Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Jeden Tag ein Fensterchen (4)

Wir hatten uns zu früh gefreut: natürlich fällt der letzte Schultag nicht einfach aus, nur weil die Kinder Fernunterricht haben.

Die Herren Maus hatten ihre Zeugnisausgabe letzte Schulstunde heute um neun, das Fräulein Maus halb zehn. Der Wecker klingelte trotzdem erst halb neun, denn der Schulweg war denkbar kurz. Die Achtklässlerin huschte im Schlafanzug vor ihren Schullaptop, um der Weihnachtsansprache ihres Rektors zu lauschen. Der kleine Herr Maus kam zehn nach neun schon wieder aus seinem Zimmer und verkündete: „So. Fertig. Ferien.“ Dann überlegte er kurz und verschwand nochmal zurück in den Videochat, weil ihm der Abschied von seiner Lehrerin – die die Klasse nach den Skiferien kurzfristig als Vertretung übernommen und noch nicht richtig kennengelernt hatte, als drei Wochen später die Schulen wegen Corona geschlossen wurden, aber den engagiertesten und tollsten Fernunterricht, den sich die Klasse nur hätte wünschen können, gemacht hat – so schwer fiel und er noch ein bisschen mit ihr reden wollte. „Wir haben Nelli gefragt, was sie jetzt macht, ob sie eine andere Klasse übernimmt, und sie hat gesagt, sie möchte gerne weiterhin Vertretungen machen, aber lieber nur tageweise, dann hat sie Zeit, einen Hühnerstall zu bauen. Sie will sich nämlich Hühner anschaffen.“ Hach.

Dann waren offiziell Ferien.

Eigentlich wollten wir heute unseren Weihnachtsbaum aus dem Wald holen. Aber es nieselte nicht nur wie vorhergesagt, sondern regnete in Strömen, und so verschoben wir das Vorhaben auf morgen.

So, wie wir auch unseren eigentlich für gestern geplanten Abendspaziergang zu den nächsten erleuchteten Fenstern im Museumsdorf auf heute Abend – da hatte es dann endlich aufgehört zu regnen; nur der Weg durch den Wald war eine einzige Rutscherei auf Matsch und nassem Gras – verschoben haben.

Wohin wir dieses Jahr an Heiligabend statt zur Weihnachtsfriedensverkündung und zum Kindergottesdienst gehen werden, wissen wir auch schon.


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Sommerferien minus 4

Finnland hat 6628 bestätigte Coronafälle.

Der grosse Herr Maus radelte heute Nachmittag um zwei zur Schule, um seiner Lehrerin – das hatten sie schon letzte Woche ausgemacht – seine Lehrbücher, die Bücher aus der Schulbibliothek und sein Schul-iPad, das die Sommerferien in der Schule verbringen wird, zu übergeben.

Der kleine Herr Maus schrieb sich mit seiner Lehrerin mehrere Wilma-Nachrichten hin und her, um abzusprechen, wann und wohin er seine Lehrbücher zurückbringen soll und wie er sein Zeugnis haben möchte: am Samstagfrüh in der Schule abholen oder per Post nach Hause geschickt bekommen.

Die Lehrerin des Fräulein Maus sagte bescheid, dass ihr Zeugnis mit der Post käme. Ihre Lehrbücher und ihren Schullaptop buckele ich morgen auf dem Weg zur Arbeit in ihre Schule.

Wir sind alle ferienreif. Sehr. So gut das alles mit Fernunterricht und Homeoffice funktioniert hat, so anstrengend war es auch. Auch wenn es sich eher gemütlich anfühlte. Aber mir persönlich hat zum Beispiel auch die ganze Ungewissheit und das Hinundher sehr viel Kraft geraubt.

Trotzdem fühlt es sich komisch an, dass in vier Tagen die Sommerferien anfangen sollen. Einfach so. Ohne feierliche Zeugnisausgabe mit Eltern. Ohne gleich am ersten Sommerferienabend in den Urlaub aufzubrechen. Fast habe ich sogar den vierwöchigen Feiermarathon vermisst.


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Koulu on loppu…

… ja elämä alkaa,
poissa on hoppu ja niuhotus muu.
Reksi saa hyppiä taas tasajalkaa,
vaan meiltä nyt oppi ja työ unohtuu.

