Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Würdiger Abgang

Dieser Sommer schleicht sich nicht heimlich, still und leise davon.
Er geht, wie es ihm gebührt: mit Pauken und Trompeten.

Als gestern früh die Kaltfront heranzog, von der er sich wohl nicht mehr erholen wird, gab es ein dreistündiges, gewaltiges Naturschauspiel mit Blitz, Donner und wolkenbruchartigen Regengüssen.

Den Ähämann erwischte es früh halb sieben auf dem Weg zum Bahnhof, als er gerade losgeradelt war. Als die beiden Grossen kurz vor acht in die Schule mussten, blitzte und schüttete es derart, dass ich sie nicht einmal statt des Fahrrads den Bus nehmen liess, sondern sie lieber gleich mit dem Auto in die Schule fuhr. (Unterwegs sammelten wir noch eine Klassenkameradin des Fräulein Maus ein, die wegen Blitzschlaggefahr ohne Regenschirm, aber auch sonst ohne jeglichen Regenschutz auf dem Weg zur Bushaltestelle war… Und bewunderten die Blitze. Einer schöner als der andere!) Als der kleine Herr Maus kurz vor neun losmusste, hatte zwar der Regen fast aufgehört, aber in der Ferne grummelte es immer noch.

Als ich heute Abend auf meinem Lieblingsheimweg war, nachdem ich den ganzen Tag gefroren hatte, zum ersten Mal seit fast vier Monaten, gab der Himmel noch einmal ein Schauspiel: riesige, leuchtend weisse Zuckerwattegewitterwolken. Blaue Abendwölkchen mit Sonnenlöchern. Dunkelgraue Wolkenschlieren, durch die gelbe Blitze zuckten.

Und das, wo es in Finnland nie gewittert…!

Mach’s gut, Sommer! Du warst so, so grossartig! Bis zur letzten Minute!


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Mit dem Stadtbus ins Moor

Vor etlichen Wochen, als es noch nicht zu heiss zum Wandern war, fuhren wir auf der Landstrasse nach Norden. Die Landstrasse, die auch zum Nationalpark führt, aber da wollten wir nicht hin, sondern noch ein Stück weiter. Jedenfalls bog ein paar Kilomter vorm Nationalparkparkplatz, da, wo eigentlich eine Endhaltestelle ist, ein gelber Stadtbus vor uns auf die Strasse und fuhr – sehr zu unserer Verwunderung – ebenfalls nach Norden! (Obwohl er ja eigentlich nach Süden und zurück in die Stadt hätte fahren müssen.)

Nun ist es so, dass die Gemeinde Turku eine sehr eigenartige Grenze hat: in der Mitte ist die eigentliche Stadt, im Süden gehören noch ein paar Inseln dazu, und im Norden ragt eine 20 km lange Spitze Turku ins Land. So kommt es, dass eine Stadtbuslinie schon immer sehr, sehr weit, bis fast ans Ende dieser Spitze – die Spitze selbst endet an einem Felsen im Moor – hineinfährt, aber eben leider sechs Kilometer vor dem dem Nationalpark endet.

Der gelbe Stadtbus jedenfalls fuhr sechs Kilometer lang vor uns her und bog dann auf den völlig umgestalteten Wanderparkplatz ein, und siehe da, es gab da eine Haltestelle und einen Fahrplan, der uns darüber informierte, dass man in diesem Sommer die ganzen Ferien über mit dem Bus zum Wandern fahren kann.

Es war dann ja erstmal ein paar Wochen lang viel zu heiss zum Wandern, aber als es am Wochenende zum ersten Mal ein bisschen abkühlte – aber nicht zu viel: ein Bad im umrundeten See war mehr als willkommen! – ergriffen wir die fast schon letzte Gelegenheit beim Schopf.

Voll toll, umweltfreundlich und zum Stadtbustarif ins 30 km entfernte Moor fahren zu können! Das könnten sie ruhig während des gesamten Sommerfahrplans jedes Wochenende anbieten!


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Ohne uns

Finnland ist heute kollektiv zurück an die Arbeit gegangen.

Wie toll dieses „Endlich wieder Alltag!“ sein soll und dass ich das unbedingt mit neuer Kleidung, neuen Rezepten, vielleicht sogar einem neuen Auto feiern soll, versucht mir die Werbung schon seit zwei, drei Wochen weiszumachen.

Ich sag mal so: der Ähämann freut sich auf seine neue Arbeit. Ich freue mich auf meine nicht mehr ganz so neue Arbeit. Ein Kind kann die Schule kaum noch erwarten, zwei Kinder werden zumindest nicht widerwillig wieder hingehen in zwei Wochen.

Aber den vielgepriesenen Alltag, der nun endlich wieder einzieht, den hat heute keiner von uns auch nur das kleinste bisschen vermisst.


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Strandtest

(22) Naantali, Kesäranta

Es gibt tatsächlich immer noch Strände – und gar nicht mal weit weg! – die wir noch nicht kennen!

