Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Sommerferien!

Finnland hat 6826 bestätigte Coronafälle.

Grosse Ferien fangen in Finnland immer samstags an.

Die Herren Maus weckten wir heute um acht. Sie warfen sich in Schale, sprangen auf ihre Fahrräder und holten sich vor „Unterrichts“beginn auf dem Schulhof ihre Zeugnisse ab. Zwanzig Minuten später waren sie wieder da.

Ich hatte inzwischen den Frühstückstisch gedeckt und drei Päckchen auf drei Teller gelegt. Bei uns gibt es normalerweise keine Zeugnisgeschenke. Aber besondere Umstände Schuljahre erfordern besondere Massnahmen.

Dann weckten wir das Fräulein Maus. Punkt neun schickte ihr Rektor über Wilma den Link zum Livestream der Schuljahresabschlussfeier. Und so ging auch das Schuljahr 2019/2020 nicht ohne Suvivirsi zu Ende.

Wie toll, wenn das Kind auf eine Schule mit Musikzweig geht!
(Die Chorleiterin ist des Fräulein Maus‘ Klassenlehrerin.)

Dann packten wir Badesachen und Picknickkorb und fuhren zum gewünschten Zeugnispicknick an den Lieblingsstrand.

Die Luft war sommerkleidwarm und das Wasser karibikblau. (Nur ein bisschen kühler.)

Das Beste derzeit aber ist der knallblaue, kondensstreifenfreie Himmel. (Gestern ein Frachtflugzeug von Krasnojarsk nach Paris gesehen. Heute eins von Madrid in eine chinesische Küstenstadt, deren Namen ich schon wieder vergessen habe.)

Wir blieben so lange, bis die ersten beiden der drei Schwedenfähren vorbeizogen. Aber noch bevor die „Grace“ auftauchte, brachen wir auf. Die hätte ich heute Abend tatsächlich nicht sehen wollen.


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Sommerferien minus 1

Finnland hat 6776 bestätigte Coronafälle.

Er kam dann doch sehr plötzlich, der letzte Schultag.

Nicht, dass wir vorher nichts gemacht hätten, aber irgendwie ist es schon sehr komisch, nach nur zweieinhalb Wochen Schulen die Sommerferien zu beginnen.

Immerhin das Wetter stimmte.

Die beste Chefin und ich waren ein bisschen wehmütig. Weil wir keines der Hortkinder umarmen konnten. Und weil wir uns vom Grossteil der Zweitklässler, die ja nach den Sommerferien grosse Drittklässler, die keine Nachmittagsbetreuung mehr brauchen, sein werden, nicht einmal verabschieden konnten. Zwei Jahre sind eine lange Zeit, und diese kleinen Schulanfänger wachsen einem ans Herz, während sie zu grossen, selbstständigen Fast-Drittklässlern werden.

Im Laufe des Nachmittags trafen rührselige Wilma-Nachrichten von den Klassenlehrerinnen der Mäusekinder ein, mit Rückblicken auf dieses seltsame Schuljahr.

Um vier war das letzte Kind abgeholt, wir packten die letzten Spielzeugkisten und die Taschen mit Bällen und Springseilen in unsere Autos und fuhren sie nach zwei Jahren zurück in unsere alten Horträume. Uff.


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Coronaklausur, Tag 35

Finnland hat 4014 bestätigte Coronafälle.

Der Ähämann war gestern Abend zum ersten Mal seit neun Tagen wieder Lebensmittel einkaufen. Er kam erst nach zehn wieder heim, danach verstaute er noch eine halbe Stunde die Einkäufe nach einem ausgeklügelten, mittlerweile ganz gut etablierten System. Wie ich mich freue auf die Zeit, wenn wir uns die ersten Tage nach einem Einkauf in unserer Küche endlich nicht mehr verhalten müssen wie damals im Labor beim Mikrobiologiegrundpraktikum…!

Wir gingen zu spät ins Bett. Zum Glück hatte das Fräulein Maus heute eine Stunde später Schule und auch wir Eltern konnten bis um acht schlafen!

Kurz nach neun fühlte ich mich wie im Grossraumbüro: vier Personen murmelten gleichzeitig in ihre digitalen Endgeräte.

Die beste Chefin rief mich erst mittags altmodisch auf dem Handy an. Bis dahin gab ich mein Bestes, den dieses Jahr ausfallenden Tag der offenen Tür in unserem Hort, den wir normalerweise Anfang Mai für die zukünftigen Erstklässler und ihre Eltern veranstalten, durch einen ansprechenden Flyer zu ersetzen. Und mir natürlich ein Wissenschaftsdienstagsexperiment aus den Fingern zu saugen. (Das Heureka hat da ein paar nette Sachen auf seiner Seite.)

