Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Freitagabend

Die Kinder waren Freitagabend zu einer Geburtstagsfeier in der nur für das Geburtstagskind und ihre Gäste reservierten kleinsten Schwimmhalle Turkus eingeladen. Sie freuten sich sehr, und ich mich mit ihnen: das Fräulein Maus war irgendwann vor einem knappen Jahr zum Schulsport das letzte Mal in der Schwimmhalle gewesen, der kleine Herr Maus vor knapp anderthalb Jahren, der grosse Herr Maus irgendwann vor Corona.

Weil grosse Kinder toll sind und die Herren Maus mit dem Fahrrad und das Fräulein Maus zusammen mit der Freundin aus dem Nachbarhaus mit dem Bus zur Schwimmhalle und zurück fuhren, und weil das Wetter nochmal fast sommerlich war und wir auch was Schönes machen wollten zum Freitagabend, fuhren der Ähämann und ich direkt von Arbeit bzw. vom Bahnhof – der Ähämann war seit anderthalb Jahren zum ersten Mal wieder im Büro arbeiten gewesen – in die Sauna mit den Verbotsschildern. Die ist nämlich, das ist uns irgendwie jetzt erst bewusst geworden, die einzige, die ganzjährig geöffnet hat. (Und die meine vom Arbeitgeber bezahlten Sport- und Kulturgutscheine als Zahlungsmittel akzeptiert. Und zu der man mal eben mit dem Fahrrad fahren kann.) Es war dann in der Abendsonne, die sogar noch ein bisschen wärmte, auch ausgesprochen schön.

Vielleicht habe ich mich dann ausgesöhnt mit dieser Sauna. Die Verbotsschilder kann ich ohne Brille sowieso nur verschwommen sehen.


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neljäsataaviisi

Im Hochsommer wandern ist im finnischen Wald nicht übermässig attraktiv. Nach fünf Wochen täglichen Strandbesuches war es im Moor allerdings auch mal wieder ganz schön.

Das Beste war aber trotzdem, sich nach den acht Kilometern um den grossen Moorsee in dessen weiches, warmes, goldenes Wasser hineinfallen zu lassen.

***

Abends gingen der Ähämann und ich aus. Wir fuhren mit dem Rad ins Stadtzentrum, und in der grünen Plattenbausiedlung parkte – der Ähämann, der ja bekanntlich diesen Quatsch nicht mitmacht, machte mich darauf aufmerksam – eine 405.

Im Stadtzentrum steppte übrigens der Bär. Die Restaurantschiffe am Flusskai sowie die beiden zu fahrenden Biergärten umgebauten Autofähren, die nonstop den Fluss auf und ab fahren, waren allesamt brechend voll, und es tönte ein für finnische Verhältnisse unglaublich lautes Stimmengewirr von ihnen ans Ufer. Man könnte meinen, Corona sei vorbei.

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Reiserückblick: Heisses Wasser

In Island ist es ja nun mal zugegebenermassen nicht besonders warm, nicht mal im Sommer. Aber wir haben viel weniger gefroren als erwartet: erstens haben wir uns einfach entsprechend gekleidet – ja, man kann auch im Juli eine Mütze aufsetzen oder ein langes Wollunterhemd anziehen, das ist nicht verboten – und zweitens gibt es allüberall in Island heisses Wasser.

An manchen Stellen sickert es einfach so aus der Erde und wird dann zum Beispiel durch Rohrleitungen geschickt, um ganze drei Städte mit Fernwärme zu versorgen.

Oder es schiesst als Geysir aus der Erde heraus. (In diesen Löchern hätte ich gern mal ein Ei gekocht.)

Am besten aber ist es, wenn man darin baden kann.

Wir fingen unseren Urlaub direkt so an, in einem Thermalbad an einem See, wo man zwischen 38 Grad warmem Quellwasser und 8 Grad kaltem Seewasser hin und her wechseln konnte. Island schaukelte ganz fürchterlich unter unseren Füssen, wir fühlten uns von der viertägigen Reise und der Zeitverschiebung noch ein bisschen bedröppselt, und es hätte nichts Besseres geben können, als erstmal drei Stunden im warmen Wasser abzuhängen.

Drei Tage später, bei den „Pupsbergen“, badeten wir in türkisblauer Schwefelbrühe, die kochend aus den Bergen herausgelaufen kommt und zum Baden auf angenehme 38 bis 40°C heruntergekühlt wird.

Dann entdeckten wir die ganz normalen isländischen Schwimmbäder für uns.

