kann. Wir bewunderten Windmühlen, kleine schiefe Kirchlein, einen riesigen Meteoritenkrater und Karstquellen. Wir begegneten Füchsen, Elchen und Marderhunden. (Und ausserhalb der Stadt, in die wir jeden Abend zum essen fuhren, ungefähr fünf Menschen.) Jeden Abend heizten wir die Sauna an, und wenn wir danach dampfend auf der Terrasse sassen, bestaunten wir die Milchstrasse, die ich zum letzten Mal im letzten Estlandurlaub gesehen hatte.

Estland ist weit und wild und wunderbar.

Ein Meteoritenkrater! (Echt jetzt!)

Estnischer Spielplatz abends halb acht: noch voller Kinder – und unsere sind nicht die lautesten!

Bis nächstes Jahr!


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Herbstferien!

Wir werden das Beste aus zwei Tagen Herbstferien machen. Also für uns diesmal drei, sonst kommen wir heute nicht mehr an. Sowas geht ja hier zum Glück ohne Androhung von Geldbussen oder Gefängnisstrafen. Und vielleicht kriegen wir Turkuer eines Tages auch noch eine ganze Woche Herbstferien wie alle anderen in Finnland…

(Kalenderbestellpost werde ich auch erst am Montag wieder beantworten.)


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Bilder gucken

Ist ja schon eine Weile her, dass wir im Turkuer Kunstmuseum waren.

Die beiden Grossen, die sich noch daran erinnern konnten, hatten immer mal gefragt, wann wir mal wieder hingehen würden.

Zur Zeit gibt es eine Sonderausstellung mit Werken von Helene Schjerfbeck, und anlässlich der Herbstferien sogar eine schatzsuchenartige Kinderführung.

Das war die Gelegenheit.

Die Führung dauerte eine halbe Stunde. Wir kamen trotzdem erst nach anderthalb Stunden wieder raus.


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Herbstferien (4): Hach, Estland!

Überhaupt mag ich Estland sehr. Vielleicht, weil es Finnland so ähnlich ist. Und doch ganz anders.

So viel Weite! So wenig Leute! Winzige Strässchen. (Und Autobahnen eine Autobahn, auf der man wenden darf. Oder muss. Wenn man zufällig in die Richtung will, in die es keine Auffahrt gibt.) Und die vielen Storchennester! Und die vielen Kuhherden! Und die Herbstfarben!

Restauriertes neben Verfallenem, Modernes neben Altmodischem. Das gefällt mir. Viel mehr als so “geleckte“ Urlaubsländer. In Estland findet man ausserhalb Tallinns nicht einmal eine Postkarte, die man als Souvenir erstehen könnte.

Natürlich fahren wir auch wegen des Essens nach Estland. Es ist ein bisschen schwierig, in der Nachsaison in einer Gegend, in der Dörfer aus fünf Häusern mit insgesamt siebzehn Einwohnern bestehen, ein geöffnetes Lokal zu finden. Aber wenn man einmal eins gefunden hat, kann man sich auch gut und gern vier Tage lang durch die Speisekarte essen.

Nicht mehr so dringend wie vor zwei Jahren war die Spielecke im Restaurant, die es in jedem estnischen Restaurant zu geben scheint. Dafür war die hier besonders toll: die Kinder konnten sich unter Anderem im Melken einer Kuh üben. Sie gab Wasser.

Vielleicht bin ich auch einfach deshalb so gern in Estland, weil alle Urlaube meiner Kindheit in Osteuropa stattfanden. Vielleicht können mich deshalb Vorsuppen zum Mittagessen, ukrainische Melonen im Supermarkt, rot-weiss gestreifte Industrieschornsteine und grün gestrichene Holzhäuschen so glücklich machen.


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Herbstferien (3): Durch Wald und Flur Moor

Schon, als wir unsere Herbstferienreise vor zwei Jahren planten,hatten die vielen Wanderwege aller Längen den Ausschlag für das Reiseziel gegeben. Auf den Seiten der estnischen Forstbehörde kann man sie sich alle vorher aussuchen, Beschreibungen lesen und Wanderkarten samt Weg-und Anfahrtsbeschreibung ausdrucken.

Längst nicht alles, was wir gern erlaufen hätten, haben wir in den vier drei Tagen damals geschafft. Inzwischen gibt es sogar schon wieder neue Rundwege. Da, wo wir letztes Mal nicht weiterkamen, spannt sich jetzt eine funkelnagelneue Hängebrücke über den kleinen, schwarzen Fluss.

Wir liefen einen „Kulturlandschaftspfad“ – der dennoch mitten durch den Wald führte – vorbei an alten Weidemauern, einer Baumschule, einer Sägemühle und einer Wolfsfalle. Am Anfang des Pfades standen die Türen eines kleinen Museums einladend offen – wir mussten nur den Lichtschalter finden.

Eine historische KinderWolfsfalle.

Und natürlich wollten die Kinder wieder zu den Bibern und auf den sieben Meter hohen Findling, der mitten im Wald liegt und auf den man mit einer Leiter klettern kann.

Gipfelrast auf Findling.

Komisch nur, dass die Wege alle irgendwie geschrumpft sind in den letzten zwei Jahren. ;-)