Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Finnisches Wörterbuch: pillimehu

Ich sag’s mal gleich: pillimehu gehört neben karkkipäivä zu den mir am meisten verhassten Wörtern.

Pillimehu heisst wortwörtlich übersetzt: Strohhalmsaft. Also solche Trinkpäckchen mit aromatisiertem Zuckerwasser drin. Nun gibt es ja für alles eine Zielgruppe und ich muss dieses Zeug ja nicht kaufen – aber leider kommt man als Eltern in Finnland um pillimehu nicht herum.

Weil das finnische Kind im Alltag nämlich nur Wasser oder fettfreie Milch trinken darf, gilt pillimehu als höchster Genuss zu besonderen Anlässen. Seltsamerweise aber gibt es pillimehu nicht nur auf Festen und Feiern, sondern auch bei Wandertagen, nach dem Kinderturnen und auf Reisen. (Das sind dann übrigens die Anlässe, wo unsere Kinder, die normalerweise zum Essen Saft – also Frucht(!)saft – oder Kakao trinken, eine Wasserflasche dabeihaben.)

Ich bin offensichtlich inzwischen nicht mehr die einzige, die festgestellt hat, dass die strenge Rationierung von Süssem zu extremen Exzessen führt. Wenn die Kinder mal zu einem Fest in der Schule „ein paar Süssigkeiten und ein Getränk“ mitbringen dürfen, dann kommen unsere Kinder mit einer kleinen Tupperdose in Herzform, die wir einst zur Hochzeit geschenkt bekamen, in der sich eine Handvoll Gummibärchen oder ein Keks und ein Kinderriegel befinden. Ihre Klassenkameraden kommen mit 500g-Beuteln voller Süssigkeiten oder ganzen Chipstüten und mit 1,5-Liter-Limoflaschen. (Nein, ich übertreibe ausnahmsweise nicht!) Deswegen gibt es mittlerweile sehr klare Anweisungen von den Lehrern: maximal 100 g Süssigkeiten und ein halber Liter Limo!

Neulich kam der kleine Herr Maus am Tag vor irgendeiner Schulfestlichkeit nach Hause und sagte: „Wir dürfen keine Limo mitbringen diesmal, nur einen pillimehu.“ Da hört bei mir die Kooperation mit der Schule dann allerdings auf: weder gebe ich meinen Kindern Zuckerwasser, noch irgendwas, das aus mehr Verpackungsmüll als Inhalt besteht, irgendwohin mit.

Aber auch der kleine Herr Maus ging am nächsten Tag mit Pillimehu in die Schule:

(Orangensaft in die kleinste Flasche, die wir in unserem Verpackungsfundus finden konnten, gefüllt, gereicht mit einem Strohhalm aus einer Grosspackung, die seit zehn Jahren nicht leerer wird.)


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Vokabeln lernen

Bei uns läuft das ja so, dass nicht nur wir Eltern für die Wortschatzerweiterung unserer Kinder zuständig sind, sondern auch umgekehrt.

Mit einer augenrollenden Dreijährigen hat es angefangen.

Mittlerweile legen sie mir auf zu oft wiederholte Nachfragen – „Was war Weberknecht gleich nochmal auf Finnisch?!“ – nur noch wortlos Merkzettel hin.

(Sie geben einem so viel zurück…!)


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Voneinander lernen (2)

Ganz eventuell habe ich heute früh einen neuen finnischen Begriff geschaffen.

„Du hast aber lustige Zöpfe heute“, sage ich zur derzeit liebsten Kindergartenfreundin des kleinen Herrn Maus. „Weisst du, wie wir die in Deutschland nennen?“

Sie findet es sehr erheiternd.

Als ich wieder aufs Fahrrad gestiegen bin und Richtung Arbeit davonradele, steht sie draussen auf der Treppe, führt – abwechselnd ihre Zöpfe mit den Fingern schaukelnd und auf den kleinen Herrn Maus zeigend – jedem Neuankömmling ihre Frisur vor, und inzwischen steht eine ganze Horde Vorschüler um sie herum und stimmt fröhlich in ihr geträllertes „Apinakeinu! Apinakeinu!“ ein.


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Sehr kleine Dolmetscher

Neulich im Kindergarten durfte ich erleben, wie das wohl so sein muss, wenn der kleine Herr Maus von seinen Grosseltern abgeholt wird.

Da kam nämlich L.s spanische Oma gleichzeitig mit mir zum Abholen im Kindergarten an. ”Du, L., könntest du deiner Oma vielleicht erklären, dass…?” verhandelte die Kindergärtnerin mit dem Vierjährigen. Der schüttelte schüchtern den Kopf. Alle sahen sich etwas hilflos an.

”Wer kann denn mal Spanisch?”, überlegte die Kindergärtnerin laut. ”Ach, S.! Wer geht denn mal schnell S. holen?”, sagte sie, und ein Kind flitzte los. Und dann stand sie da, S., die Vorschülerin, und ging ernsthaft und stolz ihrer Aufgabe als Dolmetscherin nach.

(Das ist so, so toll mit den vielen Muttersprachen da!)


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kaksisataakaksikymmentäkolme

Letzte Woche war ich während der Klavierstunde des grossen Herrn Maus mit dem kleinen Herrn Maus in der Stadtteilbibliothek. Er suchte sich jede Menge Bücher aus, und das war diesmal viel leichter, denn er teilte mir mit: „Ich kann jetzt auch schon kleine Buchstaben lesen“, und das machte die Auswahl ungefähr dreihundertfünfundachtzig mal grösser.