Dass warmes Wasser im Überfluss vorhanden ist in Island, merkt man daran, dass es in jedem noch so kleinen Ort ein Schwimmbad gibt. Schwimmbäder sind in Island länger geöffnet als Lebensmittelläden! Das isländische Wort für Schwimmbad – sundlaug – hatten wir schnell gelernt. Die Kinder tippten es als Suchbegriff bei GoogleMaps ein und debattierten täglich nach Bekanntgabe der Reiseroute auf der Rückbank über die Attraktivität der Wasserrutschen und die Anzahl der heissen Becken und entschieden dann, an welchem Schwimmbad wir Halt machen würden.

Umkleideräume und Duschen sind in isländischen Schwimmbädern immer drin und schön warm, die Becken draussen. In jedem Bad gibt es mehrere Hotpots mit verschiedenen Wassertemperaturen von 38 bis 41°C, ein Kinderbecken mit 37°C und ein Schwimmbecken mit 32°C. Zusätzlich oft eine Sauna – die zwar nach unseren Massstäben eher lauwarm ist, aber man darf immerhin selbst Wasser auf den Ofen kippen – und oft auch eine Dampfsauna mit Dampf direkt aus der Erde, der allerdings recht schwefelig riecht, was dem Genuss ein kleines bisschen abträglich ist.

Als Ausländer wird man gleich beim Ticketkauf darüber belehrt, dass man sich unbedingt vor (!) dem Baden gründlich (!), mit Seife (!), ohne Badenanzug an (!) waschen muss. Das war uns Finnen natürlich nichts Neues, aber gut, die Isländer werden ihre Gründe haben, so vehement darauf hinzuweisen.

Sehr toll fand ich, dass man seine Schuhe schon vor dem Umkleideraum auszieht und einfach in ein grosses Regal stellt. Und dass es in den Duschen Shampoo und Duschbad gibt, für hinterher Föne, und am allertollsten fand ich die Acht-Sekunden-Schleudern für Badeanzüge. Nie wieder mit triefenden Badesachen heimgehen müssen! (Und wenn man zeltet, weiss man das nochmal doppelt zu schätzen.)

Für Kleinkinder gibt es in jedem Schwimmbad Babybadewannen zum Drinplanschen während des Duschens und Hochstühlchen zum Drinsitzen in der Umkleidekabine, ausserdem Schwimmflügel, deren Tragen obligatorisch ist. (Überhaupt sind sie da sehr hinterher – während es generell eher locker zugeht in den isländischen Bädern und die Bademeister nicht ständig „Nicht rennen!“, „Nicht springen!“ pfeifend durch die Gegend rennen, wurde der kleine Herr Maus zum Beispiel einmal gefragt, ob er denn schon zehn sei. Unter zehn dürfen Kinder nämlich nicht allein ins Schwimmbecken, egal, ob sie schon schwimmen können oder nicht.) In fast allen Bädern schwimmt irgendwelches Wasserspielzeug zur freien Verfügung im Schwimmbecken, und die Wasserrutschen waren grossartig: in Akureyri gibt es eine, in der man erstmal in einer Art Trichter einige Runden drehen muss, ehe man in das Rohr Richtung Ausgang gelangt!

Während hierzulande im Schwimmbad alle recht verbissen schwimmen oder aquajoggen, sitzen die Isländer hauptsächlich in Grüppchen in den Hotpots herum und reden angeregt. Das hat mich ein bisschen an unsere öffentlichen Saunas erinnert. Apropos Sauna: so ein richtig heisser Hotpot hat den gleichen Effekt – nach kürzerer oder längerer Zeit muss man sich unbedingt abkühlen – aber ich fand es noch besser als Sauna, weil man dabei den Kopf an der frischen Luft haben kann. In den kleinen Schwimmbädern gibt es übrigens überall gratis Kaffee, für nach dem Baden oder für während man im Hotpot sitzt. Da können sich die Weltmeister im Kaffeetrinken noch eine Scheibe abschneiden!

Teuer ist das Ganze übrigens auch nicht. Kinder zahlen in Island generell entweder gar nichts oder extrem wenig, und manchmal kamen wir alle fünf für unter zehn Euro ins Bad.

Und so beendeten wir unseren Urlaub genauso, wie wir ihn begonnen hatten: wir verbrachten den letzten Nachmittag in heissem Wasser – im gleichen Ort wie am ersten Tag, aber in einem anderen Bad. Denn manche Orte haben auch mehrere Schwimmbäder.

