Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Hinterlasse einen Kommentar

Februarfrostnächte

Wir haben gerade einen etwas… *hüstel*… erhöhten Kerzenverbrauch.

(Es ist jetzt aber auch schon fast die letzte Gelegenheit. Denn obwohl nachts um die -20°C sind, wärmt die Sonne nachmittags schon so stark, dass das Eis einfach sublimiert. Und überhaupt lohnt sich Kerzen anzünden bald nicht mehr, es ist ja schon jetzt wieder bis halb sieben hell!)


9 Kommentare

WohnRullerpark

Gleich hinter unserem Wald entsteht ein neues Wohngebiet. Das heisst, es soll wohl ein Wohngebiet entstehen: die Strassen sind asphaltiert und mit Strassenschildern und Verkehrszeichen versehen, Bäume und Büsche sind gepflanzt, Bänke aufgestellt, Stromkästen und Strassenlaternen installiert – nur Häuser gibt es noch keine. Noch nicht einmal Baustellen. Auf den zukünftigen Baugrundstücken wuchern Kornblumen und Kamille in kniehohem Gras.

Der Asphalt ist da nicht ganz so schön glatt wie auf der Schlittschuhbahn oder im Verkehrspark und „Mit den Gullideckeln haben sie’s ein bisschen übertrieben!“ empörte sich der kleine Herr Maus, aber dafür ist man jederzeit in fünf Minuten hingelaufen und kann dann da wunderbare Runden fahren.

Also wegen uns braucht da keiner so schnell ein Haus zu bauen.

Die Strassenlaternen dort bleiben allerdings vorerst – die Umwelt dankt! – ausgeschaltet. Wenn man nicht mehr erkennen kann, wo sich die Gullideckel befinden, um die man tunlichst herumrullert, ist es sowieso höchste Zeit, den Heimweg anzutreten, wenn man für den Rückweg durch den Wald keine Stirnlampe dabeihat.


4 Kommentare

Wie im Tierfilm

Wie ich heute Abend so, während sich der kleine Herr Maus fürs Fussballtraining umzieht, zum Schlafzimmerfenster rausgucke, kommt aus Nachbars Garten hakenschlagend ein Hase, rast 20 Meter die Strasse entlang und verschwindet im Wald.

Hasen gibt es hier viele. Wird wohl ein Hund die Strasse entlanggeführt werden und den Hasen erschreckt haben, denke ich noch so.

Da kommt aus Nachbars Garten ein Fuchs, sieht irgendwie missmutig aus und trottet hinter Nachbars Haus zurück in den Wald.

(Die Geschichte, wie einmal, als der Ähämann nachts halb eins vom Flughafen kam, ein Rehbock vor unserer Haustür stand, habe ich schon mal erzählt, ja?)


Hinterlasse einen Kommentar

Mutter-Sohn-Ausflug

“Kann ich auch mal allein mit dir eine Runde gehen, Mama?”, fragte der kleine Herr Maus am Sonntagabend. “Oder können wir vielleicht auch Fahrrad fahren? Und ich fahre vorneweg und darf bestimmen, wo wir langfahren?”

Und dann hat er sich den ganzen Montag gevorfreut.

Kinder glücklich machen ist so einfach.

Mich auch.


8 Kommentare

Samstagsausflug

„Mama? Können wir mit der Freundin, die nur jede zweite Woche im Nachbarhaus wohnt, zur Tankstelle gehen und ein paar Süssigkeiten kaufen?“

Ich wunderte mich kurz über solche Anwandlungen unserer Kinder – aber klar, für finnische Kinder ist samstags Karkkipäivä.

Ich begleitete sie gern dahin.
Gelegenheiten für Waldspaziergänge packe ich imer beim Schopf.


22 Kommentare

Frost geniessen dürfen

Gestern war der kleine Herr Maus, als ich ihn vom Kindergarten abholen kam, zum ersten Mal diese Woche nicht draussen.

