Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Endlich!

Nach fast zehn Monaten waren wir am Montag wieder in einer öffentlichen Sauna mit natürlichem Gewässer.

In der Sauna am See, die, als wir das letzte Mal dort waren, den letzten Tag geöffnet war. Die neue Sauna ist schon seit Mitte Mai fertig, war aber wegen der Coronabeschränkungen noch bis Sonntag geschlossen.

(Sie war sogar so neu, dass der gerade angeheizte Saunaofen – es ist auch in der neuen Sauna wieder ein Holzofen! – noch qualmte und stank. Erst nach einer Stunde gab sich das, und dann roch das Fichtenholz der neuen Saunabänke ganz wunderbar.)

Der Ähämann hatte sein mobiles Homeoffice dabei und arbeitete mit Blick auf den See, die Kinder und ich wechselten unzählige Male zwischen Sauna und See hin und her. Nicht, dass die Sauna nötig gewesen wäre – es war so heiss, dass es am späten Nachmittag in der Ferne sogar ein bisschen blitzte und donnerte, und das Seewasser war geradezu lauwarm – aber ach, war das wunderbar…! Und wie sehr uns die Eisbadesauna gefehlt hatte den ganzen Winter über…!

Wir blieben bis abends um neun, als die Sonne den See und den Wald golden färbte. Das ist sowieso die schönste Tageszeit.

Passend zum Thema: Finnische Saunakultur steht seit Dezember 2020 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESO.


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Gewusst wie

Woran freut sich ein Kind, das an der Ostsee aufgewachsen ist – aber an der Seite der Ostsee, wo sie aussieht wie ein grosser See, wo sie keinen Horizont hat und sich sommers nie zu grossen Wellen auftürmt?

Daran, dass es seine Familie davon überzeugen kann, abends so lange am Lieblingsstrand zu bleiben, bis die drei Schwedenfähren vorbeiziehen, um dann in die jeweils 12 Minuten später anrollenden Bugwellen zu hüpfen.

(Mama und Papa zucken nachsichtig mit den Schultern, wenn die Kinder „Wellen! Wellen!!!“ juchzen.)


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kolmesataayhdeksänkymmentäkuusi, kolmesataayhdeksänkymmentäseitsemän

Oder: Schnipsel aus der vergangenen Woche

Als die beste Chefin und ich am Montag Hortkinder abholen gingen, fuhren zwei 397en hintereinander neben uns her. Ich guckte mich nach allen Seiten um, ob vielleicht eine 396 zu entdecken wäre, solange eine der beiden 397en noch in Sichtweite wäre, aber nein. Die 396 kam erst auf dem Rückweg an nahezu der gleichen Stelle gefahren. Gleichzeitig näherte sich von hinten eine Feuerwehr und brauste mit Tatüü-tataa Pii-paa-pii-paa und Blaulicht an uns vorbei. Alle Feuerwehrmänner, die auf der uns zugewandten Seite sassen, winkten fröhlich unserer Kinderschar zu.

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Am Montag hatte es auch endlich warm werden sollen. Erstmal aber regnete es noch bis Mittag, und als ich halb elf losmusste zur Arbeit, waren immer noch nur 6 Grad, so dass ich unter die Regenjacke doch noch einen Anorak und in die Gummistiefel Wollsocken zog. Nachmittags hatte es zwar aufgehört zu regnen, aber ich fror selbst mit Anorak unter der Regenjacke, Wollsocken in den Gummistiefeln und Mütze auf dem Spielplatz. Erst anderthalb Stunden später, genau wie vorhergesagt, wurde es schlagartig warm. Auf dem Heimweg fuhr ich sehr viele Klamotten in der Fahrradtasche spazieren.

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Am Dienstag waren 20 Grad. In anderen Gegenden Finnlands wurden sogar 25 Grad gemessen. In Nordkarelien fuhren die Leute in kurzen Hosen und T-Shirt Ski.

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Ebenfalls am Dienstag stand ich neben Michael Monroe an der Fussgängerampel. Keines der Hortkinder, die völlig hysterisch werden, wenn Eino und Aapeli über den Schulhof laufen, nahm ihn überhaupt war – unsere Kinder hätten vielleicht wenigstens gesagt: „Der sieht aus wie der Typ, von dem das grosse Foto am Flughafen hängt“ – und ich kam mir sehr alt vor.

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Am Mittwoch konnte man zugucken, wie es grün wurde. (Endlich!) Birkenblätter, Ahornblüten, Grashalme… alles entfaltete sich und streckte sich der Sonne und dem blauen Himmel entgegen.

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Am Donnerstag, passend zum Feiertag, war der wärmste Tag der Woche. Wir besuchten den Tomatenmann und gingen anbaden. Ich hatte befürchtet, nachdem wir jetzt schon seit über einem Jahr nicht mehr in die Eisbadesauna gehen konnten, dass ich mich diesen Sommer erst Ende Juli in die Ostsee trauen würde. Es ging allerdings überraschend gut, nur an Händen und Füssen wurde es sehr schnell unangenehm. Die Sonne wärmte sehr, und von Land her wehte ein warmer Wind. Nur wenn der Wind kurz drehte und vom Meer her kam, fühlte es sich an, als stünden wir vorm geöffneten Kühlschrank.

Die Beine sind nicht von der Sonne rot. Sondern vom kalten Wasser.

Wir hatten den Strand nicht ganz für uns allein.
(Eine harmlose Ringelnatter. Heisst auf Finnisch passenderweise „Strandschlange“.)

