Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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Ruissalo-Erlebnisausflug

Oder: ein herbstlicher Rundwanderweg, ein abenteuerlicher Vogelturm, ein entzückendes Café und ein Hochhaus, das durch den Wald fährt

Sonntags hat der kleine Herr Maus über Mittag Schwimmtraining und das Fräulein Maus abends Gymnastiktraining. Man kann dazwischen noch einen kleinen Ausflug quetschen, wenn man sich beeilt und sich ein Ausflugsziel in der Nähe sucht.

Ruissalo – die Insel mit diesen Eichen gleich vor den Toren der Stadt – die bietet sich dafür an. Allerdings sind wir ein bisschen demotiviert, seit das schönste Café der Insel, in dem wir früher nach der Eisbadesauna immer Erbsensuppe und Kuchen essen gingen, den Besitzer gewechselt hat und wir das jetzt leider boykottieren müssen, und wir ausserdem seit Jahren das Gefühl haben, schon jeden Flecken der Insel zu kennen.

Stimmt aber gar nicht. Als wir gestern schnell recherchierten, ob es nicht doch noch irgendwo auf Ruissalo ein Café gäbe, das auch Ende September noch aufhat, und zwar länger als bis 16 Uhr, da fanden wir eins, das auf der Halbinsel liegt, über die ich zwar schon mal mit dem Bus gefahren bin, weil im Sommer jeder vierte Ruissalo-Bus den Schlenker über die Halbinsel fährt, aber auf der ich sonst noch nie war.

Dabei gibt es da einen wunderbaren Rundwanderweg, dessen Länge vermutlich erklärt, warum wir den nie gegangen sind, als die Kinder noch kleiner waren. Er führt erst am Golfplatz vorbei, dann aber durch zotteligen Urwald, zu einem abenteuerlichen Vogelturm, durch Schafweiden und zu eben jenem Café, das sich in einer der Holzvillen, für die Ruissalo berühmt ist, befindet und in dessen Veranda mit den bunten Fenstern und dem Meerblick ich mich ein bisschen verliebt habe.

Das Fräulein Maus kam dann übrigens doch nicht mit uns mit, sondern blieb noch eine Stunde allein zu Hause und fuhr mit dem Bus zum Training, weil wir sonst nur mit Hin-und-her-fahren beschäftigt gewesen wären. Deshalb beschlossen wir, so viel Zeit auf Ruissalo rumzubringen, dass wir sie auf dem Heimweg gleich wieder einsammeln könnten.

Und so fuhren wir zum Schluss noch zum Badehäuschen, wo wir ewig schon nicht mehr zum Schwedenfährengucken gewesen waren, warteten ein bisschen und sahen dann die hochhaushohe „Grace“ zum Greifen nah an uns vorbeiziehen.

Das ist tatsächlich eine ganz wunderbare Insel, die wir da gleich vor der Haustür haben! ♥


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Jede Reise beginnt auf dem Meer

Der Ähämann hatte noch ein paar Urlaubstage für die Sommerferien übrig. Und so haben wir die letzten vier Tage verbracht, wie wir solche kurzen Urlaube immer verbringen: in Estland.

Wie jede unserer Reisen beginnt auch jede Reise nach Estland auf dem Meer. Aber nicht am Badehäuschen auf Ruissalo vorbei, sondern durch die „Königspforte“ zwischen Vallisaari und Suomenlinna, durch die diese Riesenschiffe wirklich nur gerade so durchpassen, und wo ich im Winter immer mit der liebsten Freundin spazierengehe.

Die zweieinhalb Stunden Überfahrt von Estland nach Tallinn sind natürlich, wenn es heiss ist und die Sonne scheint und man auf dem Sonnendeck liegen und lesen und den billigem Alkohol hinterherjagenden „Kreuzfahrt“passagieren aus dem Weg gehen kann, sehr viel angenehmer als in den Herbstferien


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Mittsommer 2019

Unsere Reisepläne ergaben sich diesmal so, dass wir die Mittsommernacht auf dem Schiff verbrachten.

