Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Tschüss, Coronaschuljahr!

Am Sonnabend, während die Kinder bei ihren Zeugnisausgaben waren, kochte ich das letzte Maskensüppchen des Schuljahres. Sie brauchten für die anderthalb Stunden jede*r nur noch eine, und so hatte ich am Freitagabend alle Viere grade sein lassen.

Ich weiss nicht, was ich gedacht hatte, als wir alle mit Schuljahresbeginn anfingen – freiwillig, denn eine Maskenempfehlung, geschweige denn eine Maskenpflicht, gab es da noch nicht – Masken in der Schule und auf Arbeit zu tragen. Dass ich von da an jeden Abend Maskensuppe kochen und jeden Morgen Filtereinlagen in die getrockneten Masken friemeln würde, an jedem einzelnen Schultag, ein ganzes Schuljahr lang, das habe ich zu dem Zeitpunkt glücklicherweise nicht einmal geahnt.

Die Kinder hatten über das Schuljahr verteilt mehrere Wochen Distanzunterricht – weil ihre Klasse in Quarantäne war oder einfach nur prophylaktisch – und waren doch die meiste Zeit in der Schule. Manchmal fühlte es sich an wie Russisches Roulette. Als endlich eine Maskenempfehlung für Schüler*innen kam – erst nur für 7. bis 9. Klasse, dann auch für Sechstklässler*innen, ab Ende Januar endlich auch für die 4. und 5. Klasse – atmeten wir alle ein bisschen auf. Für drei Wochen mussten sogar die kleinsten Schulkinder und somit auch unsere Hortkinder Maske tragen – danach war es zum Glück leidlich warm, so dass wir alle Fenster aufreissen konnten. Dass die Schulen hier fast durchgängig auf waren und es trotzdem zu keinen nennenswerten Ausbrüchen unter Schulkindern gekommen ist, haben wir, denke ich, vielleicht dem effizienten Lüftungssystem, mit dem jedes finnische Gebäude ausgestattet ist, zu verdanken.

Wir gewöhnten uns daran, die Kinder beim kleinsten Halskratzen zu Hause zu lassen, waren unzählige Male im Krankenhausparkhaus, trugen „Wartet auf das Coronatestergebnis“ als Abwesenheitsgrund ins Wilma ein und verschickten erleichterte „Negativ!“-SMSe an den Klarinettenlehrer, die Harfenlehrerin und die beste Chefin.

Apropos Musikschule. Eine der besten Errungenschaften dieses Schuljahres war für mich, dass wir für ein hustendes, schniefendes oder zu Quarantäne verpflichtetes Kind jederzeit, zur Not zwei Minuten vor Beginn der Stunde, eine Klavier-, Klarinetten- oder Harfenstunde per Skype vereinbaren konnten.

Das Schuljahr glitt vorbei als eine Aneinanderreihung gleichförmiger Schultage, gespickt mit Hygienemassnahmen. Als die Herbstferien anfingen, hatte ich das Gefühl, es sei gerade mal September. Die Weihnachtsferien fühlten sich eher wie Herbstferien an. Im März sagte der grosse Herr Maus: “Jetzt ist es schon ein ganzes Jahr her, dass wir zum ersten Mal Distanzunterricht hatten!“, und es fühlte sich an wie höchstens ein halbes. Keiner der geplanten Ausflüge ins Museum, ins Konzert, in die Oper nach Helsinki fand statt, die Wissenschaftskreuzfahrt wurde dreimal verschoben und dann endgültig abgesagt, es gab keine Weihnachtskonzerte, keine Frühlingsfeste und keine Zeugnisausgabe mit Eltern und gemeinsamem Suvivirsi-Singen. Vor allem der große Herr Maus, der ohne Eltern und die sonst üblichen Feierlichkeiten in die Oberschule verabschiedet wurde, tat mir leid.

Die Kinder waren zweieinhalb Wochen vor den Ferien komplett durch mit ihrem Schulstoff, gaben ihre Lehrbücher zurück und mussten dann, weil der Kalender so komisch verschoben ist dieses Jahr, sogar noch eine Woche länger als sonst in die Schule, bis in den Juni hinein. Die Vorfreude auf die Sommerferien war gross und hielt sich gleichzeitig in Grenzen. Kein Aufbruch zum Hafen gleich am Abend nach der Zeugnisausgabe. Überhaupt keine Reisepläne. Höchstens die unbestimmte und innige Hoffnung, vielleicht im Juli wenigstens nach Estland fahren zu können. Während letztes Jahr das der beim Schopfe gepackten Gelegenheiten war, wird es diese in diesem Jahr für noch nicht Vollgeimpfte nicht geben. Warum auch, es gibt ja schon genug vollgeimpfte Rentner Menschen. Der Preis für die unempathischste Aussage geht übrigens an den Chef der finnischen Gesundheitsbehörde: „Plant euren Sommerurlaub so, dass er erst nach der zweiten Impfung stattfindet!“, empfahl er letzte Woche. Zur Erinnerung: unsere Zweitimpfung bekommen der Ähämann und ich eine Woche nach Ende der Sommerferien. Und für die Kinder, so sie denn überhaupt geimpft werden, ist noch lange kein Impfstoff vorhanden, noch nicht einmal für eine Erstimpfung vor Beginn des nächsten Schuljahres.

