Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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kolmesataaviisi

Das Beste an diesen Sommerferien ist, dass wir nicht nur Zeit hatten für eine vierwöchige Reise, sondern dass auch am Montag danach niemand auf Arbeit musste. Und auch noch lange nicht muss: Wir alle fünf haben dieses Jahr, bis auf die allerletzten anderthalb Wochen unserer elfzwölfwöchigen Sommerferien, gemeinsam frei!

Ich habe ja neuerdings sowieso immer – Augen auf bei der Jobwahl! – während der Ferien frei, was zwar finanziell eher Mist, aber sonst grandios ist. Und nach mir wird nun auch der Ähämann der ewigen Antragschreiberei und den immer kürzeren Zeitverträgen der Uni den Rücken kehren und zu einer Firma nach Tampere – er muss zum Glück nicht jeden Tag dort sein und wird mit dem Zug pendeln – wechseln, was uns mit seinem Resturlaub und einem Monat Arbeitslosigkeit dieses Jahr eben diese wunderbaren elf gemeinsamen Ferienwochen in der besten Zeit des Jahres beschert.

Letzte Woche hatten sie da in der Firma ein wichtiges Meeting und gefragt, ob er hinkommen wolle und könne, und klar, Ausflüge machen wir ja immer gern, ich bin sowieso sehr gern in Tampere, und die Kinder hatten auch schon ihren jährlichen Vergnügungsparkbesuch angefordert, also fuhren wir alle gemeinsam hin.

Der Plan war: wir nehmen das Zelt und bleiben zwei Nächte da, dann lohnen sich die 145 km Fahrt auch mehr als nur für die paar Stunden Vergnügungspark.

Natürlich ging direkt vor unserer Ankunft in Tampere noch ein kräftiger Regenschauer nieder, aber wir bauten trotzdem unverdrossen das Zelt auf – neben einem Wohnwagen mit der 305 – und sprangen in den Bus in die Innenstadt; der Ähämann eilte zu seiner neuen Arbeit, und die Kinder und ich verbrachten den Nachmittag in der Stadt.

Tampere liegt zwischen zwei Seen, zwischen denen es eine Verbindung gibt – mit 18 m Höhenunterschied, der schon lange zur Gewinnung von Wasserkraft genutzt wird. Mitten in der Innenstadt gibt es also sehr viel Wasser und sehr grosse, alte Fabriken, was ich beides sehr beeindruckend finde.

Der grosse Herr Maus war vor zwei Jahren mit den Pfadfindern in Tampere und wollte uns seitdem das dort befindliche Spionagemuseum zeigen. Nun. Wahrscheinlich sind wir einfach verwöhnt von den tollen finnischen Museen… das Spionagemuseum war jedenfalls eine Enttäuschung. Sauteuer, ziemlich klein, viel zu viel Text überall, und am schlimmsten fand ich die Schilder überall, dass Kinder nicht rennen, schreien und sich nicht an die Vitrinen lehnen dürfen sowie dass das Windelwechseln auf dem – im Übrigen nicht gerade sauberen – Museumsklo zu unterlassen ist, sondern dafür die – kostenpflichtige, wohlgemerkt – Toilette im nahegelegenen Einkaufszentrum zu benutzen ist. Hallo?! In Finnland?! Geht’s noch?!

Das Beste am Spionagemuseum war eigentlich, dass dort ein Prospekt mit allen Museen in Tampere auslag, und, weil sowieso gerade wieder ein kräftiger Regenguss niederging, wir direkt danach ins kostenlose (!), nur ein paar Meter weiter befindliche Finnische Arbeitermuseum weiterzogen.

Es befindet sich in einer ehemaligen Textilfabrik, und wir besuchten zuerst mal auf meinen Wunsch hin Helene und Marie, zwei Schweizer Dampfmaschinen, die seinerzeit ein gigantisches Transmissionsrad und damit sämtliche Maschinen der Fabrik angetrieben hatten.

Danach guckten wir uns noch diverse Exponate zur Stadtgeschichte an, und in der „100 Jahre unabhängiges Finnland“-Ausstellung lief uns dann die Zeit davon, weil auch im finnischen Sommer Museen um 18 Uhr schliessen. Aber vielleicht sind wir ja jetzt öfter da.

In der Nacht gingen natürlich wieder diverse Regenschauer nieder, aber schon beim Frühstück wurde es langsam besser, und so stand dem geplanten Vergnügungsparkbesuch nichts im Wege.

Die Vorstellungen von „Vergnügen“ unterscheiden sich dabei in unserer Familie signifikant, und ich bin jetzt noch froh, dass ich diesmal ein Buch eingepackt habe und nicht den ganzen Tag damit zubringen musste, dem Rest der Familie beim Fahren von Folterinstrumenten und vor allem beim Anstehen an denselben zuzugucken.

Am nächsten Morgen packten wir ein tropfnasses Zelt ins Auto – es hatte die ganze Nacht nicht geregnet, aber natürlich kurz vorm Aufstehen nochmal – und bogen auf der Heimfahrt nochmal an einem Glasmacherdorf ab, zu dem ich schon lange mal wollte, wozu aber bisher immer die Zeit nicht gereicht hatte. Leider war das Glasmacherdorf eine ähnliche Enttäuschung wie das Spionagemuseum das Eisengiesserdorf Fiskars. Das einzige, was diese „Design- und Künstlerdörfer“ beim mir auslösen, ist schlechte Laune!

Das Zelt bauten wir im Abendsonnenschein kurz nochmal auf der Wiese vorm Haus zum Trocknen auf, den Rest liessen wir mehr oder weniger unausgepackt, denn der Plan ist, in diesen Sommerferien noch mehr solche Ausflüge zu machen!

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Tampere

Seit ich mit dem Finnischkurs in Tampere war, hatten der Ähämann und ich uns vorgenommen, nochmal gemeinsam mit den Kindern und in Ruhe (haha!) das als Museum erhaltene Arbeiterwohnviertel und den schönstgelegenen Spielplatz Finnlands zu besuchen.

Es hat sechs Jahre gedauert. (Auch, weil das Museum – wie so vieles in Finnland – nur in den Sommermonaten geöffnet hat, wir im Sommer aber meist auf Reisen sind, ausserhalb Finnlands.) Aber am Samstag waren wir endlich da. Die Sommersonderangebote der Finnischen Bahn – Turku-Tampere für nur 5 € pro Person – kamen uns genau recht.

Wir fuhren also „Rutschzug“. Und gingen ins Museum. Und assen Eis. Und der kleine Herr Maus fragte ungefähr siebenundzwanzig Mal „Gehen wir jetzt auf den hohen Harju?“ Und dann wanderten wir auf den höchsten Harju der Welt. Und stiegen noch 141 Stufen auf einen Aussichtsturm. Und assen jeder einen der berühmten Munkkis, die es dort im Café gibt. Und wanderten über den Harju weiter zum Spielplatz mit der wunderbaren Aussicht, 85 m über einem See links und einem See rechts. Und stiegen dann sehr viele Stufen wieder runter. Und tranken literweise Wasser, weil es wirklich heiss war. Und wanderten noch ein bisschen durch den bewaldeten Harju. Und liefen überhaupt sehr viele Kilometer kreuz und quer durch Tampere. Und fuhren sehr spät mit dem Rutschzug wieder zurück.

Alle müde. Alle ein bisschen fusslahm. Alle mit schwarzen Fusssohlen.
Aber schön war’s.