Juhannus ist ein Fest, das mir lange Zeit nicht so wichtig war, das ich aber mittlerweile doch sehr gern feiere. Und so hatten wir diesmal, während wir sonst – vor allem im Winter, wenn es schon lange finster ist, oder wenn mal wieder das Wetter genau dann schlecht wird, wenn wir zurückreisen – nach Betreten der Fähre direkt in unsere Kabine schlafen gehen, zur Feier des Tages extra Buffet gebucht.

Es gab nicht nur Mittsommer zu feiern, sondern vielleicht auch einen Abschied. Mit der „Amorella“ kamen der Damals-noch-nicht-Ähämann und ich vor 16 Jahren in Finnland an. Seitdem hat sie uns aus aus jedem Urlaub nach Hause gebracht. Vielleicht zum letzten Mal diesmal, denn nächstes Frühjahr soll sie durch ein neues Fährschiff ersetzt werden. (Dabei ist die 30 Jahre alte „Amorella“ immer noch moderner als alles, was zwischen Deutschland und Schweden fährt, zusammen.) Ich finde das neue Schiff aus China jetzt schon doof.

Wir assen uns also im Abendsonnenschein, während sich die „Amorella“ durch die Stockholmer Schären schob, durchs Buffet, und dann sasssen wir bei Fast-Mitternachtssonne an Deck, das mit Birken geschmückt war, und liessen Inseln und Inselchen an uns vorbeiziehen. Und wenn wir nicht am Morgen schon um sechs in Trelleborg angekommen und entsprechend müde gewesen wären, hätten wir bestimmt noch bis Åland, bis weit nach Mitternacht, so weitergemacht.

Ich sag‘ mal so: es gibt sicher weniger schöne Plätze, um Juhannus zu feiern, als die „Amorella“ zwischen Stockholm und Turku.


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Tall Ships Race 2017

Wir hatten diesmal für den Urlaub überhaupt keinen festgelegten Zeitplan – der Ähämann hat wie ein richtiger Finne einfach den ganzen Juli frei – ausser dem vagen Plan, vielleicht ganz gern zum Tall Ships Race zurücksein zu wollen. Das findet nämlich nur alle vier Jahre hier statt, und das letzte haben wir schon wegen Urlaub verpasst, und beim vorletzten – da trug ich den grossen Herrn Maus noch auf dem Rücken von Schiff zu Schiff! – war es wirklich schön.

Auch heute gab es jede Menge Segelschiffe zu gucken, und auf viele konnte man auch drauf. Am schönsten das Schiff mit der weitesten Reise hinter sich – zweieinhalb Monate hat es vom Oman nach Finnland gebraucht! – mit all seinen wunderbaren Verzierungen und der Besatzung, die kaum Englisch spicht, aber radebrechend und lachend begeistert Auskunft gab.

Leider waren diesmal ungefähr eine Million Leute entlang des Aurajokis unterwegs – an der Föri stand eine Schlange, deren Ende sich bestimmt erst nach zwei Stunden der ersehnten Überfahrt genähert hätte; am Hafen hatten sie deshalb gleich eine ganze Autofähre als Fussgängerfähre eingesetzt – und das ist nicht unbedingt das, was man nach zweieinhalb Wochen Zelturlaub in Norwegen (Urlaubsrückblick kommt noch, versprochen!) am besten vertragen kann.

Aber schön war’s trotzdem.


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Ewige Dankbarkeit

Es gibt ja so Dinge, auf die wäre ich im Leben nicht von allein gekommen.
Auf dem Schiff nach einem Rausfallschutz zu fragen, zum Beispiel.

