Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku

Bücher besitzen lesen

17 Kommentare

Es gibt ja diverse Studien (zum Beispiel zum Lernerfolg von Kindern), bei denen das Ergebnis an der Anzahl der Bücher im Haushalt festgemacht wird.

Das regt mich auf. Jedes Mal.

Sind wir nicht längst drüberweg über die Zeit, in der man sich meterweise Bücher mit hübsch repräsentativen Einbänden in die Wohnung stellte, um vorzutäuschen, wie gebildet man sei?! Aber Bücherregale machen immer noch was her. Mütter zählen sich gegenseitig vor, wieviele Kinderbücher ihre Kinder besitzen. Im Buchladen in einen Kaufrausch zu verfallen ist kein Zeichen mangelnder Selbstbeherrschung, sondern von… ja, was eigentlich? Irgendwas Erstrebenswertem jedenfalls.

Bei uns brauchte man gar nicht erst anfangen mit dem Bücherzählen. Also gut, unseren Kindern würde es nicht so ergehen wie meinem Klassenkameraden R., der bis zur siebenten Klasse jedes Jahr wieder, wenn jeder von uns ein Buch vorstellen musste, den „Geist Gnatz“ dabeihatte, weil das das einzige Buch war, das er besass. Aber gemessen an der Anzahl der Bücher, die wir besitzen, sind wir unteres Mittelfeld, höchstens.

Und zwar mit Absicht. Erstens nämlich haben wir gar nicht so viel Platz für Bücher. Natürlich gibt es in jedem Kinderzimmer ein Bücherregal und im Wohnzimmer ein paar Schrankfächer voller Bücher, aber für meterweise Bücher hätten wir einfach keinen Platz. Und zweitens – das viele Geld…! Sicher kann man sein Geld für weniger sinnvolle Dinge ausgeben als für Bücher – aber man würde sich ja auch sonst etwas, das man nur ein Mal benutzt, eher nicht kaufen. Und wie viele Bücher liest man tatsächlich mehr als einmal?

Wir haben – von Geschenken abgesehen – eigentlich nur Bücher im Haus, die wir vorher schon mindestens zwei Mal aus der Bibliothek ausgeliehen hatten und bei denen wir uns sicher sind, dass wir sie von Zeit zu Zeit immer wieder lesen werden. Spart Platz, Geld, Papier und ausserdem Enttäuschungen, wenn das Buch dann doch nicht den Erwartungen entspricht, die man beim Kauf hatte.

Wir haben hier natürlich gut reden.

Als ich diese Woche zwischen Den-grossen-Herrn-Maus-zum-Deutschunterricht-bringen und Den-kleinen-Herrn-Maus-aus-dem-Kindergarten-holen schnell in die Bibliothek springen wollte, um den Herren Maus Lesenachschub zu holen, und mir, als ich mein Fahrrad im Innenhof im Nieselregen abschloss, die Fenster unserer wunderbaren Kinderbibliothek so anheimelnd entgegenleuchteten, da hatte ich kurz den sehnsüchtigen Wunsch, da einzuziehen. Mich in aller Ruhe durch ein Buch nach dem anderen zu lesen und nie wieder in das Mistwetter hinauszumüssen.

Früher habe ich auch lieber Zeit in Buchhandlungen verbracht als in Bibliotheken. Das lag vor allem daran, dass in den Bibliotheken die Bücher alle irgendwie alt und abgestossen waren, es in den Buchhandlungen aber Bücher gab, die nicht nur unbenutzt, sondern auch wirklich neu waren.

Jetzt bin ich jedes Mal erstaunt, dass es jedes Mal, wenn ich in die Bibliothek komme, neue Bücher auszuleihen gibt. Neu im Sinne von „Habe ich vorher noch nie dort gesehen“ als auch im Sinne von „Neuerscheinung“. Und ich kann die einfach alle, soviele ich tragen kann, mitnehmen…! Die Freude an den Büchern wird nicht dadurch geschmälert, dass ich mich für eins oder zwei entscheiden muss, weil mehr mein Budget nicht hergibt…!

(Und wir müssen nicht einmal finnische Bücher lesen, dank des riesigen – und ebenfalls kontinuierlich erneuerten – Angebots an deutschen Büchern.)

