Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Mein Wort zum Freitag

Der Ähämann erfuhr es zuerst aus der New York Times (!!!) und rief mich ganz besorgt an.
(Ich war tatsächlich kurz vorher noch ganz in der Nähe gewesen. Wir waren aber alle schon wohlbehalten zu Hause.)

Aus der New York Times…! Die Süddeutsche und die Tagesschau hatten auch schon berichtet. Ehrlich mal – muss das sein?

Dass auf der ganzen Welt umgehend panisch berichtet wird? Und zwar so, dass alle Welt sofort denkt, es handelt sich um einen Terroranschlag?!

Gerade Messerattacken sind für mich – aber mich fragt ja keiner – ein sehr typisch finnisches Verbrechen. Nur erfuhr davon früher nicht sofort die ganze Welt.

Egal, aus welcher Quelle ihr davon erfahren habt:

– Es war sehr, sehr wahrscheinlich KEIN TERRORANSCHLAG!
– Es war ein einzelner Täter. Die Leute, die man teilweise mit Hockeyschlägern hat herumrennen sehen, wollten den Täter aufhalten.
– Der Täter hat nicht auf Arabisch herumgebrüllt und auch nicht „Allah!“ gerufen. (Was man auf den Videos von Überwachungskameras hören kann, sind undeutliche Warnrufe. Auf Finnisch!)
– Der Täter wurde nicht erschossen. Die Polizei hat ihm ins Bein geschossen, um ihn aufzuhalten, und er befindet sich derzeit im Krankenhaus.
– Turku – man stelle sich vor – hat einen eigenen Flughafen!
– Und: ihr kennt jetzt vermutlich alle den hässlichsten Marktplatz der Welt.

Und vielleicht üben wir uns ab sofort mal alle in ein bisschen weniger Panikmache.


Ein Kommentar

Schlagzeilen

„Mutter und Kind auf Fussgängerüberweg angefahren“, titelte der Turun Sanomat letzte Woche. Was gab das für einen Aufschrei – Stoppschilder sollte man anbringen vor den Überwegen, erhöhen sollte man alle Überwege, und überhaupt die Autofahrer viel härter bestrafen – und nun ratet mal, wie viele Autos seitdem mit unverminderter Geschwindigkeit an uns vorbeigebraust sind, wenn wir am Fussgängerüberweg stehen: der kleine Herr Maus im Kinderwagen, der grosse Herr Maus links am Kinderwagen, das Fräulein Maus rechts am Kinderwagen, und ich dahinter. Genau! Genauso viele wie immer.

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„Zunehmende Jugendfeindlichkeit in Deutschland“, hörte ich vor einigen Tagen im deutschen Radio. Nach dem zweiwöchigen Besuch in meiner Geburtsstadt, von mir hassliebevoll Rentnerhauptstadt genannt, erschien mir das vollkommen einleuchtend. Es stellte sich dann aber schnell heraus, dass, natürlich, von Judenfeindlichkeit die Rede war.