Ansonsten brach heute der Sommer aus, und zumindest ein Teil der schulbildungspflichtigen Kinder zog zumindest für den analogen Teil des Schultags in den Garten um.

Auch Mittagessen gab es auf der Terrasse. Nach und nach entledigten wir uns eines Kleidungsstücks nach dem anderen. Früh waren die Autos auf dem Parkplatz vorm Haus noch bereift gewesen, nachmittags liefen wir barfuss durch den Garten.

Wir holten zum ersten Mal dieses Jahr die Sonnencreme raus, und wo ich vor ein paar Monaten noch gedacht hatte: vielleicht haben wir es ein bisschen übertrieben mit der Vorratshaltung, wo wir doch im Juni guten und preiswerten Nachschub kaufen können, bin ich jetzt froh, dass wir gleich mehrere Tuben im Schrank stehen haben. An Sonnencreme wird es uns nicht mangeln diesen Sommer. (An festem Shampoo, an Bierbrause, an Spee, Fit und vor allem an einem neuen Fahrrad für den grossen Herrn Maus dagegen schon.)

Um drei schnappte sich der grosse Herr Maus seine „1,2 oder 3“-Tasche und sprang zur Buswendeschleife. Seine Lehrerin brachte Schulmaterialien: Arbeitsblätter, grosses, dickes Papier für die nächsten Kunstarbeiten, bei Bedarf auch Bücher aus der Schulbibliothek und Hefte, Bleistifte oder Radiergummis. Dem kleinen Herrn Maus brachte sie auf unsere Bitte hin ein paar Hefte mit einer Speziallineatur mit, die es im Supermarkt nicht gibt. Und für jeden hatte sie eine persönliche Karte gebastelt.

Ich habe das dann jetzt jedenfalls endlich mal zum Anlass genommen, mich bei allen drei Klassenlehrerinnen ausführlich dafür zu bedanken, dass unsere Kinder in diesen Zeiten in Finnland zur Schule gehen Unterricht haben dürfen.


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Jede Reise beginnt auf dem Meer

Der Ähämann hatte noch ein paar Urlaubstage für die Sommerferien übrig. Und so haben wir die letzten vier Tage verbracht, wie wir solche kurzen Urlaube immer verbringen: in Estland.

Wie jede unserer Reisen beginnt auch jede Reise nach Estland auf dem Meer. Aber nicht am Badehäuschen auf Ruissalo vorbei, sondern durch die „Königspforte“ zwischen Vallisaari und Suomenlinna, durch die diese Riesenschiffe wirklich nur gerade so durchpassen, und wo ich im Winter immer mit der liebsten Freundin spazierengehe.

Die zweieinhalb Stunden Überfahrt von Helsinki nach Tallinn sind natürlich, wenn es heiss ist und die Sonne scheint und man auf dem Sonnendeck liegen und lesen und den billigem Alkohol hinterherjagenden „Kreuzfahrt“passagieren aus dem Weg gehen kann, sehr viel angenehmer als in den Herbstferien


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kolmesataaneljäkymmentä

Als wir gestern zum Lieblingsstrand fuhren, kam uns kolonnenweise der Juhannusrückreiseverkehr entgegen. (Die 340 war auch dabei.)

Ich fand es ja – da wir uns ja die letzten drei Wochen an Temperaturen über 30 Grad gewöhnt hatten – fast ein bisschen zu kühl für Strand. Aber die Kinder mussten schliesslich unser neues Haustier ausführen.

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Eröffnung der Strandsaison

Es war noch nicht einmal richtig grün: die Espen sind noch ganz kahl, die Birken noch hellgrün, die erst ein paar Tage alten Eschenblätter glänzen noch. Das Schilf in den Buchten ist noch wintergelb.

Die Luft aber, die hatte 26 Grad im Schatten. Und das Wasser in der Bucht am Lieblingsstrand war immerhin schon zwölfeinhalb Grad warm. (Wozu gehen wir schliesslich den ganzen Winter eisbaden?!)

Auf den Wiesen leuchteten die Löwenzahnsonnen, die Apfelbäume hatten sich ganz in weisse Spitze gehüllt, über die Felder staksten Kraniche und Kiebitze, über die Strasse sprangen Rehe, ungerührt trippelte neben unserer Decke eine Bachstelze knicksend durch den Sand, und die Gruppe Schwäne wendete nicht einmal die Köpfe nach uns.

Wir waren auch heute wieder ganz allein am Strand.