Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


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neljäsataakuusikymmentä

Seit ein paar Jahren haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, unsere zehnwöchigen Sommerferien nicht nur für eine grosse, sondern auch noch für eine kleine Reise zu nutzen: ein paar Tage oder eine Woche in Estland, wo die Landschaft wilder, das Essen besser, die Sprache niedlicher und das Meer weiter ist als hier.

:-)

Dass wir im Sommer nochmal auf die Insel Saaremaa fahren wollten, hatten wir diesmal schon zu Ostern beschlossen.

Auch dem etwas gefährlichen Mökki gaben wir eine zweite Chance. (Wir hatten Polstermaterial für die Türrahmen mitgenommen und gingen abwechselnd in die Sauna, so dass dieses Jahr kein Ausflug in die Notaufnahme des Krankenhauses, in dem es damals so ruhig und gelassen zugegangen war, während es ein halbes Jahr später unter einem der ersten und schlimmsten Covid-Ausbrüche in Europa fast zusammengebrochen wäre, nötig war.) Dieses Jahr hatten wir ausserdem drei nette, vierbeinige Mökkinachbarn, und wir begriffen endlich, welches Geräusch wir schon vor drei Jahren Nacht für Nacht gehört hatten: das liebliche Nagen von Holzwürmern.

Wir wanderten zum einsamen Strand mit dem schiefen Leuchtturm, bewunderten einen Meteoritenkrater, Klippen, sprudelnde Karstquellen, Holzhäuser, windschiefe Kirchlein und eine Burg, die man ganz oben auf ihren Wallanlagen umrunden darf, die Herren Maus stürzten sich jubelnd in hohe, aber eiskalte Wellen und bauten stundenlang Sandburgenstädte, und eine 460 – es machten recht viele Finn*innen Urlaub da – sahen wir auch.

Zufallsfund: eine mittelalterliche Kirche im estnischen Nirgendwo.

Kopie der Kanzel des Lübecker Doms. Inklusive deutscher Bibelverse.

Die ist wirklich schön, diese geschichtsträchtige Insel mit Kratern.

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Ostern 2022

Wir haben gemacht, was wir immer machen, wenn hierzulande alle von „Ferien“ sprechen, es sich in Wirklichkeit aber gerade mal um ein verlängertes Wochenende handelt: wir fuhren nach Südosten.

Wir fuhren Donnerstagabend direkt von Arbeit, Klavier- und Harfenstunde los und kamen immerhin noch bis Tallinn, wo sowieso für den nächsten Vormittag ein grösserer Schuheinkauf geplant war. Freitagmittag fuhren wir weiter auf die Insel Saaremaa, eines unserer liebsten Reiseziele in Estland.

Wir liessen uns die Sonne auf die Nasen scheinen. Wir waren endlich mal wieder im Wald. Zwei Familienmitglieder gingen bei 8 Grad Luft- und unter 5 Grad Wassertemperatur – wozu schliesslich gehen wir den ganzen Winter eisbaden?! – anbaden. Wir besichtigten Leuchttürme und liessen uns Ostseesand durch die Finger rieseln. Wir bestiegen einen… äh… interessanten Aussichtsturm. Wir sahen die ersten Störche, Kraniche zogen trompetend über uns hinweg, die Wälder schallten von Buchfinkgesang, und wenn wir abends nach der Sauna auf der Terrasse sassen, flötete die Amsel vom höchsten Baum herunter.

Erst kurz vor Mitternacht am Ostermontag waren wir wieder zu Hause.
Es war der beste und längste Osterurlaub, den wir je hatten.


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Ein einsamer Strand

Es war uns schon in den Herbstferien vor zwei Jahren klar, dass dieser Strand im Sommer ganz wunderbar sein muss. (Damals wanderten wir eigentlich nur hin, weil wir den schiefen Leuchtturm sehen wollten.)

Der Strand ist nur mit 4,5 km – eine Strecke; und wenn man nicht den gleichen Weg zurückgehen will, sind es insgesamt 11 km – Fussmarsch über eine sandige Halbinsel zu erreichen, weswegen wir, obwohl es heiss und sonnig war, ganz allein dort waren.

Das Wasser war glasklar und fast karibikblau. Der kleine Herr Maus hielt beim Baden tapfer den verbundenen Arm in die Höhe, bis er die im Rucksack geschmolzene und zum Wiederfestwerden ins Meer gelegte Tafel Schokolade mit dem falschen Arm herausholte. Zum Glück hatten wir damit gerechnet und Wechselverbandszeug dabei.

Ganz an der Spitze der Halbinsel steht nicht nur der alte, langsam verfallende Leuchtturm, sondern es gibt da auch eine – wir haben gemessen – einen ganzen Kilometer ins Meer hineinragende schmale Landzunge, an deren Ende sich die Wellen gegenseitig in die Arme laufen.

Was für ein wunderbarer Ort! ♥


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Ein Leuchtturm in Schwarzweiss

Eigentlich wollten wir nur irgendwo essen gehen. Und vielleicht an einen Strand.

