Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Urwald in der Hauptstadt

Immer, wenn wir nach Helsinki fahren, verbringen wir dort überraschend viel Zeit mitten in der Natur.

Nach Vallisaari, einer ehemaligen und seit zwanzig Jahren unbewohnten Festungsinsel, wollte ich auch schon, seit die finnische Forstbehörde sie 2016 unter Naturschutz gestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Leider gibt es nur im Sommer eine Fährverbindung auf die Insel, aber dankenswerterweise ist in Finnland in den letzten Jahren manchmal der Sommer offiziell nicht schon Mitte August, sondern erst Ende September vorbei.

Genau wie Suomenlinna war Vallisaari – und das sieht man auch schon an den Namen: während das linna in Suomenlinna Burg bedeutet, heisst Vallisaari soviel wie Wallinsel wegen der vielen Schutzwälle, die da aufgeschüttet wurden und die Insel in eine Hobbitlandschaft verwandelten – eine Festungsinsel.

Vallisaari war viel weniger städtisch als Suomenlinna, dort wurde zum Beispiel Vieh gehalten und das für beide Inseln benötigte Brennholz geschlagen, und das sieht man bis heute. Obwohl in den 1950ern bis zu 300 Menschen auf der Insel wohnten und es damals dort sogar einen eigenen Laden und eine eigene Schule gab, gibt es keine gepflasterten Strassen wie auf Suomenlinna und kaum Gebäude. Der grösste Teil der Insel besteht tatsächlich aus Wald. Und ausser Wald gibt es grasbewachsene Hobbithäuser Bunker, Munitionslager und Schutzwälle.

Seit über 20 Jahren wohnt niemand mehr dort, vor sieben Jahren verliess auch die Armee die Insel, und man kann auch auf Vallisaari sehr schön sehen, wie schnell die finnische Natur damit ist, sich wiederzuholen, was ihr zusteht.

Weil es 1937 einen grösseren Unfall gab, bei dem ein Munitionslager explodierte, liegt möglicherweise immer noch Munition in der Landschaft, weswegen man eine Hälfte der Insel gar nicht betreten und auf der anderen Hälfte der Insel den Wanderweg nicht verlassen und auch nirgends – und das ist in finnischen Wandergebieten, wo es an jedem Wanderweg mindestens eine Feuerstelle zum Würstchenbraten gibt, ja sonst grundsätzlich anders – Feuer machen darf.

So ein bisschen gruselig ist es also schon auch. Aber vor allem grün. So schön grün…!