Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Coronaklausur, Tag 34

Finnland hat 3868 bestätigte Coronafälle.

Montags stehen für mehrere unserer Kinder Sport, Musik und Kunst auf dem Stundenplan. Auch jetzt.

Die Herren Maus bekommen für Sport immer eine genaue Aufgabe: absolviere die und die Übungen, gehe eine Stunde lang spazieren oder eine halbe Stunde joggen, fahre mit dem Fahrrad bis zur Schule und zurück. Das Fräulein Maus darf sich aus verschiedenen Angeboten selbst 60 Minuten Training zusammenstellen. Vor der Stunde müssen sich alle per Videochat anmelden und nach der Stunde unbedingt wieder zurückmelden – sonst ruft die Sportlehrerin an, um sicherzustellen, dass das Kind nicht eventuell mit verstauchtem Knöchel im Wald liegt.

„Ich ermuntere meine Schüler immer, mir ruhig alle Fragen, die sie haben, zu stellen, statt ihre Eltern, die ja ihre eigene Arbeit schaffen müssen, damit zu behelligen“, las ich heute in einem Interview einer finnischen Lehrerin zum Fernunterricht. Womit zum Unterschied zwischen Fernunterricht und Homeschooling alles gesagt wäre.

Während die Kinder Unterricht hatten, erledigte ich einen Schreibauftrag für die Deutsche Gemeinde. Als der kleine Herr Maus fertig war mit Schule und das Fräulein Maus eine Freistunde hatte, erstellten wir gemeinsam das heutige Nachmittagsprogramm für die Hortkinder. Ich hoffe, sie haben dabei genauso viel Spass wie wir es hatten.

Für heute Nachmittag hatte sich der kleine Herr Maus eine Radtour zum Flughafen gewünscht. Wir fuhren die gleiche Runde wie vor zwei Jahren, aber an einem Montagnachmittag ist es natürlich nochmal was ganz Anderes. Fast hätte man vergessen können, dass Ausnahmezustand herrscht: in den durchquerten Industriegebieten steppte der Bär. Wir sahen zu, wie an einer Baustelle tiefe Löcher in Lehm gebohrt wurden, wie ein LKW-Fahrer auf dem Seitenstreifen der Autobahn ein Rad wechselte und wie an einem Steinbruch grosse Gesteinsbrocken zerkleinert wurden. Und zum Flughafen kamen wir gerade rechtzeitig, als eins der zwei Flugzeuge, die hier pro Tag noch abfliegen – ein Passagierflugzeug nach Mariehamn und ein Frachtflugzeug nach Liège – startete.

Ein bisschen Wehmut kam nur auf der Rückfahrt auf, als wir ganz nahe am Haus des vor zwei Jahren weggezogenen besten Freunds des kleinen Herrn Maus vorbeikamen und der kleine Herr Maus eben nicht einfach hinfahren und klingeln konnte.


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Spätsommerradtour

Neulich haben wir unser Erdbeerbeet erneuert, und was dann jetzt noch fehlte, waren nur ein paar Pferdeäpfel. Die sollten nicht schwer zu besorgen sein, dachten wir – gibt es doch hier ganz in der Nähe eine Pferderennbahn, umgeben von jeder Menge Gestüte – und planten für dieses Wochenende eine Radtour.

Keine Radtour natürlich in die Nähe des Flughafens, ohne zum Flughafen hinzufahren und nach Flugzeugen Ausschau zu halten. Danach kamen wir an einem Feuerwehrgrosseinsatz – in der Nacht hatte ein riesiger Holzlagerplatz in haushohen Flammen gestanden, zu deren Bekämpfung bis zu 40 Feuerwehren und bis zu 100 Feuerwehrleute gleichzeitig im Einsatz gewesen waren, las ich später – vorbei. Und an Finnlands modernstem Gefängnis – was bei den Kindern die Frage nach der Ausstattung des Gefängnisses auslöste, die ich ihnen dann jetzt auch beantworten kann.

Nun sage noch einer, so eine Radtour durch die allernächste Umgebung sei langweilig…!