Während meine Begeisterung für die isländischen Schwimmbäder erst während des Urlaubs aufkam, hatte ich mir eine Sache schon vorher gewünscht: in einer natürlichen heissen Quelle baden.

Auch daran war kein Mangel.

Mitten auf einer blühenden Wiese in heissem Wasser zu sitzen, mit Blick auf schneebedeckte Berge und mit einem tosenden Wasserfall nebenan, war ein bisschen wie im Paradies. Und das abgefahrenste war, bei 9°C Lufttemperatur in einer Edelstahlwanne, die jemand mitten in die Landschaft gestellt hatte, in 44°C (!) heissem Wasser zu baden.

Wir haben nicht ein einziges Mal auf einem Zeltplatz geduscht, weil wir mindestens jeden zweiten Tag in einer heissen Quelle oder einem Schwimmbad baden waren. Und noch Stunden nach so einem heissen Bad fühlten wir uns wohlig warm. Mehr kann sich ein Camper in Island nicht wünschen.


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Sommerferien minus 13

Finnland hat 6347 bestätigte Coronafälle.

Der Sonntag begann mit Weckerklingeln um halb neun und körperlicher Betätigung. Der kleine Herr Maus hatte mit seiner Klein-Trainingsgruppe Schwimmtraining in Turkus kleinster Schwimmhalle. Wir fuhren – kein Auto wann immer es geht! – die vier Kilometer mit dem Fahrrad hin.

(Ich fuhr sie dann wieder zurück und eine Stunde später wieder hin und mit dem kleinen Herrn Maus gemeinsam wieder zurück. War nicht schlimm – ausser dass das mein Arbeitsweg seit acht Jahren ist und ich den eigentlich nicht auch noch am Wochenende brauche. Ich fühlte mich aber sehr wach danach.)

Der kleine Herr Maus war ein bisschen aufgeregt. Richtiges Schwimmtraining! Nach so langer Zeit!

„Und? Kannst du noch schwimmen?“, fragte ich ihn, als ich ihn wieder abholte. „Naja. Ich war ganz schön langsam. Das Wasser war wie Joghurt!“

Aber im Bad riecht’s jetzt wieder so, wie es sonntags riechen muss. Nach Chlor.


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Sommerferien minus 15

Finnland hat 6228 bestätigte Coronafälle.

Die Eisheiligen haben uns fest im Griff. Als ich früh das Rollo hochzog, fielen dicke, weisse Flocken vom Himmel. Der Garten war schon mit einer dünnen weissen Decke überzogen. Später kam die Sonne raus, aber wesentlich wärmer wurde es nicht.

Mein Arbeitsoutfit besteht derzeit also wieder aus Winterschuhen, Thermoleggins, Wollkniestrümpfen, Anorak, Mütze und Handschuhen. Und Handdesinfektionsflasche natürlich.

Mit nur zehn Kindern im Hort ging das alles prima. Und die Zeit vergeht irgendwie viel schneller, seit wir nur draussen sind und uns der Rhythmus von reinkommen und rausgehen fehlt. Ausserdem fehlte das Freitagsgefühl. Ich habe acht von zehn Kindern mit „Bis morgen!“ statt „Schönes Wochenende!“ verabschiedet, als ich ihnen die letzte Portion Käsidesi des Tages auf die Handflächen pumpte.

Das Fräulein Maus hatte vormittags den letzten Mathetest des Schuljahres. Er fand für alle elektronisch statt; für die, die in der Schule waren, genauso wie für die, die bis zu den Sommerferien nicht mehr in die Schule zurückkehren werden.

Am Ende des Tages gab es übrigens die aktuellen Zahlen, wieviele Kinder tatsächlich nicht zum Präsenzunterricht erschienen sind: je nach Stadt und Region zwischen 5 und 25%. Das ist, vor allem angesichts des Drucks, der vorher gemacht wurde, doch recht viel. (In die Turkuer Kindergärten zum Beispiel kehrten sogar nur 55% der Kindergartenkinder zurück, obwohl es auch da seit Donnerstag keine Empfehlung mehr gibt, sein Kind zu Hause zu lassen.)

Ich bin immer noch der Meinung, man hätte das alles gestaffelter ablaufen lassen können, statt alle Kinder von 0 bis 16 auf einmal zurück in Kindergarten und Schule zu schicken. Aber gerechter und für alle sinnvoller als das deutsche „dritte Klassen montags und mittwochs 8 bis 10, sechste Klassen dienstags 12 bis 15 und achte Klassen jede zweite Woche von 10 bis 14“ finde ich es mittlerweile schon. Allerdings hätte man hier auch einfach bei Fernunterricht bleiben können, so prima wie der lief. (Was inzwischen auch durch Umfrageergebnisse unter Viert- bis Zwölftklässlern untermauert und nicht mehr nur meine subjektive Wahrnehmung ist.) Egal. Wir sind die nächsten drei Monate raus.

