Suomalainen Päiväkirja

Live aus Turku


Ein Kommentar

Wochenende auf Rädern

Ich denke ja manchmal ein bisschen wehmütig an die Zeiten zurück, als sie alle noch klein waren. Aber grosse Kinder sind echt toll!

Samstag.

Mit drei grossen Kindern kann man mit dem Fahrrad nicht nur die wichtigsten Einkäufe im nächstgelegenen Einkaufszentrum erledigen – einer brauchte eine Regenjacke, eine eine Regenhose, einer einen neuen Fahrradhelm, eine neue Rollschuhe, einer kaufte sich von seinem Taschengeld ein Skateboard – sondern sogar hinterher noch den Wocheneinkauf im Supermarkt machen.

(Weil.)

Dass es im Einkaufszentrum jetzt ein Fahrradparkhaus gibt, war recht praktisch, denn es, nun ja, schneeregnete.

Sonntag.

Als ich nach dem Frühstück zu klein gewordene Rollschuhe aussortieren und die am Vortag neu erstandenen Rollschuhe in die Rollschuhkiste einräumen wollte, beschlossen der Ähämann und ich spontan, dass unsere 25 Jahre alten und in den letzten Jahren hauptsächlich von Nagetieren als Unterkunft genutzten Rollschuhe jetzt dann doch mal ausgedient haben.

Der Ähämann ergatterte das vorletzte und ich das letzte Paar in der passenden Grösse. (So ging es uns letzte Saison schon mit zwei Paar neu anzuschaffenden Skiern.)

Bei der anschliessenden Probefahrt stellten wir fest, dass wir einen weiteren Meilenstein erreicht haben: sechs Jahre, nachdem der Osterhase ihnen ihre ersten Inlineskates gebracht hat, kann man mit den Kindern richtige Touren fahren. Direkt von zu Hause aus eine Stunde am See entlangrullern, zack, 8 km!

(Es kam direkt die Frage auf, ob wir jetzt immer rullern statt wandern gehen können.)

Presseschau.

Schon bisschen älter, aber passend zum Thema: Finnlands berühmtester Inlineskater ist übrigens Sauli höchstpersönlich.


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Coronaklausur, Tag 49

Finnland hat 5412 bestätigte Coronafälle.

Gestern gab es nicht nur neue Beschlüsse über weitere Lockerungen – die, das kann ich schon mal sagen, sehr weit entfernt sind von der Unbekümmertheit, mit der die Schulöffnung durchgeboxt wurde – sondern es wurden auch die vom Bildungsministerium und der Gesundheitsbehörde aufgestellten Regeln für einen epidemiekonformen Schulablauf verkündet. Ich war ja schon letzte Woche skeptisch. Aber dieses Regelwerk hat alle Erwartungen übertroffen.

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „schrittweise zurück in die Schule“. Einen Tag später hiess es: „Alle Erst- bis Neuntklässler gehen wieder in die Schule, und die Kindergärten machen wir auch am gleichen Tag ganz normal für alle wieder auf.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „Wir müssen die Gruppen klein halten, eventuell leerstehende Räume nutzen, um die Klassen teilen zu können und genug Sicherheitsabstand halten zu können“. Jetzt heisst es: „Wir werden keine Klassen teilen, es wird normale Klassen- und Kindergartengruppenstärken geben und kein Extrapersonal, und wir werden die Sicherheitsabstände ganz bestimmt nicht mit dem Lineal abmessen.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „verstärkter Handhygiene“. Jetzt heisst es: „Händewaschen beim Ankommen in der Schule und vorm Heimgehen.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „ein Lehrer pro Klasse“. Jetzt heisst es: „Natürlich gehen die Fachlehrer von Klasse zu Klasse, das ist ja auch anders gar nicht machbar.“

Letzten Donnerstag war noch die Rede von „wir wollen den Schulbetrieb so sicher gestalten, dass niemand Angst haben muss, wieder in die Schule zu gehen“. Jetzt heisst es: „Kinder stecken sich ja nicht an und deshalb müssen* alle wieder in die Schule, es wird keine Freistellungen und keine erlaubten Krankmeldungen geben ausser mit ärztlichem Attest.“

Wenn man ein bisschen verfolgt hat, wie Schul- und Kindergartenwiederöffnungen ablaufen könnten – wie sie in Dänemark und Norwegen ablaufen und in Deutschland geplant sind – dann fragt man sich, was für ein grossangelegtes Experiment hier eigentlich nächste Woche gestartet werden soll. (Und wie viele Eltern bereit sind, ihre Kinder als Versuchsobjekte daran teilnehmen zu lassen.)