Es ist dann jetzt übrigens schon sehr deutlich Spätsommer. Das Getreide steht dunkelgelb – nur ein bisschen spärlicher und kürzer, aber ansonsten tapfer der diesjährigen Trockenheit trotzdend – auf den Feldern, und der erste Mähdrescher zog seine Runden. Es zog ein kalter Sturm übers Land, und ich musste am Flughafen, wo der Wind immer besonders scharf die Schaulustigen und Abholenden und Hinterherwinkenden anweht, tatsächlich was Langärmeliges überziehen: 23 Grad können sich sehr kalt und herbstlich anfühlen! Brrr!


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Grosse, vernünftige Mädchen dürfen auch um Mitternacht noch mit zum Flughafen kommen, um Oma und Opa abzuholen.

Wir sahen zwei Flugzeuge landen, einen Hubschrauber starten und dem Elektrobus beim Laden zu. (Als ob nichts los wäre an unserem Provinzflughafen! Um Mitternacht!)

Wie immer parkten wir sehr viel länger als eine Viertelstunde vor dem Flughafen. Und als wir mit Oma und Opa aus dem Terminal in die laue, aber schon wieder dunkle Sommernacht hinaustraten, da fuhr gerade eine 277 los, die auch jemanden abgeholt hatte.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276]


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Fliegen lassen

Vor einer Woche ungefähr blieb das Kind das erste Mal allein im Kindergarten. Vorgestern erst schlief es das erste Mal eine Nacht ausser Haus. Gestern erst fuhr es zum ersten Mal mit seiner Mannschaft auf Wettkampfreise in eine zwei Stunden entfernte Stadt.

Heute…

… fliegt es mit zwei seiner Mitschüler aus dem Muttersprachdeutschunterricht als finnisches Kandidatenteam zu “1, 2 oder 3“.

(Leider müssen wir deshalb dieses Jahr auf unser übliches Wir-machen-das-Beste-aus-zwei-Tagen-Herbstferien-Programm verzichten. Das Kind aber wird die Herbstferien seines Lebens haben.)


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Mittsommertag

Gestern kam dann der Sommer zurück. Wir sassen faul im Garten herum, nahmen ab und zu mit mehreren Stunden Verspätung eine Mahlzeit ein, die Kinder rannten den halben Tag in Badesachen um die Häuser und lieferten sich Wasserschlachten mit den Nachbarskindern, und wir Eltern kamen sogar dazu, in der Hängematte zu lesen.

Und wie schön ruhig das immer ist an so einem Mittsommertag in der Stadt!

Weil alle entweder im Mökki sind oder sich von ihrem Kater erholen (oder beides), weil keine Busse und keine Züge fahren. Flugzeuge fliegen auch nicht. Der perfekte Tag, um – das haben wir schon ewig nicht mehr erlebt – einen angehenden Piloten den ganzen Tag starten und landen üben zu lassen.

Erst halb zwölf flog er in den mitternachtshellblauen Himmel davon.


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Viel los

Heute mit den Mäusekindern am Flughafen innerhalb einer Viertelstunde Stunde beobachtet, wie ein Flugzeug aus Helsinki landete und wieder startete, ein Sportflugzeug startete, des Ähämanns Flugzeug startete, ein anderes Sportflugzeug landete, so ein Miniflugzeug für acht Personen aus Åland landete und wieder startete sowie ein furchtbar lautes deutsches Armeeflugzeug landete und startete. Da sage noch einer, auf unserem Flughafen sei nichts los…!

(Nebenher kann man prima Hausaufgaben machen.)


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Fliegende Sauna

Irgendwas stimmte mit dem Flugzeug nicht. Es flog so langsam, dass es auch im Landeanflug hätte sein können. Aber dafür war es zu laut. So ganz anders laut als die Flugzeuge, die sonst über unser Haus fliegen. So richtig erkennen konnte ich es auch nicht. Ich stand im Garten, der nach dem gerade niedergegangen Gewitterschauer dampfte. Die Sonne brach gerade wieder durch den Dunst. Gross sah es jedenfalls aus, das Flugzeug. Vielleicht so ein wöchentlicher Urlaubsflieger? Aber zum Montag?!