Es war ein seltsames Schuljahr.
Aber immerhin sind wir gesund geblieben.


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Krankenbesuch

Es geht ihr den Umständen entsprechend gut: ein aufgeschürfter Bauch und ein paar Schäden in einem Schaltraum, in den Wasser eingedrungen ist. „Nichts, was wir hier noch nicht gesehen hätten“, so der Kommentar der Reparaturwerft.

Klein sah sie aus, im riesigen Trockendock. Am Kiel wurde geschweisst und gehämmert. Auf Höhe von Deck 6 hing eine Plattform von einem Kran herab, auf der zwei Werftarbeiter standen und Farbe abschliffen, denn die eigentlich für Januar geplanten Wartungsarbeiten werden jetzt auch gleich mit erledigt. Ein Gabelstaplerfahrer, der gigantische Stahlplatten balancierte, hupte und winkte uns fröhlich zu.


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Gefährliches Fahrwasser

Am Sonntag ist mein Lieblingsschiff in den Schären vor Åland auf Grund gelaufen.

Die „Amorella“, mit der der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor 17 Jahren in Finnland ankamen, und die uns bis heute aus jedem Urlaub nach Hause bringt.

Wer einmal mit so einem Riesenpott durch die Inseln und Inselchen zwischen Stockholm und Turku gefahren ist, der wundert sich, dass sowas nicht öfter passiert. Und es passiert ja auch immer wieder. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Mäusefangsommer, als der beste Bootfahrer und ich schon von weitem den grossen Frachter sahen, zweihundert Meter von der markierten Schifffahrtsroute entfernt und seltsam schief im Wasser hängend, der kurz vorher auf Grund gelaufen war und dessen Kapitän ihn kurzerhand auf die nächste flache Insel gesteuert hatte, um das Schiff vorm Untergehen zu bewahren und Mannschaft und Fracht zu retten. So hat es der Kapitän der „Amorella“ jetzt auch gemacht. Und vor sieben Jahren ist sie fast an der gleichen Stelle schon mal auf Grund gelaufen. Und wer weiss, was in der Zwischenzeit noch alles passiert ist, von dem ich nichts weiss, weil ich das örtliche Wurstblatt die Regionalzeitung nur selten lese.

Man weiss noch nicht, was zu dem Unglück geführt hat. Immerhin waren wegen Corona und den Reisebeschränkungen nur ein Zehntel der normalen Passagiermenge an Bord. Es ist kein Treibstoff ausgelaufen. Amorellas Schwester Gabriella ist noch Sonntagnacht aus Helsinki nach Turku geeilt und übernimmt die Fahrten nach Stockholm. Der Plan ist, heute die Fracht so umzulagern, dass die „Amorella“ wieder von der Insel heruntergezogen und auf die Werft nach Naantali geschleppt werden kann.

Ich habe ja ein bisschen Aila im Verdacht. Aila, die letzten Donnerstag durchs Land gefegt ist, drei Stunden lang in Turku an den Bäumen gerüttelt und etliche davon zu Fall gebracht hat, und die natürlich auch mit dem Meer ihren Spass hatte. Vielleicht hat sie so einen riesigen, aber beweglichen unterseeischen Felsbrocken – die haben sogar ihr eigenes Zeichen in den Seekarten! – Richtung Fahrrinne gewälzt. Es gibt nichts, was es hier in den Schären nicht gibt.

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Undank… usw.

„Mama?“, fragt der kleine Herr Maus. „Falls nächsten Winter mal wieder genug Schnee zum Skifahren liegt, darf ich dann auch mal alleine auf unsere Loipe und zwei oder drei Runden fahren?“
„Klar!“ sage ich. „Aber ich würde auch jederzeit mitkommen nach der Arbeit.“
„Nee, Mama, du bist so langsam!“

Das ist nun der Dank dafür, dass man jahrelang keine Skitour gemacht hat, die länger als 800 m war, und dabei alle paar Meter das Kind vom Boden aufgeklaubt, es bei jedem Minigefälle zwischen die Beine genommen hat und insgesamt mehr gestanden als gefahren ist…!


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Acht

Bevor der gerade noch Siebenjährige gestern Abend ins Bett ging, liess er sich nochmal erzählen, wie das war vor acht Jahren, als er den ganzen Tag wie wild in meinem Bauch gestrampelt hatte, und wie wir ihn dann am nächsten Tag in die Arme schliessen konnten.

Sein einziger Geburtswunsch war übrigens eine Uhr, die er beim Schwimmen dranlassen kann.

(Letzten Sonntag sprang er vom Zehn-Meter-Brett! Das wird noch interessant werden mit diesem Kind…)