Abends hatte der kleine Herr Maus zum ersten Mal seit neun Wochen wieder sowas wie normales Training. Nur einfaches Fitnesstraining im Freien, aber immerhin gemeinsam: in Kleingruppen von neun Kindern und einer Trainerin. Die städtischen Schwimmhallen sind noch mindestens bis Juni geschlossen, aber des kleinen Herrn Maus‘ Schwimmverein hat jetzt Zeiten in Turkus kleinster Schwimmhalle reserviert, da wird er jetzt einmal in der Woche für eine Stunde mit seiner Kleingruppe endlich wieder schwimmen können.

Der abendliche Blick in die Nachrichten ist erfreulich: Finnland scheint erneut seine Coronastrategie geändert zu haben; selbst die Gesundheitsbehörde, die vor zwei Wochen noch der Meinung war, der Epidemieverlauf in Finnland sei bisher zu langsam gewesen, hält es jetzt doch für machbar, die Infektionszahlen auf nahezu Null zu drücken. Mal sehen, wie es zu Sommerferienbeginn nach zwei Wochen Schule aussieht.


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Coronaklausur, Tag 47

Finnland hat 5254 bestätigte Coronafälle.

In den zwei Wochen, in denen wir nicht draussen waren, ist der Frühling ausgebrochen: es wird grün, es gibt Blümchen, der Himmel ist blauweiss, Schmetterlinge taumeln über die grün-weissen Buschwindröschenteppiche, die Wellen schwappen mit Sommergeräuschen an die Uferfelsen, und die Vögel singen im Chor.

Das Fräulein Maus fing an, seine Sommerhausaufgabe für den Biologieunterricht zu erledigen: ein Herbarium mit mindestens 50 Pflanzen anlegen. (Darunter so Dinge wie drei verschiedene Arten Rentierflechten und fünf verschiedene Moosarten, die auf Deutsch nicht mal einen Namen haben.) Das Schulkind von heute muss allerdings kein Zeitungspapier mehr durch den Wald schleppen, sondern legt ein Digiherbarium an. Sehr cool.

Der grosse Herr Maus konnte eine weitere Aufgabe – „Besuche einen Nationalpark!“ – in seinen Fernpfadfinderpass eintragen.

Und der kleine Herr Maus, der beschloss spontan, dass es Zeit zum Anbaden sei. (Bei 14°C im Schatten. Über die Wassertemperatur reden wir gar nicht erst.)

Was hatten wir alle den Wald vermisst…! Und den Sommer!


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Coronaklausur, Tag 36

Finnland hat 4129 bestätigte Coronafälle.

Das Gute daran, dass wir seit fünf Wochen nicht unter Leute gehen, ist, dass wir seitdem alle gesund sind. Auch das Fräulein Maus, das sonst jede Magen-Darm-Seuche, jede Angina und jede Flunssa mitnimmt – und die gibt es in Finnland allesamt reichlich zwischen März und Mai – ist schon seit sechs Wochen nicht mehr krank gewesen. Es gibt auch fast keine Grippefälle mehr in Finnland.

Daran sieht man, wie einfach es sein könnte. Wenn.

Die Erkenntnis des heutigen Tages, an dem ich seit langem mal wieder unter Menschen musste: im Wald und in den Vororten, durch die wir unsere Coronaradtouren machen, bekommt man ein völlig falsches Bild. Denn die Supermärkte sind voll, die Parks und Spielplätze sind voll, sogar die Strassen sind voll. Wo nochmal sind alle diese autofreien Strassen in Grossstäden, die man jetzt auf Fotos bewundern kann? In Finnland jedenfalls nicht.

Vielleicht lag’s am Wetter. Der kleine Herr Maus trug heute auch den Laptop in den Garten und absolvierte sein Schwimmtraining dort.


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Coronaklausur, Tag 16

Finnland hat 1518 bestätigte Coronafälle.

Heute wären wir zeitig aufgestanden und hätten den gar nicht mehr so kleinen Herrn Maus zur „Amorella“ gebracht. Dann hätte er uns entschieden weggeschickt, vielleicht nochmal kurz gewinkt, und wäre mit seiner Schwimmmannschaft an Bord gegangen. Zwei Tage Trainingslager auf Åland, anschliessend zwei Tage Wettkampf. Er hatte sich lange darauf gefreut.