Heute früh traf ich mich als erstes mit der besten Chefin, um eine Strategie auszuarbeiten, wie wir die Hortbetreuung halbwegs epidemiekonform durchziehen können in diesen letzten elf Tagen vor den Sommerferien. Wenn wir nicht selbst nach bestem Wissen und Gewissen Regeln aufstellen würden, sondern uns an die halten würden, die wir offiziell bekommen, dann könnten wir uns ruhig mit unseren 30 Kindern eine Turnhalle mit den 60 Kindern der anderen Nachmittagsbetreuung teilen, aber draussen Fussball spielen dürften die Kinder nicht. Ich hab‘ schon Muskelkater vom Augenrollen.

Zu Hause erwartete mich der kleine Herr Maus schon ungeduldig, denn ich hatte ihm gestern versprochen, heute gleich nach der Schule mit ihm Runden rullern zu gehen. Einsam zogen wir unsere Bahnen, wie das dort immer ist ausserhalb der Schlittschuhsaison.


* Müssen muss hier gar niemand, da kann sich die Bildungsmininsterin auf den Kopf stellen müsste man erstmal ein Gesetz ändern.


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WohnRullerpark

Gleich hinter unserem Wald entsteht ein neues Wohngebiet. Das heisst, es soll wohl ein Wohngebiet entstehen: die Strassen sind asphaltiert und mit Strassenschildern und Verkehrszeichen versehen, Bäume und Büsche sind gepflanzt, Bänke aufgestellt, Stromkästen und Strassenlaternen installiert – nur Häuser gibt es noch keine. Noch nicht einmal Baustellen. Auf den zukünftigen Baugrundstücken wuchern Kornblumen und Kamille in kniehohem Gras.

Der Asphalt ist da nicht ganz so schön glatt wie auf der Schlittschuhbahn oder im Verkehrspark und „Mit den Gullideckeln haben sie’s ein bisschen übertrieben!“ empörte sich der kleine Herr Maus, aber dafür ist man jederzeit in fünf Minuten hingelaufen und kann dann da wunderbare Runden fahren.

Also wegen uns braucht da keiner so schnell ein Haus zu bauen.

Die Strassenlaternen dort bleiben allerdings vorerst – die Umwelt dankt! – ausgeschaltet. Wenn man nicht mehr erkennen kann, wo sich die Gullideckel befinden, um die man tunlichst herumrullert, ist es sowieso höchste Zeit, den Heimweg anzutreten, wenn man für den Rückweg durch den Wald keine Stirnlampe dabeihat.


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Profirullern

Das mit den Rollschuhen haben wir dann gestern nachgeholt. Schliesslich gibt es in Turku ja eine gekühlte Schlittschuhbahn, die im Sommer offiziell Rollschuhbahn ist. 500 m lang und ein bisschen kurvig und mit feinstem, glattem Asphalt. Kostenlos obendrein, denn wir zahlen ja gern Steuern.

Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass es da voller Sportverrückter wäre und die Kinder da vielleicht stören würden. Aber in den anderthalb Stunden, die wir dort waren, zogen ausser uns nur höchstens drei weitere Leute – allesamt Erwachsene – ihre Bahnen. Und die Kinder fahren ja inzwischen wie die Profis. Einmal sagte ich zum kleinen Herrn Maus: „Ich fahre jetzt mal eine schnelle Runde. Fahr einfach weiter, ich hole dich ja dann gleich wieder ein!“ Aber denkste – fast zweieinhalb Runden musste ich fahren, bis ich ihn endlich wieder eingeholt hatte!

Und als keiner mehr konnte, kam der Ähämann von Arbeit herüber und ging mit uns mittagessen.

(Sommerferien sind schon was Tolles…!)