Als ich vor Jahrzehnten Jahren einmal allein mit den Kindern aus Stockholm zurückfuhr und mit dem sieben Monate alten kleinen Herrn Maus, den ich in der Trage vorm Bauch schleppte, dem drei Jahre alten grossen Herrn Maus, der vor lauter Erschöpfung nach einem langen Tag in der Babywanne des Kinderwagens hockte, und dem fünfjährigen Fräulein Maus, das sich brav am Kinderwagen festhielt, nach ungefähr zwanzigminütigem Warten vor dem Fahrstuhl endlich auf dem Deck, auf dem sich unsere Kabine befinden sollte, ankam, wurden wir von einer freundlichen Viking-Line-Mitarbeiterin begrüsst und gefragt, ob wir ein Babybettchen bräuchten.

„Ach nein, danke!“, sagte ich. „Der schläft sowieso nur bei mir im Bett.“ „Oder einen Rausfallschutz für die beiden Grösseren?“, fragte die freundliche Viking-Line-Mitarbeiterin weiter.

Ein Rausfallschutz*…!

Ich weiss nicht, ob ich mir Gedanken gemacht hatte, wie wir in der Viererkabine – zwei Betten oben, zwei Betten unten – eigentlich schlafen wollten. Ich weiss auch nicht mehr, wie wir – mit dem Ähämann dabei – auf der Hinfahrt geschlafen hatten. Vermutlich der Ähämann oben mit dem grossen Herrn Maus, ich unten mit dem kleinen Herrn Maus und das Fräulein Maus unten alleine. Vermutlich hatte mein Plan für die Rückfahrt irgendwas mit Hochklappen der unteren Betten und Ausbreiten der Matratzen auf dem Fussboden zu tun gehabt. Ich weiss es wirklich nicht mehr.

Ich weiss nur, dass ich unendlich freudig bejahte, einen Rausfallschutz würden wir gern nehmen. Dann könnten nämlich das Fräulein Maus und der grosse Herr Maus gemeinsam unten „in einer Höhle“ schlafen und ich mit dem kleinen Herrn Maus in dem anderen unteren Bett, und wenn wir für das auch noch einen Rausfallschutz kriegten, dann müsste ich ihn nach dem zweiten nächtlichen Stillen noch nicht mal zurück auf die Wandseite bugsieren.

Bis heute bin ich der freundlichen Viking-Line-Mitarbeiterin dankbar, und bis heute fragen wir bei jeder Nachtfährfahrt als Erstes nach zwei bis drei Rausfallschützen, noch bevor wir die Kabine betreten. Das eröffnet nämlich auch bei grossen Kindern noch ganz neue Möglichkeiten: neuerdings wird nicht mehr so sehr darum gestritten, wer mit wem „in der Höhle“ schlafen darf, sondern wer – allein oder mit welchem Geschwisterkind – oben schlafen darf. Und ich habe jetzt schon einige Fährüberfahrten erlebt, bei denen ich mein Bett mit keinem einzigen Kind teilen musste!

(Irgendwann hatte ich die Schnapsidee, auch bei einer Überfahrt mit Stenaline oder TT-Line oder Scandlines oder wer auch immer die überteuerten Fahrten mit den räudigen Schiffen von Trelleborg nach Rostock anbietet, nach einem Rausfallschutz zu fragen. „Ein Rausfallschutz?!“, guckte mich der freundliche deutsche Mitarbeiter am Infoschalter entgeistert an. „Ein Babybett könnten wir Ihnen anbieten!“ (Da war der kleine Herr Maus vier!) „Naja, so ein Ding halt, was man unter die Matratze klemmt und was dann eben verhindert, dass das Kind aus dem Bett fallen kann…“, erklärte ich. „Nein, sowas haben wir leider nicht. Aber sowas ist an den oberen Betten ja auch dran…“ Ja, neee, danke. Dieser Minibügel wird unsere sich herumwälzenden Kinder leider nicht aufhalten. Aber immerhin sind jetzt alle gross genug, um wenigstens unten ohne Rausfallschutz auszukommen. Und oben geschlafen wird eben nur zwischen Stockholm und Turku.)