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Am Freitag hatte leider niemand in unserer Familie Brückentag. Ich radelte im Zickzack – denn näher am Stadtzentrum wird an den zahlreichen Baustellen auf Radfahrer nicht so fein Rücksicht genommen wie im Nachbarort – auf Arbeit und im Zickzack von Arbeit wieder nach Hause. Während ich über den dank der Baustelle am Krankenhaus zusätzlichen Berg stöhnte und aus dem Augenwinkel auf Nummernschilder guckte und „Einhundertdreizehn“, „Achthundertsiebenundzwanzig“, „Dreihundertsiebenundneunzig“ vor mich hin murmelte… äh, Moment mal… Dreihundertsiebenundneunzig!… war ich dann noch vor dem Wochenende eine Nummer weiter gekommen.

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Letzte Gelegenheit

Jeder Tag kann jetzt der letzte Sommertag gewesen sein.

Dass wir auch am Sonntag nochmal baden gehen würden, war deshalb selbstredend klar.

Ob wir vielleicht gleich nochmal an den schönen See mit der Sauna fahren könnten, fragte zaghaft der kleine Herr Maus, und der grosse Herr Maus und das Fräulein Maus stimmten – „Oh ja, bitte!“ – ein.

Es war nämlich die letzte Gelegenheit. Nach dem Wochenende würde die alte Sauna abgerissen und eine neue gebaut werden, hatten wir am Tag zuvor auf einem Schild gelesen.

Das ist schade, denn es ist vielleicht die schönste öffentliche Sauna, in der wir je waren. Sie hat nicht einmal Öffnungszeiten – wer hinkommt, holt sich Holz aus dem Schuppen und heizt sie an. Jeder, der schwimmen geht, nimmt einen Wassereimer mit zum Steg und trägt ihn gefüllt zurück in die Sauna.

Eine neue Sauna ist vielleicht modern. Aber sie hat keinen Charme. Das haben wir seinerzeit schon an unserer Eisbadesauna gemerkt.

Tschüss, Kivijärvi-Sauna! Danke, dass wir dich noch kennenlernen und einen letzten echt finnischen Sommertag am See verbringen durften!


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Seentour in Vakka-Suomi

Als wir neulich mal wieder nach einer Badestelle suchten, an der wir noch nicht waren, fiel uns auf, dass es ein Stückchen nordwestlich von Turku, in einer Gegend, in der wir eigentlich nie sind, jede Menge Seen gibt. Nicht so grosse Seen wie in Mittel- oder Ostfinnland, eher so Seechen, aber viele davon mit Badestrand.

Das schrie nach einer Seentour am nächsten Wochenendtag mit Badewetter! Am Samstag packten wir Badezeug und Mittagessen ein und machten uns auf den Weg.

Es fing nicht gut an, denn gleich am ersten See fanden wir den öffentlichen Strand nicht. Es endete fantastisch, denn der letzte See war nicht nur der schönste, sondern dort war sogar die Sauna angeheizt. Dazwischen fuhren wir sehr viele kleine, unbefestigte Achterbahnstrassen und schwammen zwischen Seerosen und vor uns davonhuschenden Wasserläufern. Die Herren Maus zogen sich irgendwann gar nicht mehr um, sondern stiegen gleich mit Badehose ins Auto, bevor wir weiterfuhren zum nächsten See.

Kaukjärvi

Taipaleenjärvi

Isosalmi

Ups, das ist gar kein See. Sondern die Ostsee.

Kivijärvi

Als wir den letzten See verliessen, stand die Sonne schon seeehr tief. Abendbrot bei Kerzenschein auf der Terrasse machte den Tag perfekt.

Die Kombination warm & dunkel gibt’s hier nämlich nur im August. Manchmal.


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kolmesataaseitsemänkymmentäkaksi

Diese Woche gingen unsere Tage dahin zwischen Garten, Erdbeerfeld und Strand. Es ist Hochsommer – 30 Grad und wolkenloser Himmel, wunderbar!

Gestern, auf einem Kreisverkehr auf dem Rückweg vom Erdbeerfeld, kam uns eine 372 entgegen. Glaube ich. Ich sah sie nur aus dem Augenwinkel. Das ist jetzt aber kein Regelverstoss, denn egal, ob es nun wirklich eine war oder nicht, heute kam uns eine andere 372 – ein gelbes Pakettiauto! – gleich zwei Mal entgegen: einmal auf dem Weg zu Strand, und einmal, als wir hinterher vom grossen Supermarkt kurz vor zu Hause, vor dem wir abends um neun noch im Abendsonnenschein und mit Blick auf den Fluss und Felder das obligatorische Sommereis gegessen hatten, gerade wieder losgefahren waren.

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Erdbeeren, immerhin

Eigentlich wäre diese Woche Musiklager. Und meine Eltern zu Besuch.

Eigentlich. *seufz*

Immerhin fällt nicht alles aus. Erdbeerenpflücken in Deutschland zum Beispiel. Und die zwei Nun-doch-nicht-Musiklagerteilnehmer waren ganz froh, beim Pflücken helfen sich die Bäuche schon auf dem Feld vollschlagen zu können.


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Mittsommer 2020

2020 ist alles anders.
Sogar Juhannus.

Dieses Jahr gab es keine Juhannusfeuer – keine privaten wegen Waldbrandgefahr, und keine öffentlichen wegen Corona.

Dafür war das Wetter aussergewöhnlich schön: fast 30 Grad und Sonne, beides bis spätabends. (Normalerweise feiern wir Juhannus in Wollpullovern und mit Mützen. Und manchmal verbringen wir Juhannus komplett in der Sauna.)

Und so packten wir einfach den Picknickkorb und blieben bis Sonnenuntergang um 23 Uhr am Lieblingsstrand.

Während des Abendbrots musste ein aus dem Wasser geretteter Marienkäfer aufgepäppelt werden.

Und fuhren danach durch die helle Nacht nach Hause.

Und das – die langen Abende und die hellen Nächte – ist schliesslich die Hauptsache an Mittsommer!