Vielleicht könnte man ja endlich mal anfangen, Ergebnisse von Studien nicht an der Anzahl der Bücher im Regal, sondern an der Anzahl der Bücher, die tatsächlich gelesenen werden, festzumachen…

17 Kommentare zu “Bücher besitzen lesen

  1. Also bei mir stehen mittlerweile auch nur noch Bücher, die ich immer wieder lese.. und das sind trotzdem etliche 🙈 Bilderbücher bekommen hier auch regelmäßig Zuwachs, da die Große ein Vielleser ist (und ich zugegeben auch total verrückt bin nach schönen Bilderbüchern). Ich würde zwar auch gerne öfter in die Bibliothek (haben auch einen „Elterntarif“-Ausweis, der ist kostenlos und man kann damit jegliche Kinderbücher, -hörbücher und -spiele ausleihen!), aber das ist jedes mal 30 Minuten Autofahrt plus 15 Minuten Fußweg – pro Strecke. Das mit Kleinkind und Baby, ohne Kinderwagen in dem sich Kinder und Bücher transportieren lassen.. macht nicht sooo viel Spaß 🙈
    Bleiben noch EBooks, aber das ist nicht so meine Welt. Daher wird hier doch eher gekauft als geliehen.. hätte ich so eine tolle Bibliothek in Reichweite wie ihr, würde das sicher anders aussehen ;)

  2. Mir kam sofort wieder eine Erinnerung hoch (die ich als Kind/Jugendliche als so demütigend empfand), als mich Mitschülerinnen daheim besuchten und meinten, ich hätte ja so wenige Bücher. Wer trug damals kiloweise Literatur aus der Großstadtbibliothek heim…? Die hätte ich mir damals niemals nicht leisten können, als absolute Leseratte.
    Später wohnten wir nie in büchereinaher Wohnlage.
    Meine drei Töchter hatten dann irgendwann selber eine Sammlung wunderbarer Bilder-, Kinder- und Jugendbücher daheim. Was mache ich jetzt damit, nachdem sie ausgeflogen sind? Genau. Verschicken. Die kleinen Lockenmädchen in Vermont lieben zwar auch ihre tolle Bibliothek (in der ihre Mama oft auch arbeitet), die aber keine deutschen Bücher hat. Sehr tröstlich, dass eine zweite Generation sich noch sehr über die „Erbstücke“ freut.
    Eure Bibliothek sieht aber auch von außen sehr verlockend aus!
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Ein Grossteil unserer Kinderbücher ist auch noch von mir. Bücher kaufen war ja nicht so einfach bei uns – meine Mutter ging jedes Mal, wenn sie am Buchladen vorbeikam, hinein und guckte, ob es vielleicht doch irgendwas Schönes gab. Und weil man sie schon kannte, legte ihr die Buchhändlerin ab und zu für mich was zurück. So kam ich z.B. zu Wolkows wunderbaren Zauberland-Büchern, die sich unsere Kinder gerade mit Begeisterung vorlesen lassen… :-)

  3. Hallo Karen,
    als ich anfing euren Blog zu lesen, bin ich über das Bücherfoto des Vorlesetagebuches gestolpert.
    Was habe ich mich gefreut, die alten DDR-Kinderbücher zu entdecken, die zudem meistens gleich groß waren und es damit viel ordentlicher im Regal aussieht.
    Und nur dadurch bin ich auf eurem Blog hängen geblieben und hab ihn schätzen und lieben gelernt.

    Bei uns stehen auch etliche Bücher im Regal, aber bei dem Lesetempo unserer Kinder wäre ich schon längst arm, wenn ich alle Bücher hätte kaufen müssen und es nicht die Bibliothek geben würde.

    Es kommt doch schließlich darauf an, den Kindern überhaupt Zugang zu Literatur zu ermöglichen. Zu wissen, wo hole ich mir Informationen. Das kann heute sowohl das klassische Buch, der K*n*le oder auch das Internet sein.

    Mein schlimmstes Erlebnis war allerdings, als ich mit meiner Tochter in einen Haushalt ohne Bücher kam. Ihr war langweilig, ich fragte nach einem Buch und obwohl dort auch zwei Kinder lebten (das eine 10 Jahre alt), gab es keine Bücher. Schlimm fand ich das!
    Aber Hauptsache der Fernseher lief. Nun ja.