Die Flug-App gab Auskunft: eine 747 der Saudi Arabian Cargo von Turku nach… unbekannt. Bitte was?! Eine 747?! Von unserem Provinzflughafen, auf dem schon ein A320 riesig aussieht?! Von der Startbahn, die so hübsch kurz und übersichtlich ist (und deren Beleuchtung immer zwischen zwei Flügen ausgeschaltet wird, so wenig ist hier los)?! Und was bitte macht ein Saudi-Arabisches Frachtflugzeug hier?!

Eine kurze Suche auf den gängigen Nachrichtenkanälen ergab: alles richtig. Das Flugzeug transportiert 68 Tonnen Ausrüstung – darunter: eine Sauna! – für die 30 finnischen Blauhelmsoldaten, die zur Friedensmission in die Zentralafrikanische Republik aufbrechen.

Vier Stunden lang habe ich dem Flugzeug noch hinterhergeguckt, bis es über dem südlichen Mittelmeer aus der Flug-App verschwand.

Gute Reise!


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Flugzeughinterherwinker

Wir waren viel zu zeitig da.

Aber kaum hatte ich sie aus dem Auto gelassen, stürmten alle drei Mäusekinder zur Bank auf dem Felsen, von dem aus man auf die Startbahn gucken kann. Viel war nicht zu sehen. Es wehte ein eisiger Wind. Wir waren alle viel zu dünn angezogen.

”Lasst uns erstmal reingehen und gucken, ob vielleicht noch ein anders Flugzeug startet oder landet!”, schlug ich vor. Und tatsächlich! Wir kamen gerade rechtzeitig für den (winter)wöchentlichen Direktflug nach Las Palmas.

(Desweiteren zeigten die Anzeigetafeln eine Ankunft aus Helsinki um 17:35 Uhr, sowie einen Abflug nach Helsinki am folgenden Morgen um 6:20 Uhr an. Beschaulich.)

Der A320 stand vor dem Fenster, wo sich früher der Tax-Free-Shop befunden und die Sicht versperrt hatte, und sah RIESIG aus, verglichen mit den Propellermaschinchen, die sonst vom Turkuer Flughafen fliegen. Obwohl noch fast eine halbe Stunde Zeit bis zum geplanten Abflug war, wurde gerade die Gangway weggefahren. ”Lasst uns wieder rausgehen!!!”, hüpfte der grosse Herr Maus vor Aufregung auf und ab. Das Fräulein Maus musste zur Toilette. Ich beruhigte den grossen Herrn Maus: ”Erst müssen noch die Triebwerke angeschaltet werden und alle Scheinwerfer… dann schaffen wir es immer noch rechtzeitig!” Ich begleitete das Fräulein Maus zur Toilette. Als wir zurückkamen, rief uns der grosse Herr Maus entgegen: ”Es blinkt! Es blinkt!”, und das Fräulein Maus fragte aufgeregt: ”Kannst du sehen, ob die Triebwerke schon an sind?” Der kleine Herr Maus rannte im Kreis und krähte: ”Gleich geht’ los! Gleich geht’s los!”, und ich scheuchte die aufgeregte Bande wieder vor die Tür. Sie rasten los, und als sie an der Aussichtsbank ankamen, hatte sich das Flugzeug tatsächlich in Bewegung gesetzt. Und die Startbahn war jetzt auch beleuchtet.

Wir guckten und winkten, und als das Flugzeug brummend in den Wolken verschwunden war, fragten die Kinder: ”Kommt jetzt Papas Flugzeug?” ”In einer halben Stunde ungefähr. Können wir nochmal reingehen und uns aufwärmen.” Der kleine Herr Maus musste pullern. Drei Leute vom Flughafenpersonal räumten den Sicherheitscheck auf, schlossen zu und verabschiedeten sich nach Hause. Der kleine Herr Maus zeigte mir eins nach dem anderen die Gepäckbänder – ”Da kommen die Koffer drauf! Und da. Und da auch!” – an den drei verlassenen Check-in-Schaltern. Wir gingen wieder raus. Alles finster. Die Kinder lauschten. ”Wann kommt denn Papas Flugzeug?!” ”Gleich…!” Sie hüpften sich warm, angelten Eisschöllchen aus einer Pfütze und machten damit Weitwurf. Dann wurde die Landebahnbeleuchtung wieder eingeschaltet. ”Kommt jetzt Papas Flugzeug?!” ”Ja, gleich…!” ”Mir ist kalt!” ”Wollen wir drin warten?” ”Nein!” Wir hüpften noch zehn Minuten frierend auf und ab, dann kam es angeschwebt. ”Juhuuu!” ”Guck, gleich landet es!” ”Ja, jetzt!” ”Wollen wir reingehen?” ”Nein. Wir wollen den Papa rufen, wenn er aussteigt!” ”Huuuh, is das laut…” ”Jetzt macht er den Propeller aus!” ”Jetzt geht die Tür auf!” ”Kommt jetzt der Papa?!” ”Papaaaa!!!” ”Paaaapaaa!” ”Paaapaaa!” Und dann rannten sie los. Rein ins Flughafengebäude, eine Treppe runter, dem Papa in die Arme.