Dann fiel mir ein, dass es ja da diesen Leuchtturm auf dieser Halbinsel ganz weit draussen gibt, bei dem wir damals im Herbst nicht waren, weil man ihn nur im Sommer besichtigen kann. Also fuhren wir hin. (Zu essen gab’s da auch.)

Der Leuchtturm liegt so weit draussen, am allersüdlichsten Zipfel Estlands, dass wir, als wir dort ankamen, erstmal überhaupt keinen Handyempfang mehr hatten und dann die obligatorische Auslands-SMS – „Willkommen in Lettland!“ – bekamen. Tatsächlich ist es von da nach Lettland kürzer als bis zur nächstgelegenen estnischen Stadt.

Den Leuchtturm darf man, das freute uns besonders, besteigen, 248 dröhnende Stufen durch seinen hallenden Betonhals bis hinauf auf die schmale Plattform unterm Leuchtfeuer.

Gern wären wir noch bis zum Ende der Landzunge gelaufen, aber dann fiel uns leicht panisch ein – das vergisst man ja im Urlaub leicht – dass Samstag war und wir noch in die Apotheke mussten um neues Verbandszeug für den kleinen Herrn Maus zu kaufen. (Zum Glück aber sind die Läden in Estland ähnlich komfortabel geöffnet wie in Finnland.) Und eine noch viel schönere und vor allem weniger überlaufene* Landzunge setzten wir einfach auf den Plan für den nächsten Tag.


Also, „überlaufen“ im finnischen oder estnischen Sinn, ehe hier noch Missverständnisse aufkommen… ;-)


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Mökkileben

Uns war es eigentlich völlig egal, wohin in Estland wir fahren würden. Irgendwohin, wo noch ein Mökki für uns Kurzentschlossene frei wäre (und das Meer in der Nähe), und so landeten wir – und schliesslich war es vor zwei Jahren im Herbst schon so schön da – auf Saaremaa.

Mökkiurlaub ist super. Im Hochsommer in Estland genauso wie im Winter in Lappland.

Unser Mökki diesmal – eine ehemalige winzige Bauernkate – hatte leider ein paar… äh… bauliche Eigenheiten, die unseren Urlaub ein bisschen überschatteten. Der Ähämann stiess sich an den niedrigen Türen zu Küche und Bad mehrmals den Kopf, bis er fast eine Gehirnerschütterung hatte. Und der kleine Herr Maus rutschte gleich am ersten Abend durch einen Spalt zwischen mittlerer Saunabank und Saunaofen, und wenn das Fräulein Maus nicht so beherzt reagiert hätte, hätte er sich vielleicht noch mehr verbrannt als den ganzen Unterarm. Statt gemütlich in der Sauna zu sitzen fuhren wir also zurück in die 30 km entfernte Kleinstadt, wo wir in der Notaufnahme sehr freundlich und unkompliziert empfangen wurden und dem kleinen Herrn Maus im fast-mitternächtlichen Abendsonnenschein ein hübscher Verband mit Brandgel angelegt wurde. (Danke, liebe EU, für E 111!)

Aber sonst war es ganz wunderbar. Ausschlafen, Lesen, Heupferde beobachten, Abendbrot überm Lagerfeuer zubereiten, Nichtstun. Umgeben von Grillenzirpen, Kranichrufen, blassblauem Sommerhimmel und nachts aus den Wiesen steigendem Nebel wie im Schlaflied.


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Goldene Herbstferien

Estland ist nur eine kurze Schiffsreise von uns entfernt: nahe genug, dass es sich auch für vier Tage Herbstferien lohnt,und anders genug, dass es sich wie richtiger Urlaub anfühlt.

Deshalb besteigen wir, seit wir Schulkinder haben, zu Beginn jeder Herbstferien – wenn nichts dazwischenkommt – eine Fähre und fahren für vier Tage Richtung Süden.

Diesmal hatten wir eine extralange Anreise mit noch einer zweiten Fährüberfahrt, weil wir diesmal Urlaub auf Saaremaa machen wollten.

Dafür genossen wir vier Tage lang Sonnenschein, goldenen Herbst und Meer. Wir winkten hunderten Wildgänsen hinterher. Die Kinder sammelten kiloweise Hühnergötter und stellten einen neuen Wanderrekord auf, weil auch sie gern zu dem schiefen, verlassenen Leuchtturm wollten, den man nur zu Fuss erreichen kann. Wir bewunderten Windmühlen, kleine schiefe Kirchlein, einen riesigen Meteoritenkrater und Karstquellen. Wir begegneten Füchsen, Elchen und Marderhunden. (Und ausserhalb der Stadt, in die wir jeden Abend zum essen fuhren, ungefähr fünf Menschen.) Jeden Abend heizten wir die Sauna an, und wenn wir danach dampfend auf der Terrasse sassen, bestaunten wir die Milchstrasse, die ich zum letzten Mal im letzten Estlandurlaub gesehen hatte.

Estland ist weit und wild und wunderbar.

Ein Meteoritenkrater! (Echt jetzt!)

Estnischer Spielplatz abends halb acht: noch voller Kinder – und unsere sind nicht die lautesten!

Bis nächstes Jahr!