On loma, pitkä ihana loma,
lämmin loputon loma,
nyt se vihdoin alkaa saa,
siksi iloitkaa!
*

Heute schon drei Zeugnisausgaben beigewohnt, das Ende einer Grundschulzeit gefeiert, zweimal das Suvivirsi und zweimal das Lied von den wunderbaren, unendlichen Sommerferien gesungen. Jetzt noch das Auto beladen und mit Umweg über eine Abiturfeier zum Hafen fahren. Sommerferien!!!


*Die Schule ist aus, das Leben fängt an, kein Stress mehr und Eile. Der Rektor darf wieder hüpfen und wir Lernen und Arbeit vergessen. Es sind nämlich Ferien, lange, wunderbare Ferien, warme, unendliche Ferien, jetzt fangen sie endlich an!


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22. Dezember

Heute war letzter Schultag und erster Ferientag zugleich.

Letzter Schultag, weil es Zeugnisse hier grundsätzlich am Samstagmorgen gibt, mit Eltern. Finde ich ja eigentlich nicht schlecht, aber wo die Weihnachtsferien sowieso schon so kurz sind…! Wir quälten uns heute also um 6:30 Uhr aus dem Bett, dann gingen die Kinder voraus in ihre Schulen, und wir kamen eine Stunde später nach. Der Ähämann nahm das Auto, ich den Tretschlitten. In der Schule sangen wir sehr lustige Weihnachtslieder, dann gab es Zeugnisse. Um zehn fingen endlich die Ferien an.

Statt Grossputz oder Weihnachtslebensmitteleinkauf machten wir die erste Skitour der Saison.

Den Kilometer Kunstschneeloipe, auf dem sich die Fitnessjünger drängten und fast über den Haufen fuhren, liessen wir links rechts liegen und bogen auf einen ausgedehnten Teil des Turkuer Loipennetzes ab, der zwar noch nicht gespurt ist, aber wunderbarst zu befahren war, und auf dem wir insgesamt drei Skifahrern begegneten. Ich wusste noch gar nicht, was für schönen Wald wir mitten in der Stadt haben…! Und es schneite einfach immer weiter und weiter und weiter…! Nur mit dem Tageslicht war es, am kürzesten Tag des Jahres, nicht weit her. Zum Glück sind die Loipen hier alle beleuchtet, sonst hätten wir uns seeehr beeilen müssen, rechtzeitig wieder zurück zu sein.

Die letzte Skitour zu Ostern, die erste kurz vor Weihnachten, dazwischen ein Rekordsommer. Was für ein wunderbares Jahr! <3


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Wollsocken im Klassenzimmer (3)

Weil mich von Zeit zu Zeit die immer gleichen Fragen per Mail erreichen – und der Dauerbrenner sind immer noch Fragen zum finnischen Schulsystem – dachte ich mir, könnte ich die ja auch mal eine nach der anderen hier beantworten.
Natürlich völlig unobjektiv auf meiner Erfahrung mit drei Grundschulkindern, die derzeit die Klassen 1, 3 und 5 besuchen, basierend.

Werden die Schüler in Finnland mit Noten bewertet?

Auf diese Frage kann ich leider keine eindeutige Antwort geben.

Die letzte, umfassende Lehrplanreform sah vor, dass die Kinder eher wenig bewertet werden und eventuell sogar erst in der Oberstufe, also in der 7. Klasse, zum ersten Mal Noten bekommen. Ausserdem sollte das Halbjahreszeugnis abgeschafft werden und nur noch zum Schuljahresende eine umfassende Bewertung der erreichten Lernziele gegeben werden.

Bei der Umsetzung des Lehrplans hat aber jede Gemeinde und sogar jede Schule einen gewissen Spielraum, so dass es weiterhin jedes Halbjahr spannend bleibt, wie nun die Zeugnisse unserer Kinder aussehen werden.

Bei uns ist das jetzt jedenfalls so, dass es in den ersten beiden Schuljahren auf jeden Fall keine Noten gibt. Die Schüler werden für – individuelle – Fortschritte vor allem mündlich, aber auch mal mit einem Stempel oder Aufkleber unter einer schriftlichen Aufgabe gelobt. So etwas wie Tests und Klassenarbeiten gibt es in den ersten beiden Schuljahren überhaupt nicht.