    Liebe Grüße aus Thüringen
    Sandra

    • Also wie man gar keine Bücher im Haus haben kann, ist mir auch unerklärlich…

      (Und ich bin so, so froh über unsere grosse Sammlung an DDR-Kinderbüchern. Bücher, in denen die Moral der Geschichte nicht mit dem Holzhammer vermittelt wird…! Geschichten in einer Sprache, die Kinder nicht auf dem Niveau von Zweijährigen hält…!)

  4. Ich gebe zu, ich bin da anders – ich will Bücher auch besitzen. Es gab auch eine Phase in meinem Leben, als ich sie loswerden wollte, weil ich es leid war, jedes Jahr wieder Bücher in Kartons zu packen und mit ihnen umzuziehen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Und ich vermisse die Bücher, die ich vor fünf Jahren für einen Appel und ein Ei verscherbelt habe. Jetzt denke ich manchmal, ach, der Steppenwolf, den könnte ich mal wieder, und ich finde ihn nicht und ärgere mich und schaffe ihn halt wieder an. Und wir haben den Platz und ich liebe Buchreihen, aber im Gegensatz zu dir keine neuen Bücher, ich liebe gebrauchte Bücher, die ich für einen Euro das Stück kaufe, im Antiquariat herumstöbern, online Schnäppchen machen – ich krieg nicht genug von Büchern. Ich will sie alle haben ;) Und mein Mann baut die schönsten passgenauen Bücherregale der Welt :)
    Sicher hat der Besitz von Büchern nichts damit zu tun, ob ein Kind liest, und wir besitzen auch kaum Bilderbücher, die holen wir aus der Bücherei, aber ein Buch da zu haben, wenn der Große aus dem Kindergarten kommt und sagt: Wir haben heute eine Geschichte aus Bullerbü gelesen, Mama, kannst du die mir auch vorlesen , und ich gehe zum Regal und ziehe diesen Band meiner Gesamtausgabe von Lindgren raus und sage: Na klar. – Das macht mich glücklich.

    (20€ habe ich für diese wunderschöne Gesamtausgabe bezahlt, kein Cent zu viel für so schöne Geschichten. Und die große Bücherei ist eine Autofahrt und eine Parkhausgebühr entfernt, aktuell keine Option für mich in meinem Alltag. Und nur die ehrenamtlich betriebene Kinderbücherei im Dorf, die macht mich nicht glücklich- die Kinder aber schon.)

    Grüße vom Dorf :)

    • Naja, einen gewissen Grundstock an Büchern braucht man schon, keine Frage! :-)

      (Ich kaufe oft gebrauchte Bücher, wenn ich eins dann doch unbedingt haben will, das aber im normalen Buchhandel schon längst nicht mehr zu kriegen ist…)

  5. Seit ein paar Jahren kaufe ich mir nur noch ganz selten mal ein Buch. Wir haben hier in Bremen eine sehr gut sortierte Bibliothek und ich (natürlich auch alle anderen Leser) kann Bücher, die ich gerne mal lesen würde, für die Anschaffung vorschlagen. Bis auf wenige Ausnahmen, sind alle Bücher von der Bibliothek angeschafft worden. Da zahle ich dann auch gern meinen Jahresbetrag.
    Ich lese noch nicht lange auf Deinem Blog. Durch Zufall habe ich ihn gefunden und finde sehr interessant, was Du über Euer Leben in Finnland und über das Land und die Menschen schreibst.
    Grüße aus Bremen,
    Juliane

  6. Unsere Stadtbücherei ist zwar sehr klein, aber auch wir schleppen regelmäßig Kinderbücher nach Hause – trotz der Mengen an eigenen Büchern, die wir hier haben. Ich selbst habe mir das Bücherkaufen inzwischen weitgehend abgewöhnt, weil einfach der Platz fehlt und ich die Kombination Onleihe und Reader unheimlich praktisch finde. Bei Bilderbüchern fürs Kind kann ich aber nach wie vor oft nicht widerstehen und auch der Mann kauft nach wie vor viele, viele Taschenbücher (liest sie aber auch mehrfach – kann sich aber leider nicht zu einem Reader durchringen).