*Wir besassen und besitzen freilich einen Rausfallschutz für unsere Kinder. So einen ausziehbaren, den wir tatsächlich immer noch mit auf Reisen nehmen, denn man weiss ja nie. Aber auf eine Fähre haben wir ihn nie mitgeschleppt. Wer einmal drei Kinder, einen Kinderwagen, Klamotten für alle – ich bin da vielleicht ein bisschen paranoid, aber die Anoraks bleiben nicht im Auto, wenn wir Fähre fahren – und einen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien für die Nacht durch ein vollgeparktes, enges Autodeck manövriert hat, der verzichtet auf jedes nicht unabdingbare Gepäckstück.


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Schiffe gucken

„Können wir auch noch in ein paar andere Museen gehen?“, fragte das Fräulein Maus letzte Woche. „Klar. Wo willst du denn hin?“ „In das Schiffsmuseum!“

Also gingen wir gestern ins Schiffsmuseum.

Ausser einer wirklich schönen Ausstellung in der ganzjährig geöffneten Ausstellungshalle kann man sich im Sommer auch all die Schiffe angucken, die vor dem Museum im Aurajoki vor Anker liegen. Und das war das Allerbeste.

Wir schwankten über die schrägen Planken – auch im Inneren! – des „Suomen Joutsen“, wir stiegen bis auf die Brücke des letzten als Autofähre zwischen Finnland und Schweden eingesetzten Dampfschiffs und stellten fest, dass die Kabinen in den letzten fünfzig Jahren eigentlich nicht wesentlich moderner geworden sind, die Kinder kochten lange in der Kombüse eines 150 Jahre alten hölzernen Dreimasters Eierkuchen und Kaffee, und wir stiegen in jede enge Luke und über jede Treppe der beiden ausgestellten Kriegsschiffe.

Das Fräulein Maus fing dann irgendwann an zu motzen über Schwäche und Langeweile zu klagen. (Sehr schön ist, dass man den – relativ teuren – Museumsbesuch tatsächlich jederzeit abbrechen und am nächsten Tag fortsetzen kann. Die Tickets gelten automatisch zwei Tage lang.)

Nun ist das nichts Neues, dass das sportlichste Kind der Familie nicht allzugern läuft. Aber als wir uns dann auf dem Heimweg mit dem obligatorischen Sommerausflugseis aus einem nahegelegenen Supermarkt auf der Föri niedergelassen hatten und uns fünf Mal über den Fluss hin und her fahren liessen, da hatte ich, zugegebenermassen, auch ein recht plattgelaufenes Gefühl in den Füssen.


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Herbsturlaub (5): Heimkehr

Die Einfahrt in den Helsinkier Südhafen ist die schönste der Welt, die ich kenne.

(Und, liebe Pinni, ich habe schon mal nachgeprüft, ob für unseren 48-Stunden-nonstop-Kommunikationseinheiten-Austausch-Urlaub in zwei Wochen alles bereit ist. Das Hostel steht noch, der Leuchtturm leuchtet, die Fähre fährt. Und an einem der beiden Abende müssen wir unbedingt dreiviertel sieben mal da an der hintersten Inselspitze stehen und gucken, wie das Riesenschiff da vorbeifährt. Wenn wir die Arme ausstrecken, können wir es vermutlich sogar anfassen.)


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Herbstferien (1): Kurze, weite Reise

Manchmal komme ich mir ein bisschen versnobt vor, weil so eine Schifffahrt gar nichts Besonderes mehr für uns ist. Auch die unter Finnen so beliebten „Kreuzfahrten“ empfinden wir eher als zweifelhaftes Vergnügen. Denn wann immer wir irgendwohin ausserhalb Finnlands reisen wollen – es sei denn, wir fliegen, aber das ist mit fünf Personen finanziell eher keine Option – besteigen wir ein Schiff. Also oft.

Dennoch fühlt sich so ein Urlaub, der mit einer Schiffsreise beginnt, gleich wirklich wie eine weite Reise an. Auch wenn man gar nicht weit fährt.

Irgendwie muss man ja aus zwei (!) schulfreien Tagen (!) das Beste machen.