Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Einschub: Zu Hause ist es auch schön

Vor allem, wenn dann doch noch so etwas wie der Sommer ausgebrochen ist.

Am Mittwoch fuhren wir auf dringenden Wunsch der Kinder in den Vergnügungspark.

(Und wer 5500 km geduldig im Auto gesessen hat, der hat sogar einen sehr grossen Wunsch frei! Und sitzt die zweimal 140 km natürlich auf der linken Pobacke ab.)

Das Foto ist dabei übrigens eher symbolisch zu sehen – denn die beiden Herren Maus, die ja inzwischen beide die 120-cm-Marke geknackt haben, das Fräulein Maus, das mit Augen- und Hühneraugenzudrücken den „Darf 140-cm-Geräte fahren“ – Stempel bekam, sowie natürlich der Ähämann fuhren hauptsächlich ganz andere Foltergeräte.

Ansonsten verbrachten wir viel Zeit an Stränden.

Unsere Strandbesuche werden übrigens auch immer finnischer: nicht nur, dass wir in diesem eher kühlen Sommer hauptsächlich Strände mit geöffneter Sauna aufsuchen, gestern, als wir mit den beiden Leihkindern unterwegs waren, bereiteten wir uns auch gleich das Mittagessen am Strand zu.

(Noch zwei Wochen Sommerferien. Ein Glück!)


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„Heute wollen wir aber mal nirgends hingehen!“, verkündete das Fräulein Maus am am Frühstückstisch. „Heute wollen wir mal hier bleiben und mit unseren Freunden spielen!“

Eine halbe Stunde später rief sie von der Terrassentür: „Mama? Wenn wir heute Nachmittag an den Strand fahren, kann dann die Freundin, die nur jede zweite Woche im Nachbarhaus wohnt, mitkommen?“

Heute Nachmittag fuhr ich also mit vier Kindern an den Strand. ♥

(Gut, dass wir den Strand ganz für uns alleine hatten. Alles unser säuberlich verteiltes Gelumpe auf dem Foto…)

Hinzu über die Landstrasse, denn es musste zwecks Proviantbeschaffung noch ein Zwischenstopp am Backstand vom LIDL gemacht werden, rückzu den kürzesten Weg über die zwei Kilometer Autobahn, wo uns gleich nach dem Auffahren ein Pakettiauto mit der 270 überholte.

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Glück ist…

… finnische Sommerabende.

Abendlicht, das von Minute zu Minute weicher und schöner wird. Stille bis auf das Tuckern eines Motorbootes irgendwo weit weg und das Kreischen der Möwen, die über unsere Köpfe hinwegsegeln. Eine Sauna, die zweimal die Woche von 17 bis 21 Uhr angeheizt ist und einfach so von jedermann benutzt werden darf. Grünes Wasser voller Diamanten, das noch so kalt ist, dass es einem kurz den Atem nimmt, wenn man losschwimmt.


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Gartenbesitzer, fleissige und faule

Am Anfang unserer Strasse wohnt ein Klassenkamerad des grossen Herrn Maus. Sein Haus haben die Mäusekinder und ich damals, als wir noch täglich mit dem Bus in den vorherigen Kindergarten fahren mussten, von Tag zu Tag wachsen sehen. Die zwei Maurer, die daran arbeiteten, winkten uns jedes Mal, wenn wir vorbeikamen, und oft blieben wir stehen und schauten ihnen zu.

Als das Haus fertig war, pflückten wir auf der Wiese davor armeweise Huflattich. Einen Monat später war sie gelb von Löwenzahn. Im Sommer wuchs das Gras dort höher als die Kinder.

Dann liess die Familie dort einen Garten anlegen: immergrüne Gewächse, eine grosse Betonmauer, viel Schotter, viel Rindenmulch. Fast jedes Mal, wenn ich jetzt das Fräulein Maus zum Training fahre, sehe ich die Mutter des Klassenkameraden dort Unkraut zupfen. Oder mit der Löwenzahnzange den grossen Blattrosetten, die sich beharrlich auch auf Schotter und Rindenmulch ausbreiten, zu Leibe rücken. Wenn ich das Fräulein Maus zweieinhalb Stunden später wieder abhole, ist sie immer noch mit der Ausrottung der widerspenstigen Gewächse beschäftigt.

