Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Anschauungsunterricht Erneuerbare Energie

Was uns alle fünf immer wieder von neuem fasziniert, wenn wir in Deutschland sind, sind die Windkraftanlagen. Besonders im Norden, wenn wir gerade erst angekommen sind und die Windräder in riesigen Gruppen rechts und links der Autobahn stehen und mit den Armen wedeln. Oder wenn an der Autobahnraststätte auch ein Tieflader mit riesigen Rotorblättern drauf Pause macht.

Diesmal ergab es sich so, dass wir die erste Nacht in Deutschland woanders schlafen mussten als den Rest des Urlaubs. Neben vier grossen Windrädern. „Morgen will ich da hingehen!“, verkündete der kleine Herr Maus. Nach zwei Tagen im Auto tat ein Spaziergang an frischer Luft sowieso not, und ausserdem muss man so einem finnischen Kind ja auch endlich mal zeigen, wie so ein Windrad ganz aus der Nähe aussieht!

Es war ein Tag mit einem dieser Stürme, die es ja jetzt leider öfter gibt, und wir mussten uns mit aller Kraft gegen den Wind anstemmen, um überhaupt auf freiem Feld voranzukommen. Wir klappten trotz der Anstrengung alle Krägen und Kapuzen hoch, weil uns schon nach ein paar Schritten die Ohren wehtaten. Unterm Windrad legten wir uns auf den Rücken und guckten fasziniert zu, wie die riesigen Rotorblätter sanft rauschend über uns hinwegzogen.

Ich mag die Dinger übrigens wirklich. Sehr. Und die allgemeine Verweigerungshaltung macht mich einfach nur wütend und sprachlos. Hier in Finnland hörte ich einmal, Windkraft sei ja schön und gut und in Norddeutschland würden sich die Windräder ja auch ganz schön machen, aber in die finnische Landschaft mit ihren Wäldern passten sie einfach nicht. Die Frage ist nur, was von den finnischen Wäldern dann noch übrig ist, wenn hier erstmal mediterranes Klima herrscht. Oder arktisches, je nachdem, welches der möglichen Szenarien eintreten wird. Himmelherrgottnochmal!

Ein paar Tage später gingen wir den Kindern dann noch zeigen, wie man sehr simpel Energie speichern – zum Beispiel die, die an Sturmtagen produziert, aber nicht komplett gebraucht wird – und bei Bedarf wieder freisetzen kann. Zwischen zwei Weihnachtsmärkten machten wir einen Abstecher zum Pumpspeicherwerk Markersbach, das ich, in seiner Nähe aufgewachsen, immer für eher klein gehalten hatte, das aber tatsächlich eines der grössten Pumpspeicherwerke in Europa ist. (Im kleinen Erzgebirge! Wo es doch auch in Norwegen und in der Schweiz welche gibt!)

Die Dammkrone des Oberbeckens durfte man leider nicht betreten, denn es hatte ein paar Krümel geschneit und es war aus Sicherheitsgründen alles verriegelt und verrammelt. Dafür ist die Staumauer des Unterbeckens eine der wenigen in der Gegend, über die man drüberlaufen darf. Manchmal darf man auch in die Maschinenkaverne, aber es gibt dafür keine regelmässigen Termine.

Das Wasser war übrigens gerade unten.