Das Thermometer ist ja die ganze Woche nicht über -10 Grad geklettert. Nein, auch nachmittags nicht.
Der grosse Herr Maus war deshalb die ganze Woche im Kindergarten nicht draussen, weder vormittags noch nachmittags. „Ich will auch mal wieder raus!“, sagte er, als er sah, dass der kleine Bruder draussen spielte.

Denn die Hasengruppe, die auch bei Regen immer rausgeht, die war jeden Nachmittag, wenn ich zum Abholen kam, auf dem Spielplatz. Sie waren dick verpackt, und die Betreuer hielten sie die ganze Zeit in Bewegung. Der kleine Herr Maus hatte rote Bäckchen, warme Füsse, warme Hände – und gute Laune. Er lachte und gluckste, berichtete mir vom Tag, umarmte nochmal seine Lieblingsbetreuerin, stieg bereitwillig in den Fahrradanhänger und sagte: „Zu Hause will ich aber noch draussen bleiben!“

Als ich ihn gestern abholen kam, bekam er als erstes einen Wutanfall. Nein, er wolle nicht mit nach Hause kommen. Nein, er wolle den Wolloverall nicht anziehen. Und die Handschuhe schon gar nicht. Nein, er wolle sowieso kein Eislicht bauen. „Blöde Mama!“ schrie er.

Seine Lieblingsbetreuerin, die ich auch sonst wegen ihrer Ansichten sehr schätze, nahm mich beiseite und erklärte mir, wie ihr Versuch, bei der Besprechung heute für mehr Rausgehen auch bei Frost – das sich die meisten Eltern nämlich wünschen würden – zu plädieren, direkt nach hinten losgegangen sei. Auch die Hasen haben jetzt bei Frost unter -10 Grad drinzubleiben. Anordnung von oben. Punkt.

„War nichts zu machen“, seufzt die Lieblingsbetreuerin. „Dabei sind H. und ich so gerne draussen mit den Kindern. Na und S., die ist eine so alte Kindergärtnerin, für die ist das gar keine Frage, dass wir bei jedem Wetter rausgehen…“

Ich verstehe ja, dass man bei diesen Temperaturen nicht stundenlang draussen sein kann. Ich könnte mir auch denken, dass es sich in einem Kindergarten nicht lohnt, die Kinder jeweils eine halbe Stunde anzuziehen, um dann eine halbe Stunde draussen zu sein und dann die Kinder wieder eine halbe Stunde auszuziehen. „Ach“, winkt die Lieblingsbetreuerin ab, „das ist eigentlich kein Problem. Wir haben ja Zeit. Und die An- und Auszieherei ist für die Kinder eigentlich eine ganz schöne Beschäftigung. Und die sind alle so gut ausgerüstet heutzutage!“, setzt sie noch hinzu.

Das Gefühl habe ich auch. Die Winterausrüstung finnischer Kinder kann mit moderner Weltraumtechnologie locker mithalten. Es spricht sich unter Eltern schnell herum, welche Sachen wirklich warm und praktikabel sind und welche Mist. (Was dann zum Beispiel dazu führt, dass praktisch alle finnischen Kinder seit Jahrzehnten das gleiche Modell Stiefel spazierenführen. Aber sie haben warme Füsse.) Und die Kinder werden tatsächlich witterungsgerecht gekleidet im Kindergarten abgeliefert – dafür, dass die meisten Kinder dann nicht länger an der frischen Luft sind als der Weg vom Haus zum Auto, vom Auto zum Kindergarten und wieder zurück dauert… Ein Jammer.

Als ich den kleinen Herrn Maus gestern dann doch noch in seine vielen Schichten Winterklamotten gestopft bekommen hatte und wir zu Hause angekommen waren, da bat er darum, ob ich nicht mit ihm in den Wald gehen könne. Mal nachgucken, ob die Pilze wirklich alle weg seien.

Das war der beste Vorschlag, den er machen konnte. Ich bin nämlich auch nicht gern den ganzen Tag drin.