Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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„Maus gebiert Kind auf fragwürdige Weise“

Als wir gestern Abend – statt Sandmännchen, denn sonntags kommt ja immer diese unsägliche Molly – alle gemeinsam die Maus ansahen, war mir gleich klar, aus welcher Ecke des Mütteruniversums Internets es Kritik daran hageln würde: da wurde nämlich eine Mutter gezeigt, die kauft ihrem Kind einen Kinderwagen (!), die bringt ihr Kind im Krankenhaus (!) zur Welt, im Liegen (!) überdies, und dann endet die Geburt auch noch mit einem Kaiserschnitt (!) – das ist doch einseitig, das ist doch nicht in Ordnung, da bleiben den Kindern doch vollkommen falsche Sachen in Erinnerung…!

Ich finde ja, wir Mütter könnten uns da mal ein bisschen locker machen, statt uns unsere Ansichten zum richtigen Gebären / Impfen / Ernähren… ständig um die Ohren zu hauen. Und stattdessen in so einem Fall vielleicht einfach mal auf unsere Kinder hören, wie die das denn empfinden. Denn für die war die Sendung ja gedacht, nicht wahr?

Was unsere Kinder an der Sendung am meisten beeindruckt hat, war ganz leicht herauszufinden: „Warum schreit der denn?“ fragte der kleine Herr Maus, als der kleine Junge im Film geboren war, und: „Hab‘ ich das auch so gemacht?“ Der grosse Herr Maus hingegen gluckste vergnügt: „Ich hab‘ der Mama auch in den Bauch gepullert!“, als ob das gerade die lustigste Sache der Welt wäre. Und das Fräulein Maus schickte nach der Sendung erst den Papa weg, um mich dann ganz im Vertrauen zu fragen, wo und wie sehr Wehen denn wehtäten.

Ich glaube nicht, dass sich Kinder besonders dafür interessieren, ob ein Baby nun zu Hause, im Geburtshaus oder im Krankenhaus geboren wird. Die wollen wissen, wie das Baby in den Bauch reingekommen ist – und wie es da wieder rauskommt. (Und ja, meine Kinder dürfen gern wissen, dass es ganz normal ist, dass manche Babys eben aus dem Bauch herausgeschnitten werden, weil auch bei einer Geburt Dinge schiefgehen können.) Ob die Frau während der Geburt herumläuft oder lieber liegt, ob sie mit Kabeln ans CTG angeschlossen wird oder ob die Hebamme mit dem Holzrohr die Herztöne abhört, ob das eine gut und das andere verdammungswürdig ist, das interessiert keinen Dreijährigen, keinen Fünfjährigen, und auch unsere Siebenjährige noch nicht. Das wird sie interessieren, wenn es für sie ein Thema werden wird – und ich vielleicht nicht mehr die Person sein werde, die sie danach fragen mag. Ich wünsche ihr dann von Herzen solche Wegbegleiterinnen, wie ich sie in den Frauen eines kleinen, altmodischen Babyforums gefunden habe: Frauen mit gesundem Menschenverstand, mit Erfahrungen, die sie gern zu teilen bereit sind – ohne zu missionieren, ohne zu bewerten.

Ich fand die Maus prima. Der Ähämann auch. Die Kinder auch. Sie erkannten vieles wieder. Auch wenn uns nie eine Hebamme zu Hause besucht hat. Auch wenn ich zu den Vorsorgeuntersuchungen nie zu einem Arzt gegangen bin. Kindern ist nämlich der Weg, die Art des Weges, nicht so wichtig. Sondern das Ziel. Dass da am Ende ein kleiner Junge geboren ist, der schreit.

„Wann hört der denn auf zu schreien?“ fragte der kleine Herr Maus mitfühlend. „Bei seiner Mama auf dem Bauch. Da fühlt er sich geborgen und sicher.“ So schlief der kleine Herr Maus dann gestern Abend ein: auf meinem Bauch liegend. ♥