Ab der dritten Klasse gibt es Diktate, Vokabeltests, Mathearbeiten und Tests in allen Fächern, die zumindest in unserer Schule mit Noten bewertet werden. Das Fräulein Maus bekam allerdings auch letztes Jahr noch ein Zeugnis, in dem nur angekreuzt war, wie gut sie bestimmte Lernziele in jedem Fach erfüllt hat. Dieses Jahr wird sie, wenn ich das richtig verstanden habe, eins mit Noten bekommen. Beim grossen Herrn Maus weiss ich gar nicht. Wir warten gespannt auf nächsten Freitag. ;-)

Die Zeugnisse mit den Kreuzchen finde ich insofern besser, als sie ein detaillierteres Bild geben: es steht da zum Beispiel unter Englisch nicht nur eine Gesamtnote, sondern es wird getrennt bewertet, wie gut sich das Kind ausdrücken kann und wie gut es versteht. Das kann ja durchaus unterschiedlich sein.

Insgesamt spielen Noten in der Grund- und Mittelschulzeit keine grosse Rolle. Da alle bis zur neunten Klasse gemeinsam zur Schule gehen, braucht man ja auch kein objektives Kriterium für eine Empfehlung für eine bestimmte Art weiterführender Schule. Überhaupt wird sehr bewusst auf Vergleiche der Kinder untereinander verzichtet. Jeder soll motiviert werden, sein Bestes zu geben: und zwar nach seinen individuellen Fähigkeiten – nicht danach, wie gut oder schlecht der Rest der Klasse ist.

Das finnische Notensystem ist für mich persönlich übrigens das beste Mittel, keinen falschen Ehrgeiz bezüglich der Schulleistungen meiner Kinder zu entwickeln. Es gibt Noten von 4 bis 10. (In der Uni wird man dann mit Noten von 1 bis 3 bewertet.) 10 ist dabei die beste Note, und es gibt jede Menge Abstufungen: 10, 10-, 9 ½, 9… Die Kinder haben ein ganz gutes Gespür für die feinen Unterschiede und sind auch schon mal enttäuscht über eine 9 ½, aber für mich klingt irgendwie alles ab 8 phänomenal gut!

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Wollsocken im Klassenzimmer (1): Hausaufgaben
Wollsocken im Klassenzimmer (2): Individuelles Lernen


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1,20 €

Vor dem Hintergrund, dass hier jedes Schulkind sämtliche Bücher, Hefte, Stifte, Malsachen und Bastelutensilien kostenlos zur Verfügung gestellt sowie jeden Tag ein kostenloses Mittagessen vorgesetzt bekommt, hat mich die Nachricht, in der die Lehrerin darum bat, dem grossen Herrn Maus eine Briefmarke mit in die Schule zu geben, damit sie ihm – wir werden zur Zeugnisausgabe schon auf Reisen sein – sein Zeugnis per Post zukommen lassen kann, gerade sehr erheitert.


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kaksisataaneljä

Am ersten Sommerferientag mussten wir besonders zeitig aufstehen.

Zeugnisse gibt es hier nicht einfach am letzten Schultag, sondern feierlich mit Eltern am ersten Ferientag. Letzten Samstag also. Die ganze Woche schon war voller aussergewöhnlicher Aktivitäten gewesen – Frühlingskirche, Lesepicknick, Aufräumtag – und immer hatte das Fräulein Maus zeitiger losgemusst als sonst. Warum dann auch noch die Zeugnisausgabe von acht bis neun stattfinden muss, statt ferienfreundlich zum Beispiel von zehn bis elf, fragte ich mich nur so lange, bis mir wieder einfiel, dass ja am gleichen Tag die halbe finnische Bevölkerung kreuz und quer durchs Land reist, um an Abitur- und anderen Abschlussfeiern teilzunehmen.

Als wir am Nachmittag den langersehnten ersten Ausflug des Jahres nach Kasnäs machten, stellte sich heraus, dass das der beste aller Tage dafür war: wir waren fast allein. Auch die Strassen waren auffällig leer. Klar, die hockten alle auf irgendwelchen Abiturfeiern. Nur auf den Feldern waren die Bauern eifrig mit riesigen Traktoren zugange. Und die 204, die fuhr auch einfach so herum am ersten Ferientag.

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