Also wir wären für so einen Garten ja allesamt zu faul.

(Und all die Hummeln, Bienen, Blaumeisen, Rotkehlchen, Spatzen, Mäuse und Eichhörnchen kommen auch lieber zu uns.)


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#projektliniennetzplan

Neue Sommerferien, neues Glück.

Wir haben dann heute gleich mal mit der Linie 180 weitergemacht.
(Obwohl die Linie 12 drangewesen wäre.)

Das Besuchskind war dieses Jahr auch sehr glücklich über die Wahl des Ausflugsziels. Jede Menge Steine! Jede Menge Wasser!

Linie 180 ist super. Die bewegt sich nämlich nur auf dem Wasser fort. Von der letzten Brücke über den Aurajoki am Hafen vorbei auf die Hausinsel. Und zurück.


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Von 3 auf 27 in zwei Tagen

Letzten Freitag ist der Sommer ausgebrochen.

Nachmittags entledigen wir uns alle nach und nach unserer Schuhe. Das Gras ist noch eher herbstlich verdorrt als frühlingsgrün, aber der erste Löwenzahn blüht schon, und wir, wir laufen barfuss! Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Abends hat das Fräulein Maus Abschlusskonzert in der Musikschule. Es dauert keine halbe Stunde, und die Harfenlehrerin entlässt alle mit den Worten: „Und jetzt habt ihr euch alle ein Eis verdient!“ in den Sommer. „Kriegen wir wirklich ein Eis?“ hüpfen drei Kinder um mich herum, und eins hat ausserdem einen dringenden Herzenswunsch: „Ich würde so gerne Elektroföri fahren…!“ Wir fahren also mit der Föri auf die andere Flussseite, kaufen viermal Eis im Supermarkt und fahren anschliessend, bis das Eis aufgegessen ist, dreimal mit der Föri hin und her. Sie ist bei jeder Fahrt brechend voll. Die Leute tragen alle Sonnenbrillen und sommerliche Kleidung. (Viele auch Bierdosen.) Die Restaurantboote und Bars an beiden Ufern sind gut besucht, von einem der Restaurantboote schallt Livemusik weit über den Fluss. Motorboote pflügen durch den Aurajoki, auf den Uferstrassen sind erstaunlich viele Oldtimer und Motorräder unterwegs. Es fühlt sich an wie ein Sommerabend im Juli. (Man kann ja nicht wissen, ob es vielleicht der einzige Sommertag des Jahres bleibt.) Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Als wir heimkommen, wechsele ich schnell die Federbetten gegen dünne Sommerdecken. „Dürfen wir kurze Schlafanzüge anziehen?“, fragen drei Kinder erwartungsvoll und hüpfen vor Freude, weil sie dürfen. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Am Wochenende muss das Fräulein Maus bei einem von ihrem Sportverein organisierten Laufevent helfen, der kleine Herr Maus hat ein Fussballturnier und der grosse Herr Maus macht mit den Pfadfindern eine Radtour. (Es ist übrigens das erste Fussballturnier, bei dem ich nicht erbärmlich friere.) Sobald sie jedoch nach Hause kommen, schleudern sie die Schuhe von den Füssen, schlüpfen in Badesachen und liefern sich stundenlange Wasserschlachten mit den Nachbarskindern. Ich hänge mehrere Mount Evereste Wäsche nach draussen. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

Die Bäume werden grün und grüner, die Tulpen blühen für zwei Tage, die ausgesäten Radieschen, Möhren und Erbsen wagen sich endlich aus der Erde heraus, am Himmel hängen nur ein paar Schönwetterwölkchen, und das Wasser aus allen drei Regentonnen ist schon wieder aufgebraucht. Wo es vor einer Woche noch geschneit hat!

So ist das mit dem finnischen Sommer.
(Bis zur nächsten Kaltfront.)