Der hier ist ähnlich luxuriös wie Turkus bekanntester Badestrand: flacher Sandstrand, Liegewiese, Klettergerüste und Schaukeln, Dixiklos (was ich ja sehr viel unangenehmer finde als so ein Waldklo, wie man es an den meisten Stränden findet), Umkleidekabinen (zwei sind ein bisschen wenig), Grillplatz (selbstverständlich mit Holz), Kaffeekiosk und offensichtlich auch Sauna (die entdeckten wir erst auf dem Rückweg zum Auto). Ganz toll sind aber die beiden Stege zu beiden Seiten des Strands, von denen man springen und zwischen denen man, wenn man will, auch hin und her schwimmen kann.

Ein bisschen surreal fühlte sich das Schwimmen dort gestern allerdings an: die Ostsee, die sonst immer kalt und kälter ist, hatte Spassbadwassertemperatur, und um den Kopf wehte eine heisse Brise wie direkt aus dem Backofen.

Da der Strand direkt hinterm Golfresort liegt, hat man auf der einen Seite leider einen wenig schönen Ausblick auf die Yachten und Häuser der Reichen und Schönen; auf der anderen Seite aber schönste Landschaft, wie sie hier eben so ist.

Ich wünschte, ich hätte von diesem Strand schon gewusst, als die Mäusekinder noch müde gesonnt und gebadet werden mussten klein waren…!

[Strandtest (1), (2), (3), (4), (5), (6), (7), (8), (9), (10), (11), (12), (13), (14), (15), (16), (17), (18), (19), (20), (21)]


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kolmesataayhdeksän

Das wäre eine schöne 309 gewesen. Als wir nämlich letzten Sonntag in Kasnäs auf die Fähre warteten und ein bisschen um den Hafen spazierten, war da eine kleine Tesla-Werbeausstellung. Und einer davon die 309. Aber da suchte ich ja leider noch die 308. Die Kinder übrigens sassen probe und versicherten, sie würden auch zwei Jahre lang auf ihr Taschengeld verzichten, wenn wir den kaufen würden. Wirklich lieb von ihnen!

Am Mittwoch fuhren wir nochmal an den Sprungturmstrand, vorher aber noch zum am Weg gelegenen Lidl zwecks Proviantkauf – da stand eine 309 auf dem Parkkplatz – und, wie versprochen, kurz vor zwei zum Steinbruch. Leider mussten wir dort feststellen, dass der Text „Sprengungen üblicherweise werktags um 14 Uhr“ nicht zwingend bedeuten muss „Sprengungen jeden Werktag um 14 Uhr“, sondern durchaus auch „Falls gesprengt wird, dann werktags um 14 Uhr“ heissen kann.

Immerhin der Strand war noch nicht wegen Blaualgen gesperrt. Allerdings liess der grosse Herr Maus sein Frosch-Badetuch dort liegen, dem er zwar fast entwachsen ist, das aber doch so eine Art Gemütsmumie darstellt und das ich gern aufgehoben hätte, und als der Ähämann am nächsten Tag nochmal hinfuhr, war es, obwohl üblicherweise in Finnland nichts einfach mitgenommen wird, auch nicht mehr da.

War wohl bis auf die 309 nicht so unser Tag, der Mittwoch.

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305, 306, 307, 308]


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Sonntagsseefahrt

Weil’s so schön war, sind wir auch diesen Sonntag wieder Schiff gefahren. Kreuzfahrt für Arme, sage ich immer, denn unsere Autofähren und Verbindunsschiffe hier sind – wir zahlen gern Steuern! – komplett kostenlos, und jede einzelne fährt durch allerhübscheste Landschaft. Man kann gar nicht oft genug Autofähre fahren!

Ich weiss gar nicht, wie oft wir schon in Kasnäs sehnsüchtig der Autofähre, die noch weiter nach Süden fährt, hinterhergeguckt und dabei gedacht haben: mit der müssten wir auch mal fahren! (Man muss sich da nämlich leider ein bisschen nach dem Fahrplan richten, weil sie am Wochenende nur viermal am Tag fährt.)

Diesen Sonntag also. Der Wecker klingelte lange vorm Aufstehen um acht, weil vor der Abfahrt auch noch bei der Pflegekatze vorbeigefahren werden musste, um ihr Futter und Streicheleinheiten zukommen zu lassen, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Fähre nach Rosala fährt wirklich durch schon fast alleräusserstes Schärengebiet, da, wo die Inseln viel kleiner und runder und felsiger sind als auf unserer üblichen Autofährstrecke, und wo man ab und zu schon einen Blick aufs offene Meer erhaschen kann.