    Ich hoffe ja immer noch, dass irgendwann der Knoten platzt und meine Tochter auch so eine Leseratte wird wie deine Kinder, aber sie tut sich nach wie vor sehr schwer. (Schwer für eine Mutter, die tagelang lesen könnte und das so gern ans Kind weitergeben würde.) Falls der Knoten tatsächlich irgendwann platzt und unsere kleine Bibliothek zu klein wird, hätten wir dann ja auch noch die zahlreichen Bibliotheken der benachbarten Großstadt zur Verfügung.

  7. Genauso sehe ich es auch. Ich war ja früher eine richtige Leseratte. Wenn ich mich festgelegten hatte, konnte ich stundenlang alles um mich herum vergessen. Als Kind war ich im Buch Lübeck der Bücherei und war stolz, einmal pro Woche die Ausleihe übernehmen zu dürfen. In der Zeit, als ich auf Kundschaft, ähm Leseratten gewartet habe, jinnte ich mich hemmungslos durch die Regale lesen. Schändlich war das. Dabei konnte man ja die Büchereien mit denen von heute nicht vergleichen. Oft waren die Bücher sehr verschlissen. In den Ferien haben wir dann Bücher repariert. Heute lese ich leider sehr wenig, weil ich dabei schnell einschlafe. Ich bin auch kein Freund von E-books. Ich will ein Buch in der Hand haben und es riechen, blättern können und auch mal ein Eselsohr machen können (natürlich nur in die eigenen). Für den Urlaub mögen sie ja praktisch sein. Obwohl ich da kaum gelesen habe, sondern lieber unterwegs war und mir was angeschaut habe.
    Puh, hätte ja fast ein eigener Blogeintrag werden können. Aber da hab ich auch schon eine Idee.
    So nun tschüsei ihr Leseratten
    Brigitte

  8. Neben meinem Monitor stehen Duden, Oxford Dictionary, Webster und Larousse de poche. Darüber jede Menge Unix/Linux, und auch sonst besitze ich überwiegend, notwendige, Fachliteratur.
    Allerdings ist die nächste Bücherbox nicht weit, und zahlreiche Cafés und Läden verfügen über offene Bücherschränke. Was Kinderbücher angeht, war das Angebot leider nie sehr groß. Wohl auch aus angst vor ansteckenden Krankheiten.
    Ich finde diese Lösung sehr gut. Schon weil die Bücher (Romane etc) die ich selber kaufe und lese, nicht als Staubfänger unnötig Platz wegnehmen ;-)
    Straßenbüchereien oder Bücherboxen sind allerdings nur durch privaten Einsatz/Patenschaft möglich!

  9. Ein Wort zu den Studien: so weit ich mich erinnere, ist den Bildungsforschern schon bewusst, dass sie da eine merkwürdige Zahl erheben. Sie machen es trotzdem, weil sich in verschiedenen Studien gezeigt hat, dass durchaus eine Korrelation zwischen der Anzahl der Bücher in einem Haushalt und dem Bildungserfolg (gemessen in Schulabschlüssen) der Kinder besteht. Dabei handelt es sich aber um Größenordnungen von 0,5 Regalmeter bis etwa 3 oder 4. Mehr Bücher machen ab dann wohl auch nicht mehr Erfolg. Es spielt bei dieser Korrelation auch keine Rolle, welchen Inhalt die Bücher haben.
    Seriöserweise wird diese Zahl dann auch eher als möglicher Indikator verwendet denn als kausale Erklärung…

    Viele Grüße :-)

  10. Bei meiner Mutter in der Wohnung stehen in jedem (!!) Zimmer ein paar Meter Bücher. Ok, nicht in Badezimmer und Küche, aber sonst überall. Ich finde das gemütlich, auch weil der Rest der Wohnung eher steril weiss und aufgeräumt ist. Da sind die Bücher als Ausgleich echt wichtig.
    Ich selber habe einen Schlüssel zu unserer Dorfbibliothek, weil ich ca. 1x pro Monat dort aushelfe. Darum brauche ich zu Hause selber keine Bücher mehr. Die, die ich schon vorher hatte, sind recht überschaulich in einem Regal. Etwa 4-5 Regale à 1 Meter übereinander. Die Jungs lesen nicht mehr so viel, darum habe ich jetzt ziemlich viele Kinderbücher, die wir ihnen gekauft hatten. Die werde ich aber aufheben. Für die Enkelkinder…. falls die dann überhaupt noch wissen, was Bücher überhaupt sind….. :-)

    Liebe Grüsse
    asty

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