Diese Woche war ich während der Klavierstunde des grossen Herrn Maus einkaufen. (Und begegnete auf dem Weg zum Supermarkt einer 223. Was nicht leicht war – also zu erkennen, meine ich – weil die Nummernschilder aller Autos gerade übelst verdreckt sind.)

Nächste Woche werde ich während der Klavierstunde des grossen Herrn Maus wohl wieder mit dem kleinen Herrn Maus in die Bibliothek fahren müssen. Den Büchervorrat von letzter Woche gegen einen neuen umtauschen.

Zwischen Frühstück und Abmarsch in den Kindergarten

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106], 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206], 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222]


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Kommunikation, neumodisch

Grosse Kinder sind ja wirklich praktisch. Und dass es hier ganz normal ist, dass jedes Schulkind ab der 1. Klasse ein Handy hat, auch.

Nicht nur, dass sie mich einfach anrufen, wenn nachmittags was ist – wenn ich mal nicht ans Telefon gehen kann, so wie letzten Freitag, als ich in einem Hörsaal sass und einer sehr spannenden Doktorarbeitsverteidigung lauschte, dann funktioniert auch eine Kommunikation per SMS.

(Fehlerfrei, beim Fräulein Maus, mittlerweile. Während der kleine Bruder „File Gryse fon grossem Herrn Maus“ schickt. Was ich ja im Grunde meines Herzens sehr viel süsser finde.)


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Kinderkram

Gestern rief mich das Fräulein Maus auf Arbeit an: “Mama, ich wollte doch heute zum Abendbrot die überbackenen Brote machen, die wir letztens in der Schule gemacht haben. Darf ich schon mal anfangen, die vorzubereiten? Und darf ich auch Nachtisch machen?” Läuft.

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Im Sportunterricht gehen derzeit sowohl die Drittklässlerin als auch der Erstklässler in den Wald und betreiben Orientierungslauf. Das Fräulein Maus, die, obwohl sie sich so drauf gefreut hat, noch kein einziges Mal im Sportunterricht Skifahren war, weil wir keinen Winter mehr hatten, seit sie in die Schule geht, findet das fast so gut wie Skifahren. Ich bin auch nur ein ganz kleines bisschen neidisch.

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Der grosse Herr Maus besitzt eine nahezu unbenutzte Fibel. Stattdessen besitzt er einen dicken Ordner mit Zusatztexten zur Fibel. Diese Zusatztexte gibt es mit Sil-ben-tren-nung für die, die schon ein bisschen, aber noch nicht so gut lesen können, und als ganz normale Texte für die, die schon lange lesen. Ich denke mit Grausen an meine Grundschulzeit, in der wir immer alle gemeinsam lesen mussten und vorblättern – oder überhaupt nur schon mal ein paar Zeilen schneller lesen als der jeweilige Vorleser – strengstens untersagt war.

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Neulich erlebte ich das kürzeste und unkomplizierteste Elterngespräch aller Zeiten: “Sie ist sehr brav im Unterricht, vielleicht ein bisschen zu ruhig. Naja, mit dem E., der neben ihr sitzt, giggelt sie oft, da muss ich dann manchmal kurz ermahnen. Draussen in der Pause kann sie ziemlich wild sein. Ihr Finnisch ist prima, Johanna und ich haben jetzt beschlossen, dass sie nur noch einmal die Woche zu ihr in den Finnischunterricht geht und die anderen Stunden bei den Muttersprachlern mitmacht. Hausaufgaben macht sie ganz gewissenhaft. Sie hat mir erzählt, dass sie ein bisschen Probleme mit V. hat, die stiftet sie an, M. zu ärgern. Ich hab’ mich ein bisschen gewundert, weil ich den Eindruck hatte, die beiden wären gute Freunde, aber ich hab’ ihr gesagt, dass so jemand natürlich keine gute Freundin ist. Also, läuft alles. Ich hab’ nichts zu meckern. Hast du noch was?” Ich bin sehr froh über den neuen Lehrer des Fräulein Maus.

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“Wie nennt ihr euren Lehrer eigentlich?” fragte der Ähämann neulich das Fräulein Maus. “Jussu.” Da sieh mal an. In Finnland darf man Lehrer nicht nur duzen, sondern sogar mit Spitzname anreden. Die ganze Klasse liebt ihn sehr.

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Der kleine Herr Maus bekam vorgestern zum ersten Mal Hausaufgaben. Alle unsere Kinder haben im Kindergarten mehr oder weniger von Anfang an und mehr oder weniger gut organisiert extra Sprachförderung gehabt, aber neuerdings kommt dafür eine extra Lehrerin in den Kindergarten. Die Hausaufgabe bestand darin, das im Kindergarten angefangene Bild fertig auszumalen und alle Dinge darauf, die sie im Kindergarten auf Finnisch benannt hatten, nochmal in der eigenen Muttersprache zu wiederholen. Das war natürlich ein helppo nakki für den kleinen Herrn Maus, trotzdem war er sehr stolz, richtige Hausaufgaben aufzuhaben.

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Überhaupt tut ihm die neue Kindergartengruppe sehr gut. Keine Spur von Rabaukentum mehr. Täglich schwärmt er vom tollen Spielzeug und den tollen Spielen und Experimenten, die sie in der Vorschulgruppe machen, wie schön das Füssekraulen vorm Mittagsschlaf ist, dass sie schon wieder ein neues Lied gelernt haben und welcher Buchstabe vom Wort der Woche beim Morgenkreis aufgedeckt wurde. (In ein paar Wochen kann er vermutlich lesen…)

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Auch nach einem Monat noch bin ich täglich erstaunt, wie enstpannt sich das Abholen aus dem Kindergarten gestalten kann, wenn nur noch ein Kind eingesammelt werden muss.

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Und wie gross Kinder in ein paar Wochen werden können.