Damit die Schifffahrt auch ein Ziel hatte, besuchten wir das Wikingerdorf in Rosala, das mich bisher eher nicht gelockt hatte, weil ein Besuch dort in den völlig überteuerten Schifffahrten zu Finnlands höchstem Leuchtturm enthalten ist. Dabei ist es dort wirklich nett: man darf sehr viel ausprobieren und anfassen, es gibt sogar Hasen und Hühner, und weil wir in der Hochsommerhitze fast die einzigen Besucher dort waren, zumindest die einzigen, die sich länger als eine halbe Stunde dort aufhielten, fühlte ich mich ein bisschen wie in der Idylle in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

Danach an den Strand gleich daneben, wo hinter den Schären, die man von da aus sieht, tatsächlich das offene Meer anfängt, und dann mit der Fähre zurück, und auf der Rückfahrt das obligatorische Sommereis aus dem Supermarkt. (Gelobt seien die finnischen Ladenöffnungszeiten!)

Hach, Sommerferien…!


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Finnsierung XLIV

Noch schöner als ein Badestrand ist ein Badestrand mit Sauna.

Auch bei 30 Grad im Schatten.

(Ich habe auch vollstes Verständnis dafür, warum man eine Sauna nach Zentralafrika fliegt .)

[Finnisierung I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, VIIIa, IX, X, XI, XII, XIII, XIV, XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, XXII, XXIII, XXIV, XXV, XXVI, XXVII, XXVIII, XXIX, XXX, XXXI, XXXII, XXXIII, XXXIV, XXXV, XXXVI, XXXVII, XXXVIII, XXXIX, XL, XLI, XLII, offizielle, XLIII]


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Heiss und trocken

Nein, auch bei uns ist noch nicht der Herbst ausgebrochen. Aber so sieht es eben aus, wenn es seit Wochen nicht geregnet hat und dann auch noch eine Woche lang jeden Tag mindestens 30 Grad sind:

In den Supermärkten bot sich übrigens von einem Tag auf den anderen dieses Bild:

Dienstag, 17. Juli 2018

Mittwoch, 18. Juli 2018

Zur Ehrenrettung der Finnen muss man sagen, dass hier üblicherweise Leitungswasser getrunken wird und niemand auf die Idee käme, in Flaschen abgefülltes Wasser zu kaufen und nach Hause zu schleppen. Was jetzt alle war, war Wasser mit Blubber und bisschen Geschmack. Irgendwann kommt einem Leitungswasser ja doch zu den Ohren raus.

Wasser ist auch sonst reichlich vorhanden, und deshalb find‘ ich’s – ganz subjektiv, da ich ja kein Landwirt oder Ähnliches bin – einfach nur wunderbar, nicht mal im Schatten, bei ein bisschen Wind oder in nassen Badeklamotten zu frieren. Gleich früh nach dem Aufstehen gegen Mittag nehmen die Kinder ein Bad im Garten – abends schöpfe ich daraus das Giesswasser für die durstenden Pflanzen – und nachmittags fahren wir an irgendeinen Strand.

(Nach fünf Tagen bei 33 Grad kamen uns übrigens die 27 Grad gestern abend ganz schön kühl vor.)


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kolmesataakuusi

Als wir aus Tampere zurückkamen, bogen wir 70 km vor zu Hause von der grossen Strasse ab, um uns in einem kleinen Dorfladen das obligatorische Eis zu kaufen. Dann beschlossen wir, auf der kleinen Strasse weiterzufahren.

Seltsamerweise kamen uns dort kolonnenweise Autos entgegen. Waren die alle auf dem Weg ins Mökki? Waren die auf der Flucht vor irgendwas? Es sah wirklich sehr absurd aus, wie sich die Blechlawine über die kleine, kurvige Strasse uns entgegenwälzte. Eine 306 war auch dabei, aber die sah nur der Ähämann, der ja bekanntlich diesen Quatsch nicht mitmacht. Kurz vorm nächsten Ort klärte sich die Sache auf: die kamen alle von einer dort stattfindenden riesigen Landwirtschaftsmesse mit bis zu 20 000 Besuchern pro Tag!

Obwohl wir dann noch sehr viele von dort wieder wegfahrende Autos sahen, war keine 306 mehr dabei. Die sah ich dann erst letzten Sonntag auf dem Weg zur Fähre .

[1-3, 4, 5, 6, 7, 8, 9-10, 11, 12, 13, 14, 15, 16-17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32-35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59-61, 62, 63, 64, 65, 66, 67-68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107-108, 109, 110, 111, 112-113, 114, 115, 116-117, 118, 119, 120, 121, 122-123, 124-130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139-140, 141, 142, 143, 144, 145, 146-147, 148-149, 150, 151, 152, 153-155, 156, 157, 158, 159-160, 161, 162, 163-164, 165, 166-167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197-198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205-206, 207-208, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215-216, 217, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224-225, 226, 227, 228, 229-230, 231, 232, 233, 234, 235, 236, 237, 238, 239, 240, 241, 242, 243, 244, 245,246, 247, 248, 249-250, 251, 252, 253, 254, 255, 256, 257, 258, 259, 260, 261, 262, 263, 264, 265, 266, 267, 268-269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278-279, 280-281, 282, 283, 284-285, 286, 287, 288, 289-290, 291, 292, 293-294, 295, 296, 297-298, 299, 300, 301, 302-303, 304, 305]