Stattdessen hat er ab dieser Woche Training im Kinderzimmer. Dreimal die Woche per Videoschaltung. (Vielleicht müssen wir ihm im Garten bald sowas aufbauen.)

Stattdessen war es ein Tag wie immer in diesen Tagen: vormittags Schule, nachmittags Auslüften. Heute war die Abmachung: der kleine Herr Maus fährt vor, ich folge ihm. Und er hatte auch schon eine ziemlich genaue Vorstellung, wo er hinwollte. Ein Hoch auf unser Radwegenetz! Am Ende zeigte der Kilometerzähler 20 km.

Ausserdem war heute Die-Kinder-kochen-das-Essen-Tag. Mittags buk uns der kleine Herr Maus einen Berg Eierkuchen, und als wir beide von der Radtour zurückkamen, empfing uns das Fräulein Maus – Hauswirtschaftsaufgabe für diese Woche: eine Suppe kochen – mit Kartoffel-Käse-Suppe nach finnischem Rezept.

Es könnte schlimmer sein.


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Skiferien 2020, Tag 1

In Woche 8 sind in Turku …äh… Skiferien. Theoretisch.

Am ersten Ferientag gingen wir in die Schwimmhalle.

Es war zum Glück gar nicht so voll wie befürchtet. Vermutlich sind viele doch im Urlaub in Lappland beziehungsweise in Thailand oder auf den Kanaren. Apropos. Es gab ja neulich ein grosses Volksbegehren für die Einführung einer Flugsteuer in Finnland. Allerdings hat das Parlament den Vorschlag abgelehnt: Finnland wäre sowieso viel zu isoliert, und ausserdem dürfe es nicht sein, dass Fliegen ein Privileg der Reichen ist. Ich habe einmal empört geschnaubt und dann laut gelacht. Ich zum Beispiel möchte in Wintern wie diesem gern mal wieder nach Lappland fahren. Umweltfreundlich mit dem Zug, wohlgemerkt. Nun habe ich aber einen Job, von dem ich ausserhalb der Ferien nur schlecht weggkann, und in den Ferien kosten sowohl die Zugfahrt als auch das Mökki, beides sowieso schon nicht billig, das Dreifache. Wo bitte ist meine Lobby, die sich dafür einsetzt, dass ich zu erschwinglichen Preisen Zug fahren kann?!

Die Kinder vergnügten sich mit diversen Schwimmmatten auf der einen Hälfte des 25-m-Beckens, während ich auf der anderen Hälfte Bahnen zog. Zwischendurch kam der kleine Herr Maus unter der Absperrung durchgetaucht, kraulte wie ein geölter Blitz 25 m hin und 25 m wieder zurück und tauchte zu seinen Geschwistern auf die andere Hälfte zurück, noch ehe ich ihn richtig gesehen hatte. (Die Kinder bezeichnen meinen Schwimmstil liebevoll als Mummorinta, also Oma-Brustschwimmen. Ich euch auch.) Dann wurde ins warme Wellnessbecken gewechselt und später, als der Sprungturm für eine halbe Stunde aufgemacht wurde, ins Sprungbecken. Der kleine Herr Maus machte Köpper vom Dreier und sprang unerschrocken vom Zehner. Zwischendurch gingen wir dreimal in die Sauna zum Aufwärmen. Und danach ins Vier-Grad-Becken, obwohl zumindest mich das echte Überwindung kostet – viel mehr, als ins zugefrorene Meer oder einen zugefrorenen See zu steigen.

Unsere Schwimmhalle hat übrigens seit der letzten Renovierung acht Schwimmbecken, die jeder den Namen eines der sieben Brüder aus Aleksis Kivis berühmtem Roman tragen – plus Venla, die sie alle sieben anhimmeln, die den Ältesten aber erst erhört, nachdem sich die Brüder ausgetobt und zu sittsamen Menschen geworden sind. Die Schwimmhalle steht nämlich in einer Gegend Turkus, die Impivaara heisst – am Fusse des gleichnamigen Hügels befindet sich im Roman der Hof der sieben Brüder.

Nach drei Stunden derlei Sport und Kultur waren wir sehr froh, dass der Ähämann Turkuarbeitstag hatte und zu Hause für uns schon gekocht hatte. Müder und hungriger hätten wir auch nach einer Skitour nicht sein können.