Sonst kommt der Ähämann ja immer um 0:40 Uhr an, eine Uhrzeit, zu der ich ihn vor Jaaahren das letzte Mal abholen konnte. Er nimmt dann immer ein Taxi und schleicht sich zu uns ins Bett. Aber diesmal war das viel schöner. Für all die kleinen und grossen Menschen in unserer Familie, die jedem Flugzeug hinterherwinken müssen…!


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Wie wir einmal dem schwedischen König hinterherwinkten

Heute so am Flughafen: grosser Schreck.

Vorm Flughafen darf man 15 Minuten kostenlos parken. Als wir den Ähämann ausführlich geherzt und geküsst und bewinkt hatten, waren allerdings 40 Minuten um. Das ist immer so. Nur diesmal, da stand, als wir wieder rauskamen, ein Polizeiauto direkt hinterm Herrn Picasso. Ich schielte schnell auf die Windschutzscheibe: kein Knöllchen. Noch kein Knöllchen zumindest.

Ich nahm die drei Kinder an die Hand und begleitete unsere Gespräche mit vielsagenden Gesten. Die werden doch einer Familie mit drei Kindern, die gerade ihren Papa zum Flugzeug gebracht haben, keinen Strafzettel aufbrummen! Ich reichte dem grossen Herrn Maus die im Auto wartende Puppe, wiederholte unter weiteren eindeutigen Gesten, ja, jetzt gehen wir noch gucken, wie das Flugzeug startet, und drehte dreist die Parkuhr weiter. Die beiden Polizisten hatten nur einen müden Seitenblick übrig.

Bis das Flugzeug startete, vergingen weitere 30 Minuten. (Zehn Minuten verspätet war es auch.) Das Polizeiauto stand weiterhin stoisch hinterm Herrn Picasso. Die Mäusekinder skandierten „Papa! Papa! Papa!“ übers Flugfeld. Nur weiter so, dachte ich, die werden doch einer Familie mit drei Kindern, die gerade ihren Papa zum Flugzeug gebracht haben, nun wirklich keinen Strafzettel aufbrummen! Der Ähämann stieg ein. Der Pilot stieg aus. In kompletter Uniform. (Auch Mütze, auch weisse Handschuhe.) Dann kam ein Grüppchen feingekleideter Menschen, die der Pilot wahlweise mit Händeschütteln oder Hand-an-Mütze grüsste. Irgendwelche wichtigen Leute mussten das sein. Dann stiegen alle ein. Das Flugzeug setzte sich in Bewegung. Wir winkten wie verrückt. „Papa tschüss!“, rief der kleine Herr Maus. Das Polizeiauto stand immer noch da. Das Flugzeug rollte auf die Startbahn. Wir lauschten. Jetzt! Jetzt geht’s los! Jetzt kommt es gerollt! Gleich hebt es ab! Jetzt! Jetzt! Wir winkten wie verrückt.

Das Flugzeug erhob sich in den aprilwetterblauweissen Himmel. Wurde kleiner und kleiner. „Papa weg!“ sagte der kleine Herr Maus. Als das Flugzeug nur noch ganz klein war, beschlossen wir zu gehen. Das Polizeiauto fuhr auch gerade los.

Wir gingen noch ein bisschen wandern, weil schon mal die Sonne schien. Mitten im Moor piepste mein Telefon. Der Ähämann war gelandet. „Das war das schwedische Königspaar“, schrieb er.