Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mitschriften

Was der kleine Herr Maus heute in der Vorschule gelernt hat:

Die Erde, die Sonne, ein Sonnensturm, das Magnetfeld der Erde, die Atmosphäre, und – tadaa! – Nordlichter!

(Kein Wunder, dass die Viertklässlerin von ihrem neuen Wahlfach enttäuscht ist – „Ich dachte, wir machen da solche Sachen wie mit Riikka in der Vorschule…!“ – die Latte liegt sehr hoch.)


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Besseres zu tun

„Mama, weisst du noch,“ sagt der kleine Herr Maus, „wie wir die Geschichte von dem Jungen gelesen haben, der sechs war und nicht weiter als sechs zählen konnte? Ich kann ja schon lange bis zehn zählen, dabei bin ich noch nicht mal sechs!“

„Ja,“ sage ich, „du kannst ja sogar schon bis hundert zählen!“

„Ja. Und bis zweihundert, und dann bis dreihundert, und so weiter. Theoreeeetisch könnte ich bis tausend zählen. Aber das mach‘ ich nicht. Das dauert viel zu lange und ist viel zu langweilig.“

(Erinnerte mich so ein bisschen an meine Schuleingangsuntersuchung, bei der die Trulla im weissen Kittel Schulärztin so uninteressiert war, dass ich hinterher meiner Mutter berichtete: „Ich hab‘ bis 24 gezählt, dann hatte ich keine Lust mehr.“)


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Meilensteine-Dings

Der grosse Herr Maus hat heute seinen allerallerletzten Kindergartentag.

Dass der kleine Herr Maus nach den Sommerferien direkt in die Vorschulgruppe aufrücken wird – nicht als nächstjähriges Kann-Kind, sondern aus logistischen Gründen als Mini-Vorschüler – trägt dann jetzt auch eher nicht zur Bekämpfung des Das-geht-bei-jedem-Kind-schneller-Gefühls bei.


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Finnisierung XXXI

Ich bin nicht so der Typ, der wegen jedem krakelig gemalten Muttertagsherz und jedem gestottert aufgesagten Gedicht in Rührungstränen ausbricht.

Aber wenn dann für das eigene Kind zum allerersten Mal ganz offiziell das Suvivirsi gesungen wird…

Es ist nämlich so: vor zwölf Jahren nahm mich meine finnische „Familie“ mit zur Konfirmation meiner finnischen „Cousine“. Die Sonne schien, der Flieder blühte, wir feierten im Garten. Hinterher schrieb ich nach Hause: „Ich habe noch nie so viele Kirchenlieder mit so weltlichem Inhalt gesungen.“ Das Suvivirsi („Sommerchoral“) erinnerte mich an “Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, aber das hatte ich zum letzten Mal in der Christenlehre gesungen, nie auch nur in einem einzigen Gottesdienst. Ausserdem sangen die Finnen ihr Suvivirsi irgendwie… mit mehr Inbrunst.

Vor neun Jahren war ich auf der Abiturfeier meiner finnischen „kleinen Schwester“. Sie bekam feierlich ihr Abiturzeugnis überreicht und ihre weisse Mütze, und zum Schluss sangen alle – Schüler, Lehrer, Gäste – gemeinsam das Suvivirsi. „Das wird immer zu Abiturfeiern gesungen. Überhaupt zu jedem Schuljahresabschluss“, erklärte mir meine finnische „Familie“.

Und gestern sass ich dann also mit den Kindergartenkindern in der Kirche. Am Schluss waren die neun Vorschüler nach vorn gerufen worden, und die Pfarrerin hatte sie, jeden einzeln, für die Schule gesegnet. Grosse Kinder, wie sie da standen, bereit für Neues, schon gar keine Kindergartenkinder mehr, und doch noch so klein, als wir alle unsere Hände über sie hielten.
Und dann sangen wir das Suvivirsi. Die Mutter neben mir wischte sich die Augen. Ich sass da. Versuchte den Text zusammenzubekommen. Und blinzelte. Und dachte: so finnisch bist du also schon geworden.

(„Das war schööön!“ hauchte das Fräulein Maus hinterher und fiel mir in die Arme. „Danke, dass du gekommen bist!“)

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX]


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Die ersten Hausaufgaben

“Juhuuuu, endlich!”, jubelte das Vorschulkind und wuchs gleich noch mal zehn Zentimeter. (Schliesslich heisst nur deswegen seit dem Umzug ihr Zimmer “Schreibezimmer”.)

Ich habe den Eindruck, sie hat schon jetzt in der Vorschule mehr gelernt als ich damals in der gesamten 1. Klasse. Nach nur ein paar Wochen konnte sie alle Grossbuchstaben lesen. (Einmal hörten wir bei 120 km/h auf der Schnellstrasse plötzlich von der Rückbank die erstaunte Frage: ”Warum steht denn da HELSINKI?”) Inzwischen kann sie auch die kleinen. Sie rechnet einfache Aufgaben, sowas wie 3+4 und 2×5. Sie schreibt, was ihr in den Sinn kommt, und zwar so, wie es sich für sie nach finnischen Regeln anhört: KAZE, BEAR, VAL, KCHEPS. Sie freut sich, wenn ich ihr dann daneben schreibe, wie es richtig geschrieben wird: KATZE, BÄR, WAL, KREBS.

Den Vorschulkindern wird nicht direkt Lesen und Schreiben beigebracht, aber Buchstaben und Zahlen, auch das Datum, sind tägliches Thema. Sie haben keine ”Unterrichtsstunden” – ausser zum Morgenkreis oder wenn dienstags die Vorschulkinder mit ihren Aufgabenheften in die Schule gehen, bearbeitet die Lehrerin mit nur jeweils einem oder zwei Kindern verschiedene Aufgaben, in ihrem Tempo. (Ich erinnere mich an viele, zähe Unterrichtsstunden, in denen ich mich fast zu Tode langweilte, weil es so furchtbar lange dauerte, bis alle die eine Seite in der Fibel auch endlich gelesen hatten – das Weiterblättern aber strengstens untersagt war.)

In den letzten Wochen waren – wie passend! – Sterne und Planeten das Thema. Sie haben das Weltraumbuch gelesen, bunte Planeten gebastelt, im Schlafraum einen leuchtenden Sternenhimmel aufgehängt und gelernt, welche Sternbilder es gibt und wie man eine Sternkarte liest. Habe ich sowas jemals gelernt? Ich meine – in der Grundschule?!

Gestern sollten das Fräulein Maus und ihre beste Freundin eigentlich ein bisschen ”Mathematik” betreiben, aber weil das Aufgabenheft wegen der Hausaufgaben noch zu Hause war, hiess es: ”Na dann geht schnell wieder spielen. Mathe können wir auch am Montag machen.”