Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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3. Advent

Gehustet. Skigefahren. Geschnieft. Weihnachtsbaumschmuck gebastelt. Gefiebert. Schnee geschippt. Beim Arzt gewesen. Die Schneeburg mit Treppen auf der einen Seite und einer Rutsche auf der anderen Seite versehen. Medizin geschluckt. Gelichtelt. Gehustet. Geschnieft. Gefiebert.

Sind die Chancen ganz gut, dass wir zu Weihnachten alle gesund sind.


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2. Advent

Die Adventszeit ist die schönste Zeit im Jahr.

Die geheimnisvolle Zeit, in der lauter wundersame Dinge passieren: die Wichtel bringen heimlich über Nacht die Adventskalender und nehmen die Wunschzettel an den Weihnachtsmann mit, der Nikolaus steckt kleine Geschenke in die Stiefel („Oh, wie schön! So eine Bimmel wollte ich schon immer für meine Eisenbahn haben! Woher hat der Nikolaus das denn bloss gewusst?“), und dieses Jahr brachten die Wichtel eines Nachts auch die sehnlich gewünschten und dringend für verschiedene Weihnachtsfeiern und –aufführungen benötigten Wichtelmützen für alle drei Kinder.

Wenn die Adventszeit da ist, darf man endlich die Weihnachtssachen aufstellen und jeden Tag nach Herzenslust lichteln – beim Frühstück, beim Abendbrot, vor dem Schlafengehen. Jeden Abend, wenn alle schon im Schlafanzug sind und die Zähne geputzt haben, kuscheln wir uns auf dem Sofa zusammen und lesen ein Kapitel der Geschichte, wie Petterson für Findus eine Weihnachtsmannmaschine baut. Jeden Abend dürfen die Mäusekinder entscheiden, welche Kerzen dazu angezündet werden – die Pyramide mit den Rehen, die kleine Kinderpyramide, das Engelsgeläut, das uns vor Jahren meine „finnische Mama“ geschenkt hat, das aber erst jetzt in der neuen Wohnung einen rechten Platz gefunden hat und sich grösster Beliebtheit erfreut mit seinem zarten Gebimmel, der Adventsleuchter oder die Kerzen von Engel und Bergmann (oder alle zusammen) – und ob der Nachtwächter mit dem roten Mantel sein Pfeifchen rauchen oder ob die Leute im Räucherhäuschen ihren Kamin anzünden sollen.

Damit nicht untergeht, worauf wir eigentlich warten in der Adventszeit, haben wir seit diesem Jahr endlich eine Krippe. Der Stall steht schon, Josef und Maria sind auf dem Weg. Jede Nacht rücken sie ein Stückchen auf der Kommode weiter. Vor ein paar Tagen sind auch die drei Könige aufgetaucht und ziehen von der anderen Seite langsam Richtung Stall. Noch bevor sie früh ihre Adventskalenderfensterchen öffnen, gucken die Mäusekinder, wie weit Josef und Maria und die Könige in der Nacht vorangekommen sind.

Dieses Wochenende waren wir uns angucken, wie die (reichen) Leute in Finnland früher ihre Wohnungen weihnachtlich geschmückt haben, und waren kurz auf dem kleinen, stillen Weihnachtsmarkt auf dem alten Markt. Das Fräulein Maus weiss genau, dass der Weihnachtsmann, der dort in einer Bude sitzt, nur als Weihnachtsmann verkleidet ist – und glaubt trotzdem mit kindlichem Ernst an den „echten“ Weihnachtsmann.

(Es ist der banalste Satz jeglicher Erziehungsratgeber – aber es gibt wirklich nichts Schöneres, als seinen Kindern Traditionen und Rituale zu geben.)

Für mich ist die Adventszeit immer auch Heimwehzeit. Ich vermisse die Schwibbögen in den Fenstern, die grossen Pyramiden auf den Marktplätzen und die kleinen Heimatmuseen mit Weihnachtsbergen und Buckelbergwerken. Aber es hätte schlimmer kommen können. Ich hätte in ein Land auswandern können, in dem Weihnachten gar nichts mit dem Weihnachten zu tun hat, wie ich es kenne.


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“Un wenn de Peremett siech dreht…

… is unner schennste Zeit!“

(Dieses Jahr zum ersten Mal kein Adventsheimweh. Nur Vorfreude. Vorfreude darauf, in zwei Wochen mit den Mäusekindern abends in Fenster gucken zu können, in denen Schwibbögen leuchten, in kleine Heimatmuseen mit ganz vielen Weihnachtsbergen drin zu gehen, über die Dörfer zu fahren und die Pyramiden auf den Marktplätzen anzugucken. Und Vorfreude darauf, zur Weihnachtsfriedensverkündigung wieder hier zu sein.)


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Jedes Jahr schöner

Letztes Jahr, da hat das Mäusekleinkind vor allem die brennenden Kerzen bestaunt. Und beim Spazierengehen jeden Adventsstern („Danndele!“) und jedes beleuchtete Weihnachtsbäumchen („Bäumche!“) kommentiert. Einen Adventskalender hatte sie auch, aber an das Öffnen musste man sie immer erinnern.

Dieses Jahr, das ist ihre erste richtig eigene Adventszeit. Die gleich mit zwei Enttäuschungen anfing. Ich hatte ihr erklärt, wie das funktioniert mit dem Adventskalender. Aber als das erste Fensterchen offen war, hiess es: „Jetzt DAS noch aufmachen!“ „Nein, das machen wir morgen auf. Gleich, wenn du aufgestanden bist! Aber jetzt können wir noch den Adventskranz anzünden!“ (Unser Adventskalender von den Pfadfindern fängt ja immer entweder am 1. Dezember oder am 1. Advent an, je nachdem was eher ist.) Als ich nach einer Kerze das Streichholz ausblies, hub erneut Protestgeschrei an: „Jetzt die ANDEREN noch anmachen!“

Jetzt weiss sie bescheid. Jeden Morgen läuft das Mäusekleinkind zuerst in die Küche, stellt fest: „Der Schwibbogen ist schon an.“ (der hat eine Zeitschaltuhr), strahlt und schaltet den Adventsstern und das Lichterbäumchen im Garten an. Dann wird der Adventskalender aufgemacht, das Bild kommentiert und ausserdem nochmal bekräftigt: „Das lassen wir jetzt offen!“. Auch mit dem Prinzip des Adventskranzes hat sie sich angefreundet: „Jetzt sind da schon wei Kerzen an!“ „Ja, und am Sonntag zünden wir die nächste an!“

Und abends, wenn es dunkel wird (so gegen halb vier ;-) ), kommt die schönste Zeit des Tages. Dann wird gelichtelt. „Jetzt die Pyramide anmachen!“, fordert das Mäusekleinkind. „Und das Räuchermännchen! Guck mal, Mäusebaby, das raucht! Hat ne Pfeife!“. „Und Mama soll auch Musik anmachen!“

Und das Mäusebaby? Starrt ganz fasziniert die Kerzen an. Und die Rehe, die sich auf der Pyramide drehen.

Und ich? Ich freue mich sehr. Und nächstes Jahr, nächstes Jahr, da sind die Mäusekinder gross genug, da fahren wir den Mäuseopa und die Mäuseoma besuchen im Advent! Denn, in Arzgebirg is wahrlich schi, wenn’s draußen stürmt un schneit. Un wenn de Peremett siech dreht, is unner schennste Zeit. Ja! *seufz*