Der erste Schock hatte sich schnell gelegt. Da es in Deutschland keine rückwärtsgerichteten Autositze für Kinder, die der Babyschale entwachsen sind, gibt, kauften wir dem Mäusemädchen eben hier einen. Fertig.

Lange dachte ich nicht mehr darüber nach. Aber irgendwann begann die Sache an mir zu nagen. Warum eigentlich nicht? Warum werden in einer deutsch-britischen Firma die besten und sichersten Kindersitze der Welt gebaut, auch solche, die man bis 25kg rückwärts benutzen kann – und die dann weder in Deutschland noch in Grossbritannien verkauft? Warum gibt es keine Elterninitiativen? Warum gibt es keinen Gesetzesänderungsvorschlag? Warum nimmt kein verdammter Händler einfach mal einen Reboardsitz in sein Sortiment auf und erklärt den Eltern, warum es besser wäre, so einen zu kaufen? Himmelherrgott, die Sache ist doch so klar! Oder… oder wissen die einfach alle nicht um die Problematik? Weil noch nie jemand von einem Reboardsitz gehört hat, geschweige denn einen gesehen hat?

Als die Sache mit den Kindersitzen für uns wieder aktuell wurde, weil das Mäusebaby endlich aus der Babyschale in einen Sitz kommen sollte, bei dem es aus dem Fenster gucken kann, mussten wir wieder neu überlegen, wie das Mäusemädchen nun die nächsten Jahre Auto fahren soll. Wir hatten damals für sie, da uns keiner der Sitze, die man später umdrehen kann, wirklich gefiel und sicher genug erschien, einen gekauft, der nur rückwärts einbaubar ist – mit dem Hintergedanken, dass das Mäusemädchen dann so einen vorwärtsgerichteten Gruppe 2 – Sitz ab 15 kg bekommt, wenn das nächste Mäusekind auf ihren Sitz umzieht. Allerdings ist das Mäusemädchen immer noch so klein und zierlich und hat noch gute 3 kg zuzulegen, bis sie so einen Sitz benutzen dürfte. Was also tun? Selbst hier in Finnland rieten uns die meisten Händler zu einem vorwärtsgerichteten Sitz – „Sie ist doch schon fast drei!“ – aber nein, so einfach wollten wir es uns nicht machen. Und belasen uns noch einmal ausführlich.

Und jetzt fahren weiterhin zwei rückwärts.

Und falls es tatsächlich nur der Mangel an Informationen ist, der Reboardsitzen auf dem deutschen Markt keine Chance gibt:

Childrestraintsafety.com ist eine prima Seite, die nicht nur erklärt, warum Rückwärtsfahren für Kinder so wichtig ist und auch typische Fragen beantwortet („Aber wo stecken die Kinder denn dann ihre Beine hin? Ist das nicht gefährlich?“), sondern sich auch mit Sicherheitsaspekten für grössere Kinder beschäftigt (warum man Kinder so lange wie möglich mit Fünf-Punkt-Gurten anschnallen sollte z.B.).

Und hier das ganze nochmal in kurzer, eindrucksvoller Videofassung: