Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Coronaklausur, Tag 45

Finnland hat 5051 bestätigte Coronafälle.

Heute war, könnte ich mir vorstellen, für viele Finnen der bisher schwerste Tag dieses Coronafrühlings: denn was ist Vappu ohne Heerscharen von Studenten, die am Vorabend gemeinsam durch die Strassen ziehen und feiern, ohne Chorauftritte unter freiem Himmel, ohne Picknick im Park und ohne Rummel?!

Wir liessen uns vom Picknickmachen nicht abhalten. Weder von Corona – es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass wir unser Picknick nicht im Observatoriumspark, sondern an einem ruhigen Fleckchen gemacht hätten – noch vom Wetter.

Die Kinder verkleideten sich, der grosse Herr Maus trat als Zauberkünstler auf, und das Fräulein Maus dachte sich lustige Spiele für uns aus.

Ich sehne mich sehr nach Wald, weil wir ja schon das letzte Wochenende komplett drin verbracht haben. Aber das schlechteste Vappu hatten wir nicht.

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Presseschau.

Yle hat Fotos nebeneinandergestellt, die zeigen, wie es zu Vappu 2020 im Vergleich zu anderen Jahren an genau den gleichen Helsinkier Orten ausgesehen hat.


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Coronaklausur, Tag 44

Finnland hat 4995 bestätigte Coronafälle.

Wie man nach allem, was die Bildungsministerin in den letzten Tagen hat durchblicken lassen, schon ahnen konnte, müssen die Schüler*innen und Lehrer*innen nun doch nochmal für elf Tage in die Schule zurück in diesem Schuljahr. Und war gestern noch die Rede von schrittweise zurück in die Schule, heisst es heute schon „Alle 1. bis 9. Klassen fangen am 14. Mai wieder mit Präsenzunterricht an“.

Gleichzeitig wird Druck auf die Eltern ausgeübt, ihre Kinder auch wirklich hinzuschicken – denn hierzulande bekommt man ja relativ leicht eine zeitlich begrenzte Freistellung von der Schule oder die Genehmigung zum Homeschooling, weil es eben keine Schulpflicht gibt – denn in verschiedenen Umfragen haben jeweils über 65% der finnischen Eltern angegeben, ihre Kinder dieses Schuljahr nicht mehr zurück in die Schule zu schicken, selbst wenn die Schulen offiziell wieder öffnen sollten.

Sowieso darf man noch gespannt sein auf die Hygienevorschriften, die sich bis jetzt eher unkonkret auf „verstärktes Händewaschen“, „Abstand halten“ und „ungenutzte Räume nutzen“ beschränken. Alles natürlich wunderbar machbar mit Unterstufenschüler*innen in sowieso aus allen Nähten platzenden Grundschulen und wenn alle Klassenstufen gleichzeitig in die Schule zurückkehren…!

Ist aber ja auch sowieso völlig egal, wenn es nach den zu Rate gezogenen Fachleuten der finnischen Gesundheitsbehörde geht. Die verbreiten ja ganz offiziell den Standpunkt, Kinder würden weder an COVID-19 erkranken noch es verbreiten.

Ich bin es ja von Berufs wegen gewöhnt, Statistiken interpretieren zu müssen – und abgesehen davon, dass in Finnland ja kaum gestestet wird und man schon allein deshalb keine allgemeingültigen Schlüsse aus den Daten ziehen kann, hat Herr Drosten im letzten Coronapodcast Worte gefunden für etwas, das mir auch schon durch den Kopf ging:

„Wenn wir in der Situation von Kontaktsperren sind, also die Schulen sind geschlossen und wir haben eigentlich keine Möglichkeit, uns in der freien Umgebung zu infizieren, sondern die Infektionen finden vor allem im Haushalt statt, dann ist die Frage: Wer schleppt jetzt die Infektion in den Haushalt rein? Ist es das Kind? Oder ist es der Vater oder die Mutter oder die Großeltern? Da ist die Antwort: Das ist wahrscheinlich die Altersgruppe in der Bevölkerung, die das Haus verlässt. Dann ist das auch gleichzeitig die Altersgruppe, in die in der Bevölkerung am meisten die Infektion eingetragen wurde[…] die Altersgruppe zwischen vielleicht 30 und 45.“

Im Übrigen gibt es auch in Finnland noch andere kompetente Stimmen als die offizielle der Gesundheitsbheörde, und die sind mehrheitlich gegen Lockerungen zum derzeitigen Zeitpunkt, gerade weil (und nicht: obwohl) die bisherigen Restriktionen so erfolgreich waren – wir haben derzeit im ganzen Land gerade mal 48 Menschen wegen COVID-19 in Intensivbehandlung! – dass man tatsächlich eine Chance haben könnte, das alles so weit runterzudrücken, dass man wirklich wieder Infektionsketten nachverfolgen könnte.

Wenn man aufmerksam Nachrichten gelesen hat in den letzten Tagen, dann wird man den Eindruck nicht los, Finnland hat sich immer noch nicht von Schweden emanzipiert. Dass man da jetzt guckt und sagt, die waren schlau, die haben ihre Schulen nie zugemacht, und jetzt sind sie schon fast über den Berg, vielleicht können wir das ja auch noch so hinkriegen, wenn wir jetzt einfach alles wieder aufmachen. Aber sind die Schweden wirklich über den Berg?! Und zu welchem Preis?!

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Erfreulicheres.

Morgen ist Vappu. Und am Tag davor gehen die Kinder traditionell eigentlich nur zum Feiern in die Schule. Vappu fällt nicht aus, nur weil die Schulen geschlossen sind.

Die Klasse des kleinen Herrn Maus durfte sich verkleiden, und jeder durfte im Videochat sein Kostüm vorstellen. Ausserdem spielten sie gemeinsam Spiele. Ihre Haushaltsaufgabe für diesen Tag war, die Wohnung für Vappu zu schmücken, und die Anleitung für ein Vappuhütchen war auch im heutigen Tagesplan enthalten. Ausserdem hatten sie abgestimmt über einen Film, den sie gemeinsam angucken wollten, und der Lehrerin sei Dank, dass diesmal nicht nur Disneyscheiss zur Auswahl stand, sondern ausschliesslich finnische Kinderfilme, mit echten Schauspielern! Das Schöne an diesem Unterricht zu Hause ist ja, dass jeder vom anderen das mitmachen kann, was er gern will und was der eigene Zeitplan erlaubt, und so fand sich die halbe Familie zur Mittagszeit vorm Fernseher ein.

Der grosse Herr Maus hatte früh noch einen Finnischtest, aber dann machten sie auch verschiedene Spiele, zum Beispiel spielten sie jeweils zu zweit „Alias“ per Videochat.

Die Klassenlehrerin des Fräulein Maus erschien heute mit Studentenmütze und lustigen Zöpfchen vorm Bildschirm, und die Hauswirtschaftsaufgabe der Siebtklässlerin für diese Woche war, eine Vappuspeise zuzubereiten.

Dem Anlass angemessenes Abendbrot.


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kolmesataakolmekymmentäviisi

Oder: Vappu 2019

Eigentlich hatten wir dieses Jahr für Vappu gar keine Pläne. Zu anstrengend war der letzte Monat, zu ausgeplant die letzten Wochenenden. Und sowieso weiss man ja nie, ob man das Vappu-Picknick in T-Shirt und Sonnenbrille im Park oder mit Wollsocken und Strickjacke auf dem Wohnzimmerteppich abhalten muss.

Vappu-Luftballons hatte ich dieses Jahr auch keine gekauft. Ich hätte echt nicht gewusst, wann, denn traditionell gibt’s bei uns die Ballons am ersten Mai morgens als Überraschung an die Stühle gebunden. Die Kinder sind dem Alter, in dem sie begeistert ihre Ballons spazierentrugen, allerdings sowieso allmählich entwachsen, und ausserdem haben wir vom Wettkampf letzten Sonntag noch ein T und ein L in der Wohnung herumschweben.

Alternativer Vappu-Ballon.

Ich warf also nur ein paar Luftschlangen in der Wohnung aus und der Ähämann besorgte Dienstagabend noch Munkkis und Sima.

Das Fräulein Maus dagegen hatte Pläne: ihre beste Turnfreundin kam zum Übernachten, und sie wollten gemeinsam im Zelt schlafen; auch die für die frühen Morgenstunden vorhergesagten 4°C hielten sie nicht davon ab. Ausser Isomatten, Schlafsäcken, Decken, Kissen, Taschenlampen, Büchern und ihren Handys trugen sie auch eine Packung Luftschlangen in ihr Zelt und drapierten sie allerliebst unterm Gestänge. Schliesslich war Vappu!

Die Turnfreundin wurde dankenswerterweise nicht gleich früh um zehn abgeholt, sondern durfte den Tag mit uns verbringen, und weil der angekündigte Regen erst am späteren Nachmittag kommen sollte und früh noch die Sonne lachte, packten wir dann doch noch spontan den Picknickkorb und fuhren (die 335 kam uns gleich an der ersten Kreuzung entgegen) gemeinsam – und da war ich wieder einmal sehr, sehr dankbar für unseren Bus den Herrn Picasso, mit dem man ausser unserer Familie auch noch Freunde oder Grosseltern transportieren kann, und gleichzeitig so verzweifelt wie immer in letzter Zeit bei derlei Gelegenheiten, weil er schon so in die Jahre gekommen ist und es die eierlegende elektrische Wollmilchsau, die als Nachfolger in Frage käme, leider nicht gibt – an einen unserer schon immer liebsten Picknickplätze.

Als es zu regnen anfing, packten wir unseren Krempel zusammen, traten die Rückfahrt an, hielten unterwegs am grossen Supermarkt und kauften das erste Sommereis des Jahres. Nur essen mussten wir es zu Hause.

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Vappu 2018

Am Montag – nein, kein Brückentag hier – gingen die Schulkinder nur zum Feiern in die Schule. Irgendwie fiel dieses Jahr niemandem so recht ein Kostüm ein. In der grossen Schule allerdings wurde nur klassenstufenweise ein Farbcode angeordnet, also gingen der grosse Herr Maus in Schwarz (Wer bitte kommt denn auf die Idee?!) und das Fräulein Maus in Blau. Ein Vappuhütchen brauchte sie auch nicht, denn schliesslich kann Mama ja jetzt Wettkampffrisuren, die lassen sich prima abwandeln.

Der kleine Herr Maus hatte im Hort ein Hütchen gebastelt, und es wurde ein Preis für den buntesten Anzug ausgelobt. Na das kriegten wir ohne Probleme hin!

Montagabend sassen der Ähämann und ich noch lange im Sonnenschein im Garten, während die Kinder mit der Nachbarskinderschar Trampolin sprangen, und als der Ähämann und ich halb zwölf ins Bett gingen, war der Himmel im Nordwesten noch ganz hellblau!

Aber die Wettervorhersage für den 1. Mai war dieses Jahr kein alljährlicher Zweckpessimismus, sondern leider wahr.

Es regnete von früh bis abends.

Kein Picknick. Keine Frühlingswanderung. Kein Leberblümchenzählen.

Stattdessen: dringend benötigten Schlaf nachholen. Bisschen basteln. Nichtstun. Endlich den dritten Teil von „Onneli und Anneli“ angucken. Und die „Maus“ vom Sonntag gleich noch hinterher. Und vorm Schlafengehen gaaaanz lange vorlesen.

War gar nicht so schlecht.


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Frühling! Frühling!!!

Wir machen unsere Osterspaziergänge eben zu Vappu.

Es fiel uns heute ein bisschen schwer, uns für ein Ausflugsziel zu entscheiden. Wir wollten nämlich gern ein bisschen wandern – Sonne! Wärme! Erste grüne Blättchen! – uns andererseits aber auch die letzte Chance, in Teijo deutschen Kuchen bei einer deutschen Bekannten im Café zu essen, nicht entgehen lassen. Zum Glück gibt es rund um Teijo nicht nur lange Rundwege, sondern auch einen ganz kurzen, so dass sich beides verbinden liess – und die Kinder ausserdem ihre Vappu-Luftballons ausführen konnten.

Der Weg führt durch den ehemaligen Park eines Gutshofes, weswegen man mitten im finnischen Wald hier eine Thuja, dort eine Douglasie und da einen Rhododendron findet. Mehr ist vom Park nicht übrig. Die finnische Natur ist sehr schnell damit, sich zu nehmen, was ihr zusteht. Aber wer braucht schon einen Park, wenn im Wald weisse und blaue Teppiche ausgelegt sind…!

Hinterher gingen wir dann Kuchen essen, ein bisschen durch den Ort spazieren, den wir sonst immer nur im Vorbeifahren bestaunt hatten, und die Kinder gruben jeder ein Kilo blaue Wundersteine – Überbleibsel der historischen Eisengewinnung – aus.

Ich hatte den ganzen Tag Herzhüpfen vor lauter Frühling.

(Meinetwegen könnten jetzt direkt die Sommerferien anfangen…)


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Rekord

Sieben Stunden Rummel.

Das war gar nicht so geplant… aber wir haben zum allerersten Mal dort nicht bitterlich gefroren. Und der kleine Herr Maus hat jetzt die 120-cm-Marke geknackt und fuhr mit seinen Geschwistern unermüdlich all die Dreh-, Fall- und Schaukeldinger, bei denen mir schon beim Hingucken schlecht wird.

Und dann… war es plötzlich halb neun.

(Bisschen frisch war’s dann schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad, aber hey, Sonne! Bis abends um neun!)